Schwarze Limousinen stehen am Straßenrand, Fotografen belagern Hauseingänge und plötzlich kreischen Menschen, weil irgendein Star aus einem Wagen steigt: Wer zufällig während der Paris Fashion Week in der französischen Hauptstadt unterwegs ist, kann durchaus zunächst rätseln, was hier gerade los ist.
Ende September ist es wieder so weit: Vom 28. September bis 6. Oktober 2026 findet die nächste große Paris Fashion Week statt. Gezeigt wird Damenmode für Frühjahr und Sommer 2027. Auf dem vorläufigen offiziellen Kalender stehen bereits Häuser wie Dior, Saint Laurent, Balmain, Stella McCartney, Balenciaga und Tom Ford.
Die Modewelt reist dafür aus aller Welt nach Paris. Models und Designer gehören ebenso dazu wie Einkäufer, Journalisten und Fotografen. Inzwischen sorgen jedoch vor allem Schauspieler, Musiker und Influencer dafür, dass Bilder der Fashion Week weit über die Modebranche hinaus Verbreitung finden.

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Und das Bemerkenswerte für Paris-Besucher: Ein großer Teil dieses Spektakels spielt sich nicht hinter verschlossenen Türen ab, sondern mitten in der Stadt.
Was ist die Paris Fashion Week überhaupt?
Zunächst einmal ist die Fashion Week keine große Modemesse und auch kein Festival, für das Besucher eine Eintrittskarte kaufen und anschließend von Laufsteg zu Laufsteg ziehen können. Im Kern handelt es sich um eine Branchenveranstaltung. Modehäuser präsentieren Einkäufern, Medien und anderen Fachleuten ihre kommenden Kollektionen. Die neuen Entwürfe werden ungefähr ein halbes Jahr vor der Saison gezeigt, für die sie bestimmt sind. Deshalb sind Ende September und Anfang Oktober 2026 bereits Kleider für Frühjahr und Sommer 2027 zu sehen.
Paris gehört zusammen mit New York, London und Mailand zu den vier wichtigsten Modestädten. Innerhalb dieser »Big Four« besitzt die französische Hauptstadt eine besondere Stellung. Viele der weltweit bekanntesten Luxusmarken haben hier ihren Sitz oder präsentieren ihre wichtigsten Kollektionen in Paris. Organisiert wird der offizielle Kalender von der Fédération de la Haute Couture et de la Mode, kurz FHCM. Mit einer Woche nimmt es die Fashion Week übrigens nicht besonders genau. Die kommende Ausgabe dauert neun Tage.
Warum gibt es ständig eine Paris Fashion Week?
Auch das kann verwirren. Gefühlt ist die eine Fashion Week gerade vorbei, da tauchen bereits Bilder von der nächsten auf. Tatsächlich gibt es in Paris mehrere große Modewochen im Jahr. Herrenmode und Damenmode bekommen eigene Termine. Außerdem gibt es die Haute Couture Week. Die großen Damenkollektionen werden zweimal jährlich vorgestellt, einmal für Herbst und Winter und einmal für Frühjahr und Sommer. Für 2027 stehen beispielsweise wiederum eigene Termine für Herrenmode, Haute Couture und Damenmode im Kalender.
Dabei ist Fashion Week nicht automatisch Haute Couture. Die Ende September beginnende Veranstaltung zeigt überwiegend Prêt-à-porter, also Ready-to-wear. Darunter versteht die Branche Kleidung, die später produziert und verkauft werden kann. Haute Couture bezeichnet dagegen besonders aufwendige und häufig maßgefertigte Mode. Der Begriff ist in Frankreich geschützt und an strenge Voraussetzungen geknüpft.
Was passiert bei einer Pariser Modenschau?
Eine Modenschau kann überraschend schnell vorbei sein. Während die Vorbereitungen Wochen oder Monate dauern, präsentieren die Models die eigentliche Kollektion häufig innerhalb weniger Minuten. Zuvor beginnt jedoch ein anderes Schauspiel. Die Gäste treffen ein, Fotografen warten vor den Eingängen und die wichtigsten Prominenten werden möglichst wirkungsvoll platziert. Besonders begehrt ist die erste Reihe, die berühmte »Front Row«.

