Budapest hat Thermalbäder, Jugendstil und die Donau. Und tief unter den Hügeln der Stadt liegt ein ausgedehntes Höhlensystem, das sich bis heute geologisch verändert. Budapest ist dabei kein Einzelfall in Ungarn, insgesamt zählt das Land über 4.000 registrierte Höhlen. Im Sommer sind sie das kühlste Reiseziel des Landes.

Unter den Hügeln von Buda, dem älteren, westlichen Teil der Stadt jenseits der Donau, löst Wasser seit Millionen Jahren Kalk aus dem Gestein. Die Hohlräume wachsen noch immer, weil das Wasser seine Arbeit nicht einstellt. Budapest baut sich nach unten weiter, während oben Straßenbahnen fahren und Touristen die Kettenbrücke fotografieren.

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Was liegt unter Budapest?

Die Molnár-János-Höhle, direkt am Donauufer gelegen, gehört zu den aktivsten geologischen Systemen unter der Stadt. Höhlentaucher kennen das kristallklare Thermalwasser seit Langem, obwohl der Ort für die meisten Besucher der Stadt bleibt unsichtbar bleibt.

Dabei hat Budapest gleich mehrere Höhlen, die einen Besuch rechtfertigen. Die Pálvölgyi-Höhle im zweiten Bezirk gilt als längstes Höhlensystem Ungarns. Enge Gänge öffnen sich in große Hallen, Kalzitkristalle glitzern im Scheinwerferlicht der Führungen. Die Szemlőhegyi-Höhle liegt nur wenige Gehminuten entfernt und ist zugänglicher, auch mit Kinderwagen und Rollstuhl erreichbar. Ihre weißen Mineralformationen erinnern an Blumenkohl, weshalb sie gelegentlich als unterirdischer Blumengarten Budapests bezeichnet wird.

Enger Felsdurchgang in der Szemlő-hegyi-Höhle in Budapest mit weißen Mineralformationen an Wänden und Decke

Foto: Visit Hungary

Wer sich für Stadtgeschichte interessiert, findet in der Burg-Höhle unter dem Burgviertel mehrere Epochen auf einmal: natürliche Kalksteinhöhlen, mittelalterliche Keller, Luftschutzanlagen aus dem Zweiten Weltkrieg und historische Gefängnisanlagen. Das rund 3,3 Kilometer lange System liegt direkt unter einem der meistbesuchten Stadtteile Budapests.

Baradla-Höhle: Unesco-Welterbe im Aggteleker Karst

Vor mehr als 200 Millionen Jahren war hier Meer. Das Wasser zog sich zurück, das Gestein blieb. Regen und Grundwasser höhlten es seitdem aus, sodass ein rund 25 Kilometer lange Hauptgang entstand. Die Baradla-Höhle im Aggteleker Karst, einem von der Unesco geschützten Karstgebiet nahe der slowakischen Grenze, ist das Ergebnis. Die Fossilien urzeitlicher Meerestiere stecken noch immer in den Wänden. Ein verzweigtes unterirdisches Wassersystem gestaltet die Höhle weiter, bis heute. Neben klassischen Führungen finden hier regelmäßig Konzerte und geführte Meditationen statt. Die Akustik macht beides möglich.

Besucher stehen in einer weitläufigen Halle der Baradla-Höhle im Aggteleker Karst, Ungarn – beleuchtete Stalagmiten und Tropfsteinformationen an Wänden und Decke

Foto: Kurka Géza Corey/Shutterstock.com

Mit dem Boot unter die Erde: Die Seehöhle von Tapolca

Tapolca hat einen See. Er liegt unter der Stadt. Besucher erkunden ihn vom Boot aus, durch beleuchtete Gewässer, die türkis schimmern. Die Kleinstadt liegt rund eine Stunde nördlich des Balatonsees, dem größten See Mitteleuropas und bekanntesten Ferienziel Ungarns. Tapolca selbst ist ruhiger, weil es abseits der großen Reiserouten liegt. Die Wassertemperatur in der Seehöhle liegt ganzjährig bei rund 18 Grad Celsius. Ein Besucherzentrum ergänzt das Erlebnis mit Ausstellungen zur Entstehung von Karstlandschaften.

Blick über den Stadtteich von Tapolca in Ungarn mit Springbrunnen, bunten Häusern und der Stadtkirche – Spiegelung im ruhigen Wasser

Foto: Matze Bob

Warum kommen die Besucher im Sommer ins Mecsek-Gebirge?

Zwölf Grad Celsius, das ganze Jahr. Wer die Abaligeter Höhle im Mecsek-Gebirge nahe der Stadt Pécs im Süden Ungarns betritt, spürt den Unterschied sofort. Ein kleiner Bach durchzieht den 466 Meter langen Hauptgang, die Tropfsteinformationen wachsen kontinuierlich weiter. Im Winter dient die Höhle Hufeisennasen-Fledermäusen als Winterquartier, während draußen die Temperaturen fallen. Im Sommer zieht genau diese Kälte die Besucher an.

Dramatischer Lichtstrahl fällt in eine weitläufige Höhlenkammer der Abaligeter Höhle im Mecsek-Gebirge, Ungarn – Tropfsteine an der Decke, Felsblöcke am Boden

Foto: Naeemphotographer2 /Shutterstock.com

Weitere Informationen auf der Website des ungarischen Fremdenverkehrsamts.


Mehr Infos zu Budapest

Häufige Fragen

Wann sind die Höhlen in Ungarn geöffnet?

Die meisten Höhlen sind ganzjährig geöffnet, mit kürzeren Öffnungszeiten im Winter. Ein Blick auf die jeweilige Website vor dem Besuch lohnt sich, da Führungen oft zu festen Zeiten stattfinden.

Wie viel kostet der Eintritt in die Tapolca-Seehöhle?

Erwachsene zahlen im Sommer rund 12 bis 13 Euro, Kinder zwischen 3 und 14 Jahren rund 8 bis 9 Euro, Kinder unter 3 Jahren unter 1 Euro. Ein Familienticket für zwei Erwachsene und bis zu zwei Kinder kostet rund 37 bis 39 Euro. Die Bootsfahrt ist im Ticket enthalten.

Braucht man für die Budapester Höhlen eine Voranmeldung?

Für die Pálvölgyi- und Szemlőhegyi-Höhle empfiehlt sich eine Reservierung im Sommer, da Führungen mit fester Teilnehmerzahl stattfinden. Ein Kombiticket für beide Höhlen kostet rund 15 Euro, ermäßigt rund 11 bis 12 Euro.

Wie lange dauert eine Führung in der Baradla-Höhle?

Es gibt verschiedene Touren, die kürzeste dauert rund eine Stunde und umfasst den beeindruckendsten Teil des Hauptgangs. Längere Touren bis zu mehreren Stunden sind ebenfalls buchbar.

Welche Höhle in Ungarn eignet sich für Kinder?

Die Szemlőhegyi-Höhle in Budapest ist auch mit Kinderwagen zugänglich und damit besonders familienfreundlich. Die Tapolca-Seehöhle begeistert Kinder durch die Bootsfahrt auf dem unterirdischen See.