Der K2 im letzten Licht unter einem dichten Sternenhimmel, gesehen aus dem Talschluss von Concordia. Foto: Pakawat Thongcharoen/Shutterstock.com
Pakistan

Wissenswertes über den K2: Alle Infos im Überblick

Der zweithöchste Berg der Welt trägt bis heute ein Vermessungskürzel als Namen. 8.611 Meter hoch, am Ende eines 62 Kilometer langen Gletschers gelegen, gilt der K2 unter Bergsteigern als der schwierigste Achttausender.

Im Jahr 1856 vermaß der britische Landvermesser Thomas Montgomerie von einem Gipfel in Kaschmir aus die Kette des Karakorum, gut 200 Kilometer entfernt. Er nummerierte die auffälligsten Spitzen schlicht durch, K1 bis K5. K1 etwa bekam seinen gebräuchlichen Namen Masherbrum zurück, K3 wurde zum Broad Peak. Nur K2 behielt das Kürzel, weil der Berg von keinem bewohnten Tal aus zu sehen ist und deshalb in keiner Alltagssprache der Region einen festen Namen trug. Die Balti nennen ihn heute Chhogori, großer Berg. Die Bezeichnung entstand vermutlich erst im Kontakt mit den Expeditionen.

8.611 Meter an einer der abgelegensten Grenzen der Welt

Der K2 steht auf der Grenze zwischen dem pakistanischen Gilgit-Baltistan und der chinesischen Region Xinjiang, am Ende des 62 Kilometer langen Baltoro-Gletschers. Mit 8.611 Metern bleibt er 238 Meter unter dem Everest.

Seine Form jedoch macht den Unterschied: eine fast regelmäßige Pyramide, die aus dem Gletscher heraus in einem Zug 3.600 Höhenmeter aufbaut. Kein Vorgipfel bricht den Anstieg, keine Hochebene gibt Erholung. Wer am Berg steht, steigt von der ersten bis zur letzten Stunde steil.

Die Gipfelpyramide des K2 ragt über schneebedeckte Flanken, Wolken ziehen um den Grat

Foto: Hussain Warraich/Shutterstock.com

1954 und ein Streit, der ein halbes Jahrhundert hielt

Am 31. Juli 1954 erreichten Achille Compagnoni und Lino Lacedelli den Gipfel, im Rahmen einer italienischen Expedition unter Ardito Desio. Der Erfolg hing an zwei Männern, die selbst nie oben ankamen. Walter Bonatti und der Hunza-Träger Amir Mahdi schleppten die Sauerstoffflaschen nach oben und fanden das Hochlager verlegt vor. Sie überlebten eine Nacht im Freien auf rund 8.100 Metern. Mahdi verlor Zehen und Finger. Bonatti kämpfte Jahrzehnte um seine Version der Ereignisse, bis der italienische Alpenverein sie 2007 offiziell bestätigte.

Messner, Dacher und die Magic Line

Für den deutschsprachigen Bergsport bleibt 1979 das entscheidende K2-Jahr. Reinhold Messner reiste mit einer bewusst kleinen Mannschaft an und wollte den bis dahin unbestiegenen Südsüdwestpfeiler versuchen, eine Linie, der er selbst den Namen Magic Line gab. Die Verhältnisse am Pfeiler zwangen die Gruppe auf den Abruzzensporn. Am 12. Juli 1979 erreichten Messner und Michl Dacher den Gipfel, beide ohne Flaschensauerstoff. Für Messner war es der fünfte Achttausender auf dem Weg zu allen vierzehn. Die Magic Line blieb offen, bis 1986 eine polnisch-tschechoslowakische Seilschaft sie durchstieg. Einer der drei Bergsteiger stürzte beim Abstieg tödlich ab.

ekkinggruppe geht über den schneebedeckten Baltoro-Gletscher, im Hintergrund die Zacken des Karakorum

ekkinggruppe geht über den schneebedeckten Baltoro-Gletscher, im Hintergrund die Zacken des Karakorum. Foto: Muhammad Azham/Shutterstock.com

Der Flaschenhals

Die Normalroute führt über den Abruzzensporn an der pakistanischen Südseite. Ihre entscheidende Stelle liegt auf rund 8.200 Metern und heißt Bottleneck, ein enges Couloir, das nach links unter eine Wand hängender Eistürme quert. Diese Séracs können brechen. Und zwar ohne Vorwarnung.