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Dort sitzen längst nicht nur Leute, die beruflich darüber entscheiden, welche Mode später verkauft wird. Schauspieler, Musiker und Influencer gehören zu den wichtigsten Gästen der großen Häuser. Ihre Anwesenheit ist Teil des Geschäfts. Wenn ein Weltstar bei Dior oder Chanel in der ersten Reihe sitzt, verbreiten sich die Bilder innerhalb kürzester Zeit weltweit. Die Aufmerksamkeit gilt dann manchmal fast ebenso sehr dem Publikum wie den Kleidern auf dem Laufsteg.
Nach einer Show zieht der Tross weiter. An manchen Tagen liegen zwischen zwei großen Terminen kaum zwei Stunden. Deshalb gehören schwarze Vans während der Fashion Week ebenso zum Pariser Straßenbild wie Models, Fotografen und Gäste, die von einer Show zur nächsten eilen.
Vor der Tür beginnt die zweite Fashion Week
Die Fashion Week besitzt längst eine Art öffentliches Parallelprogramm. Vor den großen Shows sammeln sich Fotografen, Fans, Influencer und Schaulustige. Streetstyle-Fotografen suchen nach außergewöhnlich gekleideten Menschen. Limousinen fahren vor, Stars steigen aus, Sicherheitskräfte sperren Eingänge ab.
Bei besonders bekannten Modehäusern kann das solche Ausmaße annehmen, dass der Trubel mehrere Straßen weit wahrnehmbar ist. Sicherheitsbarrieren, Ansammlungen von Fotografen und jubelnde Menschenmengen bei der Ankunft prominenter Gäste sind dann ganz normal. Das macht die Fashion Week für Reisende interessant, die sich überhaupt nicht für den Unterschied zwischen einem Kleid von Dior und einem von Balenciaga interessieren. Denn plötzlich wird Paris selbst zur Bühne.

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Wo genau spielt sich das Spektakel in Paris ab?
Ein zentrales Fashion-Week-Gelände gibt es nicht; das unterscheidet die Veranstaltung von einem klassischen Festival. Die Modehäuser suchen sich ihre Veranstaltungsorte selbst aus. Einige Locations tauchen immer wieder auf, andere wechseln von Saison zu Saison. Die genauen Adressen der aktuellen Shows werden häufig zunächst nur den geladenen Gästen mitgeteilt.
Trotzdem gibt es Orte in Paris, in denen die Wahrscheinlichkeit besonders hoch ist, etwas mitzubekommen. Dazu gehören der Jardin des Tuileries und die Gegend um den Louvre. Auch Grand Palais und Petit Palais sind eng mit der Geschichte der Pariser Modeschauen verbunden. Das Carreau du Temple und die umliegenden Straßen des Haut-Marais werden ebenfalls regelmäßig zum Treffpunkt der Modeszene. Selbst die Place Dauphine auf der Île de la Cité diente bereits als Kulisse.
Ein ziemlich zuverlässiger Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Show sind schwarze Vans am Straßenrand. Hinzu kommen Absperrgitter, Sicherheitsleute und auffällig viele Fotografen. Dann lohnt sich manchmal das Warten.

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Hollywood kommt nach Paris
Denn Fashion Week bedeutet inzwischen auch: außergewöhnlich hohe Promidichte. In vergangenen Saisons reisten Stars wie Nicole Kidman, Margot Robbie, Pedro Pascal, Anne Hathaway, Kim Kardashian, Kylie Jenner, Lana Del Rey, Cameron Diaz, Kate Moss oder Hailey Bieber zu den Pariser Shows.
Einige erscheinen nur zu einem einzigen Modehaus. Andere verbringen mehrere Tage in der Stadt und besuchen Shows, Abendessen und Partys. Damit entsteht für Paris-Reisende eine ungewöhnliche Situation. Viele dieser Menschen verschwinden nach einer Modenschau nicht sofort hinter den Mauern einer Privatvilla. Sie übernachten in Pariser Hotels, gehen essen und werden auf dem Weg durch die Stadt fotografiert. Und bestimmte Adressen tauchen dabei immer wieder auf …
Hôtel Costes: Der Klassiker unter den Promi-Adressen
Kaum eine Adresse wird so eng mit der Fashion-Week-Szene verbunden wie das Hôtel Costes in der Rue Saint-Honoré. Das luxuriöse Hotel mit seinem Restaurant und Innenhof liegt ohnehin mitten in einem der elegantesten Einkaufsviertel von Paris. Während der Modewochen steigt die Promidichte noch einmal.

