Kommunikation, beziehungsweise das Ausbleiben davon, ist einer der größten Konfliktherde am Arbeitsplatz. Besonders dann, wenn niemand dem Chef sagen möchte, dass seine neue Idee vielleicht doch nicht ganz so genial ist, wie ursprünglich angenommen.
61 Meter, 1.000 Eichen: Das Prestigeprojekt eines Königs
Ein frappierendes Beispiel, was dadurch schiefgehen kann, ist der Untergang der »Vasa« am 10. August 1628, keine zwei Kilometer außerhalb des Stockholmer Hafens. Das prunkvolle und protzige Segelschiff sollte der ganze Stolz des schwedischen Königs Gustav II. Adolf sein, der damit seinen Machtanspruch in der Ostsee ausdrücken wollte.
Unser Redaktionshistoriker Konrad sammelt auf Tour zwangsläufig allerhand Geschichten. Die lassen sich leider – Anweisung der Chefredaktion – nicht immer in einer Reportage unterbringen. Auf dieser hart erkämpften Seite darf er dafür seine liebsten historischen Anekdoten zum Besten geben. Dönekes halt.

König Gustav Adolf II. nach Cornelius Arendtz, 1625
Damit war schon vor dem Bau klar: Groß muss es werden. 61 Meter sollte der Kahn am Ende lang sein, 1.000 Eichen wurden für den Bau gefällt. So weit, so gut. Einer Überlieferung zufolge erfuhr der König allerdings fünf Monate nach Baubeginn davon, dass sein dänischer Kollege Christian IV. ebenfalls einen repräsentativen, überdimensionierten Kutter hatte bauen lassen. Das konnte er nicht auf sich sitzen lassen.
Die Größe stand nun aber schon fest, wie also noch auftrumpfen? Ganz einfach: Kurzerhand wurde eines der oberen Decks umfunktioniert und mit reichlich Kanonen bestückt. Man muss keinen Physik-LK belegt haben, um zum Schluss zu kommen, dass sich das Gewichtsverhältnis des Schiffs damit minimal verändert haben könnte. Aber einem Gustav II. Adolf, Beiname »Löwe des Nordens«, einfach so zu widersprechen? Undenkbar.

Stockholm im 17. Jahrhundert
Warum das Wrack nach Jahrhunderten noch so gut erhalten war
Und so kam es, dass die »Vasa« bereits unmittelbar nach ihrem Stapellauf reichlich Schieflage hatte. Und nach einer Salutsalve, 1.300 Metern Fahrtweg und 20 Minuten geschah das Unvermeidliche: Das Schiff ging unter, an die 50 Menschen verloren ihr Leben. Ein langwieriger Gerichtsprozess fand keinen Schuldigen, der ursprüngliche Baumeister hatte sich bereits vor dem Untergang durch sein Ableben aus der Verantwortung gestohlen.

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Eine ganze Zeit wurde noch versucht, das Schiff zu bergen, doch vergebens. Nach einem halben Jahrhundert geriet das Wrack in Vergessenheit. Bis es Mitte des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt und am Stück geborgen wurde. Durch den geringen Salzgehalt in der Ostsee war das Wrack in einem hervorragenden Zustand und ist heute ein unschätzbares Artefakt, das vom schwedischen Ruhm der Vergangenheit zeugt. Und davon, wie wichtig es ist, dem Chef auch mal Widerrede zu geben.
Die »Vasa« ist heute in einem eigens für das Wrack errichteten Vasa-Museum in Stockholm ausgestellt. Noch bis September 2027 ist im Museum zudem eine Sonderausstellung über den Regisseur James Cameron (»Titanic«, »Avatar«) zu sehen. Mehr unter www.vasamuseet.se/de.


