Wer kennt es nicht: Im hart verdienten Urlaub lässt es sich der Reisende von Welt nicht nur in zahlreichen Cafés, Restaurants und Wellnesstempeln gut gehen. Nein, auch die körperliche Ertüchtigung zählt zum vollumfassenden Erholungsprogramm. Was wäre da besser geeignet, als ein Aufstieg zu einem Aussichtspunkt mit einem lebenslang erinnerungswürdigen Blick auf die weite Landschaften? Auf diese Idee folgt dann aber oft der große Schreck: Die anderen Urlauber hatten dieselbe Idee, der Blick ins Tal ist versperrt, im schlimmsten Fall droht in Zeiten von Instagram-Tourismus auch noch eine Schlange. O tempora, o mores!
Baugur Bjólfs: 100 Meter Rundweg auf 650 Metern Höhe
Im, beziehungsweise über dem Städtchen Seyðisfjörður im Osten Islands, gibt es dieses Problem nicht. Denn dort schmiegt sich seit Neuestem die 100 Meter lange – und kreisrunde (!) – Aussichtsplattform Baugur Bjólfs an den und teilweise auch über den Hang des sagenumwobenen Bergs Bjólfur, in 650 Metern Höhe. Wer sich hinauftraut, genießt einen Ausblick auf die zerklüftete Bergwelt, das markante Landschaftsbild des Ostfjordes und sogar auf den Atlantik. Da braucht es schon mehr als nur ein Foto, um die Erinnerung festzuhalten.

Foto: Claudio Parada Nunes
Schwindelfrei sollten Besucher allerdings sein, zumindest auf dem überhängenden, fast schon schwebenden Teil der Plattform. Dafür ist die Aussicht von dort besonders schön. Und für eine kleine Verschnaufpause ist an der Innenseite des Geländers eine durchgehende Sitzbank installiert.
Anfahrt und Zugang: Warum ein Allradantrieb sinnvoll ist
Der Aufstieg sollte nur mit entsprechender Erfahrung und Equipment gewagt werden. Wesentlich bequemer gestaltet sich der Weg mit dem Auto. Ein Allradantrieb sollte allerdings vorhanden sein, denn die Schotterstraße von Seyðisfjörður bis zum Hauptparkplatz hat es in sich. Von dort sind es etwa 15 Minuten zu Fuß, ein bisschen Bewegung ist also durchaus drin. Direkt an der Plattform steht zudem ein ausgewiesener barrierefreier Parkplatz zur Verfügung. Und auch die Plattform selbst ist stufenfrei und komplett barrierefrei nutzbar.

Foto: Claudio Parada Nunes
Entworfen wurde die Plattform vom Kopenhagener Architekturbüro ESJA und Arkibygg Architektar aus Reykjavík. Bei der Auswahl der Materialien wurde vor allem auf deren Wetterbeständigkeit geachtet. Durch das Farbspektrum aus silbergrauen Tönen verschwindet die Plattform je nach Lichtverhältnissen aber beinahe für das Auge und bettet sich so nahtlos in die atemberaubende Natur ein.
Ihren Namen haben Berg und Plattform übrigens vom sagenumwobenen Wikinger Bjólfur, der hier im 10. Jahrhundert geherrscht haben und auch mitsamt seinem Schatz auf dem Berg begraben sein soll. Der Schatz ist bei den Bauarbeiten nicht aufgetaucht, aber vielleicht hat ja ein unbedarfter Tourist irgendwann mal Glück. Wer weiß …
Mehr Informationen zur Region gibt es auf der Tourismuswebsite von Ostisland.


