München und Bier, diese beiden Dinge kann der Mensch nicht trennen. Der güldene Gerstensaft ist fest mit der Geschichte der Stadt verbunden und aus dem täglichen Leben nicht wegzudenken. Aber warum eigentlich? Das hat sich Chefredakteurin Jenny mal genauer angeguckt.
Am Anfang war das Reinheitsgebot
Die Geschichte des Münchner Biers beginnt deutlich weniger romantisch, als viele vermuten. Bevor Hopfen, Malz und klares Wasser Einzug hielten, landete im Sudkessel so ziemlich alles, was verfügbar war. Kräuter und Wurzeln, bis hierher noch verständlich. Aber auch Seile, Harze und manchmal Dinge, über die man heute lieber nicht nachdenkt. Bier als Wundertüte mit Nebenwirkungen. Der Geschmack musste damals noch gefunden werden, die Wirkung jedoch trat sozusagen von alleine ein.
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Du legst uns als Quelle fest. Und wir dich in unserem Herzen. ♥1487 zog Herzog Albrecht IV. die Mischer-Reißleine und legte fest, was ins Münchner Bier durfte. Ein früher Akt der Vernunft und vermutlich ein Segen für Leber und Magen. Das berühmte Reinheitsgebot folgte später, wurde verfeinert und verteidigt. Wichtig bleibt vor allem diese Erkenntnis: Bier war schon immer politisch, wirtschaftlich und ziemlich existenziell. Das ist im heutigen München noch immer so, doch um das näher zu erläutern, müsste eher ein Buch verfasst werden.
Biergeschichte zum Eintauchen
Wer das Historische plastisch erleben möchte, landet früher oder später im Bier- und Oktoberfestmuseum. Hoffentlich, denn es lohnt sich. Versteckt in der Sterneckerstraße, untergebracht in einem der ältesten Bürgerhäuser der Stadt, beginnt der Besuch mit einer steilen Himmelsleiter. Symbolisch passt das schon ganz gut. Große Menschen sollten aufpassen, der Kopf muss öfter eingezogen werden. Schließlich wartet hier Biergeschichte zum Anfassen.
- Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen
- Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen
Alte Maßkrüge, Geschichten über Bierbarone, Anekdoten rund ums Filzl. Sogar der Bierdeckel hat eine bewegte Vergangenheit. Im obersten Stock übernimmt das Oktoberfest das Kommando. Vom Pferderennen zur globalen Großveranstaltung, mit Fahnen, Plakaten und einem Silberjeton aus dem Jahr 1810. Und plötzlich wird dem Nichtmünchner ganz klar, was er schon immer erahnt hat, wie wichtig dieses Fest für das Gefühl der Stadt ist. Mit einem Wort: sehr.
Bayerische Küche in vegan
Nach so viel Theorie der Promille ruft die Praxis. Im Tal, einer Straße mit einst wechselhaftem Ruf, liegt das Herr’schafts‘zeiten. Ein Paulaner-Wirtshaus mit Geschichte, aber gänzlich ohne verstaubte Attitüde. Drinnen Holz, viel Grün (damit ist die Wandfarbe gemeint), eine Bar, ein Podcast-Studio und sogar ein verkleidetes Wildschwein an der Theke.
- Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen
- Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen
Auf der Karte die zu erwartenden Klassiker. Schweinebraten mit Kruste, Kässpatzen, Obatzter und Brezn. Und dann der Menüpunkt, an dem die Augen erst mal haften bleiben: vegane Weißwurst, veganer Leberkäs. Prost auf diese Zeiten. Bayerische Küche kann Haltung zeigen, ohne ihre Seele zu verlieren.
Pflichttermin: Hofbräuhaus
Kein Bierstreifzug ohne Hofbräuhaus. Klar. Und ja, es ist touristisch. Aber eben nicht nur. Die Geschichte dieses Hauses liest sich wie ein Spiegel Münchens. Entstanden, weil Importbier zu teuer war. Groß geworden, weil bayerische Herzöge Durst und Geschäftssinn verbanden. Damit wurden ganze Staatsapparate und sogar Kriege finanziert.
