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Südafrika

Whale Watching in Südafrika: Die 6 besten Orte für Walbeobachtung

Es beginnt mit einem Schatten unter der Wasseroberfläche. Dann durchbricht eine gewaltige Schwanzflosse das Blau, ein Schnauben, ein Sprung, und plötzlich stockt der Atem. Whale Watching in Südafrika ist kein Ausflug, es ist ein Erlebnis, das ins Herz trifft. Und es geschieht genau dort, wo Küsten rau, das Licht golden und die Begegnungen mit den Meeresgiganten oft zum Greifen nah sind.

Jedes Jahr ab Juni ziehen Tausende Wale aus den kalten Gewässern der Antarktis an die Küsten Südafrikas. Die Südkaper, auf Englisch Southern Right Whales, kommen, um in den geschützten Buchten ihre Kälber zur Welt zu bringen, und bleiben oft monatelang in Sichtweite des Ufers. Buckelwale wandern an der Ostküste entlang Richtung Mosambik und wieder zurück. Die Hauptsaison reicht von Juni bis November, am dichtesten ist das Gedränge im Wasser im September und Oktober.

Das Schöne daran: Für viele dieser Begegnungen braucht man nicht einmal ein Boot. An kaum einem anderen Ort der Welt lassen sich Wale so gut vom Land aus beobachten wie hier. Sechs Orte, an denen es sich besonders lohnt.

Hermanus: Die Walhauptstadt

Willkommen im Mekka des Whale Watchings in Südafrika! Hermanus liegt an der Walker Bay, rund anderthalb Autostunden von Kapstadt entfernt, und ist nicht nur für seine exzellenten Sichtungen bekannt, sondern auch für seinen legendären »Whale Crier«. Seit 1992 zieht er in der Saison tagsüber an der Küste entlang und kündigt mit einem Horn aus getrocknetem Seetang an, wo gerade Wale gesichtet wurden. Von Juni bis November tummeln sich hier vor allem Southern-Right-Wale, in der Hochsaison ist eine Sichtung sehr wahrscheinlich. Auch Buckel- und Bryde-Wale lassen sich regelmäßig blicken. Wer mag, beobachtet die Tiere gemütlich vom Klippenweg aus mit dem Fernglas oder bucht eine Bootstour.

Küste von Hermanus, der Walhauptstadt Südafrikas

Küste an der Walhauptstadt Südafrikas Hermanus I Foto: Tayla Kohler

Achtung: In der Hochsaison wird es in Hermanus voll. Beim »Whale Festival«, das jedes Jahr Ende September oder Anfang Oktober stattfindet, feiert die ganze Stadt ihre Meeresbewohner. Das ist schön, aber auch ziemlich trubelig.

Wal vor der Küste von Hermanus in Südafrika

Foto: Sash Mik/Shutterstock.com

De Hoop Nature Reserve: Whale Watching im Flüsterton

Etwas abseits vom üblichen Touristenpfad liegt das naturbelassene De Hoop Nature Reserve. Hier gibt es keine Souvenirshops, keine Promenade und keine Schlangen vor den Parkplätzen, nur ein einziges Restaurant im Reservat. Dafür aber: Ruhe, wilde Küste, einsame Aussichtspunkte und eine verblüffend hohe Walsichtungsrate.

Southern-Right-Wale lieben die flachen Gewässer vor De Hoop, viele Mütter bringen hier ihre Kälber zur Welt. Wer sich Zeit nimmt, wird mit Szenen belohnt, die wirken, als sei man der einzige Mensch am Ozean. Perfekt für ruhesuchende Naturfreunde oder alle, die sich den Whale Trail zutrauen, einen fünftägigen Wanderweg entlang der Küste mit Übernachtung in Hütten.

Blick aufs Meer im De Hoop Nature Reserve in Südafrika

De Hoop Nature Reserve in Südafrika I Foto: fokke baarssen/Shutterstock.com

Delfine vor dem De Hoop Nature Reserve in Südafrika

Foto: Fiona Ayerst/Shutterstock.com

Plettenberg Bay: Malerisch, maritim und inklusive Delfinen

»Plett«, wie die Einheimischen sagen, liegt an der berühmten Garden Route und ist ein echter Allrounder: Traumhafte Strände, grüne Berge im Rücken und eine malerische Küstenlinie machen den Ort ohnehin zum Sehnsuchtsziel. Und dann kommen noch die Wale dazu.

Zwischen Juli und Dezember sind Buckelwale und Southern-Right-Wale Stammgäste, Bryde-Wale leben sogar ganzjährig vor der Küste. Bootstouren sind problemlos buchbar, oft sind verspielte Delfine mit von der Partie. Besonders spannend ist ProDive Plett, seit 2006 fest am Beacon Isle Hotel zu Hause und eines von nur drei PADI Eco Centres in Südafrika. Der Tauchbetrieb setzt sich für nachhaltigen Meerestourismus ein, die Hausriffe liegen direkt vor der Tür. Öko-Abenteuer mit Tiefgang, im wahrsten Sinne des Wortes.

Mann genießt die Aussicht an der Plettenberg Bay

Aussicht genießen an der Plettenberg Bay I Foto: Marisa Martinez Tarran/Shutterstock.com

Gansbaai & De Kelders: Ruhiger Rückzugsort für große Sichtungen

Die Nachbarn Gansbaai und De Kelders, ebenfalls an der Walker Bay gelegen, gelten als Geheimtipp für alle, die das Walerlebnis in entspannterer Atmosphäre suchen. Hier starten regelmäßig Bootstouren, doch auch von den Felsen aus ist die Sichtungslage ausgezeichnet. Southern-Right-Wale sind in der Saison verlässlich vor Ort.

