Am 17. Juli 1955 öffnete das Disneyland Resort in Anaheim seine Tore, der erste Themenpark der Marke weltweit. Walt Disneys eigentliche Geschichte begann aber 32 Jahre früher, mitten in Los Angeles. 1923 mieteten er und sein Bruder Roy ein winziges Büro in Los Feliz und gründeten ihr erstes Studio. Daraus wuchs eines der größten Imperien der Unterhaltungsindustrie. Wer heute durch Los Angeles fährt, stolpert an ungeahnten Ecken über dieses Erbe: in Kinosälen, Konzerthallen, Steakhäusern, sogar in einer Scheune im Griffith Park. Diese Stationen zeigen, wo die Magie tatsächlich begann.
Griffith Park: Die Ursprungsidee hinter Disneyland
Walt Disney nahm seine Töchter oft mit zum Karussell im Griffith Park. Wer Kindern beim Karussellfahren zusieht, weiß, wie ansteckend deren Freude sein kann. Disney wollte einen Ort schaffen, an dem Erwachsene genauso viel Spaß haben durften wie ihre Kinder. So entstand die Idee zu Disneyland. Wer hier seine Runden drehen möchte, muss leider noch warten, denn das Karussell wird derzeit aufwändig instand gesetzt und soll zu den Olympischen Spielen 2028 wieder eröffnen.
Nebenbei war Disney begeisterter Eisenbahnfan und baute sich im eigenen Garten eine Modelleisenbahn, die »Carolwood Pacific Railroad«. Die dazugehörige Werkstattscheune steht heute im Griffith Park, gerettet von seiner Tochter Diane Disney Miller. Als »Walt Disney’s Carolwood Barn« öffnet sie an jedem dritten Sonntag im Monat, jeweils von 11 bis 15 Uhr. Wer hineinschaut, findet Werkbank, Werkzeug und den Anfang einer sehr großen Idee.
Los Feliz: Der Geburtsort der Disney-Dynastie
1923 mieteten Walt und Roy Disney einen kleinen Arbeitsraum in der Kingswell Avenue. Dort gründeten sie das Disney Brothers Cartoon Studio, mit bescheidenem Startkapital und noch bescheideneren Möbeln. Aus diesem Zimmer wuchs die Walt Disney Company heran. 2024 widmete die Stadt den Bereich vor dem ursprünglichen Studiogelände offiziell als »Disney Bros. Cartoon Studio Square«. Eine Gedenktafel erinnert dort an den Ort, an dem alles anfing. Für Disney-Fans zählt er zu den Pflichtstationen, klein zwar, aber mit ziemlich viel Geschichte im Gepäck.
Burbank: Das kreative Herz der Walt Disney Studios
Seit 1940 sind die Walt Disney Studios in Burbank die kreative Heimat der Film- und Fernsehproduktionen, bis heute aktiv genutzt. Von außen betrachten lässt sich das Gelände jederzeit, hinein kommt nur, wer Mitglied im offiziellen Fanclub »D23« ist. Bei gelegentlichen Studioführungen stehen Walt Disneys Büro, die Walt Disney Archives und das Animation Building auf dem Programm. Für alle anderen bleibt der Zaun das nächstgelegene Fotomotiv, was der Faszination erstaunlich wenig anhaben kann.
El Capitan Theatre: Disneys Wohnzimmer in Hollywood
Das El Capitan Theatre feiert 2026 sein 100-jähriges Bestehen und zählt zu den bekanntesten historischen Kinos Hollywoods. Nach einer umfassenden Restaurierung 1991 eröffnete es als »Disney’s Home on Hollywood Boulevard« neu. Seitdem laufen hier Disney-Filmpremieren, Sondervorstellungen und Wiederaufführungen von Klassikern. Eine der größten Attraktionen ist die Wurlitzer-Pfeifenorgel aus dem Jahr 1929, die vor manchen Vorstellungen noch immer live gespielt wird. Ergänzt wird das Programm durch Filmkostüme, Requisiten und gelegentliche Bühnenauftritte von Disney-Figuren, ganz ohne Bildschirm dazwischen.
Tam O’Shanter: Wo Walt Disney sein Prime Rib aß
Das 1922 gegründete Tam O’Shanter in Atwater Village gehört zu den ältesten Steakhäusern von Los Angeles, bekannt für Prime Rib und britisch inspirierte Küche. Die gemütliche Architektur im schottischen Stil hat sich über ein Jahrhundert kaum verändert. Walt Disney und seine Animatoren trafen sich hier regelmäßig, meistens an Tisch 31, nah am Kamin, um Ideen auszutauschen. Wer die »Walt’s Table 31 Dinner Experience« bucht, bekommt Gerichte serviert, die von seinen Lieblingsspeisen inspiriert sind, dazu Geschichten über die besondere Beziehung zwischen Restaurant und Regisseur.
Walt Disney Concert Hall: Frank Gehrys Geschenk an die Stadt
Stararchitekt Frank Gehry entwarf die Walt Disney Concert Hall, eröffnet im Oktober 2003 und heute eines der bekanntesten kulturellen Wahrzeichen von Downtown Los Angeles. Möglich machte den Bau eine großzügige Spende von Walt Disneys Witwe Lillian Disney im Jahr 1987, als Geschenk an die Einwohner der Stadt. Die markante Edelstahlfassade zählt zu den meistfotografierten Architekturansichten der Stadt, kaum ein Instagram-Feed kommt an ihr vorbei. Im Blue Ribbon Garden dreht sich die Skulptur »A Rose for Lilly«, ein rosenförmiger Springbrunnen, den Gehry als Hommage an Lillian Disney schuf.
Übrigens: Die absoluten Gehry-Must-Sees verraten wir in diesem Artikel.
The Biltmore: Hier nahm Walt Disney seinen Oscar entgegen
1923 eröffnete The Biltmore Los Angeles in Downtown und versprüht bis heute, mit Wandgemälden, Kristalllüstern und verspielten Brunnen, die Eleganz der goldenen Hollywood-Ära. Am 23. Februar 1939 fand hier die 11. Oscar-Verleihung statt. Die damals zehnjährige Shirley Temple überreichte Walt Disney dabei einen Ehren-Oscar für »Schneewittchen und die sieben Zwerge«, bestehend aus einer Statuette in Originalgröße und sieben Miniatur-Oscars, einem pro Zwerg. Der Film gilt bis heute als erster abendfüllender Zeichentrickfilm der Welt und etablierte die Animation als eigenständige filmische Kunstform.








