Teile des Nationalparks Böhmische Schweiz in Tschechien stehen derzeit in Flammen. Hunderte Einsatzkräfte versuchen das Feuer zu löschen. Aber wo liegt der Nationalpark eigentlich genau? Und welche Highlights warten dort in ruhigen Zeiten auf Reisende?
Ein Großbrand hält derzeit den Nationalpark Böhmische Schweiz in Atem. Mehrere hundert Einsatzkräfte und Hubschrauber kämpfen gegen die Flammen, die sich im schwer zugänglichen Gelände nur langsam eindämmen lassen. Trockenheit und Wind erschweren die Löscharbeiten zusätzlich. Das Feuer ist noch nicht unter Kontrolle, aber immerhin breitet es sich nicht weiter aus, berichtet der MDR auf seiner Website. Das Ereignis ist ein aktueller Anlass, den Blick auf eine Region zu richten, die zu den spektakulärsten Naturlandschaften Mitteleuropas zählt – und zu den verletzlichsten.
Denn der Brand im Nationalpark Böhmische Schweiz zeigt, wie anfällig selbst geschützte Naturgebiete für die Folgen von Klimawandel und menschlichem Einfluss geworden sind. Längere Trockenperioden, höhere Temperaturen und menschliche Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz erhöhen das Risiko von Waldbränden erheblich; auch in Regionen, die früher als relativ sicher galten. Gleichzeitig verdeutlicht das Feuer, wie schnell Fels- und Waldlandschaften zerstört werden können, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben. Es ist damit ein Warnsignal, dass Naturschutz, nachhaltiger Tourismus und aktiver Klimaschutz stärker zusammengedacht werden müssen.
Wo liegt die Böhmische Schweiz?
Der Nationalpark liegt im Norden Tschechiens, direkt an der deutschen Grenze, eingebettet in das Elbsandsteingebirge und nahtlos verbunden mit der Sächsischen Schweiz, die zu den spektakulärsten Naturwundern Deutschlands zählt.
Seit seiner Gründung im Jahr 2000 schützt der Nationalpark Böhmische Schweiz auf rund 80 Quadratkilometern ein Labyrinth aus Sandsteinformationen, Schluchten und dichten Wäldern. Zentrale Anlaufpunkte sind Hřensko, ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen, und Jetřichovice mit seinen berühmten Aussichtsfelsen.
Pravčická brána: Europas größtes Felsentor
Die Pravčická brána ist das Wahrzeichen des Parks und ein geologisches Meisterwerk: 16 Meter hoch, 26 Meter breit, vollständig von der Natur geformt. Wer sie zum ersten Mal sieht, traut seinen Augen kaum.

Foto: Yves Alarie
Der Weg hinauf von Hřensko führt durch schattige Wälder und vorbei an bizarren Felsformationen. Oben warten nicht nur die Sandsteinbrücke, sondern auch weite Blicke über die umliegende Felsenlandschaft. Direkt daneben steht das historische Ausflugslokal Sokolí hnízdo – das »Falkennest« –, im 19. Jahrhundert für adlige Gäste errichtet. Wer früh aufsteht, wird belohnt: Bei Sonnenaufgang bietet das Felsentor eine der schönsten Fotokulissen Mitteleuropas.
Klammen der Kamnitz: Stille Schluchten vom Wasser aus
Wer genug von Gipfeln und Aussichten hat, taucht in die Tiefe. Die Edmundsklamm und die Wilde Klamm zählen zu den romantischsten Orten des Parks. Besucher bewegen sich hier in flachen Booten durch enge Felsschluchten, lautlos vorangestakt von Fährleuten, die nebenbei Geschichten aus der Region erzählen.
Die Felswände rücken bis zu 150 Meter hoch aufeinander zu, kaum Licht erreicht den Grund. Moose, Farne und kleine Wasserfälle prägen die Szenerie. Die Atmosphäre ist fast märchenhaft. Festes Schuhwerk ist empfehlenswert.

