So, erstmal in den Keller. Da wohnt das Bier schließlich. Und in Wasserburg am Inn im Chiemsee-Alpenland steht unter der Erde weit mehr herum als so ein paar angestaubte Bierkästen. Denn in den historischen Wasserburger Bierkatakomben lagerten die Brauer in früheren Zeiten ihre temperaturempfindliche Brauware. Durch die gleichbleibende, niedrige Temperatur in den unterirdischen Gängen blieb das Bier, das ohnehin nur im Winter gebraut werden konnte, länger frisch und genießbar. Diese Art der Kühlung wurde bis zur Erfindung der Kühlmaschine beibehalten. Heute können Besucher die Katakomben im Rahmen einer Führung erkunden und so viel über die Geschichte des Biers und der Wasserburger Brauereien erfahren.
Aber was ist denn mit einem kleinen Probierschlückchen? Das gibt’s natürlich auch, allerdings an der Erdoberfläche. Zehn Brauereien machen die hopfige Vielfalt des Chiemsee-Alpenlands aus. Deren Kunst führen durstige Besucher sich am besten in einem der urigen Biergärten direkt am Ufer des Chiemsees zu Gemüte, während der Ausblick auf die Alpen auch optische Erfrischung verschafft. Wer etwas ambitionierter unterwegs ist, nimmt den Bierlehrpfad am Samerberg in Angriff. Entlang des Fluderbachs vermitteln 13 Stationen allerlei Wissenswertes zur Braukunst und den dafür nötigen Rohstoffen.
Lust auf einen Blick über den Humpenrand? Konrad hat sich für unser Schwestermagazin funky GERMANY die Braukunst in Franken genauer angeschaut.
Hallertau: In diesen Hopfengärten kann man sich wirklich verlaufen
Apropos Rohstoffe: Was in keinem guten Bier fehlen darf, ist ein kräftiger Hopfen. So wollen es das Reinheitsgebot und auch das deutsche Lebensmittelgesetz. Und weil man in Oberbayern was auf sich hält, wird das grüne Gold natürlich vor Ort angebaut. In der Hallertau im Landkreis Pfaffenhofen könnten Besucher sich sogar in den meterhohen Hopfengärten verlaufen, so allgegenwärtig und flächendeckend bestimmen sie die Landschaft dort.
Aber keine Sorge, zum Glück sind die zahlreichen Wander- und Fahrradtouren dort vorbildlich gekennzeichnet. So führen etwa die Hallertauer Hopfentour, die Hopfen-Schleife oder die Tour »Hopfen entdecken« durch die Hopfengärten, zu kleinen Brauereien in urigen Dörfern und nicht zuletzt zu gemütlichen Biergärten. Wer viel radelt oder stiefelt, will sich schließlich auch erfrischen.
Wer es wirklich wissen will, nimmt den Fernradweg »Zum Ursprung des Bieres« in Angriff. Der führt auf gut 83 pittoresken Kilometern durch Freising, Ingolstadt und die Hallertau, immer an Biergärten und traditionellen Restaurants vorbei. Und sogar eine Schlossbrauerei steht auf dem Itinerar. Die geballte Ladung Bierwissen wartet schließlich im Deutschen Hopfenmuseum in Wolnzach.
Kloster Andechs braut seit mehr als 500 Jahren – und bleibt dabei modern
Dass die Braukunst fest in der Region verwurzelt ist, zeigt ein Besuch im Kloster Andechs. Die dortige Klosterbrauerei wird bereits seit mehr als einem halben Jahrtausend betrieben, halleluja! Das soll aber nicht heißen, dass die Mönche in der Vergangenheit verhaftet wären. So feiert im Sommer 2026 die alkoholfreie Andechser Apfelweisse ihren Einstand in der Produktpalette. Besucher vor Ort können sich außerdem auf eine Brauereiführung mit VR-Technologie freuen. Von wegen mittelalterlich.
Geschichte zum Anfassen wiederum dürfen Besucher im Markus-Wasmeier-Freilichtmuseum erwarten. Auf dem Areal erhalten Gäste einen Einblick in das oberbayerische Leben im 18. und 19. Jahrhundert. Dafür wurden eigens mehrere Bauern- und Fachwerkhäuser aus anderen Dörfern hierher nach Schliersee-Neuhaus versetzt. Und zu so einer Dorfgemeinschaft gehört eben auch eine Brauerei. Waschechte Braumeister zeigen dort althergebrachte Techniken und Besucher können in speziellen Kursen sogar selbst die Kunst des Bierbrauens erlernen. Als Mitbringsel eignet sich das »Schliersee Kindl«, eine frische, neue Kreation aus der Region.
Ziemlich traditionell geht es auch in Freising zu. Bereits im frühen Mittelalter, also vor gut 1.000 Jahren, wurde der bischöfliche Hof mit Bier aus der Region beliefert. Das belegen Quellen. Und heute produziert die Brauerei Weihenstephan auf dem gleichnamigen Berg in der Stadt ihr weltbekanntes Bier. Auch anderswo in der Stadt lässt sich die Brautradition erleben, etwa bei einem Stadtspaziergang vom Domberg bis in die historischen Bierkeller der Stadt.
Mehr Informationen gibt’s auf der Website der Region Oberbayern.