Am 1. August 2008 riss ein solcher Abbruch die Fixseile weg und schnitt mehrere Seilschaften vom Abstieg ab. Elf Menschen starben innerhalb von 27 Stunden. Bereits 1986 hatte der Berg in einer einzigen Saison 13 Leben gefordert, die meisten davon in einem Sturm, der fünf Bergsteiger in einem Lager auf 8.000 Metern festhielt. In derselben Saison stand am 23. Juni 1986 Wanda Rutkiewicz als erste Frau auf dem Gipfel.

Die Winterlücke

Über Jahrzehnte galt der K2 als der Achttausender, den im Winter niemand bezwingt. Temperaturen um minus 50 Grad und Jetstream-Winde ließen jeden Versuch scheitern. Am 16. Januar 2021 stiegen zehn nepalesische Bergsteiger um Nirmal Purja und Mingma Gyalje Sherpa gemeinsam die letzten Meter, nachdem sie kurz unterhalb des Gipfels aufeinander gewartet hatten. Purja verzichtete dabei auf Flaschensauerstoff. Dieselbe Wintersaison kostete den Katalanen Sergi Mingote das Leben, der Pakistaner Muhammad Ali Sadpara verschwand mit zwei Gefährten oberhalb des Bottleneck.

Trägerkarawane zieht bei violetter Morgendämmerung über ein Schneefeld im Karakorum

Foto: Chaton Chokpatara/Shutterstock.com

Der Berg verändert sich

Am 22. Juli 2022 standen an einem einzigen Tag rund 145 Menschen auf dem Gipfel, mehr als in den ersten fünf Jahrzehnten nach der Erstbesteigung zusammen. Durchgehende Fixseile, Flaschensauerstoff und starke Sherpa-Teams haben den K2 in eine kommerzielle Liga geführt, in der zuvor nur der Everest spielte.

Die Sterblichkeit sank dadurch deutlich, historisch starb etwa jeder vierte Gipfelaspirant, heute liegt die Quote im niedrigen einstelligen Bereich. Die Debatte darüber, was ein Andrang dieser Größe an einem Berg dieser Art anrichtet, begleitet inzwischen jede Saison.

Bunte Zelte auf der Gletschermoräne von Concordia, dahinter die Pyramide des K2

Bunte Zelte auf der Gletschermoräne von Concordia, dahinter die Pyramide des K2. Foto: Krisada Petchrak/Shutterstock.com

Und dann 2026: eine Saison ohne Gipfel

Wie brüchig diese neue Normalität ist, zeigte der Sommer 2026. Kein einziger Mensch erreichte in dieser Saison den Gipfel. Der Juli brachte anhaltend starke Höhenwinde, dazu Schneefall bis weit in den Monat hinein. Die Seilfixierung am Abruzzensporn kam kaum voran, ein stabiles Wetterfenster für den Schlussanstieg öffnete sich nie. Ein Jahr zuvor hatten noch 41 Bergsteiger oben gestanden.

Dann kam der 30. Juli. Am Broad Peak, keine acht Kilometer vom K2 entfernt, löste sich zwischen Lager II und Lager III eine Lawine und erfasste eine zehnköpfige internationale Seilschaft. Alle zehn starben, darunter der nepalesisch-britische Ausnahmealpinist Nirmal Purja. Teams aus dem gesamten Baltoro brachen ihre Pläne ab und liefen zur Unglücksstelle, um bei der Suche zu helfen.

Einen Tag später war die Saison am K2 vorbei. Die letzten Seilschaften am Berg gaben ihre Gipfelversuche auf und stiegen ins Basislager ab, wegen der Lawinenlage und aus Respekt vor den Toten am Nachbarberg.

Leer war der Berg ohnehin. Anfang Juli hatte die Tourismusbehörde von Gilgit-Baltistan erst 31 Bergsteiger- und 39 Trekkinggenehmigungen an ausländische Gäste ausgegeben. Ein Jahr zuvor waren allein 555 Expeditionsanträge eingegangen. Statt der großen kommerziellen Gruppen prägten kleine, unabhängige Teams das Basislager. Vier Jahre nach dem Tag mit 145 Gipfelgängern stand am K2 niemand oben.

