Als leichte Kost kann man die Spezialitäten aus der Emilia-Romagna sicher nicht bezeichnen. Wer in der Region im Norden Italiens Urlaub macht, sollte die Waage in der Unterkunft besser nicht benutzen. Aber was soll das auch, es geht hier einfach um Genuss. Und da liefert das Streetfood in der Emilia-Romagna!
Borlenghi: Knuspriges Streetfood aus dem Apennin
Ein echter Geheimtipp aus dem Apennin bei Modena sind die Borlenghi. Für den knusprigen, superdünnen Teig braucht es nicht mehr als Mehl, Wasser und Salz, ganz ohne Schnickschnack. Darauf streicht man abschließend »cunza« (eine herzhafte Paste aus Schmalz, Knoblauch und Rosmarin) und streut reichlich Parmigiano Reggiano drüber.

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Zusammengeklappt und aus der Hand genascht, entfaltet sich ein Snack mit richtig viel Aroma. Am besten lässt sich Borlenghi auf einem der herbstlichen Kastanien- und Trüffelfeste probieren, die diese Jahreszeit im Apennin prägen.
Chisöla: Focaccia mit Vergangenheit
Im Val Tidone, unweit von Piacenza, zählt die Chisöla zu den kulinarischen Schätzen. Für die deftige Focaccia, die als traditionelles Agrar- und Lebensmittelprodukt anerkannt ist, braucht es nur Mehl, Grieben, Schmalz, Hefe, Wasser und Salz. Und eine Legende: Als der römisch-deutsche Kaiser Friedrich Barbarossa 1155 mit seinem Heer durch das Val Tidone zog, soll die Bevölkerung seine hungrigen Soldaten mit großen Mengen Chisöla verköstigt haben.
Heute lebt die Spezialität beim Festa d’la Chisöla in Borgonovo Val Tidone weiter. Dieses geht traditionell am ersten Sonntag im September über die Bühne. Am besten passen die Weine der Colli Piacentini, vor allem der frische, unkomplizierte Ortrugo, zur Chisöla.
Coppia Ferrarese: Spezialität aus Ferrara
Ein Brot mit Wiedererkennungswert stammt aus Ferrara. Die Coppia Ferrarese besteht aus zwei verschlungenen Teigsträngen, die an ein Kreuz oder ein X erinnern. Besonders begehrt sind dabei die gedrehten, extra knusprigen Enden, die »Crostini«. Schon im 16. Jahrhundert soll dieses Brot am Hof der Este auf den Tisch gekommen sein, die Geschichte reicht also weit zurück.

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Serviert wird die Coppia bis heute gerne zu einer weiteren Spezialität aus Ferrara: zur Salama da Sugo. Und die Crostini haben längst ein Eigenleben entwickelt: Wenn die Nonna sie beim Bäcker kauft, zählen sie für viele Kinder zu den liebsten kleinen Naschereien zwischendurch.
Crescenta bolognese: Deftiges Resteessen
Wie kreativ die bäuerliche Küche der Emilia-Romagna schon immer war, zeigt sich an der Crescenta. Früher landete übrig gebliebener Brotteig zusammen mit etwas Schmalz und dem würzigen Endstück vom Schinken, dem »Gambuccio«, in der Pfanne. So entstand eine luftige, aromatische Focaccia. Heute wird diese vor allem mit Pancetta, Prosciutto oder – fast schon klassisch – Mortadella Bologna serviert.
Übrigens: Wer der berühmten Mortadella mal richtig nah kommen will, plant am besten für Oktober einen Trip nach Zola Predosa bei Bologna: Vom 9. bis 11. Oktober 2026 dreht sich bei »Mortadella Please« drei Tage lang alles ums Feiern, Verkosten und Kochen.
Erbazzone reggiano: Bauernküche mit EU-Siegel
Auch der Erbazzone aus Reggio Emilia stammt ursprünglich aus der einfachen bäuerlichen Küche. Zwischen zwei Lagen aus ungesäuertem Teig verbirgt sich eine würzige Füllung aus Spinat und Mangold, Zwiebeln, Schmalz, Semmelbröseln und Parmigiano Reggiano.

