Adersbach-Weckelsdorf: Wer hier die Zauberformel ruft, wird nass
Eine kleine Entwarnung vorweg: Der Riese Rübezahl, oder auch »Herr der Berge«, hat schon lange keine einsamen Wanderer mehr ins Unglück gestürzt. Dennoch dürften Besucher bei einem Ausflug in die Adersbach-Weckelsdorfer Felsenstadt im Nordosten das Gefühl nicht loswerden, in einer magischen Welt unterwegs zu sein.
Die uralten, teils 200 Meter hohen Sandsteinformationen liefern noch heute der eigenen Fantasie reichlich Futter, um zu erklären, wie sie entstanden sind. Dabei ist die Erklärung recht banal: Über Millionen Jahre hinweg formten die Kräfte des ehemaligen Kreidemeers, das hier einst den Boden bedeckte, die einzigartigen Felsen, die sich heute trockenen Fußes erreichen lassen.

Foto: Jan Kasl
Ein Netz aus Wanderwegen führt am »Bürgermeister und seiner Frau« vorbei, ebenso wie an der »Teufelsbrücke« oder dem »Adlernest«. Im Herbst ist die Landschaft besonders schön, wenn sich die Felsenstadt in ein buntes Blätterkleid wirft. Und auch wenn er friedlicher geworden ist, ist der Riese Rübezahl hier immer noch zuhause. Wer am Adersbacher Wasserfall die Zauberformel »Krakonoš« ruft – den tschechischen Namen Rübezahls –, wird von einem extra Schwall Wasser überrascht, das die 16 Meter in die Tiefe rauscht. Vielleicht hat damit auch der Fährmeister der Schleuse etwas zu tun, der den Ruf ebenso gut hören kann. Aber wer weiß das schon so genau…
Wichtiger Hinweis: Die Naturlandschaft ist besonders schützenswert. Deshalb wurde ein Online-Reservierungssystem eingeführt, das eine begrenzte Anzahl an Tageskarten ausgibt. Besonders in der Hauptsaison sind die schnell vergriffen. Wer spontan anreist, hat dann oft Pech. Lieber voraus planen und früh einen Zeitslot buchen. Hier geht’s zu den Tickets.
Böhmisches Paradies: Felsspalten, Burgruinen und Schlösser in einem Geopark
Ähnlich märchenhaft präsentiert sich der Unesco-Geopark Böhmisches Paradies im Nordosten Prags, ganz in der Nähe des Dreiländerecks Tschechien-Deutschland-Polen. Das älteste Naturschutzgebiet des Landes besticht durch seinen malerischen Mix aus schroffen Felsspalten, mysteriösen Burgruinen und romantischen Schlössern, alles eingerahmt von dichten Wäldern, die vor allem im Herbst dank ihrer Farbvielfalt zur Geltung kommen.
Im Nordosten des Gebiets ragt die Felsenstadt Hruboskalsko besonders charaktervoll aus den Baumwipfeln und hält einige fantastische Aussichtspunkte bereit. Wer historisch interessiert ist, besucht die Schlösser Sychrov oder Münchengrätz. Eines der eindrucksvollsten Fotomotive wiederum findet sich in Form der Felsenburg Vranov in der Nähe des Örtchens Malá Skála.

Foto: Adam Kubicek
Wer das Böhmische Paradies besuchen möchte, sollte sich vorher mit dem eigens veröffentlichten Leitfaden vertraut machen. Als Schutzgebiet gelten für den Besuch im Geopark besondere Regeln, damit die Region auch weiterhin so sehenswert bleibt. Besucher sollten unter anderem auf den markierten Wegen bleiben und statt mit dem eigenen Auto lieber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Mehr Informationen gibt’s beim Tourismusbüro Tschechien.
Böhmische Schweiz: Hier steht das größte natürliche Sandsteintor Europas
Wer es wirklich nicht weit haben will, der macht einen Abstecher in die Böhmische Schweiz. Die liegt direkt hinter der deutschen Grenze bildet gemeinsam mit der Sächsischen Schweiz das Elbsandsteingebirge. Benannt wurden die markanten Felsen von den beiden Schweizer Malern Adrian Zingg und Anton Graff, die sich an ihre Heimat erinnert fühlten. Besonders malerisch geht es in dem Gebirge im Herbst zu, wenn die Wälder in der Felsenstadt in fast allen nur erdenklichen Farben strahlen.
Perfekter Einstiegsort ist die kleine Gemeinde Hřensko (Herrnskretschen). Von hier führen zahlreiche ausgeschilderte Wanderwege durch die eindrucksvollen Felsen, Tunnel, Labyrinthe und Stege. Manche Abschnitte lassen sich sogar nur mit dem Boot überqueren. Besonders eindrucksvoll ist der Anblick des Prebischtors, des größten natürlichen Sandsteintors Europas.

Foto: Martin Bernard / CzechTourism
2025 hat die Europäische Wandervereinigung den Kammweg der Böhmischen Schweiz übrigens mit dem Gütesiegel »Leading Quality Trail – Best of Europe« ausgezeichnet. Und auch der große Waldbrand 2022 sowie ein kleinerer Brand im Mai 2026 konnten der natürlichen Schönheit der Region nichts anhaben.
Damit das so bleibt, hat das Tourismusbüro Tschechien für die Böhmische Schweiz einen Besuchsguide veröffentlicht, der Reisenden helfen soll, die Natur vor Ort zu respektieren und so zu deren Bewahrung beizutragen. Hier geht’s zum Guide.


