Rot, Blau, Grün oder Schwarz: Reisepässe sehen weltweit unterschiedlich aus. Dahinter steckt jedoch keine internationale Vorschrift, sondern eine Mischung aus Geschichte, