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Europa

Herbstreise durch Europa: An diesen Orten bestimmt der Genuss die Landkarte

Der europäische Herbst hält sich an keinen festen Speiseplan. Zwischen Piemont und Baskenland gräbt und reift es gleichzeitig, mit gutem Grund.

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8:21

Kaum ist der Sommer vorbei, meldet sich in Europa die nächste, deutlich hungrigere Saison. Im Herbst ziehen Trüffelhunde durch die Wälder der Langhe, während in Kastilien die ersten Steinpilze auf den Tapas-Tellern landen. Anderswo wird die Weinlese eingefahren, natürlich mit einem wissenden Mix aus Stolz und Muskelkater. Diese sechs Ziele zeigen, wo der Herbst in diesem Jahr am besten schmeckt.

Alba und die Langhe: Wo der weiße Trüffel den Ton angibt

Im Piemont riecht der Herbst intensiv. Und zwar nicht nur draußen, wo die Natur noch einmal Gas gibt, bevor der Winter alles verschluckt. Der eigentliche Duft sitzt dann auf dem Teller, denn in Alba dreht sich der Oktober um den weißen Trüffel, botanisch Tuber magnatum Pico genannt (praktisches Wissen fürs nächste Herbstquiz). Serviert wird er meist über hauchdünnen Eiernudeln namens Tajarin, begleitet von einem Glas Barolo oder Barbaresco.

Frische Tajarin-Nudeln neben aufgeschnittenem weißem Trüffel und einem Hobel auf einem bemehlten Holzbrett.

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Bevor er allerdings auf dem Teller landet, hat der Trüffel meist schon einen Auftritt auf dem Markt hinter sich. Im Cortile della Maddalena verwandeln sich die Wochenenden in den Alba White Truffle World Market, verlässlich von Oktober bis in den Dezember hinein. Reisende, die Anfang Oktober anreisen, erleben zusätzlich einen historischen Umzug und das traditionelle Eselrennen Palio degli Asini.

Wer es noch ursprünglicher haben will, zieht mit einem lokalen »trifolao« samt ausgebildeten Trüffelhunden durch die Hügel der Lange. Der Spaziergang durch die privaten Trüffelreviere dauert maximal zwei Stunden und klärt Fragen, wie Trüffel wachsen, worin sich weiße und schwarze Trüffel unterscheiden und wie die Trüffelhunde ausgebildet werden. Wer möchte, nimmt den Fund am Ende einfach mit nach Hause, meist gegen einen kleinen Aufpreis. Festes Schuhwerk empfiehlt sich, der Waldboden ist herbstlich weich.

Nahaufnahme eines Trüffelsuchers und seines Hundes im Wald, der Hund schnuppert an einem frisch gefundenen Trüffel in der Hand.

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Istrien: Das kroatische Trüffeldreieck

Istrien hat in puncto Trüffel vielleicht nicht jeder auf dem Zettel, was aber nicht heißt, dass es hier nicht weniger beeindruckende Alternativen zum Piemont gibt. Denn zwischen Pazin, Buje und Buzet erstreckt sich das sogenannte Trüffeldreieck, mit dem Motovuner Wald und dem Tal der Mirna als Herzstück. Hier reift neben dem schwarzen auch der weiße Trüffel, natürlich auch mit dem Oktober als Saisonhöhepunkt.

Die Saison beginnt bereits im September in Motovun und zieht sich mit mehreren Festivals bis in den späten Herbst hinein, etwa dem Teran-and-Truffle-Festival und dem Tuber Food Fest in Livade. Serviert wird der Trüffel hier übrigens meist über Fuži, einer gerollten istrischen Pasta oder zu Risotto und Rührei. Dazu passt ein Glas Malvazija. Wer es etwas kräftiger mag, der greift zum Teran.

Luftaufnahme der Hügelstadt Motovun in Istrien, Kroatien, umgeben von Wäldern.

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Soria: Spaniens unterschätztes Pilzrevier

Die kastilische Provinz Soria bietet den rauen Gegenentwurf zu den bekannten Trüffelorten. In den Kiefern- und Eichenwäldern wachsen Steinpilze, Reizker, Kräuterseitlinge, Totentrompeten und Kaiserlinge. Ja, wir sind immer noch bei Pilzen, auch wenn diese Namen so klingen, als hätte sie jemand für ein Fantasy-Menü erfunden. Die Sammelsaison reicht laut offizieller Tourismusinformation vom Herbst bis ins Frühjahr. Allerdings ist für ausgewiesene Gebiete eine Genehmigung nötig.

Kulinarisch umgesetzt wird der Waldreichtum der Region in der Stadt Soria. Bei den traditionellen Mykologischen Tagen im November servieren mehr als 50 Lokale kleine Gerichte aus saisonalen Pilzen, mit einer Ernsthaftigkeit, die sonst eher Trüffelmessen vorbehalten ist. Wer selbst durch den Wald ziehen möchte, bucht am besten einen lokalen Guide, statt sich auf romantisiertes Halbwissen zu verlassen. Das schützt Natur und Gäste gleichermaßen.

Douro: Die Weinlese als Hauptdarstellerin

Im portugiesischen Douro-Tal findet die Weinlese in einer der dramatischsten Flusslandschaften Europas statt. Die steilen Terrassen ziehen sich am Ufer des Douro entlang. Reisende staunen ob der grandiosen Kulisse, während die Lese wahrscheinlich nicht ganz so entspannt stattfindet. Die genauen Lesetermine werden übrigens jedes Jahr neu verhandelt, denn sie richten sich nach Wetter, Rebsorte und Höhenlage. Meist liegt die Lese hier zwischen Spätsommer und frühem Herbst, Wetterfühligkeit inklusive.

