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Tödlicher Bergunfall in Tirol: Warum Wanderer markierte Wege nie verlassen sollten

Ein 74-jähriger Wanderer aus NRW ist bei einer Bergtour in Tirol tödlich verunglückt. Offenbar hatte er die vorgesehene Route verlassen. Der Fall zeigt, wie schnell ein Verlassen der Wanderwege im Hochgebirge zur tödlichen Gefahr werden kann.

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6:24

Der Mann aus dem Kreis Olpe war am 10. August 2026 allein zu einer Bergtour in der Venedigergruppe in den zentralen Ostalpen aufgebrochen. Seine Route führte ihn zunächst durch das Maurertal in Richtung Essener-Rostocker-Hütte. Anschließend wollte er über den Venediger-Höhenweg zur Johannishütte gelangen.

Als der 74-Jährige am Abend nicht in seiner Unterkunft eintraf, wurde er als vermisst gemeldet. Polizei und Bergrettung Prägraten begannen eine aufwändige Suche. Neben Einsatzkräften und Suchhunden kamen auch ein Polizeihubschrauber und eine Drohne zum Einsatz. Wind, Regen und Dunkelheit erschwerten die Suche.

Erst am frühen Morgen wurde der Vermisste auf rund 2.300 Metern Höhe in der Nähe des Aderkammbachs entdeckt, berichtet u.a. die BILD-Zeitung auf ihrer Website. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Nach Angaben der Polizei dürfte der Wanderer vom vorgesehenen Weg abgekommen und schließlich an einem nahezu senkrechten Felsen abgestürzt sein.

Der Venediger-Höhenweg führt durch hochalpines Gelände

Der Venediger-Höhenweg gehört zu den bekannten mehrtägigen Höhenwegen Osttirols und führt durch die Venedigergruppe rund um den Großvenediger. Insgesamt ist die klassische Route knapp 57 Kilometer lang und wird gewöhnlich auf mehrere Tagesetappen verteilt.

Venediger-Höhenweg mit Wegweiser und Blick auf den Großvenediger in Osttirol

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Der Abschnitt zwischen der Essener-Rostocker-Hütte und der Johannishütte, den auch der verunglückte Wanderer bewältigen wollte, ist rund 7,6 Kilometer lang. Von der auf 2.208 Metern gelegenen Essener-Rostocker-Hütte führt die Route zunächst über den Schwerinerweg und anschließend in Serpentinen hinauf zum 2.772 Meter hohen Türmljoch. Von dort geht es rund 650 Höhenmeter hinunter zur Johannishütte.

Offiziell gilt die etwa dreistündige Etappe als mittelschwierig. Das sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie durch hochalpines Gelände führt. Trittsicherheit und alpine Kenntnisse sind erforderlich. Unterwegs gibt es steile Auf- und Abstiege und Abschnitte ohne erkennbaren Pfad. Dort weisen teilweise Steinmännchen den richtigen Weg. Besonders bei schlechter Sicht oder nachlassender Konzentration muss man deshalb besonders aufpassen.

Warum das Verlassen des Weges so gefährlich werden kann

Wer im Gebirge eine Markierung aus den Augen verliert, sollte keinesfalls einfach in die vermeintlich richtige Richtung weiterlaufen. Was von oben wie ein begehbarer Hang aussieht, kann wenige Meter später in steiles oder felsiges Gelände übergehen. Besonders gefährlich wird es, wenn Wanderer versuchen, einen verlorenen Weg durch einen direkten Abstieg wiederzufinden.

Wanderer auf einem schmalen Pfad am Venediger-Höhenweg in Tirol

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Hinzu kommt ein psychologischer Effekt: Wer bereits einige Zeit in die falsche Richtung gegangen ist, neigt möglicherweise dazu, trotzdem weiterzugehen, statt umzukehren. Im Hochgebirge kann dadurch aus einem kleinen Orientierungsfehler eine gefährliche Situation entstehen.

Fehlt plötzlich die nächste Markierung, ist deshalb zunächst die eigene Position zu überprüfen. Ist eine sichere Rückkehr möglich, sollte man zum letzten eindeutig bekannten Punkt zurückgehen. Wird das Gelände dabei zunehmend steiler oder unübersichtlich, ist es besser, frühzeitig Hilfe anzufordern, statt auf eigene Faust weiterzugehen.

Warum der Abstieg nicht zu unterschätzen ist

Besondere Vorsicht ist beim Abstieg geboten. Nach mehreren Stunden auf dem Berg lassen Kraft und Konzentration nach. Gleichzeitig werden Knie und Muskulatur stärker belastet. Auf steilen oder losen Untergründen reicht dann mitunter ein Fehltritt, um das Gleichgewicht zu verlieren.

