Die Hauptstadt des Bundeslands Tirol ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Im Herbst ist Innsbruch aber besonders schön – und ein Paradies für Wander-Fans.
Herbstspaziergang in der Stadt: vom Inn über den Alpenzoo zur Hungerburg
Die erste Herbstwanderung in Innsbruck startet mitten in der Stadt. An der Innpromenade leuchtet das Laub der Uferbäume gegen das kühle Grün des Flusses, dahinter ragt die Nordkette auf. Vom Rennweg führt der Hans-Psenner-Steg über den Inn. Auf der anderen Seite weisen Schilder den Heinrich-Süß-Weg hinauf zum Alpenzoo. Europas höchstgelegener Zoo liegt auf 750 Metern und zeigt rund 2.000 Tiere aus 150 Arten des Alpenraums, vom Steinbock bis zum Bartgeier.
Hinter dem Zoo steigt der Wilhelm-Greil-Weg durch den Wald zur Hungerburg an. Von dem Villenviertel am Fuß der Nordkette schweift der Blick über die Dächer der Altstadt bis zum Patscherkofel auf der anderen Talseite. Für Kaffee und Kuchen bietet sich das Café Alpina an. Bergab fährt die Hungerburgbahn in wenigen Minuten zurück ins Zentrum. Ihre Stationen hat Zaha Hadid entworfen: geschwungene Glasdächer, die an Eisschollen erinnern.
Auf einen Blick: Start am Hans-Psenner-Steg (Rennweg) · 3,5 Kilometer, rund eine Stunde reine Gehzeit, 327 Höhenmeter · leicht · zurück mit der Hungerburgbahn

Foto: TVB Innsbruck/Mario Webhofer
Lärchengold für Familien: der Obsteiger Larchsteig am Mieminger Plateau
Westlich von Innsbruck liegt über dem Oberinntal das Mieminger Plateau, eine sonnige Hochfläche zwischen Wiesen und lichten Wäldern. Hier spielt der Herbst seine stärkste Farbe aus. Die Lärche wirft als einziger heimischer Nadelbaum ihre Nadeln ab, vorher färbt sie sich leuchtend gelb bis orange. Ab Mitte Oktober leuchten ganze Hänge, der Vergleich mit dem Indian Summer liegt nahe.
Mitten durch diesen Lärchenwald führt der Obsteiger Larchsteig. Die Runde misst nur zwei Kilometer und überwindet kaum Höhenmeter, Kinder halten deshalb locker durch. Unterwegs erzählen Infostationen von Spechten, Waldvögeln und Nutztieren, eine widmet sich der Lärche selbst. Start und Ziel ist das Landhotel Stern in Obsteig mit großem Parkplatz. Die Gaststube eignet sich danach für eine Tiroler Jause. Ohne Auto fährt die Buslinie 4176 ab dem Innsbrucker Hauptbahnhof nach Obsteig.
Auf einen Blick: Start und Ziel am Landhotel Stern in Obsteig · 2 Kilometer, 45 bis 50 Minuten, 45 Höhenmeter · leicht, familientauglich · beste Färbung Mitte Oktober bis Anfang November

Foto: Innsbruck Tourismus/Klaus Kranebitter
Zirbenduft auf 2.000 Metern: der Zirbenweg vom Patscherkofel zum Glungezer
Die Zirbe gilt in Tirol als Königin der Alpen. Aus ihrem Holz zimmern Tischler Stuben und Betten, ihr harziger Duft soll beim Einschlafen helfen. Am Zirbenweg wachsen die knorrigen Bäume an der Waldgrenze über Innsbruck, manche davon mehrere Hundert Jahre alt.
Den Anfang macht die Patscherkofelbahn, die von Igls zur Bergstation auf 1.965 Metern schwebt. Von dort zieht der Weg ostwärts über das Alpengasthaus Boscheben, dann breit und fast eben unter Neuner- und Viggarspitze entlang. Links liegt das Inntal, gegenüber das Karwendel. Nach der Tulfeinalm führt ein kurzer Anstieg zur Bergstation der Glungezerbahn auf 2.035 Metern. Die Glungezerbahn bringt Wanderer hinunter nach Tulfes, ein Bus fährt zurück nach Igls. Das Zirbenweg-Ticket der Patscherkofelbahn deckt beide Bahnen ab, auf Wunsch inklusive Bus. Laut Betreibern fahren beide Bahnen im Herbst 2026 täglich bis zum 1. November.
Mehr Herbstziele rund um Tulfes und das östliche Mittelgebirge sammelt unser Beitrag zum Herbst in Hall-Wattens.
Auf einen Blick: Start an der Bergstation Patscherkofel · 2 bis 2,5 Stunden bis zur Bergstation Glungezer, 283 Höhenmeter im Aufstieg · leicht bis mittel · Einkehr in Boscheben und auf der Tulfeinalm