Gansbaai ist zudem als Revier des Weißen Hais weltbekannt. Und gelegentlich tauchen hier sogar Orcas auf, die sich in den vergangenen Jahren mit spektakulären Jagden auf Haie einen Namen gemacht haben. Planbar ist das nicht, aber unvergesslich, wenn es passiert.

Walflosse vor der Küste Südafrikas

Foto: Abigail Lynn

Insgesamt gilt: weniger Rummel als in Hermanus, ähnlich gute Sichtungschancen, mehr Ruhe.

Kapstadt & False Bay: Großstadt trifft Giganten

Kapstadt für Whale Watching? Tatsächlich! Auch die Mother City ist zwischen Juni und November eine gute Adresse, um Wale zu sichten. Besonders entlang der False Bay lassen sich Southern-Right-Wale direkt von der Küstenstraße oder vom beliebten Aussichtspunkt am Boyes Drive oberhalb von Muizenberg beobachten.

Zwar ist das Erlebnis hier etwas urbaner, dafür gibt es den grandiosen Blick auf Berge und Ozean gratis dazu, und die Pinguine am Boulders Beach sind nicht weit. Ideal für Reisende, die das Walabenteuer mit städtischem Flair und kurzen Wegen verbinden wollen. Warum sich eine Reise nach Kapstadt ohnehin lohnt, verraten wir hier.

Pinguine auf einer Klippe an der False Bay

Foto: Sergey Uryadnikov/Shutterstock.com

KwaZulu-Natal: Der unterschätzte Küstenstar

Während sich viele Whale-Watcher auf den Süden konzentrieren, ist die Küste von KwaZulu-Natal im Osten des Landes eher ein Geheimtipp. Dabei ziehen hier besonders viele Buckelwale vorbei, und das erstaunlich nah an der Küste.

Gerade zwischen Durban und St. Lucia verläuft die Route der Wale oft in Sichtweite der Strände. Von Juni bis November sind spontane Beobachtungen vom Ufer aus gut möglich, ein Fernglas macht das Erlebnis trotzdem deutlich intensiver. In St. Lucia starten zudem Bootstouren in den iSimangaliso Wetland Park, der zum Unesco-Welterbe gehört. Also: Augen offenhalten!

Buckelwal springt vor der Küste Südafrikas aus dem Wasser

Foto: Nima Sarram

Lust auf mehr Südafrika abseits der bekannten Routen? Das Eastern Cape ist noch ein echter Geheimtipp.

Häufige Fragen

Wo sieht man aktuell Wale in Südafrika?
In der Saison von Juni bis November melden die Tourismusbüros in Hermanus und an der Garden Route laufend aktuelle Sichtungen, viele Bootsanbieter posten sie täglich in den sozialen Medien. In Hermanus ruft der Whale Crier frische Sichtungen direkt in der Stadt aus.
Welcher Monat ist der beste für Whale Watching in Südafrika?
September und Oktober. Dann halten sich die meisten Südkaper mit ihren Kälbern in den Buchten auf, und die Buckelwale ziehen auf ihrem Rückweg in die Antarktis an der Küste vorbei.
Kann man in Südafrika das ganze Jahr Wale sehen?
Mit Einschränkungen. Bryde-Wale leben ganzjährig vor der Südküste, Delfine ebenso. Südkaper und Buckelwale sieht man dagegen fast nur von Juni bis Dezember, von Januar bis Mai sind Sichtungen selten.
Welche Walarten gibt es vor Südafrika?
Am häufigsten sind Südkaper, Buckelwale und Bryde-Wale. Seltener zeigen sich Orcas und Zwergwale, gelegentlich auch Finnwale weiter draußen auf dem Meer.
Was ist ein Südkaper?
Der deutsche Name für den Southern Right Whale. Die bis zu 17 Meter langen Bartenwale erkennt man an den hellen Hornschwielen auf dem Kopf und daran, dass sie keine Rückenflosse haben.
Wie weit ist Hermanus von Kapstadt entfernt?
Rund 120 Kilometer, mit dem Auto etwa anderthalb Stunden. Die schönste Strecke führt über die Küstenstraße R44 an der Clarence Drive entlang.
Wie nah dürfen Boote an die Wale heran?
Nur lizenzierte Whale-Watching-Anbieter dürfen sich den Tieren gezielt mit Booten nähern, und auch sie müssen festgelegte Abstände einhalten. Private Boote müssen deutlich größeren Abstand halten. Wer eine Tour bucht, sollte auf eine offizielle Lizenz achten.
Kann man in Südafrika Orcas beobachten?
Gelegentlich, vor allem rund um Gansbaai und in der False Bay. Planbar sind die Sichtungen nicht, gezielte Orca-Touren gibt es deshalb kaum.
Ist Whale Watching vom Land aus genauso gut wie vom Boot?
An der Walker Bay oft ja, weil die Südkaper bis auf wenige Meter an die Felsen heranschwimmen. Vom Boot aus sieht man die Tiere dagegen aus Augenhöhe und kommt auch an Wale weiter draußen heran.
Louisa Latuperisa
Louisa hat Philosophie und Ethnologie studiert, zwei Fächer, die einem das Fragen nicht mehr abgewöhnen. Genau deshalb zieht es sie in die Türkei und in die Berge, wo sich Menschen, Mythen und Höhenmeter wunderbar hinterfragen lassen. Neuem öffnet sie sich sofort, jedem Text dagegen erst nach gründlicher Prüfung. Als härteste Kritikerin der Redaktion zerlegt sie jede Behauptung, bis nur noch das Wahre übrig bleibt.