Ein Freibad ist nicht immer nur ein Freibad. Manchmal liegt es zwischen Vulkanfelsen am Atlantik, manchmal auf einem Schiffsrumpf mitten im Fluss und manchmal sogar auf einem Berg mit Aussicht auf eine ganze Stadt. Sechs Orte in Europa zeigen, wie unterschiedlich das Konzept Baden und Schwimmen unter freiem Himmel ausfallen kann. Die Auswahl reicht von einem geschützten Nationalmonument bei Porto bis zum Stadtpanorama über Wien.
Dolder Wellenbad in Zürich: Sommerfrische auf dem Zürichberg
Das Dolder Wellenbad liegt auf 650 Metern Höhe mitten im Wald des Zürichbergs, was Sommerfrische im wörtlichsten Sinn bedeutet. Eröffnet wurde die Anlage 1934 als erstes Gartenbad Zürichs, gleichzeitig mit dem Strandbad Mythenquai. Eine der ersten Wellenmaschinen der Schweiz sorgte hier früh für Bewegung im Becken, dazu kam die erste Minigolfanlage der Stadt. Sportliches Schwimmen im 50-Meter-Becken, weite Liegewiesen und einen Rutschenturm, für alle, die zwischen Bahnenziehen und Nichtstun schwanken. Nach umfassender Sanierung öffnete das Bad 2026 am 19. Juni und schließt am 13. September, montags von 11.30 bis 20 Uhr, an den übrigen Tagen ab 10 Uhr. Die Wellenanlage ruht leider vorerst, sie soll erst 2027 wieder laufen. Für ein Sonnenbad reicht’s aber allemal.
Naturpools von Porto Moniz auf Madeira: Vulkangestein und Gezeitenwasser
Jaaa, das ist jetzt kein klassisches Freibad, sondern gleich eine Reihe Naturpools. Aber wer sagt, dass Freibäder immer einen gekachelten Grund haben müssen? Porto Moniz auf Madeira kam ganz ohne Architekten aus. Was es hier zum Baden braucht, haben die Vulkane vor Jahrtausenden schon selbst geregelt. Schwarzer Fels fasst türkisfarbenes Atlantikwasser ein, das die Gezeiten zuverlässiger erneuern als jede Reinigungscrew es je könnte. Rund 3.800 Quadratmeter Badefläche verteilen sich über die Felsformationen, dazu Sonnenterrassen und die nötige Infrastruktur (für Eis, Snacks, eh klar, oder?). Wellen und Gischt gehören hier zum Freibadtag dazu und mal ehrlich: Das ist schon das nächste Level Badekultur, oder? Badeschuhe sind übrigens auf den rutschigen Felsen keine schlechte Idee, der Atlantik nimmt hier keine Rücksicht auf Reisepläne, die mit Verletzungen dann nur noch halb so viel Spaß machen. Und bei starkem Wellengang lohnt sich vorher ein Blick auf die Hinweise vor Ort.
Felsenbad Pottenstein in der Fränkischen Schweiz: 100 Jahre Sommerausflug
Das Felsenbad Pottenstein in der fränkischen Schweiz in Oberfranken feiert 2026 seinen hundertsten Geburtstag und sieht dabei erstaunlich unbeeindruckt aus. Eröffnet wurde es 1926, 1988 musste es schließen, 2001 kehrte es zurück, als wäre in der Zwischenzeit nichts gewesen. Von Altersschwäche keine Spur. Von Baden mit Aussicht allerdings schon. Die bewaldete Felslandschaft und die historischen Mauern des Bades wirken wie ein Sommerausflug in eine andere Zeit. Hier lässt es sich auf jeden Fall prima stundenlang am Beckenrand dümpeln und mit offenen Mund die Felswände anstarren. Geöffnet ist es wetterabhängig, im Sommer meist täglich. Tipp: Am frühen Vormittag oder gegen Abend zeigt sich die Anlage am fotogensten, wenn die Felsen noch nicht voller Liegestühle sind.