Viele Weingüter öffnen im September und Oktober ihre Tore für die Weinlese. Wer möchte, hilft selbst beim Keltern mit oder verkostet sich stattdessen gemütlich durch den aktuellen Jahrgang. Wer danach noch in einer historischen Quinta mit Blick auf den Fluss übernachtet, merkt schnell, wie entspannt sich harte Feldarbeit anfühlt, solange andere sie erledigen.

Luftaufnahme der terrassierten Weinberge im Douro-Tal in Portugal mit Blick auf den Fluss.

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Ardèche: Die Esskastanie als Landschaftsprogramm

Nach so viel Wein im Douro wird es in den Monts d’Ardèche wieder deutlich bodenständiger. Die Region liegt im Süden Frankreichs, zwischen Rhonetal und Cevennen und hier prägt die Kastanie Küche und Dorfleben gleichermaßen. Traditionell laden die Castagnades über mehrere Herbstwochen in gut ein Dutzend Orte des Naturparks ein, mit Wanderungen, Märkten, Verkostungen und gemeinsamen Maronenfeuern.

Aus der gerösteten Kastanie am Straßenrand wird hier eine ernsthafte Zutat. Gemahlen landet sie in Kuchen und Brot, klassisch serviert auch als Beilage zu Wild. Die süße Crème de marrons verschwindet dagegen meist schneller aus dem Glas als geplant und macht sich hervorragend auf einer Scheibe Brot. Und wer nach so viel Süße noch etwas Bewegung braucht, findet zwischen Schluchten und Kastanienhainen reichlich Gelegenheit für einen Verdauungsspaziergang, mit den Cevennen als Kulisse im Hintergrund.

Scheibe getoastetes Brot mit brauner Kastanien-Creme bestrichen, daneben ein offenes Glas Crème de marrons auf einem Holztisch.

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Espelette: Das rote Gewürz des Baskenlands

Im französischen Baskenland markiert das Dorf Espelette den Herbst mit einer eigenen Farbe. Denn hier hängen überall rote Chilischoten, der Piment d’Espelette, nach der Ernte zum Trocknen an den Hausfassaden, als hätte sich das Dorf für den Herbst extra gestylt. Höhepunkt ist das jährliche Pfefferfest, das die Chilischote Ende Oktober gebührend feiert.

Der Piment d’Espelette schmeckt moderat scharf und aromatisch. Serviert wird er zu baskischem Schinken und Schafskäse oder zu frischem Fisch. Er verfeinert aber auch die Piperade, ein baskisches Pfannengericht aus geschmorter Paprika und Tomate, verfeinert mit Ei.

Frische rote Chilischoten in Bündeln an einer Hausfassade im französischen Ort Espelette.

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Und abseits der bekannten Routen?

Wer die großen Namen meiden möchte, weicht ins nordportugiesische Vinhais aus, wo im November Kastanien und Pilze gemeinsam mit Honig gefeiert werden. Oder ins südportugiesische Palmela mit Weinlese, Traubenstampfen und Mostsegnung.

Am Ende bleibt vom europäischen Herbst vor allem ein Geruch zurück, nach gerösteten Kastanien und einem Hauch Trüffel an den Fingerspitzen, während irgendwo in der Nähe schon das nächste Glas Wein wartet.

Die Termine 2026 im Überblick

  • Alba: Trüffelmarkt, 10. Oktober bis 6. Dezember
  • Istrien: Saisonstart 5. September, mehrere Festivals bis 1. November
  • Soria: Mykologische Tage, 8. bis 24. November
  • Douro: Weinlese meist zwischen September und Oktober, Termine wetterabhängig
  • Ardèche: Castagnades, 2025 vom 11. Oktober bis 9. November, Termine 2026 vor Reiseantritt prüfen
  • Espelette: Pfefferfest, 24. und 25. Oktober

Häufige Fragen

Wie nachhaltig sind geführte Trüffelsuchen und Pilzwanderungen?
Trüffelsuche und Pilzwanderungen sind vor allem dann nachhaltig, wenn sie mit lokalen Guides und in kleinen Gruppen stattfinden und geltende Sammelregeln respektieren.
Was macht den weißen Trüffel so viel kostbarer als andere Trüffelarten?
Der weiße Trüffel lässt sich bis heute kaum kultivieren und wächst nur unter besonderen Boden- und Klimabedingungen, gesucht wird er in Handarbeit mit ausgebildeten Hunden. Seine Seltenheit und die kurze, jährlich schwankende Saison erklären den hohen Preis, weshalb er meist ungegart hauchdünn über warme Gerichte gehobelt wird.
Wann lohnt sich eine kulinarische Herbstreise am meisten?
September eignet sich für die Weinlese im Douro und erste Trüffeltermine in Istrien. Im Oktober verdichten sich die Anlässe, von weißem Trüffel in Alba bis zu Kastanienfesten in Frankreich, wer mehrere Erlebnisse verbinden möchte, reist am besten zwischen Mitte Oktober und Anfang November.
Jasmin Faust
Jasmins Herz muss viel aushalten, denn sie verliebt sich in (fast) jedes Land auf der Welt und würde am liebsten für immer dort bleiben. Die Schönheit des Reisens findet sie überall. Ob in den Bergen und Seen der Alpen, in den Städten Mexikos oder der Wüste Jordaniens. Hauptsache Natur, Kultur und ein bisschen Abenteuer.