Die gute Nachricht zuerst: Trotz des ungewöhnlich niedrigen Wasserstands ist ein Badeurlaub am Balaton weiterhin gut möglich. Wie stark Urlauber die Auswirkungen überhaupt bemerken, hängt allerdings vom Urlaubsort, dem Strand und den geplanten Unternehmungen ab.
Wie niedrig ist der Wasserstand am Balaton?
Nach Angaben der Website der ungarischen Wasserverwaltung (OVF) lag der Wasserstand des Balatons an der Messstelle Siófok am 4. August bei 54 Zentimetern. Mitte Juli wurden dort noch rund 64 Zentimeter gemessen, Anfang Juli etwa 73 Zentimeter. Innerhalb eines Monats sank der Pegel damit um fast 20 Zentimeter.
Die Zahl von 54 Zentimetern wirkt zunächst alarmierend. Tatsächlich ist der Balaton aber nicht nur einen halben Meter tief. Der Wert bezeichnet den Pegel an der Messstation in Siófok. Im Durchschnitt ist der See weiterhin rund drei Meter tief. Der Wasserstand des flachen Sees schwankt natürlicherweise im Jahresverlauf. Dennoch zeigt der Abstand, wie gering die Wasserreserve in diesem Sommer ist.
Schon das Frühjahr begann ungünstig. Im März lag der Pegel bei etwa 90 Zentimetern. Für diese Jahreszeit wären ungefähr 110 bis 115 Zentimeter günstig gewesen, damit der See seine üblichen Verdunstungsverluste im Sommer besser ausgleichen kann.
Warum verliert der Balaton so viel Wasser?
Der Balaton ist ein großer, aber sehr flacher See. Deshalb reagiert er schnell auf fehlenden Niederschlag, Hitze, Wind und hohe Verdunstung. Die wenigen Schauer und Gewitter im Juli konnten das Niederschlagsdefizit in Ungarn nach Angaben von HungaroMet nicht ausgleichen. Der Wetterdienst berichtete Mitte Juli, dass sich die Dürre weiter verschärft habe und die Vegetation in vielen Regionen bereits stärker geschädigt sei als zur gleichen Zeit im außergewöhnlich trockenen Jahr 2022.
Der See verliert sein Wasser nicht allein an heißen Nachmittagen. Nach Angaben von HungaroMet kann die Verdunstung auch bei kräftigem Wind und während der Nacht erheblich sein. Wind bewegt die feuchte Luft über der Wasseroberfläche fort und beschleunigt dadurch den Wasserverlust.
Regen über dem See allein reicht zudem nicht aus. Ein wichtiger Teil des Wassers gelangt normalerweise über das Einzugsgebiet und Zuflüsse wie die Zala in den Balaton. Sind auch Böden, Bäche und Flüsse trocken, kommt entsprechend wenig neues Wasser im See an.
Kann man trotz Niedrigwasser im Balaton baden?
Grundsätzlich ja. Der niedrige Pegel bedeutet weder, dass der See geschlossen wäre, noch dass an allen Stränden schlechte Badebedingungen herrschen. Viele Strandbäder arbeiten ganz normal. Spürbar ist das Niedrigwasser vor allem am flachen Südufer. Dort fällt der Seegrund über weite Strecken nur sehr langsam ab. Badegäste müssen teilweise deutlich weiter hinauslaufen, bevor das Wasser Hüft- oder Brusthöhe erreicht. Mancherorts können sich im Uferbereich schlammige Flächen, Wasserpflanzen oder freiliegende Sandbänke zeigen.
Für Familien mit kleinen Kindern kann das sehr seichte Wasser allerdings durchaus angenehm sein. Eltern sollten aber bedenken, dass Kinder dadurch weit vom eigentlichen Ufer entfernt stehen können, obwohl das Wasser noch nicht tief ist. Bitte beachten: Die ungarischen Baderegeln sehen vor, dass Kinder unter sechs Jahren sowie nicht schwimmende Kinder unter zwölf Jahren von Erwachsenen beaufsichtigt werden müssen.