Foto: Comune di Reggio Emilia
Wie fest die Spezialität im Alltag der Menschen in Reggio Emilia verankert ist, zeigt sich daran, dass Erbazzone praktisch zu jeder Tageszeit gegessen wird, manche greifen morgens sogar lieber dazu als zu einem Croissant und trinken ihren Cappuccino dazu. Am besten schmeckt er natürlich frisch und ohne viel Aufwand, genau so, wie gutes Streetfood eben sein muss.
Gnocco fritto: Goldbraun und mit Prosciutto gefüllt
In Modena heißt die Spezialität Gnocco fritto, in Parma Torta fritta, gemeint ist dasselbe: kleine, goldbraun frittierte Teigstücke, außen schön knusprig und innen herrlich luftig, die man traditionell noch warm zusammen mit regionalen Wurst- und Schinkenspezialitäten isst. Prosciutto di Parma, Prosciutto di Modena, Coppa di Parma oder Salame Felino passen hier besonders gut, dazu ein Glas Lambrusco, viel mehr braucht dieses Gericht wirklich nicht. Und wer es ganz authentisch mag, isst seinen Gnocco fritto so, wie es in vielen Familien Tradition hatte: noch heiß direkt vom Schneidebrett, auf dem die Großmutter die Teigstücke gerade frisch zubereitet hat.
Wer noch tiefer in die Welt des berühmten Prosciutto di Parma eintauchen will, der zu fast jeder Street-Food-Spezialität der Region passt, sollte sich das Festival del Prosciutto di Parma in Langhirano im September 2026 nicht entgehen lassen (4.–6. und 11.–13. September). Bei »Finestre Aperte« öffnen die Produzenten ihre Türen und geben spannende Einblicke in die Herstellung dieser berühmten Fleischware.
Piadina: Die wohl berühmteste Spezialität der Romagna
Wenn’s um Streetfood aus der Emilia-Romagna geht, kommt niemand an der Piadina vorbei. Die Piadina Romagnola ist längst weit über Italien hinaus bekannt, in der Romagna selbst wird sie bis heute völlig selbstverständlich frisch am Kiosk oder in einer kleinen Piadineria gebacken. Ganz einheitlich ist sie dabei nicht: Rund um Ravenna und Forlì-Cesena fällt sie meist etwas dicker aus, während man sie in Rimini und der Provinz lieber dünn und knusprig backt.

Foto: Visit Romagna
Klassisch kommt sie gefüllt mit Squacquerone di Romagna, Prosciutto di Parma und Rucola auf den Tisch. Fast genauso beliebt ist die Variante mit gegrillten »Sardoncini«, kleinen Fischen aus der Adria, dazu Zwiebeln und Salat. Egal, für welche Füllung man sich entscheidet, eine frisch zubereitete Piadina ist genau die richtige Begleitung für eine kurze Pause oder ein unkompliziertes Mittagessen am Strand. Dazu am besten ein Glas Sangiovese aus der Romagna. Beim Fest »La pis un pò ma tot« in Bellaria-Igea Marina, vom 11. bis 13. September 2026, stehen die beliebten Teigfladen drei Tage lang im Mittelpunkt.
Tigelle: Ein Snack, der verbindet
Zu den echten Klassikern aus dem Apennin von Modena zählen die Tigelle. Gebacken werden die kleinen Teigfladen zwischen speziellen Platten, eben jenen »Tigelle«, die dem Gericht ihren Namen gegeben haben. Die Fladen werden direkt nach dem Backen warm serviert.
Ein Muss als Beilage ist das »Pesto modenese«, eine feine Mischung aus gehacktem Schweineschmalz, Knoblauch und Rosmarin, oft noch verfeinert mit Parmigiano Reggiano. Dazu gesellen sich Prosciutto, Salame, Coppa und andere Spezialitäten aus der Region. Richtig besonders wird es aber erst durch die Art, wie man Tigelle isst: gemeinsam, in großer Runde, jeder kombiniert sich seine eigene Version. In Modena ist dies weniger ein schneller Snack zwischendurch als ein geselliges Essen mit Freunden, und genau das macht es bis heute so beliebt.
Tortelli alla lastra: quadratischer Genuss aus dem Apennin
Im Apennin der Provinz Forlì-Cesena zählt der Tortello alla lastra zu den traditionsreichen Spezialitäten. Er ist quadratisch geformt und wird auf einer heißen Platte gebacken, der »lastra«, die ihm auch seinen Namen gegeben hat. Für den Teig braucht es Weizenmehl, Wasser und etwas Kochwasser vom Kürbis, gefüllt wird mit Kürbis, Kartoffeln, Zwiebeln, Schmalz und Pecorino. Ihr volles Aroma entfaltet die Füllung durch das vorherige Anbraten des Gemüses.

Foto: Comune Bagno-di Romagna/Regione Emilia-Romagna
Ursprünglich ein typisches Arme-Leute-Essen aus den einfachen Zutaten des kargen Apennins, isst man den Tortello alla lastra traditionell vor allem im späten Herbst und rund um Allerheiligen. Heute ist er ein wunderbar unkomplizierter Snack, der zeigt, wie aus wenigen regionalen Zutaten ein echtes Stück Romagna-Küche zum Mitnehmen entstehen kann.


