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Estland

Estnische Inseln: Von Saaremaa bis Ruhnu

Über 2.200 Inseln gehören zu Estland. reisen EXCLUSIV stellt die estnischen Inseln vor, die eine Reise wert sind: von Saaremaa, der größten, über das traditionsreiche Kihnu bis zum abgelegenen Ruhnu im Rigaischen Meerbusen – mit Fähren, Sehenswürdigkeiten und Tipps.

Die meisten Besucher zieht es auf die großen Inseln im Westen. Mindestens genauso spannend sind die kleinen Eilande, auf denen oft nur ein paar Dutzend Menschen leben und deren Küste im Sommer fast allein den Gästen gehört.

Saaremaa: die größte estnische Insel

Mit 2.673 Quadratkilometern ist Saaremaa die größte Insel Estlands, rund 30.000 Menschen leben hier. Im Hauptort Kuressaare steht die Bischofsburg aus dem 14. Jahrhundert, die als besterhaltene mittelalterliche Burg des Baltikums gilt. Auf dem Land prägen Wacholderheiden, Steinmauern und Windmühlen das Bild. In Angla stehen noch fünf von ihnen an ihrem ursprünglichen Platz.

Rundturm und Wassergraben an der Bischofsburg in Kuressaare auf der Insel Saaremaa, Estland.

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Weitere Ziele sind der Meteoritenkrater von Kaali, das Panga-Kliff an der Nordküste und der Leuchtturm von Sõrve an der Südspitze der Insel. Vor der Westküste liegt die kleine Insel Vilsandi. Sie wurde 1910 als Vogelschutzgebiet ausgewiesen, gilt als ältestes Schutzgebiet des Baltikums und gehört heute zum Nationalpark Vilsandi. Boote fahren ab Papissaare.

Muhu: das Tor nach Saaremaa

Wer mit dem Auto nach Saaremaa fährt, kommt zuerst nach Muhu. Die Fähre vom Festland legt in Kuivastu an, ein Damm verbindet die Insel mit ihrer großen Nachbarin. Viele fahren deshalb einfach durch. Dabei lohnt sich ein Halt: Muhu ist mit 198 Quadratkilometern die drittgrößte Insel Estlands, rund 2.100 Menschen leben hier. Im Dorf Koguva steht das Muhu-Museum, Koguva gilt als eines der besterhaltenen historischen Dörfer Estlands. Hier wurde auch der Schriftsteller Juhan Smuul geboren.

Tipp: Im Sommer ist die Fähre oft ausgelastet. Eine Reservierung beim Betreiber TS Laevad erspart lange Wartezeiten.

Straßendamm Väinatamm zwischen den Inseln Muhu und Saaremaa in Estland, Luftaufnahme.

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Hiiumaa: Wälder und ein Leuchtturm mit Geschichte

Hiiumaa ist mit 989 Quadratkilometern die zweitgrößte Insel des Landes und mit rund 9.000 Einwohnern deutlich ruhiger als Saaremaa. Große Teile sind bewaldet, an der Küste reihen sich einsame Strände und Leuchttürme. Der bekannteste ist der Leuchtturm Kõpu, der seit über 500 Jahren in Betrieb ist und als einer der ältesten durchgehend betriebenen Leuchttürme der Welt gilt.

Fähren verbinden Hiiumaa mit dem Festlandhafen Rohuküla. Sie legen in Heltermaa an.

Leuchtturm Kõpu inmitten von Kiefernwäldern auf der Insel Hiiumaa in Estland, Luftaufnahme.

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Vormsi: Spuren der Estlandschweden

Zwischen dem Festland und Hiiumaa liegt Vormsi, die viertgrößte Insel Estlands mit 93 Quadratkilometern. Heute sind hier rund 400 Menschen gemeldet. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten auf Vormsi rund 2.500 Estlandschweden, deren Vorfahren über Jahrhunderte hier gelebt hatten. Fast alle flohen 1943 und 1944 nach Schweden, danach war die Insel ein sowjetisches Grenzsperrgebiet. Viele Orte tragen bis heute schwedische Namen.

Vormsi eignet sich gut zum Wandern und Radfahren, durch Wacholderheiden, Wiesen und an Küsten mit riesigen Findlingen entlang. Die Fähre braucht vom Festlandhafen Rohuküla nur 45 Minuten bis Sviby.

Kihnu: Leben nach alten Bräuchen

Kihnu ist mit 16,4 Quadratkilometern die größte Insel im Rigaischen Meerbusen. Bekannt ist sie für ihre lebendige Kultur. Während die Männer traditionell zum Fischen hinausfuhren, hielten die Frauen den Alltag und die Bräuche der Insel zusammen. Bis heute tragen viele von ihnen im Alltag den gestreiften Wollrock, den »kört«.

Frauen in gestreiften Röcken mit Akkordeons auf dem Weg zu einem Dorffest auf der Insel Kihnu in Estland.

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Die UNESCO hat den Kulturraum Kihnu 2003 ausgezeichnet und 2008 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Dazu gehören die Hochzeitszeremonien, Lieder, Tänze und das Handwerk der Insel. Die Fähre ab Munalaid bei Pärnu braucht rund eine Stunde und nimmt auch Autos mit.

