Der Mann aus dem Kreis Olpe war am 10. August 2026 allein zu einer Bergtour in der Venedigergruppe in den zentralen Ostalpen aufgebrochen. Seine Route führte ihn zunächst durch das Maurertal in Richtung Essener-Rostocker-Hütte. Anschließend wollte er über den Venediger-Höhenweg zur Johannishütte gelangen.
Als der 74-Jährige am Abend nicht in seiner Unterkunft eintraf, wurde er als vermisst gemeldet. Polizei und Bergrettung Prägraten begannen eine aufwändige Suche. Neben Einsatzkräften und Suchhunden kamen auch ein Polizeihubschrauber und eine Drohne zum Einsatz. Wind, Regen und Dunkelheit erschwerten die Suche.
Erst am frühen Morgen wurde der Vermisste auf rund 2.300 Metern Höhe in der Nähe des Aderkammbachs entdeckt, berichtet u.a. die BILD-Zeitung auf ihrer Website. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Nach Angaben der Polizei dürfte der Wanderer vom vorgesehenen Weg abgekommen und schließlich an einem nahezu senkrechten Felsen abgestürzt sein.
Der Venediger-Höhenweg führt durch hochalpines Gelände
Der Venediger-Höhenweg gehört zu den bekannten mehrtägigen Höhenwegen Osttirols und führt durch die Venedigergruppe rund um den Großvenediger. Insgesamt ist die klassische Route knapp 57 Kilometer lang und wird gewöhnlich auf mehrere Tagesetappen verteilt.

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Der Abschnitt zwischen der Essener-Rostocker-Hütte und der Johannishütte, den auch der verunglückte Wanderer bewältigen wollte, ist rund 7,6 Kilometer lang. Von der auf 2.208 Metern gelegenen Essener-Rostocker-Hütte führt die Route zunächst über den Schwerinerweg und anschließend in Serpentinen hinauf zum 2.772 Meter hohen Türmljoch. Von dort geht es rund 650 Höhenmeter hinunter zur Johannishütte.
Offiziell gilt die etwa dreistündige Etappe als mittelschwierig. Das sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie durch hochalpines Gelände führt. Trittsicherheit und alpine Kenntnisse sind erforderlich. Unterwegs gibt es steile Auf- und Abstiege und Abschnitte ohne erkennbaren Pfad. Dort weisen teilweise Steinmännchen den richtigen Weg. Besonders bei schlechter Sicht oder nachlassender Konzentration muss man deshalb besonders aufpassen.
Warum das Verlassen des Weges so gefährlich werden kann
Wer im Gebirge eine Markierung aus den Augen verliert, sollte keinesfalls einfach in die vermeintlich richtige Richtung weiterlaufen. Was von oben wie ein begehbarer Hang aussieht, kann wenige Meter später in steiles oder felsiges Gelände übergehen. Besonders gefährlich wird es, wenn Wanderer versuchen, einen verlorenen Weg durch einen direkten Abstieg wiederzufinden.

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Hinzu kommt ein psychologischer Effekt: Wer bereits einige Zeit in die falsche Richtung gegangen ist, neigt möglicherweise dazu, trotzdem weiterzugehen, statt umzukehren. Im Hochgebirge kann dadurch aus einem kleinen Orientierungsfehler eine gefährliche Situation entstehen.
Fehlt plötzlich die nächste Markierung, ist deshalb zunächst die eigene Position zu überprüfen. Ist eine sichere Rückkehr möglich, sollte man zum letzten eindeutig bekannten Punkt zurückgehen. Wird das Gelände dabei zunehmend steiler oder unübersichtlich, ist es besser, frühzeitig Hilfe anzufordern, statt auf eigene Faust weiterzugehen.
Warum der Abstieg nicht zu unterschätzen ist
Besondere Vorsicht ist beim Abstieg geboten. Nach mehreren Stunden auf dem Berg lassen Kraft und Konzentration nach. Gleichzeitig werden Knie und Muskulatur stärker belastet. Auf steilen oder losen Untergründen reicht dann mitunter ein Fehltritt, um das Gleichgewicht zu verlieren.

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Auch Zeitdruck kann eine Rolle spielen. Wer später unterwegs ist als geplant, versucht möglicherweise, schneller abzusteigen oder eine vermeintliche Abkürzung zu nehmen. Beides kann das Unfallrisiko erhöhen. Eine Tour sollte deshalb immer genügend Zeit enthalten.
Allein unterwegs: Tour unbedingt hinterlegen
Allein zu wandern ist natürlich grundsätzlich möglich, verlangt jedoch besonders sorgfältige Vorbereitung. Denn bei einem Sturz oder einer Verletzung ist niemand unmittelbar zur Stelle, der Hilfe holen kann.
Umso wichtiger ist es, anderen mitzuteilen, welche Route geplant ist und wann ungefähr mit der Rückkehr gerechnet werden kann. Auch spontane Änderungen der Strecke sollten nach Möglichkeit weitergegeben werden. Ein vollständig geladenes Mobiltelefon gehört ebenso zur Ausrüstung wie eine Offline-Karte beziehungsweise eine entsprechende Navigations-App.

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Wer allein unterwegs ist, sollte zudem besonders konservativ entscheiden. Verschlechtert sich das Wetter, wird die Orientierung schwierig oder erweist sich die Route als anspruchsvoller als erwartet, ist Umkehren häufig die sicherste Entscheidung.
Was tun, wenn die Wegmarkierung verschwunden ist?
Das Wichtigste ist, nicht einfach weiterzugehen. Wanderer sollten zunächst stehen bleiben und versuchen, den letzten eindeutig erkennbaren Punkt der Route zu bestimmen. Karte, GPS oder eine Wander-App können bei der Orientierung helfen.
Lässt sich der richtige Weg nicht zweifelsfrei finden, sollte man auf sicherem Gelände zum letzten bekannten Wegpunkt zurückkehren. Keinesfalls sollte man steile Hänge, Rinnen oder Felsbereiche hinabsteigen, nur weil dort möglicherweise weiter unten wieder ein Wanderweg verläuft.
Wer sich nicht mehr sicher zurückbewegen kann, sollte Hilfe rufen. In Österreich ist die Bergrettung unter der Notrufnummer 140 erreichbar, europaweit funktioniert außerdem die 112. Im Zweifel gilt: lieber zu früh einen Notruf absetzen als erst dann, wenn aus einem Orientierungsproblem bereits eine Notlage geworden ist.