Piscina das Marés in Portugal: Baden zwischen Fels und Atlantik
Die Piscina das Marés bei Porto ist ein Freibad, das es tatsächlich zum Nationalmonument gebracht hat. Álvaro Siza Vieira entwarf die Anlage zwischen 1961 und 1966 und setzte die Becken direkt in die dunklen Felsen der Küste von Matosinhos. Sichtbeton und niedrige Mauern wirken dabei, als wäre die ganze Anlage aus dem Fels selbst gewachsen. Wind, Wellen und wechselndes Wetter gehören hier zum Baden wie das Salzwasser des Atlantiks. Wenn Badeferien also auch olfaktorisch im Gedächtnis bleiben sollen, dann wird eine Mischung aus Chlor und Salzwasser wahrscheinlich lange in der Nase bleiben. Geöffnet ist saisonal, meist im Sommer, aktuelle Öffnungstage lassen sich hier direkt auf der Website der Stadt Matosinhos prüfen.
Badeschiff in Berlin: Freibad auf einem Schiffsrumpf
Für das Badeschiff in Berlin nahm man sich 2004 einfach einen Schiffsrumpf und machte daraus ein Freibad, was die Skepsis der ersten Gäste durchaus nachvollziehbar macht. Das 25 mal acht Meter große Frischwasserbecken schwimmt seither auf der Spree und knüpft damit an die Tradition Berliner Flussbadeanstalten an, nur eben ohne deren historischen Ballast. Strandbar und Industriearchitektur der Arena Berlin rahmen jede Bahn, Palmen fehlen hier zwar leider komplett, dafür gibt es Kraftwerkssilhouetten. Es muss ja nicht immer der Naturcharme sein. Der Eintritt funktioniert nur über vorab buchbare Zeitfenster, Tickets werden laut Betreiber vier Tage vor dem Termin freigeschaltet. Spontaneität bleibt an dieser Stelle also außen vor, das Badeschiff ist aber wahrscheinlich auch eher ein urbaner Sommerort als ein klassisches Familienfreibad.
Piscina Municipal de Montjuïc in Barcelona: Olympische Bühne über der Stadt
Die Piscina Municipal de Montjuïc entstand 1929 für die Weltausstellung in Barcelona und blieb seither erstaunlich gelassen im Rampenlicht. 1992 trugen Wassersprung-Athleten hier ihre olympischen Wettbewerbe aus, mit halb, ach was, ganz Barcelona als Kulisse im Hintergrund. Kylie Minogue drehte am selben Pool das Video zu »Slow«, ohne dass dafür groß etwas für viel Geld hergerichtet werden musste, denn das Bad sah eh schon gut genug aus. Der Blick vom Beckenrand reicht bis zur Sagrada Família, was selbst für Barcelona-Verhältnisse eine Ansage ist. Geöffnet ist saisonal, an heißen Tagen lohnt sich ein früher Besuch, schon wegen des parallel laufenden Sportbetriebs. Aktuelle Saisonzeiten und mögliche Einschränkungen am besten vorab prüfen.
Krapfenwaldlbad in Wien: Sommerbad mit Stadtpanorama
Das Krapfenwaldlbad, ausgesprochen wie geschrieben und trotzdem weniger Zungenbrecher als gedacht, eröffnete 1923 als Sonnen- und Luftbad. Ja, Luftbad. Es liegt am Cobenzl so hoch, dass der Blick über Wien automatisch mitgeliefert wird. Bereits 1979 wurde es als erstes offizielles Oben-ohne-Bad der Stadt bekannt, ein Ruf, der bis heute hartnäckig hält. Becken, Liegewiesen und Kiefern treffen hier auf ein weitläufiges Stadtpanorama, als hätte jemand Wien extra dafür in die Landschaft platziert. Die Wiener Freibäder sind 2026 vom 2. Mai bis 13. September geöffnet, bis Ende August mit längeren Zeiten. Am Wochenende öffnet das Bad bereits um 8 Uhr. Und diese Info ist gar nicht unwichtig für alle, die den besten Liegeplatz noch ergattern wollen. Ein Blick auf die Wiener Bäderampel verrät vorab, wie voll es tatsächlich wird.