Ruhnu: die südlichste Insel Estlands

Ruhnu liegt allein mitten im Rigaischen Meerbusen, näher an Lettland als am estnischen Festland. Auf 11,9 Quadratkilometern leben ganzjährig rund 60 Menschen, im Sommer etwa 150. Entsprechend leer sind die Strände, etwa der Limo-Strand mit seinem »singenden« Sand, der unter den Füßen knirscht. Im Inseldorf steht die Holzkirche St. Magdalena von 1644, das älteste erhaltene Holzgebäude Estlands. Gleich daneben steht die Steinkirche von 1912, in der heute die Gottesdienste stattfinden.

Die bekannteste Inselgeschichte handelt von einem Braunbären: 2006 trieb er auf einer Eisscholle aus Lettland nach Ruhnu und entzog sich monatelang allen Versuchen, ihn einzufangen.

Von Mai bis Oktober fahren Fähren ab Pärnu, Roomassaare auf Saaremaa und Munalaid, Autos nehmen sie nicht mit. Die Überfahrt ab Munalaid dauert rund viereinhalb Stunden, ein Tagesausflug ist damit kaum möglich. reisen EXCLUSIV empfiehlt mindestens zwei Nächte auf der Insel.

Inseln vor Tallinn: Naissaar, Aegna, Prangli und Pakri

Mehrere kleine Inseln liegen direkt vor der Hauptstadt. Naissaar war von 1945 bis 1993 sowjetisches Militärgebiet, heute erinnern ein Kriegsmuseum und alte Anlagen an diese Zeit. Von Ende Mai bis Mitte September fährt ein Schiff freitags bis sonntags ab Tallinn.

Fahrgastschiff Vegtind am Anleger der Insel Aegna vor Tallinn, Estland.

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Aegna ist nur 2,9 Quadratkilometer groß und im Sommer ein beliebtes Ziel zum Wandern und Baden. Die Schiffe legen in Pirita ab. Prangli ist seit über 600 Jahren bewohnt, heute leben rund 170 Menschen auf der Insel. Die Fähre startet in Leppneeme auf der Halbinsel Viimsi.

Westlich von Paldiski liegen die beiden Pakri-Inseln, zusammen 24,7 Quadratkilometer groß und mit gerade einmal fünf Einwohnern. Zu Sowjetzeiten nutzte das Militär sie als Bombenübungsziel. Im Sommer fahren Boote ab Kurkse und Paldiski.

Piirissaar im Peipussee

Eine Ausnahme unter den estnischen Inseln liegt im Landesinneren: Piirissaar im Peipussee an der Grenze zu Russland. Auf rund 7,5 Quadratkilometern leben etwa 100 Menschen, überwiegend russische Altgläubige. Sie bauen bis heute Zwiebeln an. Die Fähre legt in Laaksaare ab, im Sommer fährt zusätzlich ein Schiff ab Tartu.

Spazierweg auf einer Mole mit Bäumen am Ufer des Peipussees in Estland.

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Die deutschen Namen der estnischen Inseln

Aus der Zeit der deutschbaltischen Oberschicht tragen viele Inseln alte deutsche und schwedische Namen. Auf historischen Karten, in älteren Büchern und in Kreuzworträtseln tauchen sie bis heute auf:

  • Saaremaa: Ösel
  • Hiiumaa: Dagö
  • Muhu: Moon
  • Vormsi: Worms
  • Kihnu: Kühnö
  • Ruhnu: Runö
  • Naissaar: Nargen
  • Aegna: Wulf
  • Prangli: Wrangelsholm
  • Pakri: Rogö
  • Vilsandi: Filsand
  • Piirissaar: Porka

Häufige Fragen

Kann man mit dem Auto nach Saaremaa fahren?
Ja. Autofähren verbinden Virtsu auf dem Festland mit Kuivastu auf Muhu, die Überfahrt dauert 25 bis 30 Minuten. Von Muhu führt der Damm Väinatamm weiter nach Saaremaa.
Wie lange dauert die Fähre nach Hiiumaa?
Die Fähre von Rohuküla nach Heltermaa braucht 75 Minuten und fährt etwa alle anderthalb Stunden.
Gibt es eine Fähre zwischen Hiiumaa und Saaremaa?
Ja, zwischen Sõru im Süden von Hiiumaa und Triigi im Norden von Saaremaa.
Wie kommt man im Winter nach Ruhnu?
Von Oktober bis April fliegen kleine Achtsitzer ab Pärnu und Kuressaare auf die Insel.
Wie viele Menschen leben auf Kihnu?
Gemeldet sind 686 Menschen, ganzjährig auf der Insel leben rund 300.
Was bedeuten die Farben der Röcke auf Kihnu?
Die Farben zeigen die Lebensphase an. In der Trauerzeit tragen Frauen zunächst schwarze, dann blaue und später wieder rote Röcke.
Wie alt ist der Meteoritenkrater von Kaali?
Der Krater auf Saaremaa ist rund 7.500 Jahre alt.
Seit wann ist der Westestnische Archipel UNESCO-Biosphärenreservat?
Seit 1990. Zum Biosphärenreservat gehören Saaremaa, Hiiumaa, Muhu und Vormsi.