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Dua Lipa und ihr Partner Callum Turner wurden beispielsweise nach einem Tiffany-Termin beim Abendessen im Costes gesehen. Auch Cameron Diaz wurde dort während einer Fashion Week fotografiert. Kendall Jenner, Bella Hadid, Cara Delevingne und Hailey Bieber gehören ebenfalls zu den prominenten Namen, die in Verbindung mit Fashion-Week-Abenden im Costes auftauchten.
Der entscheidende Unterschied zu einer Modenschau: Das Costes ist grundsätzlich ein normales Hotel mit Restaurant. Eine Einladung von Dior ist für einen Restaurantbesuch nicht erforderlich. Eine Garantie, am Nebentisch ein Supermodel anzutreffen, gibt’s natürlich nicht.
Dua Lipa beim Mittagessen im Marais
Noch interessanter für normale Paris-Besucher sind Orte, die auf den ersten Blick überhaupt nicht nach abgeschotteter Promiwelt aussehen. Ein schönes Beispiel lieferte Dua Lipa im Januar 2025. Nach der Haute-Couture-Show von Chanel ging sie gemeinsam mit Callum Turner zum Mittagessen ins Chez Janou. Das provenzalische Bistro liegt unweit der Place des Vosges im Marais und ist vor allem für südfranzösische Küche und seine üppige Mousse au Chocolat bekannt. Während der Fashion Week wurde daraus plötzlich eine kleine Promi-Adresse.
Solche Begegnungen zeigen, weshalb das Ereignis auch für Reisende interessant sein kann. Ein Star muss nicht zwangsläufig in einem abgesperrten Luxushotel verschwinden. Mit etwas Glück sitzt er oder sie in einem Restaurant, das auch jeder andere besuchen kann.
Meghan Markle in Saint-Germain-des-Prés
Auch Meghan Markle sorgte bei ihrem Besuch der Paris Fashion Week im Oktober 2025 für erhebliches Aufsehen. Sie besuchte überraschend die Balenciaga-Show. Später wurde sie beim Betreten des Restaurants Sugaar in der Rue Gozlin in Saint-Germain-des-Prés fotografiert. Dort fand ein privates Balenciaga-Dinner statt.
Die Herzogin von Sussex übernachtete bei ihrem Paris-Aufenthalt im Hôtel Plaza Athénée an der Avenue Montaigne. Das Hotel gehört ohnehin zu den Adressen, vor denen sich während großer Veranstaltungen Fotografen positionieren.

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Damit lässt sich auf einer Paris-Karte ziemlich gut erkennen, wo sich die Fashion-Week-Welt konzentriert: Saint-Germain auf der einen Seite der Seine, die Gegend zwischen Louvre, Place Vendôme und Rue Saint-Honoré auf der anderen sowie die Luxushotels rund um die Avenue Montaigne und Champs-Élysées.
Auch Restaurants werden zur Fashion-Week-Bühne
Das eigentliche gesellschaftliche Leben beginnt häufig erst nach den Shows. Modehäuser, Magazine und Luxusmarken veranstalten Dinner und Partys. Dafür werden nicht ausschließlich private Räume genutzt. Immer wieder verwandeln sich bekannte Pariser Restaurants für einen Abend in Treffpunkte internationaler Stars.
Im »Marius et Janette« kamen bei einem Givenchy-Dinner unter anderem Charlize Theron, Jenna Ortega, Cynthia Erivo und Kaia Gerber zusammen. Das »Steakrestaurant Le Relais de l’Entrecôte« am Boulevard du Montparnasse wurde ebenfalls bereits zum Schauplatz eines Fashion-Week-Dinners. Andere Veranstaltungen fanden im Gigi Paris oder im Bar des Prés statt.
Passend zur Fashion Week tauchen in Paris auch spezielle Pop-ups auf. »FUMO« etwa kehrt nach seinem Sommer-Gastspiel im Marais vom 28. September bis 6. Oktober 2026 zurück und stellt seinen Edelstahlwagen vor dem Hôtel de Nell auf. Gemeinsam mit der vom Guide Michelin ausgezeichneten Pâtissière Tessa Ponzo entstehen ungewöhnliche Eiskreationen mit Aromen wie geröstetem Reis, Feigenblatt oder Cornichon. Täglich soll der Stand von 12 bis 18 Uhr öffnen, kleine Portionen gibt es laut Ankündigung ab fünf Euro.

Foto: Nolwenn Pernin/FUMO
Wo sind die Chancen auf einen Promi am größten?
Eine verlässliche Adresse gibt es nicht. Die Veranstaltungsorte ändern sich, Stars reisen kurzfristig an und viele Dinner sind privat. Trotzdem lässt sich aus vergangenen Fashion Weeks ein Muster erkennen.
Die Gegend um Rue Saint-Honoré und Place Vendôme gehört zu den wichtigsten Bereichen. Dort liegen Luxushotels, Boutiquen und Restaurants dicht beieinander. Gleichzeitig sind Louvre und Tuilerien nicht weit entfernt. Das Marais ist für Streetstyle und kleinere Veranstaltungen interessant. Rund um das Carreau du Temple kann der Fashion-Week-Betrieb besonders sichtbar werden. Eine weitere Zone liegt im 8. Arrondissement rund um Avenue Montaigne, Champs-Élysées, Grand Palais und die großen Luxushotels. Dort bewegen sich während der Fashion Week besonders viele internationale Gäste. Und schließlich gibt es Saint-Germain-des-Prés, wo Restaurants, Hotels und Bars regelmäßig für Abendveranstaltungen genutzt werden.
Eine regelrechte Promi-Jagd wäre trotzdem keine besonders erfolgversprechende Urlaubsbeschäftigung. Wer ohnehin in diesen Vierteln unterwegs ist, hat jedoch gute Chancen, zumindest den Fashion-Week-Zirkus aus nächster Nähe zu erleben.
Weitere Informationen über das Modespektakel gibt es auf der Website der Paris Fashion Week.