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Wer möglichst schnell tieferes Wasser erreichen möchte, findet am Nordufer häufig günstigere Bedingungen. Dort fällt der Seegrund vielerorts steiler ab. Eine pauschale Garantie gibt es jedoch nicht: Auch am Nordufer unterscheiden sich natürliche Buchten, Strandbäder und Hafenbereiche.
Ganz gut sind Strände mit langen Badestegen oder Treppen, die hinter dem unmittelbaren Flachwasserbereich ins Wasser führen. Vor der Anreise lohnt sich deshalb ein Blick auf aktuelle Fotos des jeweiligen Strandbads oder eine kurze Nachfrage bei der Unterkunft.
Ist die Wasserqualität noch gut?
Ein niedriger Wasserstand bedeutet nicht automatisch schlechte Wasserqualität. Das Balaton-Forschungsinstitut HUN-REN verweist auf frühere ausgeprägte Niedrigwasserperioden, insbesondere 2002, 2003 und 2012. Damals verschlechterte sich die Qualität des offenen Seewassers durch den niedrigen Pegel nicht grundsätzlich. Am Südufer fielen allerdings größere Flächen trocken, auf denen sich anschließend Pflanzen ansiedelten.
Der Balaton hatte vor allem in früheren Jahrzehnten erhebliche Probleme mit Algen. Durch die Verringerung des Phosphateintrags verbesserte sich die Wasserqualität jedoch deutlich. Das Forschungsinstitut bewertet diese Entwicklung als bedeutenden Erfolg des Gewässerschutzes. Lokale und zeitlich begrenzte Algenansammlungen bleiben bei warmem Wasser dennoch möglich.
Urlauber sollten deshalb auf die Hinweise am jeweiligen Strand achten. Trübes Wasser allein ist am Balaton noch kein Warnzeichen, da Wind und Wellen den feinen Seegrund aufwirbeln können. Bei auffälligen grünen Schlieren, starkem Algengeruch oder einer örtlichen Warnung sollte man auf das Baden verzichten und auf einen anderen Strand ausweichen.
Was bedeutet das Niedrigwasser für Segler und Bootsfahrer?
Deutlich problematischer als für Badegäste kann der niedrige Pegel für die Schifffahrt werden. Besonders anfällig sind flache Hafeneinfahrten, Liegeplätze und Marinas am Südufer. Boote mit größerem Tiefgang können dort den Grund berühren oder bestimmte Liegeplätze nicht mehr sicher erreichen.
Ungarische Fachmedien warnten bereits im Frühjahr, dass ein Wasserstand von 50 bis 60 Zentimetern ernsthafte Schwierigkeiten für die Schifffahrt verursachen könnte. Genau dieser Bereich ist inzwischen erreicht.

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Auch die Organisatoren des großen Segelrennens Kékszalag mussten wegen des erwarteten Niedrigwassers Anpassungen an der Strecke beziehungsweise an den organisatorischen Abläufen vornehmen. Für Urlauber bedeutet das nicht, dass Segeln generell unmöglich wäre. Charterkunden und private Bootsbesitzer sollten jedoch vorab beim Hafen oder Verleiher nachfragen, welche Liegeplätze, Zufahrten und Bootstypen aktuell nutzbar sind.
Bei Fahrgastschiffen und Fähren ist die Situation weniger pauschal zu beurteilen, weil größere Anleger regelmäßig kontrolliert und Fahrrinnen bei Bedarf angepasst werden. Maßgeblich sind deshalb die aktuellen Mitteilungen der jeweiligen Reederei und nicht allein der durchschnittliche Seepegel.
Was ist mit SUP, Kajak und Tretbootfahren?
Stand-up-Paddling und Kajakfahren sind weiterhin möglich. In sehr flachen Bereichen kann das Paddel allerdings den Boden berühren. Zudem besteht die Gefahr, Wasserpflanzen oder den Seegrund aufzuwühlen.
Tretboote benötigen ebenfalls eine gewisse Tiefe, damit Schraube oder Schaufelrad frei laufen können. Verleiher können ihre Startstellen deshalb verlegen oder einzelne Angebote vorübergehend einschränken.
Achtung: Schwimmer sollten die große Flachwasserzone nicht unterschätzen. Wer weit hinausläuft, entfernt sich unter Umständen mehrere Hundert Meter vom Ufer. Bei Wind kann der Rückweg anstrengender werden, als die geringe Wassertiefe vermuten lässt.
Kann der Balaton austrocknen?
Kurzfristig ist ein vollständiges Austrocknen nicht zu erwarten. Der See hat in seiner Geschichte schon extreme Niedrigwasserphasen erlebt. Im 19. Jahrhundert sank der Wasserstand zeitweise so stark, dass große Flächen trockenfielen. Der Balaton ist geologisch betrachtet ein dynamischer Flachsee und keine unveränderliche Wasserfläche.
Auch in jüngerer Vergangenheit gab es ausgeprägte Niedrigwasserjahre. Anfang der 2000er-Jahre lag der Pegel rund einen halben Meter unter den zuvor gewohnten Werten. Der See erholte sich später wieder.

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Sollte man einen Balaton-Urlaub absagen?
Für einen klassischen Bade- und Familienurlaub besteht derzeit kein Grund zur Absage. Die meisten Strände, Hotels und Ausflugsziele stehen Urlaubern weiterhin uneingeschränkt zur Verfügung. Der Urlaub kann sich freilich deutlich von den schönen Werbebildern eines randvollen Sees unterscheiden.
Wer viel schwimmen möchte, sollte einen Strand mit Steg oder einen Ort am Nordufer wählen. Segler und Bootsbesitzer sollten die Bedingungen im konkreten Hafen prüfen. Familien am Südufer müssen sich auf besonders lange Flachwasserzonen einstellen.
Der Balaton bleibt zudem ein Reiseziel, das nicht allein vom Baden lebt. Die Halbinsel Tihany, die Weinberge um Badacsony, Balatonfüred, Keszthely, das Hinterland des Balaton-Oberlands und der nahe Thermalsee von Hévíz bieten Alternativen, wenn das Baden an einzelnen Tagen oder Orten nicht so toll ist.

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Das Niedrigwasser ist also kein Grund, den Balaton-Urlaub abzusagen.