Das Hofbräuhaus war Treffpunkt für Mozart und Lenin, für Revolutionäre und Stammtische, für politische Extreme und musikalische Ohrwürmer. Noch heute treffen sich hier Münchner, zahlen mit Bierzeichen und bewahren ihre Maßkrüge im Tresor auf. Eine Parallelwelt mit oder trotz Schaumkrone. Und genau deshalb bleibt dieser Ort relevant, trotz Selfiesticks und Reisegruppen.
Und wenn dann auch noch die Blasmusik nicht vom Band, sondern von einer Band kommt, dann ist der bayerische Biertraum komplett. Schön ist auch, dass man im Hofbräuhaus ins Gespräch kommt. Mit Brasilianern, die darüber rätseln, wie man denn richtig zuzelt. Oder dem Herrn, der von seinen Enkelkindern aus dem Brauhaus abgeholt wird, weil Oma daheim die Kaffeetafel schon gedeckt hat.
Modernes Bier für ein modernes München
Zum Schluss ein Sprung in die Gegenwart. Oder besser: in die Zukunft des Münchner Biers. In der Au liegt das BrewsLi, Craft Beer mit Haltung und Humor. Benjamin Saller braut hier direkt im Gastraum. Vom Tank ins Glas, ohne Umwege.
- Foto: BrewsLi
- Benjamin Saller | Foto: BrewsLi
Namen wie Crispy Boy oder Tropical Anarchy sorgen für ein Grinsen und Neugier. Und das Fazit: Das Bier schmeckt! Ausgezeichnet sogar. Hier zeigt sich, was Münchner Bier heute kann. Auf jeden Fall sehr lässig sein. München ohne Bier ist kaum vorstellbar. Aber Bier in München ist mehr als Maß und Mythos. Und während das letzte Glas langsam leer wird, bleibt ein Gedanke hängen: Diese Stadt denkt Bier immer mit. Zum Glück.
Unser Redakteur Konrad was für unser Schwestermagazin funky GERMANY im Glockenbachviertel und Haidhausen unterwegs.
Wo kann ich was in München unternehmen?
Wo schlafen?
Das MOMA 1890 ist ein familiengeführtes Boutiquehotel mit Liebe zum Design. Wunderbar gelegen, direkt am Orleansplatz, und somit leicht erreichbar, ist es eine unkonventionelle Herberge, die wahnsinnig charmant ist und zudem bezahlbar. Mit durchdachten Extras und einem sehr freundlichen Personal. Orleansplatz 6a, 81667 München, www.moma1890.com
Wo einkehren?
Zum veganen Weißwurschtfrühstück ins Herr‘schafts’zeiten – Das Paulaner im Tal. Tal 12, 80331 München, www.herrschaftszeiten-muenchen.de
Asiatische Tapas der feinsten Art gibt in der Schwanthalerhöhe im Koji Restaurant. Unbedingt reservieren, das Restaurant ist sehr klein. Parkstraße 1, 80339 München, www.kojirestaurant.de
Wo Bier trinken?
Es gibt eine reichliche Auswahl an Bieren im Hofbräuhaus. Das vergessen viele, wenn sie hierherkommen, und sind dann doch überrascht. Hofbräu Original (Hell) ist dennoch der Klassiker. Hofbräuhaus. Platzl 9, 80331 München, www.hofbraeuhaus.de
BrewsLi – Der Biermacher. Sorry, aber allein der Name hat einen Preis verdient. Craft-Bier, mit viel Liebe gebraut und wechselnden Sorten. Unbedingt vorbeischauen, denn hier schmeckt’s richtig gut. Taubenstraße 2, 81541 München, www.brewsli.de
Wo kulturell etwas erleben
Bier- und Oktoberfestmuseum. Geschichte des Biers und des Münchner Oktoberfests in einem Altmünchner Bürgerhaus. Kneipe inklusive für den anschließenden Durst. Sterneckerstraße 2, 80331 München, www.bier-und-oktoberfestmuseum.de
Sois Blessed. Konzeptstore mit Café und Suchtgefahr. Hier wird so liebevoll ausgesucht, dass Betreten kostspielige Konsequenzen haben kann. Oder sehr viel Inspiration mitgibt. Auf jeden Fall einen Besuch wert. Prannerstraße 10, 80333 München. https://soisblessed.com









