Foto: Mei Yi/Shutterstock.com
Taiwan

Laternenfest in Taiwan: Viel Glitzer, noch mehr Gelassenheit

Taiwan steht bislang nur bei wenigen westlichen Touristen auf der Bucket-List. Ein Fehler! Über das Land erstrecken sich bewaldete Berge, türkisblaue Seen und palastartige Tempel. Und wer genau hinschaut, findet in der demokratischen Republik sogar richtig viel Glitzer – besonders beim Laternenfest, mit dem Taiwan jedes Jahr das chinesische Neujahrsfest ausklingen lässt.

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10:18

Die Regentropfen sammeln sich an diesem Abend zu bunt leuchtenden Pfützen. Sie spiegeln die Lichter der mehr als 300 riesigen Laternen und Lichtinstallationen, die den Platz vor der HSR-Station in Taoyuan schmücken. Der gesamte Boden glitzert und leuchtet. Obwohl es wie aus Eimern schüttet, ist das Plätschern des Regens kaum zu hören. Zu laut sind die Musik und das Stimmengewirr der Besucher, die sich auf dem riesigen Areal drängen, um die Eröffnung des staatlichen taiwanischen Laternenfests, des Taiwan Lantern Festival, miterleben zu können.

Das Fest findet jedes Jahr zum Abschluss des 15-tägigen chinesischen Neujahrsfests statt und zieht neben Taiwanern auch viele Touristen aus Nachbarländern wie Japan, Südkorea und den Philippinen an. Westliche Touristen wie wir sind eine Ausnahme.

Laternenfest Taiwan 2025 in Taoyuan: leuchtende Laternen spiegeln sich im Regen

Foto: Jana Freiberger

Als der taiwanische Präsident Lai Ching-te auf der Hauptbühne seine Rede hält und allen Anwesenden ein glückliches neues Jahr wünscht (es ist das Jahr der Schlange), blickt man vom erhöhten Pressebereich auf ein riesiges Mosaik aus bunten Regenschirmen. Alle Besucher stehen eng gedrängt vor der Bühne und hören höflich zu, warten vermutlich aber wie wir nur darauf, dass der Höhepunkt des Abends folgt.

Dann ist es so weit: Die 18 Meter hohe Hauptlaterne »Infinite Paradise«, ein Unendlichkeitszeichen, wird erleuchtet und die Show beginnt: Theatralische Musik schallt durch die Lautsprecher, dann startet eine aufwendig inszenierte Lichtershow. Boden und Himmel glitzern und strahlen nun um die Wette. In etwa so habe ich mir als Kind immer vorgestellt, was in der Zauberkugel der Mini Playback Show so vor sich geht. Nun ja. Die Stimmung ist auf jeden Fall gut, trotz Regen und nassen Socken.

Hauptlaterne »Infinite Paradise« beim Taiwan Lantern Festival 2025

Foto: TTA Lantern Festival

»Wir sorgen uns mehr um Geld als um China«

Dieser Gemütszustand lässt sich wohl auch auf die Lebenseinstellung vieler Taiwaner ummünzen. Die Menschen im demokratisch regierten Taiwan, offiziell »Republik China«, leben ihr Leben. Trotz des seit Jahrzehnten schwelenden Konflikts mit der kommunistischen Volksrepublik China und der ständigen Gefahr einer Eskalation. »Wenn die Chinesen kommen, dann nehme ich eben die chinesische Flagge in die Hand«, sagt Cheng Chin, Schreinermeister in einer Werkstatt im Daxi District in Taoyuan. Der 61-Jährige hat fünf Kinder, mag seinen Job. Politik interessiert ihn nicht besonders, und so blickt er sehr pragmatisch in die Zukunft.

