Schweden

Urlaub in Westschweden: Darum ist der Herbst die perfekte Reisezeit

Anfang September macht Westschweden Feierabend vom Sommer. Die Segler ziehen ab, die Schäreninseln gehören wieder den Einheimischen. Westschweden im Herbst, das ist die Zeit für Genuss und lange Abende am Meer.

Foto: Jonas Ingman

Im Sommer drängen sich die Boote in den Häfen. Im Herbst schaltet die Region einen Gang zurück. Bohuslän reicht von Göteborg bis zur norwegischen Grenze. Mehr als 8.000 Inseln liegen vor der Küste, dahinter die Wälder und Seen Dalslands. Das Licht wird weich, die Temperaturen bleiben mild. Wer jetzt kommt, hat die Küste fast für sich. Vier Dinge machen die Saison besonders.

Hummer: Jagd auf das schwarze Gold

In Bohuslän hat der Genuss einen festen Starttermin. Am ersten Montag nach dem 20. September beginnt die Hummersaison. Punkt sieben Uhr morgens fliegen die Körbe ins kalte Wasser. Dann startet die Jagd nach dem »Schwarzen Gold des Meeres«.

Fischer im orangen Ölzeug hält frisch gefangenen Hummer aus Bohuslän

Foto: Madeleine Landley

Rund um den Fang gibt es an der Küste mehrere Adressen, die meisten im nördlichen Bohuslän. In Fjällbacka sticht die »M/S Mira« in See, für alle, die selbst Hummer fischen möchten. Im Nachbarort Grebbestad serviert Everts Sjöbod Hummer und Austern. Das Bed & Breakfast steckt in einem alten Bootshaus am Wasser. Das Stora Hotellet Fjällbacka rundet die Saison mit Hummer- und Flusskrebspaketen ab. Weiter nördlich, auf der Insel Südkoster vor Strömstad, gart das Restaurant des Kläpphagen Koster den Fang über offenem Feuer. Frischer geht’s nicht.

Foto: Roger Borgelid · Foto: Farawayistan

Sauna: heiße Aussicht und kalter Sprung

Fällt das Thermometer im Herbst, wird die Sauna zum liebsten Ort am Wasser. Das Hällsnäs Hotel am Landvettersjön, nahe Göteborg, besitzt eine schwimmende Holzsauna. Drinnen knistert der Ofen, draußen senkt sich die Dämmerung über den See. Danach folgt der Sprung ins kalte Nass.

Gleich zwei Adressen liegen auf der Insel Tjörn. In der holzbefeuerten Sauna der Björholmens Marina fällt der Blick über den Yachthafen. Am westlichen Ende der Insel, auf Klädesholmen, liegt Salt & Sill, Schwedens erstes schwimmendes Hotel. Auf seinem Saunaboot »SS Silla« folgt auf den Saunagang der Whirlpool unter freiem Himmel oder der Sprung ins Wasser. Weiter im Binnenland, in Dalsland, setzt das Upperud 9:9 auf klare Architektur und Seeblick.

Designsauna Upperud 9:9 direkt am Wasser in Dalsland

Foto: Sara Arnald

Noctourism: die Nacht wird zur Attraktion

Ein neuer Trend heißt Noctourism und dreht sich um die Stunden nach Sonnenuntergang. Kaum Lichtverschmutzung macht Westschweden zum Logenplatz für Sternennächte. Geführte Nachtwanderungen und ruhige Dinner am Meer füllen den Abend. Ein Höhepunkt ist das Island of Light Festival im Fischerdorf Smögen, südlich von Fjällbacka an der äußeren Küste.

Lichtkunst-Projektion eines Porträts auf einer Felswand über dem Hafen von Smögen beim Island of Light Festival

Foto: Jesper Anhede

Vom 4. bis 13. September 2026 verwandeln Künstler die Schären in eine leuchtende Bühne. Licht und Klang legen sich über Fels und Wasser. Zu den Werken zählt eine neue Arbeit des französischen Digitalkünstlers Miguel Chevalier.

Beleuchtete Felswand am Wasser beim Island of Light Festival in Smögen, davor Betrachter im Dunkeln

Foto: Turistrådet Västsverige

Kunst und eine Zimtschnecke von 500 Gramm

Auch fernab der Küste wird der Herbst bunt. Der »Art Road Trip Skaraborg« führt nicht in eine einzelne Stadt. Er ist eine Route quer durch die Region Skaraborg, zwischen den Seen Vänern und Vättern. Unterwegs reihen sich Galerien und Ateliers. Eine Stunde östlich von Göteborg wartet Borås, eine Freiluftgalerie mit rund 40 Murals.

Paar auf einer Bank vor einem großformatigen Mural in Borås

Foto: Jonas Ingman

Dazwischen ruft die Fika, die heilige schwedische Kaffeepause mit Gebäck. Am 4. Oktober wird sie zum Feiertag: Der Kanelbullens dag ehrt die Zimtschnecke. Westschweden kürt jedes Jahr die beste der Region. Zuletzt gewann 2025 die Brödfabriken in Jonsered. Wem die Zimtschnecke nicht groß genug sein kann, der steuert das Café Husaren in Göteborg an. Dessen Haga Bun wiegt rund 500 Gramm, Zimtschnecken im Tellerformat. Wer bis Oktober bleibt, tauscht Sommertrubel gegen Zimtduft. Kein schlechter Deal.

Frisch gebackene Zimtschnecken zum schwedischen Kanelbullens dag

Foto: Thomas Lotter


Mehr Infos zu Westschweden

Häufige Fragen

Wie kommt man nach Bohuslän und in die Schären?
Der nächste Flughafen ist Göteborg Landvetter, rund 25 Kilometer östlich der Stadt. Von dort fährt der Flughafenbus in etwa 40 Minuten nach Göteborg. Weiter geht es mit dem Regionalverkehr Västtrafik, per Bus oder Bahn. Die Inseln erreicht man über Fähren, oft sind sie autofrei.
Was ist die beste Reisezeit für Westschweden im Herbst?
September und Oktober sind die ruhigsten Monate der Saison. Die Temperaturen bleiben mild, die Sommergäste sind abgereist. Wer die Hummerpremiere erleben will, reist ab Ende September. Viele Hummertouren laufen bis in den November.
Was kostet eine Hummersafari in Westschweden?
Die Preise hängen vom Anbieter ab. Eine reine Bootstour beginnt bei etwa 850 bis 900 SEK pro Person, rund 80 Euro. Ist ein eigener Hummer zum Mitnehmen dabei, liegt der Preis höher, bei etwa 1.895 SEK, rund 170 Euro. Pakete mit Übernachtung und Dinner kosten mehr.
Braucht man in Westschweden ein Auto?
In Göteborg ist ein Auto eher hinderlich, das Parken teuer und das Straßenbahnnetz dicht. Für die verstreuten Orte an der Küste und im Binnenland ist es dagegen praktisch. Vieles lässt sich aber auch mit dem Regionalverkehr Västtrafik erreichen. Auf den Inseln selbst herrscht oft Autofreiheit.
Ulrike Herder
Ulrike probiert gerne alles aus und liebt den guten Mix. Ob exotisches Essen, heilende Rituale, treibende Megastädte oder einsame Landschaften. So möchte sie ein Land gerne auf die Weise der Einheimischen erleben. Am liebsten stillt sie ihre Neugier in Asien, in Flip-Flops. Tragen die Einheimischen ja schließlich auch.