Foto: Innsbruck Tourismus/Pastourmatzis
Almruhe im Sellraintal: Wanderung zur Juifenalm
Südwestlich von Innsbruck zweigt bei Gries im Sellrain das Lüsenstal ab. Nach wenigen Kilometern wirkt die Stadt weit weg: Bauernhöfe, ein Bach, darüber die Dreitausender der Stubaier Alpen. Am Parkplatz Juifenau auf 1.422 Metern beginnt der Aufstieg. Zunächst folgt er der Fahrstraße bis hinter einen Schranken, dann geht es über eine Holzbrücke steil durch den Herbstwald. An einer Jagdhütte vorbei öffnet sich das Gelände, die letzten Meter zur Juifenalm auf 2.022 Metern führen über Almwiesen.
Oben reicht die Sicht vom Rosskogel über das Fotscher Windegg bis zum Zischgeles. Sylvia und Gotthard Stern bewirtschaften die Alm seit 2015 und kochen Hausgemachtes, überwiegend aus Produkten der Region. Für den Rückweg wählen Trittsichere den Sommersteig, alle anderen den Fahrweg. Bei Nässe wird der Steig rutschig.
Auf einen Blick: Start am Parkplatz Juifenau (gebührenpflichtig) · rund 2 Stunden Aufstieg, ca. 600 Höhenmeter, 8 Kilometer gesamt · mittelschwer · Öffnungszeiten der Alm vorab auf juifenalm.at prüfen

Foto: Innsbruck Tourismus/Mario Webhofer
Für Frühaufsteher: Sonnenaufgang auf der Nockspitze
Die Nockspitze, in Innsbruck meist Saile genannt, gehört zu den markantesten Gipfeln über der Stadt. Ihr Gipfelkreuz steht auf 2.404 Metern. Wer dort den Sonnenaufgang erleben will, startet im Dunkeln am Parkplatz der Axamer Lizum auf 1.564 Metern. Der Halslsteig führt hinauf zum Halsl, danach zieht der Pfad über eine steile Grasflanke und durch felsige Serpentinen zum Gipfel.
Nach zwei bis zweieinhalb Stunden bleibt Zeit für Tee aus der Thermoskanne. Dann schiebt sich die Sonne über die Tuxer Alpen und taucht das Inntal in goldenes Licht. Anfang Oktober geht sie gegen 7.20 Uhr auf, nach der Zeitumstellung Ende Oktober schon gegen 7 Uhr. Stirnlampe, Handschuhe und eine warme Jacke gehören in den Rucksack, denn nachts fällt das Thermometer auf dieser Höhe oft unter null. Die Route sollte man vorher bei Tageslicht kennen. Ab Mitte Oktober kann zudem Schnee auf dem Steig liegen.
Zurück geht es am besten auf dem Aufstiegsweg. Die Runde über die Pfriemeswand gilt als schwierig und verlangt Trittsicherheit an ausgesetzten Stellen. Zum Frühstück lohnt der Abstecher zur Birgitzköpflhütte.
Auf einen Blick: Start am Parkplatz Axamer Lizum · 2 bis 2,5 Stunden Aufstieg, 889 Höhenmeter · mittelschwer, Trittsicherheit nötig · nur bei stabilem Wetter

Foto: Innsbruck Tourismus/Markus Mair
Innsbruck im Herbst: wann sich die Wanderungen lohnen
Die beste Zeit für Herbstwanderungen rund um Innsbruck liegt zwischen Ende September und Anfang November. Die Lärchen erreichen ihre stärkste Farbe meist in der zweiten Oktoberhälfte. Oft hält sich dann Nebel im Inntal, während oberhalb von 1.500 Metern die Sonne scheint. Für die Höhenwege lohnt es sich deshalb, morgens auf die Webcams der Bergbahnen zu schauen.
Innsbruck im Oktober verlangt etwas Planung. Viele Almen und Hütten schließen im Lauf des Monats, ein Anruf vorab erspart Enttäuschungen. Die Tage werden spürbar kürzer: Anfang Oktober geht die Sonne gegen halb sieben unter, nach der Zeitumstellung schon vor fünf. Bei Fragen zu Ausrüstung und Wegzustand helfen Innsbruck Tourismus und der Alpenverein, beide vermitteln auch geführte Touren.
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