In den Urlaub fliegen, die Welt entdecken und die schönste Zeit des Jahres genießen – wer träumt nicht davon? Für queere Menschen sieht die Realität allerdings anders aus: Sie müssen sich bereits vor Buchung darüber Gedanken machen, wie frei sie im Urlaub sein können. Denn Diskriminierung und Ausgrenzung von Lesben, Schwulen und queeren Menschen steht auch 2026 noch in vielen Ländern auf der Welt an der Tagesordnung.
Daher wundert es nicht, dass fast die Hälfte der deutschen Befragten aus der LGBTQ+-Community (44 Prozent) in einer 2026 von booking.com veröffentlichten Studie angaben, dass sie beim Reisen heute mehr Sicherheitsvorkehrungen treffen als zuvor, nicht wenige verbergen ihre Identität auf Reisen. Insbesondere trans Personen gaben an, auf Reisen heute besorgter zu sein als noch in vorherigen Jahren.

Foto: Brian Kyed
Dennoch gibt es viele Länder, die etwa im Spartacus Gay Travel Index als LGBTQ-freundlich geführt werden. Dazu zählen etwa Island, Malta, Spanien, Deutschland, Portugal, Kanada, Urugay, Chile oder Neuseeland. In vielen Städten und Regionen dieser Länder sind sie nicht nur akzeptiert, sondern auch willkommen.
Auch einzelne Städte empfehlen sich als Reiseziel. Das Schwulenmekka San Francisco beispielsweise bietet auf seiner Website eine eigene Rubrik für die LGBTQ+ Gemeinde an. Interessierte finden dort Bar-, Restaurant- und Shopping-Tipps für ihren nächsten Trip in die kalifornische Metropole. Viele Metropolen in den USA und Kanada haben mittlerweile gleichgezogen und informieren auf ihren Webseiten ausführlich über die touristischen Attraktionen der örtlichen LGBTQ+-Szene.
Wohin reisen queere Menschen?
Andere Reiseziele müssen gar nicht erst Werbung machen für ihre florierende LGBTQ+-Community. Seit Jahrzehnten schon sind sie als Ferien-Hotspots der Szene bekannt. Dazu zählen in Europa die Kanareninsel Gran Canaria, die Balearen-Insel und Partyhochburg Ibiza, die griechische Insel Mykonos und das ehemalige Fischerdorf Sitges in Katalonien.

Foto: Tourist Board of Gran Canaria
Gleiches gilt in den USA für Key West in Florida und Palm Springs in Kalifornien. In all diesen Urlaubsorten gibt es nicht nur viele Szene-Bars, sondern auch viele B&B- und Hotel-Unterkünfte – speziell für Lesben und vor allem Schwule.
Auch die LGBTQ+-Szene in Miami ist seit Langem ein beliebtes Reiseziel. Viele Hotels, Restaurants sowie Bars und Clubs haben sich auf diese Zielgruppe eingestellt. Darüber hinaus locken einige der größten Gay-Partys des Landes Tausende von internationalen Besuchern nach Miami. So ist die Stadt seit mehr als 30 Jahren Austragungsort der Winter-Party: Meist im März verwandelt sich South Beach in Höhe des Lummus Parks in eine Partymeile unter weißen Zelten. Internationale DJs heizen der Menge ein, kleine Kunstevents runden die Party-Woche ab.
Hinweis: Die aktuelle US-Regierung unter Präsident Donald Trump ändert und verschärft regelmäßig die Einreisebedingungen. Seit 2025 müssen alle Personen bei Einreise ihr bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht angeben, was insbesondere trans und intersexuelle Personen in ihrer Persönlichkeit einschränkt. Vor der Einreise gilt es, sich unbedingt mit den aktuellen Bedingungen auseinanderzusetzen.

Foto: Olga V Kulakova/Shutterstock.com
Pride-Events und CSD-Paraden als Touristenmagnete
Viele Mitglieder der LGBTQ+-Szene lieben die »Pride Events«. Zu den größten Christopher-Street-Day-Paraden in Deutschland, denen in Berlin und Köln, reisen jährlich Hunderttausende Besucher an. Meist bleiben die auswärtigen Besucher ein ganzes Wochenende in der Stadt.
Auch die großen Pride-Veranstaltungen in Amsterdam, Paris, London, Madrid, Wien, Kopenhagen und Stockholm sorgen in den gastgebenden Städten für volle Hotelzimmer.
Brasiliens Hotspots Rio de Janeiro und Sao Paulo
Auch Südamerika steht bei vielen hoch im Kurs. Als schwulenfreundlichstes Land des Kontinents gilt Argentinien, vor allem die Hauptstadt Buenos Aires. Unter der Präsidentschaft von Präsident Javier Milei werden allerdings zunehmend die errungenen Rechte von trans Personen beschränkt.
Auch der große Nachbar Brasilien zieht viele sonnen- und partyhungrige LGBTQ+ Touristen aus aller Welt an. Der Gay-Beach in Rios Stadtteil Ipanema ist legendär, ebenso die weltweit größte Pride-Parade in der Metropole Sao Paulo.

