6. Montreux Palace, Genfersee: Ein Hotel als Zuhause
Eigentlich wollte Vladimir Nabokov 1961 nur ein paar Monate bleiben. Am Ende wohnte er 16 Jahre mit seiner Frau Véra im Montreux Palace, bis zu seinem Tod 1977. Möglich machte das der Welterfolg von »Lolita«, den Roman hatte er noch in den USA geschrieben, oft unterwegs in Motels auf Schmetterlingsjagd. Das Paar lebte im sechsten Stock des Flügels Le Cygne, zu Deutsch »Schwan«. Nabokov trug deshalb gern den Spitznamen »schwarzer Schwan von Montreux«.
Er schrieb auf Karteikarten und spielte mit Véra auf dem Balkon Schach. In Montreux entstand »Ada oder Das Verlangen«. Die Titelheldin benannte er unter anderem nach einem seltenen Schmetterling, denn Falter waren seine zweite große Leidenschaft. Besucher empfing er im Salon de Musique, den Aperitif nahm er in der Bar Rose d’Or. Zum 100. Geburtstag des Autors taufte das Hotel 1999 den sechsten Stock auf seinen Namen.

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7. Hotel Chelsea, New York: Schreibwerkstatt der Boheme
Das Chelsea in Manhattan war jahrzehntelang mehr Künstlerkolonie als Hotel. Arthur C. Clarke arbeitete hier an »2001: Odyssee im Weltraum« und nannte das Haus seine geistige Heimat. In Zimmer 205 wohnte der walisische Dichter Dylan Thomas, der 1953 nach einem letzten Trinkgelage starb. Eine Plakette an der Fassade erinnert an ihn.
Zusammengehalten hat die Boheme Hotelmanager Stanley Bard. Wer die Miete nicht aufbringen konnte, durfte bei ihm auch mit Gemälden bezahlen, die anschließend in der Lobby hingen. Nach elf Jahren Schließung und Renovierung eröffnete das Chelsea 2022 als Luxushotel. Ein Veranstaltungsraum trägt heute Bards Namen, und einige langjährige Mieter wohnen noch immer im Haus. Die Legenden ziehen also nicht aus, sie haben nur bessere Minibars bekommen.

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8. Gladstone’s Library, Wales: Schlafen zwischen den Bücherregalen
Zum Schluss ein Haus, in dem Literatur nicht entstand, sondern gesammelt wird. William Gladstone, viermal britischer Premierminister, besaß rund 32.000 Bücher. Etwa 22.000 davon hatte er gelesen, das verrät sein Tagebuch. Im Jahr 1894 beschloss er, seine Sammlung allen zugänglich zu machen. Mit über 80 Jahren schob er die Bücher gemeinsam mit seinem Diener und einer Tochter per Schubkarre von seinem Landsitz ins Dorf Hawarden.
Heute gilt die Gladstone’s Library als einzige Wohnbibliothek Großbritanniens. Rund 150.000 Bücher stehen in den Lesesälen. Seit 1906 dürfen Gäste auch über Nacht bleiben, heute in 26 Zimmern. Einmal im Jahr lockt außerdem das Literaturfestival Gladfest ins Dorf. Lesestoff für den Rest des Lebens wäre hier jedenfalls gesichert.

Foto: Gladstone’s Library