Manche Hotels sind einfach echte Herzensorte. Für Redakteurin Marie ist ein solcher Ort das Hotel Verride Palácio de Santa Catarina in Lissabon. In dem imposanten Palast aus dem 18. Jahrhundert ist heute ein Luxushotel untergebracht, in dem nicht nur Designfans das Herz höher schlagen dürfte.

Wieder einmal stehe ich vor dem gigantischen Stadtpalast im Herzen von Lissabon. Ich war schon oft hier, habe eine Zeit lang auf halber Höhe des Berges Santa Catarina gewohnt. Er ist einer der sieben Hügel, die Lissabon sein charaktervolles Aussehen verleihen. Auf seinem höchsten Punkt thront der Palast aus dem 18. Jahrhundert. Aus 27 großen Fenstern blickt er über den freien Platz vor sich, den wuseligen Miradouro gleich daneben und weit über die Flussmündung des Tejos bis hin zur Ponte 25 de Abril und der berühmten Christus-Statue. Eines der riesigen Fenster entpuppt sich beim Näherkommen als Eingangstür.

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Ein dreigeschossiger, heller Palas in Lissabon, von der Ecke fotografiert.

Foto: Small Luxury Hotels of the World

Zuhause im Palast

Ich mache die letzten Schritte über den leeren Platz darauf zu, und wie aus dem Nichts taucht ein Herr an der Pforte auf. »Bem-vindo!«, begrüßt mich der Mann mit einladender Handbewegung und einer kleinen Verbeugung. Seine Erscheinung ist überraschend, auf viele Arten. Sein Lächeln zieht sich breit über das dunkle Gesicht, dazu trägt er Dreadlocks, und der Körper steckt in einer Art altertümlichem Frack. »Adilson«, wie sein Namensschild verrät, ist der Portier des Luxushotels Verride Palácio de Santa Catarina, das sich seit 2018 in dem Stadtpalast befindet. Adilson ist quasi von Anfang an fester Bestandteil des Hauses. Die Menschen arbeiten sehr gerne und lange hier – die Atmosphäre ist familiär.

Auch die kleine Eingangshalle kenne ich. Obwohl ich noch nie im Haus war. Doch die hübsche Holztreppe, die oval bis unter das Dach führt (keine Sorge, es gibt auch einen Aufzug!), ist weltberühmt. Denn der mehrfach prämierte Deutsch-Schweizer Film »Nachtzug nach Lissabon« wurde in Teilen in und vor ebendiesem Palast gedreht. Die Holztreppe, die ich schon oft durch die offene Tür erblickt habe, wird im Film immer wieder in Szene gesetzt. Ein gigantisches Blumenarrangement – Blumenstrauß ist hier wirklich untertrieben – begrüßt am Treppenabsatz die ankommenden Gäste. Wie ich später erfahre, war der Besitzer des Hotels, der Niederländer Mr. Kees, einst Blumenhändler. Er zeichnet persönlich verantwortlich für diesen stets wechselnden, wirklich besonderen Strauß.

Hinter einem steinernen Durchgang in einem historischen Palas führt eine kunstvolle, hölzerne Wendeltreppe nach oben.

Foto: Small Luxury Hotels of the World

Raum ohne Ende

Das Hotel beherbergt nur 20 Zimmer und Suiten. Ich beziehe für meinen Besuch in der Stadt ein Zimmer ganz oben. Mit einem leisen »Klick« öffnet sich die Tür. Selten sind meine Erwartungen an ein Hotelzimmer so hoch wie im Verride Palácio de Santa Catarina. Schon so oft habe ich mich gefragt, wie es wohl innen in diesem Stadtpalast aussieht. Kein Zimmer gleicht hier allerdings dem nächsten, besonders die historischen Royal Suiten oder diese zu Ehren des portugiesischen Tänzers Jorge Salavisa sind ein Statement für sich.

Mein Zimmer ist modern und schlicht eingerichtet, doch keinesfalls beliebig. Das Badezimmer ist halb ins Zimmer integriert samt Erlebnisdusche, die sich mit Knopfdruck zum Beispiel in ein Dampfbad verwandelt, und frei stehender Badewanne. Eine historische Zeichnung der Stadt ziert die Wand, Sessel und ein Willkommenswein laden zum sofortigen Fläzen ein. Jedes Detail im Zimmer trägt die Handschrift von Innenarchitektin Teresa Nunes da Ponte, die auch für die Renovierungen des Palastes zuständig war und deren Arbeit dem holistischen Anspruch der Räumlichkeiten absolut gerecht wird.

Das Zimmer ist mehr als geräumig. Drei der großen Fenster, die den Blick auf den Platz und ganz Lissabon freigeben, spenden reichlich Licht. Was sofort auffällt, ist das gigantische Bett. Mr. Kees, ein großer, schlaksiger Mensch, weiß um die Wichtigkeit von gemütlichen und räumlichen Betten. Und so messen die meisten der edlen Matratzen im Haus (solange der Platz es erlaubt) 2,10 Meter mal 2,10 Meter! Das ist Kingsize plus zehn Zentimeter. Längs wie quer. Dazu eine Kissenauswahl, die dir das Gefühl gibt, auf Wolken gebettet zu sein. Bettbezug aus feinster ägyptischer Baumwolle. Hier wird beim guten Schlaf nichts dem Zufall überlassen – es stimmt einfach alles.

Ausschnitt aus einem Hotelzimmer im Verride Palácio in Lissabon; zentral ein hohes Doppelfenster, links ein freistehendes Bett, rechts ein flacher, blauer Polstersessel.

Foto: Small Luxury Hotels of the World

Ein Hotel mit Pool – in Lissabon!