Foto: Stephan Schlachter/Shutterstock.com
Aussichtsfelsen bei Jetřichovice: Panorama über das Elbsandsteingebirge
Rund um Jetřichovice liegen einige der schönsten Aussichtspunkte des Parks: Marienfels, Rudolfstein, Vilemínina stěna. Der Aufstieg führt über schmale Pfade, in den Fels geschlagene Treppen und teils auch über Metallleitern. Oben warten kleine Plattformen. Von hier aus genießen Besucher weite Blicke über Wälder, Felsen und Täler.

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Bei klarer Sicht reicht das Panorama sogar tief in die Sächsische Schweiz hinein. Besonders früh am Morgen, wenn Nebel zwischen den Felsen hängt, wirkt die Landschaft fast unwirklich.
Abseits der Wege: Wilde Felsen, stille Orte
Die Böhmische Schweiz hat aber noch mehr zu bieten als ihre bekanntesten Highlights: den Falkenstein etwa, eine ehemalige Felsenburg, deren Überreste noch heute zu sehen sind.

Foto: zedspider/Shutterstock.com
Oder die Tiské stěny, ein weitläufiges Felsenlabyrinth aus engen Spalten, Türmen und bizarren Strukturen, das bereits als Filmkulisse diente.
Viele dieser Orte sind nur über schmale, teils anspruchsvolle Pfade erreichbar. Genau das macht ihren Reiz aus. Wer sich Zeit nimmt, findet stille Plätze fernab der ausgetretenen Wege – und erlebt die Böhmische Schweiz in ihrer ursprünglichsten Form.
Weitere Informationen, auch in deutscher Sprache, gibt es auf der Website des Nationalparks Böhmische Schweiz.
Reise in die Böhmische Schweiz: Das solltest du wissen
Häufige Fragen
Wie kommt man aus Deutschland in die Böhmische Schweiz?
Der Park liegt direkt an der deutschen Grenze und ist von Dresden aus in rund einer Stunde erreichbar. Die naheliegendste Einreise führt über Bad Schandau, von wo aus Fähren und Busse ins tschechische Hřensko fahren. Wer mit der Bahn anreist, nutzt die Verbindung Dresden–Děčín. Ein eigenes Auto ist für abgelegene Ausgangspunkte praktisch, in der Hauptsaison aber wegen überfüllter Parkplätze nicht immer empfehlenswert.
Wann ist die beste Reisezeit für den Nationalpark?
Mai, Juni und September gelten als besonders lohnend: Die Wälder sind grün, die Temperaturen angenehm und die Besucherzahlen überschaubar. Im Hochsommer ist der Park rund um Hřensko und die Pravčická brána stark frequentiert. Herbst bietet Nebel zwischen den Felsen und intensive Laubfärbung. Im Winter sind viele Wege rutschig, dafür liegt die Landschaft oft menschenleer da.
Braucht man für den Besuch eine besondere Einreisegenehmigung?
Eine Genehmigung für den Nationalparkbesuch ist nicht erforderlich, bestimmte Kernzonen sind jedoch nur auf ausgewiesenen Wegen zugänglich.
Welche Unterkünfte gibt es in der Nähe des Parks?
Hřensko und Jetřichovice bieten kleine Pensionen und Gasthäuser direkt im Parkgebiet. Wer mehr Komfort sucht, übernachtet in Děčín oder auf deutscher Seite in Bad Schandau, das ebenfalls als Ausgangspunkt für Tagestouren in die Böhmische Schweiz taugt. In der Hauptsaison empfiehlt sich eine frühzeitige Buchung, da das Angebot an Unterkünften begrenzt ist.
Wie anspruchsvoll sind die Wanderwege?
Das Wegenetz reicht von gemütlichen Talspaziergängen bis zu anspruchsvollen Aufstiegen mit Metallleitern und engen Felsspalten. Die Klammen sind auch für wenig geübte Wanderer gut zu bewältigen, die Aussichtsfelsen rund um Jetřichovice erfordern etwas Schwindelfreiheit und festes Schuhwerk. Für Kinder sind viele Abschnitte geeignet, Kinderwagen sind im Gelände jedoch kaum praktikabel.