Aber wie sehen das die Jüngeren? »Wir sorgen uns mehr um Geld als um China«, sagt die 27-jährige Alice Chen, die sich in Taipeh eine Wohnung mit ihrer Schwester teilt. Die Mieten in der Hauptstadt sind hoch. Eigentum kann sie sich nicht leisten – dabei ist ein eigenes Zuhause in Taiwan eigentlich Standard, zur Miete lebt hier nur ein geringer Prozentsatz. Aber klar, ein Thema sei die drohende Invasion Chinas schon. In vielen Familien diskutiere man deswegen intensiv. Ihre persönliche Meinung behält sie größtenteils aber lieber für sich. Nur so viel sagt sie: Wenn in ihrem Pass irgendwann nur noch »Taiwan« stünde und nicht mehr zusätzlich »Republic of China«, fände sie das gut.

Taipei 101: Ein Must-do für Foodies

Dafür informiert sie uns ausführlich über den Taipei 101, das höchste Gebäude des Landes. (Das ist schließlich auch ihr Job als Guide.) Bei seiner Fertigstellung im Jahr 2004 sei der Wolkenkratzer sogar der höchste der Welt gewesen. Was man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. 508 Meter – das beeindruckt mittlerweile niemanden mehr.

Blick vom Elephant Mountain auf Taipei 101 in Taipeh

Foto: TTA Taipei

Doch es gibt andere Dinge, die im Taipei 101 auch heute noch begeistern: Foodies (hier!) werden lieben, was sich im Untergeschoss des Gebäudes befindet – eine Filiale der bekannten taiwanischen Restaurantkette Din Tai Fung, die zum Beispiel auch in Großbritannien und den USA zu finden ist. Bekannt sind die Restaurants hauptsächlich für ihre Xiaolongbao – mit Fleisch und Brühe gefüllte Teigtaschen. Und das absolut zu Recht. In Kombination mit einem Dip aus Reisessig, Sojasauce und Ingwer ist dieses Gericht eine Umami-Explosion.

Zum ersten Mal auf unserer Reise wird Taiwan seinem Ruf als Food-Hochburg gerecht. So richtig überzeugen kann ansonsten nur noch ein knuspriger Schweinebauch auf einem Nachtmarkt. Memo an mich selbst: Beim nächsten Besuch mehr Zeit für Snacks auf den Nachtmärkten mitbringen – und mehr Appetit. Auf den war bei dieser Reise (für mich ungewöhnlich!) leider kein Verlass.

Eine Kugel, so schwer wie 132 Elefanten

Ungewöhnlich ist übrigens auch, was sich zwischen dem 87. und 92. Stockwerk des Taipei 101 befindet. Also rein in den Highspeed-Aufzug, und mit Druck auf den Ohren geht’s in gut einer halben Minute hinauf zur Aussichtsetage im 89. Stock. Befestigt an acht dicken Stahlseilen hängt dort eine 660 Tonnen schwere Kugel (»Stellt euch vor, hier wären 132 Elefanten, so schwer ist sie«, erklärt Alice Chen) mit einem Durchmesser von 5,50 Metern. Sie dient als Pendel und soll den Turm bei starken Winden und Erdbeben vor gefährlichen Schwankungen schützen. Zwei kleinere Pendel sitzen zusätzlich in der Turmspitze. Und so gilt der Taipei 101 als einer der sichersten Orte, wenn die Erde in Taiwan mal wieder bebt.

660 Tonnen schweres Pendel (Tilger) im Taipei 101

Foto: Taipei 101

Da Taiwan genau an der Nahtstelle zwischen der Philippinischen und der Eurasischen Platte liegt, sind Erdbeben hier keine Seltenheit. Und diese ziehen oft große Zerstörung nach sich, die, Überraschung, auch vor bedeutenden Gebäuden nicht Halt macht – auch nicht vor dem Wenwu-Tempel, der sich über dem nördlichen Ufer des Sonne-Mond-Sees erhebt. Bei einem Erdbeben im Jahr 1999 wurde der Tempel fast vollständig zerstört, nur dank der großen Spendenbereitschaft der Taiwaner gelang der Wiederaufbau. »Es wurde sogar zu viel gespendet«, erzählt Johannes Hsu, unser taiwanischer Reiseleiter. »Von dem restlichen Geld wurde einfach noch ein Tempel gebaut, für einen Liebesgott.« Wie viel Geld genau gespendet und investiert wurde, darüber sei die Bevölkerung nicht informiert worden, so Hsu. Das sei in Taiwan nicht üblich.

