Von Heilbutt über Rentier-Burger bis Tiramisu: Grönlands Küche überrascht mit regionaler Raffinesse und internationalem Twist. Eine kulinarische Bestandsaufnahme zwischen Eisbergen und Espresso.
Von Martin Wein
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Du legst uns als Quelle fest. Und wir dich in unserem Herzen. ♥Die grönländische Küche hat sich in den vergangenen Jahren bemerkenswert gewandelt, angeregt durch internationale Einflüsse. In einfacheren Lokalen dominiert internationales Fastfood die Speisekarte. Die Restaurants der besseren Hotels in Nuuk, Ilulissat oder Qaqortoq bemühen sich dagegen um gehobene Küche, bevorzugt mit lokalen Zutaten wie Fisch und Wild.

Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen
Essen in Grönland: Vom Spezialitätenbüffet zur Bistroküche
Wer hier warme rohe Robbenleber oder fermentierte Vögel auf der Karte erwartet, wird zunächst enttäuscht. Solche traditionellen Gerichte findet man in Restaurants praktisch nicht, höchstens als Probierhappen bei den Spezialitätenbüffets, die einige Hotels in der Hochsaison einmal wöchentlich anbieten. Auch in grönländischen Familien spielt die Subsistenzwirtschaft eine immer geringere Rolle. Die meisten kaufen ihr Essen im Supermarkt, den es staatlich subventioniert selbst in den kleinsten Dörfern gibt.
Heilbutt: Der Schwergewichtsmeister des Nordatlantiks
Fischgerichte sind auf der Insel mit ihrer großen Fangflotte allgegenwärtig. Der Heilbutt ist die größte Schollenart im Nordatlantik, ausgewachsene Exemplare bringen es auf bis zu 400 Kilo. Geangelt wird der Fisch allerdings nicht im klassischen Sinn, dafür lebt er zu tief, in bis zu 1.500 Metern. Die kalten Gewässer rund um Grönland gehören zu seinen bevorzugten Revieren. Serviert wird er als Filet, gebacken unter der eigenen Haut.

Heilbutt ist sehr beliebt in Grönland I Foto: Martin Wein/Christoph Tepper
Fish & Chips: Der Klassiker mit polarem Akzent
Fish & Chips, hier bestellt im Café Iluliaq in Ilulissat, ist als Klassiker der schnellen Küche bei Einheimischen wie Gästen gleichermaßen beliebt. Besonders an kalten Wintertagen liefert dieses Essen in Grönland die nötigen Kalorien für Aktivitäten im Freien. Der Grönland-Kabeljau dafür kommt direkt frisch vom Hafen. Sein weißes Fleisch ist für den geringen Fettgehalt beliebt.

Fish & Chips im Café Iluliaq in Ilulissat I Foto: Martin Wein/Christoph Tepper
Wildlachs: Mit kleinem Schönheitsfehler
Wildlachs kommt ebenfalls gern auf den Tisch, hier serviert mit Blumen- und Rosenkohl, einer gebackenen Kartoffel und heller Soße. Lachse aus Nordamerika und Europa ziehen im Spätherbst bis in die Gewässer rund um Grönlands Südspitze. Auf der Insel selbst laichen sie nur in einem einzigen Fluss im inneren Nuuk-Fjord. Eine kleine Wahrheit zum Schluss: Vieles, was hier als Lachs auf der Karte steht, ist in Wirklichkeit Seesaibling. Der schmeckt aber auch ausgezeichnet.

Wildlachse aus Nordamerika und Europa ziehen im Spätherbst bis in die Gewässer rund um Grönlands Südspitze und lassen sich dort hervorragend angeln. I Foto: Martin Wein/Christoph Tepper
Lammsteak am Knochen: Schaf trifft Treibhaus
Seit mehr als 100 Jahren werden auf den saftigen Weiden im Süden Grönlands Schafe für die Fleischproduktion gezüchtet. Heute arbeiten etwa 25 grönländische Familien in diesem Geschäft. Knusprig gebratenes Lammsteak am Knochen gehört seither zum festen Repertoire der Insel, serviert mit Gemüse aus den wenigen Treibhäusern Grönlands. Was nicht im Treibhaus gedeiht, kommt per Containerschiff aus Dänemark.

In Grönland züchten Bauern Schafe, daher steht auch Lamm gerne auf der Speisekarte I Foto: Martin Wein/Christoph Tepper
Burger mit Rentierfleisch: Wild trifft Patty
Burger einmal anders: In der Ulu Brasserie mischt der Küchenchef Gehacktes vom Rentier und Moschusochsen unter das Rindfleisch. Der Patty fällt erstaunlich locker aus und schmeckt mit einer feinen Wildnote. Rudolph hätte vermutlich gemischte Gefühle.

Burger mit Rentierfleisch I Foto: Martin Wein/Christoph Tepper
Tiramisu: Mascarpone kennt keine Breitengrade
Ein süßer Abschluss darf bei einem grönländischen Menü nicht fehlen. Tiramisu ist als internationaler Klassiker auch hier sehr beliebt. Im Restaurant Rooftop im Hotel Ilulissat kommt obendrauf noch ein Klecks Sahne. Italien grüßt aus 69 Grad nördlicher Breite.

Tiramisu ist auch in Grönland sehr beliebt I Foto: Martin Wein/Christoph Tepper
Beeren-Sorbet: Wenn die Frucht zur Rarität wird
Beeren sind auf der arktischen Insel die einzigen heimischen Früchte. In der Brasserie Ulu im Hotel Arctic werden sie zu einem erfrischenden Sorbet verarbeitet. Mehr Frucht geht in der Region kaum.
Hier kommst du zur Webseite des Hotel Arctic in Ilulissat.

Beeren sind die einzigen Früchte in Grönland. Sie werden zum Beispiel zum Sorbet verarbeitet I Foto: Martin Wein/Christoph Tepper
Ein Café in Nuuk: Cappuccino am Polarkreis
Fast wie in Frankreich: In der Hauptstadt Nuuk trifft man sich neuerdings im lichtdurchfluteten Café X im Hotel Hans Egede Express auf einen Cappuccino und ein frisch gebackenes Croissant. Gemütliche Cafés sind auf der Insel insgesamt noch Ausnahmen. Traditionell trifft man sich zu Geburten, Geburtstagen oder zur Einschulung zum Kaffemik mit schwarzem Kaffee und süßem Kuchen bei Nachbarn, Freunden und Bekannten.
Hier geht es zur Webseite des Café X im Hotel Hans Egede Express.

Croissant und Café im Café X in Nuuk I Foto: Martin Wein/Christoph Tepper
In diesem Artikel auf unserer Webseite verraten wir dir wichtige Fakten rund um Grönland.
In dieser Reportage auf unserer Webseite reist ihr nach Ilulissat.