Foto: Cris Faga/Shutterstock.com
Allerdings hatte die Popularität Brasiliens in der LGBTQ+-Gemeinde während der Amtszeit von Ex-Präsident Jair Bolsonaro (Januar 2019 bis Dezember 2022) schwer gelitten.
Schwieriges Terrain: Osteuropa und Balkan
Aber Lesben, Schwule und alle anderen Mitglieder der LGBTQ+ Szene sind auch anderenorts leider nicht unbedingt willkommen. Auch in Ländern, die gar nicht so weit entfernt sind von Deutschland – in denen Osteuropas zum Beispiel.
So galten Polen und Ungarn unter rechten bis rechts-populistischen Regierungen lange als keine geeigneten Reiseziele. In Polen hatten sich rund 100 Kommunen sogar als LGBT-freie Zonen bezeichnet, in Ungarn wurden unter Viktor Orbán über fast zwei Jahrzehnte die Rechte von queeren Menschen ausgehöhlt. Seit dem Wahlsieg des jetzigen polnischen Präsidenten Donald Tusk 2023 hat sich die Lage sich allerdings erheblich gebessert: Im Spartacus Gay Travel Index 2026 kletterte das Land von Platz 118 auf Platz 59. Ungarn rangiert weiterhin weit unten, durch die Abwahl Orbáns im April 2026 herrscht aber Hoffnung, dass sich die Situation bald verbessert.

Foto: Alexandros Michailidis/Shutterstock.com
In Ländern wie Rumänien, Bulgarien oder in denen des ehemaligen Jugoslawiens sollten sich Lesben und Schwule und alle queeren Menschen hüten, all zu offen ihre sexuelle Neigung zu zeigen. In Belgrad etwa, wo 2024 die CSD-Demonstration unter großen Sicherheitsvorkehrungen stattfand. Nahezu die gesamte Innenstadt war von hunderten, wenn nicht tausenden Polizisten hermetisch abgeriegelt.
Andererseits gibt es den größeren Städten der Länder Ost- und Südosteuropas durchaus eine LGBTQ+-Szene. Zwar deutlich kleiner und versteckter als in Westeuropa, aber immerhin. Mancherorts in Ost- und Südosteuropa werden sie geduldet, mancherorts gar toleriert. Oft ist in diesen Ländern das Credo von Regierenden und Bevölkerung: So lange sie sich nicht in der Öffentlichkeit zeigen, so lange lassen wir sie in Ruhe. Ein solches Credo wirkt auf die potentielle LGBTQ+-Besucher aus dem Ausland nicht sonderlich einladend. Kein Wunder, dass viele Menschen der queeren Community um diese Länder einen Bogen machen, wenn es um den Urlaub geht.

Foto: Natalia Blauth
No-go-Areas: Iran, Vereinigte Arabische Emirate und Malaysia
Das ist freilich harmlos im Vergleich zu jenen Ländern, die Schwulen, Lesben und allen Menschen der queeren Community sehr feindselig gegenüberstehen. Dort sind Szenetreffs wie Bars, Clubs und Saunen tabu. Nicht nur das: Homosexualität ist dort strafbar. In einigen Ländern droht gar eine Gefängnis-, schlimmstenfalls die Todesstrafe. Als Pärchen Hand in Hand durch die Stadt laufen, sich im Restaurant am Tisch als Paar zu erkennen geben oder Gay-Kontakt-Apps zu nutzen – all das kann dort schon ziemlich gefährlich werden.
Es handelt sich dabei vornehmlich um Länder, in denen die Religion, vor allem der Islam, eine dominante Rolle in Staat und Gesellschaft spielt. Das zeigt auch der Spartacus Gay Travel Index.
Zu den gefährlichsten Ländern für LGBT-Reisende gehören laut dem Index Staaten wie Afghanistan, Saudi-Arabien, Iran, Somalia und die russische Teilrepublik Tschetschenien, in denen Homosexuelle massiv verfolgt und mit dem Tod bedroht werden. Aber auch die bei Touristen aus Deutschland populäreren Urlaubsländer wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Malaysia sowie Ägypten gelten als gefährlich für queere Menschen.
Das zeigt auch ein aufsehenerregender Fall aus Katar aus 2024. Dort wurde ein 45-jähriger Mexikaner verhaftet, weil er die bei schwulen Männern beliebte Dating-App Grindr nutzte und dabei von Polizisten in eine Falle gelockt wurde. Anschließend saß er sechs Monate im Gefängnis.
Drakonische Strafen: Wohin Lesben und Schwule nicht reisen sollten
Ein homophobes Klima herrscht auch in dem von ultrakonservativen Christen dominierten Uganda, wo sich die Lage für queere Menschen 2023 abermals verschärft hat, und dem Karibikurlaubsparadies Jamaika.

Foto: iain statham/Shutterstock.com
Auch in dem Urlaubsparadies Malediven ist Homosexualität strafbar. Bei Nichtbeachtung droht strafrechtliche Verfolgung. Das Strafgesetzbuch verbietet in Abschnitt 411 Absatz 2 den Geschlechtsverkehr zwischen Menschen gleichen Geschlechts. Homosexueller Geschlechtsverkehr kann mit Haftstrafen von sechs Monaten bis zu vier Jahren bestraft werden.
Im bei Safaritouristen beliebten Kenia sieht es noch schlimmer aus. Auch dort sind gleichgeschlechtliche Handlungen zwischen Männern nach Paragrafen 162 bis 165 des Strafgesetzbuches strafbar. Das Strafmaß beträgt fünf bis 14 Jahre Freiheitsstrafe.
Und auch im Iran droht eine enorme Gefahr, sogar für Leib und Leben. Allein fürs bloße Outing drohen 100 Peitschenhiebe. Die Todesstrafe kann verhängt werden, wenn ein schwules Paar in flagranti erwischt wird. Von offizieller Seite wird die Schwulen und Lesben im Land negiert.

Foto: Meg Aghamyan