Dächer des Wenwu-Tempels über dem Sonne-Mond-See in Taiwan

Foto: Jana Freiberger

Sonne-Mond-See und Jadeberg: Taiwan abseits der Hauptstadt

Hübsch anzuschauen ist der neue Tempel auf jeden Fall. Und die Aussicht auf den zu Füßen des Tempels liegenden, türkisblauen Sonne-Mond-See, der bei strahlendem Sonnenschein wie ein Meer aus Diamanten funkelt, macht den Besuch zu einem echten Highlight. Kein Wunder, dass sich hier viele Touristen tummeln, einfach nur Fotos machen, in einem der Restaurants direkt am Wasser entspannen, auf einem Rad um den See fahren oder die Gegend um den See zu Fuß erkunden.

Und wer beim Wandern nach einer körperlichen Herausforderung sucht, ist in Taiwan generell genau richtig. Über zwei Drittel des Landes erstreckt sich bewaldetes Bergland mit 268 Gipfeln über 3.000 Metern! Der höchste Berg Taiwans ist der Jadeberg (Yushan) mit 3.952 Metern. Und diese Dreitausender lassen sich in Taiwan ganz wunderbar besteigen, da die Wege in kurzen Abständen beschildert sind.

Ein kleiner Anstieg ist zwar schön, aber eine Dreitausender-Besteigung muss es nicht unbedingt sein? Dann ist der gerade einmal 183 Meter hohe Elephant Mountain in Taipeh eine passende Alternative. Rund 600 Stufen führen zum »Gipfel« des Bergs, dessen Form an einen Elefantenkopf erinnert. Wir brauchen für den Aufstieg etwa eine halbe Stunde (ehrlicherweise vielleicht auch etwas länger, es war sehr, sehr früh am Morgen) und sind bei unserer Ankunft auf der Aussichtsplattform fast die einzigen Besucher. Was auch an dem zunächst wolkenverhangenen Himmel liegen dürfte. Aber nach einiger Zeit setzt sich die Sonne durch und entfernt den grauen Schleier, der den Taipei 101 gerade noch umgab – und nun glitzert uns der Riese unter blauem Himmel freundlich entgegen.

Noch ist Hoffnung da

Dass wir uns in einem Land befinden, das jederzeit in einen Kriegszustand rutschen könnte, scheint in diesem Moment kaum greifbar. Und unser Reiseleiter versucht, diesen aufkommenden Gedanken auch sofort wieder wegzuwischen: »Ich weiß, viele Europäer haben Angst, aber ich würde sagen, Taiwan ist sicher. Ich und meine Familie, wir haben keine Angst. Denn China sagt schon seit meiner Kindheit, dass es uns vernichten will. Aber wir leben bis heute. Ich glaube, ich werde es in meinem Leben nicht erleben, dass Taiwan und China durch einen Krieg wieder zusammengeführt werden.« Und beim Blick auf das friedlich wirkende Taipeh, dessen Hochhäuser sich kunstvoll glitzernd in den Pfützen spiegeln, die der Regen in der Nacht zuvor hinterlassen hat, möchte man ihm das auch gerne glauben. Und die Hoffnung bleibt, dass Touristen noch lange die Möglichkeit haben werden, dieses vielseitige Zauberland zu besuchen!


Mehr Infos zu Urlaub in Taiwan

Anreise. Direktflüge von Frankfurt nach Taipeh gibt’s mit China Airlines ab rund 800 Euro.

Unterkunft. Das Hotel »Palais de Chine« (hier geht’s zur Website) liegt mitten in Taipeh. Im Inneren warten viel dunkles Holz und neoklassizistisches Design – und das mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnete Restaurant »Le Palais«.