Fast schade, dass man in Lissabon auf jeden Fall das Bett verlassen muss. Umso schöner, sich hier noch einmal umzudrehen. (Am besten nach einem fröhlichen Abend, den Besucher in Lissabon hervorragend haben können. Mr. Kees verrät in einem eigenen Hotelmagazin seine liebsten Locations der Stadt.) Frühstück gibt es den ganzen Tag, auf Wunsch per kurzer WhatsApp auch gerne im Bett. Ausschlafen erwünscht.

Wer mag, fläzt sich sonst einfach an den Pool, und lässt den Tag dort entspannt starten. Denn: Der Verride Palácio de Santa Catarina ist eines der wenigen Luxushotels der Stadt mit einem Pool. Und was für einem! Klein, aber fein und mit wunderschönem Blick auf die historischen Dächer der Stadt. Gerne wird auch hier am Nachmittag noch das mehrgängige Frühstücksmenü auf Etageren und mit vielen köstlichen Kleinigkeiten serviert. Ich muss in jedem Fall noch mehr von Mr. Kees erzählen.

Drohnensicht auf einen kleinen, aber eleganten Rooftop-Pool über den Dächern Lissabons

Foto: Small Luxury Hotels of the World

Der Herr des Hauses

Denn ohne ihn gäbe es das Hotel gar nicht. Nur dank seiner Fantasie, Kreativität und seines Perfektionismus konnte dieser erst Wirklichkeit werden. Ich hatte die Ehre, ihn während meiner Zeit im Verride Palácio de Santa Catarina zu treffen. Ein Privileg, das nicht nur Journalistinnen wie mir vorbehalten ist. Wenn er vor Ort ist – er wohnt seit fast 40 Jahren gleich nebenan –, haben alle Gäste jeden Donnerstagmorgen die Gelegenheit, ihn persönlich im hoteleigenen Wintergarten zum Frühstück oder auf einen Kaffee zu treffen. Eine Begegnung, die inspiriert!

Mr. Kees heißt eigentlich Kees Eijrond. Er ist Künstler aus den Niederlanden (wir erinnern uns an die Blumen), war Tänzer und hat jahrelang das berühmte Tanzensemble Rosas in Belgien geleitet. Doch seine Interessen sind breit gefächert und seine Talente ebenso. Mit dem Verride Palácio hat er nun seiner Wahlheimat Lissabon ein wunderbares Geschenk gemacht. Das Luxushotel ist in der Welt der Intellektuellen bereits bekannt, und auch so mancher Hollywoodstar, Weltpolitiker und viele mehr zählen zu seinen oft wiederkehrenden Gästen, die er alle wie seinen persönlichen Besuch empfängt.

Terrasse des Restaurants Suba im Hotel Verride Palácio in Lissabon, mit Holztischen und Korbsesseln.

Foto: Small Luxury Hotels of the World

Ein Hotel zum Wiederkommen

Die Sonne neigt sich dem Horizont entgegen, und auch mein Aufenthalt an diesem wundervollen Ort geht bald zu Ende. Ich stehe auf dem kleinen Rondell auf dem Rooftop des Palastes. Hier fühle ich mich wie auf dem Dach der Welt! Ich kenne viele spektakuläre Ausblicke über Lissabon, aber keinen wie diesen. Die Terrasse ist – wie alles im Hotel – unglaublich. Jeder Mensch sollte einmal von hier den Sonnenuntergang bestaunen! Und dann am besten in eines der hauseigenen Restaurants einkehren, die zum Teil auch schon von Michelin empfohlen werden.

Ob der Verride Palácio meinen hohen Erwartungen standgehalten hat? Er hat sie kanalisiert. Jetzt ist dieser mystische Palast kein idealisiertes Fragezeichen in meinem Kopf mehr. Sondern ein Ort, der noch einmal mehr zeigt, was für wunderschöne und einzigartige Projekte die portugiesische Hauptstadt in petto hat, wenn kreative Menschen mit einem hohen Anspruch an das gute Leben die Substanz der Stadt am Tejo aktiv mitgestalten. Mr. Kees ist das mit dem Verride Palácio gelungen.

Das Luxushotel Verride Palácio de Santa Catarina mit 20 Zimmern und Suiten ist Mitglied der »Small Luxury Hotels of the World«. Eine Nacht im Doppelzimmer kostet ab etwa 550 Euro. Mehr Infos unter: www.slh.com.

Das Verride Palácio de Santa Catarina in unserem Podcast »Hotel der Woche«

Noch mehr Infos zu Lissabon

Häufige Fragen

Wann ist die beste Reisezeit für Lissabon?

Lissabon lohnt sich fast das ganze Jahr über. Besonders angenehm sind Frühling und Herbst, wenn es warm, sonnig und weniger voll ist als im Hochsommer.

Wie viele Tage sollte man für Lissabon einplanen?

Für die wichtigsten Stadtviertel reichen oft drei Tage. Wer auch Strände, Aussichtspunkte und Ausflüge in die Region sehen möchte, sollte besser vier bis fünf Tage einplanen.

Braucht man in Lissabon ein Auto?

Für einen Städtetrip eher nicht. In der Stadt kommst du gut mit Metro, Tram, Bus und zu Fuß zurecht; für Ausflüge in die Umgebung kann ein Mietwagen hilfreich sein.

Was sollte man in Lissabon unbedingt machen?

Beliebt sind Spaziergänge durch die Altstadt, Aussichtspunkte, historische Viertel und Ausflüge an die Küste. Auch die Standseilbahnen und die berühmten Straßenbahnen gehören für viele dazu.