Wer einen Flug mit Eurowings für den kommenden Winter gebucht hat, sollte seine Reisepläne im Auge behalten. Die Lufthansa-Tochter reagiert aktuell auf die stark gestiegenen Treibstoffkosten und streicht erste Verbindungen. Insgesamt will die Fluggesellschaft ihr ursprünglich geplantes Angebot um rund fünf Prozent reduzieren. Selbst Kurzarbeit für Beschäftigte steht zur Diskussion. Hinter den Maßnahmen steckt ein Problem, das nicht nur Eurowings betrifft: Kerosin ist deutlich teurer geworden. Was für Autofahrer an der Tankstelle ärgerlich ist, kann für Fluggesellschaften schnell zu einer wirtschaftlichen Belastungsprobe werden. Denn der Treibstoff gehört zu ihren größten Kostenfaktoren.
Am 16. Oktober 2026 bestätigte Eurowings entsprechende Sparpläne. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters prüft die Airline, ob im deutschen Flugbetrieb während des Winters vorübergehend Kurzarbeit eingeführt werden kann, berichtet u.a. der Spiegel auf seiner Website. Gespräche mit der Bundesagentur für Arbeit laufen bereits. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Für Urlauber allerdings stellen sich vor allem die Fragen: Was wird aus meinem Urlaub? Welche Flüge fallen aus? Was passiert mit bereits gebuchten Tickets?
Welche Eurowings-Flüge werden gestrichen?
Die ersten konkreten Einschnitte betreffen Dubai. Eurowings hat die geplanten Verbindungen von Köln/Bonn und Stuttgart in die Metropole am Persischen Golf aus dem Winterflugplan genommen. Bemerkenswert ist dabei, dass die zusätzlichen Angebote erst Ende September angekündigt worden waren. Die Dubai-Verbindung ab Berlin soll dagegen bestehen bleiben. Für weitere Einsparungen will Eurowings nach bisherigem Stand vor allem einzelne Flugfrequenzen reduzieren. Das bedeutet: Eine Strecke wird möglicherweise seltener bedient, muss aber nicht vollständig aus dem Flugplan verschwinden.

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Insgesamt sollen etwa fünf Prozent des ursprünglich geplanten Flugangebots wegfallen. Welche weiteren Verbindungen konkret betroffen sind, hat Eurowings bislang nicht mitgeteilt. Eine Liste der betroffenen Reiseziele lässt sich deshalb derzeit nicht seriös erstellen. Dass ausgerechnet Dubai zu den ersten Streichungen gehört, hat mehrere Gründe. Die vergleichsweise langen Flugstrecken verursachen hohe Treibstoffkosten. Hinzu kommt nach Angaben von Eurowings eine schwache Nachfrage angesichts der aktuellen Lage im Nahen Osten. Hohe Kosten treffen hier also auf wenig Buchungen. Und das ist gar nicht gut …
Warum die Kerosinpreise zum Problem werden
Fluggesellschaften verbrauchen gewaltige Mengen Treibstoff. Bereits kleinere Veränderungen des Kerosinpreises können ihre Kalkulation erheblich beeinflussen. Anders als viele andere Kosten ist der Treibstoffpreis zudem schwer vorherzusagen. Der Konflikt im Nahen Osten hat die Energiemärkte unter Druck gesetzt. Dabei kommt es nicht nur auf den Rohölpreis an. Flugkerosin wird aus Erdöl hergestellt, sein Preis hängt aber auch von Raffineriekapazitäten, Transportkosten, regionaler Verfügbarkeit und der Nachfrage ab.
Für Airlines bedeutet das ein erhebliches wirtschaftliches Risiko. Sie verkaufen Flugtickets häufig Monate im Voraus, müssen den Treibstoff jedoch zu den Bedingungen beschaffen, die für ihre Verträge und Absicherungen gelten. Steigen die Kosten stärker als erwartet, lässt sich das nicht ohne Weiteres durch höhere Ticketpreise ausgleichen. Zumal Airlines nicht einfach jeden Preis verlangen können. Gerade im touristischen Flugverkehr vergleichen Kunden Angebote verschiedener Gesellschaften. Werden Tickets zu teuer, wechseln manche Reisende den Anbieter oder verzichten ganz auf die Reise.
Besonders empfindlich reagieren lange Flugstrecken. Ein Flugzeug benötigt mehr Treibstoff, je länger es unterwegs ist. Hinzu kommt, dass es auf längeren Flügen einen erheblichen Teil des benötigten Kerosins bereits beim Start mitführen muss. Dieses zusätzliche Gewicht erhöht wiederum den Verbrauch.
Warum Eurowings jetzt spart
Ein Flugzeug mit vielen Passagieren an Bord ist nicht automatisch profitabel. Entscheidend ist, ob die Einnahmen aus Tickets und Zusatzleistungen sämtliche Kosten decken. Dazu gehören neben Kerosin unter anderem Personal, Flughafengebühren, Flugzeugleasing, Wartung, Versicherungen und die Kosten für den Vertrieb. Steigen einzelne Ausgaben kräftig, kann eine bislang rentable Verbindung plötzlich Verluste verursachen.
Gerade im Winter ist diese Rechnung für Ferienfluggesellschaften schwieriger. Die Nachfrage ist auf manchen Strecken geringer als während der Sommerferien. Gleichzeitig lassen sich die Betriebskosten nicht beliebig reduzieren. Eurowings zieht daraus eine wirtschaftliche Konsequenz: Verbindungen, die sich unter den aktuellen Bedingungen nicht rechnen, werden vorübergehend aus dem Programm genommen oder seltener angeboten.
Dabei ist wichtig zu unterscheiden: Die Fluggesellschaft hat nicht angekündigt, ihr gesamtes Streckennetz grundlegend umzubauen. Die bislang genannten Kürzungen betreffen einen vergleichsweise kleinen Teil des geplanten Angebots. Für Kunden mit einer betroffenen Buchung können die Folgen dennoch erheblich sein.
Weshalb Eurowings sogar Kurzarbeit prüft
Die Überlegungen zur Kurzarbeit zeigen, wie weitreichend die Sparmaßnahmen inzwischen sind. Werden weniger Flüge durchgeführt, benötigt die Airline zeitweise auch weniger fliegendes Personal. Kurzarbeit kann Unternehmen ermöglichen, die Arbeitszeit vorübergehend zu reduzieren, ohne unmittelbar Beschäftigte entlassen zu müssen. Unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen gleicht Kurzarbeitergeld einen Teil des Verdienstausfalls aus.
Bei Eurowings ist die Einführung allerdings noch nicht beschlossen. Die Gesellschaft prüft nach eigenen Angaben lediglich, ob die rechtlichen Voraussetzungen im deutschen Flugbetrieb vorliegen. Wie viele Beschäftigte betroffen sein könnten, ist offen. Die Gewerkschaften reagieren kritisch auf die Sparpläne. Verdi fordert, bei einer möglichen Kurzarbeit mitzureden, und verlangt einen Zuschuss des Unternehmens zum Kurzarbeitergeld sowie eine Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit kritisiert unterdessen die Investitionspläne des Lufthansa-Konzerns: Während bei den Beschäftigten gespart werden soll, plant Lufthansa eine Beteiligung an der portugiesischen Fluggesellschaft TAP.