Das »Wyndham Sun Moon Lake« liegt fünf Gehminuten vom Sonne-Mond-See entfernt. Einige Zimmer haben ein eigenes Thermalquellen-Bad.

Restaurant. Ein Muss für alle Foodies ist das Din Tai Fung im Untergeschoss des Taipei 101. Hier geht’s zur Website.

Laternenfeste in Asien

Auch anderswo in Asien sind Laternenfeste Reisehöhepunkte, etwa das Yi-Peng-Fest in Chiang Mai (Thailand) oder die monatlichen Vollmondnächte in der Altstadt von Hội An (Vietnam). Das taiwanische Laternenfest ist aber eines der größten und hat einen Vorteil: Es ist für Besucher kostenlos.

Eindrücke vom chinesischen Laternenfest in Taiwan

Foto: Taiwan Tourism Administration (TTA)

Häufige Fragen

Wo findet das Laternenfest 2027 statt?
Das nächste Taiwan Lantern Festival findet 2027 im Landkreis Miaoli im Nordwesten Taiwans statt, voraussichtlich vom 20. Februar bis 7. März 2027. Der 20. Februar ist zugleich der eigentliche Laternentag, der 15. Tag des neuen Mondjahres. Das Hauptgelände ist rund um den HSR-Bahnhof Miaoli geplant, sodass man mit dem Hochgeschwindigkeitszug aus Taipeh in weniger als einer Stunde anreisen kann. Die Termine sind noch vorläufig; kurz vor der Reise am besten auf der Website der Taiwan Tourism Administration nachsehen.
Kostet das Laternenfest Eintritt?
Nein, das Taiwan Lantern Festival ist kostenlos.
Gibt es auch ein Laternenfest in Taipeh?
Wer nicht zum staatlichen Fest fahren möchte, kann das Laternenfest auch in Taipeh erleben. Die Hauptstadt veranstaltet jedes Jahr ein eigenes Taipei Lantern Festival mit großen Lichtinstallationen in der Innenstadt. Noch stimmungsvoller ist das Himmelslaternenfest in Pingxi, rund eine Stunde östlich von Taipeh. Am Abend des Laternentags lassen Besucher dort Tausende Papierlaternen mit aufgemalten Wünschen in den Nachthimmel steigen. Auch außerhalb der Festtage kann man im Ortsteil Shifen einzelne Himmelslaternen kaufen und steigen lassen.
Was ist das chinesische Laternenfest?
Das chinesische Laternenfest (Yuanxiao) fällt auf den 15. Tag des ersten Monats im Mondkalender, also auf den ersten Vollmond des neuen Jahres. Es beendet die zweiwöchigen Feiern zum chinesischen Neujahr. Gefeiert wird es in ganz Ostasien, in Taiwan aber besonders groß. Zu den Traditionen gehören leuchtende Laternen, Laternenrätsel und Tangyuan, süße Klebreisbällchen in Suppe. In Taiwan kommen zwei Besonderheiten dazu: das staatliche Taiwan Lantern Festival, das jedes Jahr in einer anderen Stadt stattfindet und rund zwei Wochen dauert, und die Himmelslaternen von Pingxi, die zu Tausenden in den Nachthimmel steigen. Weil sich das Datum nach dem Mondkalender richtet, liegt das Laternenfest jedes Jahr an einem anderen Tag, meist zwischen Anfang Februar und Anfang März.
Jana Freiberger
Jana fühlt sich dort wohl, wo das Leben pulsiert. New York, Tel Aviv, Tokio. Je größer die Stadt, desto größer die Vorfreude. Und desto größer die Auswahl an Restaurants! Die Saarländerin liebt gutes Essen und sucht lange bevor’s losgeht nach guten Adressen. Zu einem Camping-Trip in die Wüste oder einer Safari-Tour sagt sie aber auch nicht Nein.