Wanderer mit Wanderschuhen und Stöcken auf einem Bergweg

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Auch Zeitdruck kann eine Rolle spielen. Wer später unterwegs ist als geplant, versucht möglicherweise, schneller abzusteigen oder eine vermeintliche Abkürzung zu nehmen. Beides kann das Unfallrisiko erhöhen. Eine Tour sollte deshalb immer genügend Zeit enthalten.

Allein unterwegs: Tour unbedingt hinterlegen

Allein zu wandern ist natürlich grundsätzlich möglich, verlangt jedoch besonders sorgfältige Vorbereitung. Denn bei einem Sturz oder einer Verletzung ist niemand unmittelbar zur Stelle, der Hilfe holen kann.

Umso wichtiger ist es, anderen mitzuteilen, welche Route geplant ist und wann ungefähr mit der Rückkehr gerechnet werden kann. Auch spontane Änderungen der Strecke sollten nach Möglichkeit weitergegeben werden. Ein vollständig geladenes Mobiltelefon gehört ebenso zur Ausrüstung wie eine Offline-Karte beziehungsweise eine entsprechende Navigations-App.

Wanderer prüft auf einer Bergtour die Route auf seinem Smartphone

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Wer allein unterwegs ist, sollte zudem besonders konservativ entscheiden. Verschlechtert sich das Wetter, wird die Orientierung schwierig oder erweist sich die Route als anspruchsvoller als erwartet, ist Umkehren häufig die sicherste Entscheidung.

Was tun, wenn die Wegmarkierung verschwunden ist?

Das Wichtigste ist, nicht einfach weiterzugehen. Wanderer sollten zunächst stehen bleiben und versuchen, den letzten eindeutig erkennbaren Punkt der Route zu bestimmen. Karte, GPS oder eine Wander-App können bei der Orientierung helfen.

Lässt sich der richtige Weg nicht zweifelsfrei finden, sollte man auf sicherem Gelände zum letzten bekannten Wegpunkt zurückkehren. Keinesfalls sollte man steile Hänge, Rinnen oder Felsbereiche hinabsteigen, nur weil dort möglicherweise weiter unten wieder ein Wanderweg verläuft.

Wer sich nicht mehr sicher zurückbewegen kann, sollte Hilfe rufen. In Österreich ist die Bergrettung unter der Notrufnummer 140 erreichbar, europaweit funktioniert außerdem die 112. Im Zweifel gilt: lieber zu früh einen Notruf absetzen als erst dann, wenn aus einem Orientierungsproblem bereits eine Notlage geworden ist.

Häufige Fragen

Wo genau liegt der Venediger-Höhenweg?
Der Venediger-Höhenweg liegt in Osttirol in der Venedigergruppe im Nationalpark Hohe Tauern. Die klassische Route beginnt bei Ströden in Prägraten am Großvenediger und führt durch hochalpines Gelände bis ins Gschlösstal bei Matrei in Osttirol. Je nach Variante umfasst der Höhenweg rund 57 Kilometer und mehrere Tagesetappen. Der höchste Punkt der Hauptroute liegt auf etwa 2.900 Metern.
Wie beliebt ist der Venediger-Höhenweg?
Der Venediger-Höhenweg zählt zu den bekannten mehrtägigen Höhenwegen Osttirols und ist besonders bei erfahrenen Bergwanderern beliebt. Die Route verbindet mehrere Berghütten und bietet immer wieder Ausblicke auf den Großvenediger und die Gletscherwelt der Venedigergruppe. Genaue Besucherzahlen für den gesamten Höhenweg werden allerdings nicht veröffentlicht. Für eine komplette Begehung sollten Wanderer ihre Hüttenübernachtungen in der Hauptsaison frühzeitig planen.
Passieren auf dem Venediger-Höhenweg viele Unfälle?
Eine eigene Unfallstatistik für den Venediger-Höhenweg gibt es nicht. Auf der Route kommt es jedoch immer wieder zu Unfällen und Bergrettungseinsätzen. Der Höhenweg führt über weite Strecken durch hochalpines Gelände, in dem Trittsicherheit, Kondition und alpine Erfahrung erforderlich sind. Nässe, schlechtes Wetter oder Orientierungsfehler können das Risiko zusätzlich erhöhen. Im September 2025 verletzte sich beispielsweise eine Wanderin beim Abstieg vom Türmljoch zur Johannishütte, nachdem sie auf nassem Untergrund ausgerutscht war.
Frank Störbrauck
Brasilien ist sein Ding. Hier feiert Frank gerne ausgelassene Strandpartys bis tief in die warme Nacht. Klar, die Copacabana ist dafür in aller Munde, ihn zieht es allerdings viel lieber nach Salvador, wo die Strände nicht weniger traumhaft sind. Pluspunkt dort: Die Partys sind kleiner und mit den Locals kommt man schneller ins Gespräch.