Das Basislager auf 5.150 Metern

Der Weg beginnt in Skardu und führt über Askole, das letzte Dorf mit Straßenanschluss, auf den Baltoro-Gletscher. Sieben bis acht Tagesetappen später liegt das Basislager auf rund 5.150 Metern, auf der Moräne des Godwin-Austen-Gletschers direkt unter der Südseite. Kurz davor öffnet sich Concordia auf etwa 4.600 Metern, der Zusammenfluss zweier Gletscherströme, den die Bergsteigerliteratur Thron der Bergötter nennt. Von dort stehen vier Achttausender in Sichtweite.

Technisch verlangt der Trek wenig mehr als sicheres Gehen auf Schotter, Moräne und Gletschereis. Anspruchsvoll macht ihn die Summe: rund 100 Kilometer pro Richtung, zwei bis drei Wochen ohne feste Unterkünfte, Zeltlager auf dem Gletscher, Nachttemperaturen unter null auch im Juli. Dazu kommt eine Region ohne verlässliche Rettungskette. Ein Hubschrauber startet nur bei gutem Wetter und nach Freigabe durch die pakistanische Armee. Der Rückweg über den Gondogoro La auf 5.585 Metern verlangt Seil und Steigeisen und zählt bereits zum Hochtourengelände.

Wanderer steigen über einen Grashang zu einem Camp ab, dahinter vergletscherte Karakorum-Gipfel

Wanderer steigen über einen Grashang zu einem Camp ab, dahinter vergletscherte Karakorum-Gipfel. Foto: Krisada Petchrak/Shutterstock.com

Für durchschnittlich trainierte Bergsteiger bleibt die Strecke damit machbar, sofern sie lange Etappen gewohnt sind und Höhen um 5.000 Meter kennen. Organisierte Gruppen reisen mit Guide, Koch und Trägern, eine Trekkinggenehmigung für den Zentralkarakorum-Nationalpark und eine lizenzierte Begleitung gehören zur Pflicht. Der Berg selbst spielt in einer anderen Liga. Oberhalb des Basislagers beginnt Gelände, das Erfahrung mit Fixseilen, Steigeisen und Höhen jenseits von 7.000 Metern voraussetzt. Die Saison am Baltoro reicht von Juni bis Anfang September.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der K2?
Der K2 misst 8.611 Meter und steht nach dem Everest an zweiter Stelle der höchsten Berge der Erde.
Warum trägt der K2 diesen Namen?
Der britische Vermesser Thomas Montgomerie nummerierte die Karakorum-Gipfel 1856 als K1 bis K5 durch. Bei K2 blieb das Kürzel, weil der Berg aus keinem bewohnten Tal sichtbar ist.
Wer bestieg den K2 zuerst?
Achille Compagnoni und Lino Lacedelli erreichten den Gipfel am 31. Juli 1954 im Rahmen einer italienischen Expedition unter Ardito Desio.
War Reinhold Messner auf dem K2?
Ja, am 12. Juli 1979 gemeinsam mit Michl Dacher und ohne Flaschensauerstoff. Für Messner war es der fünfte seiner vierzehn Achttausender.
Warum gilt der K2 als schwieriger als der Everest?
Er steigt durchgehend steiler an, das Wetter im Karakorum schlägt schneller um, und der Bottleneck auf 8.200 Metern führt unter hängenden Eistürmen hindurch.
Lässt sich der K2 ohne Klettererfahrung sehen?
Ja, der Trek über den Baltoro-Gletscher nach Concordia verlangt Kondition und Höhenerfahrung, technisches Klettern verlangt er nicht.
Wann ist die beste Reisezeit?
Die Saison am Baltoro reicht von Juni bis Anfang September.
Wie hoch liegt das Basislager am K2?
Das Basislager liegt auf rund 5.150 Metern auf der Moräne des Godwin-Austen-Gletschers. Von Askole führen sieben bis acht Tagesetappen dorthin.
Jennifer Latuperisa-Andresen
Je kälter, karger und einsamer es um sie herum wird, desto höher schlägt Jennys Herz. Wer braucht schon Palmen im Urlaub, wenn man auch Eisberge haben kann? Deshalb verbringt die Chefredakteurin aus dem Ruhrpott ihre Sommer auch gerne mal in der Arktis bei den Eisbären. Sie sagt: Das ewige Eis kann zur Sucht werden.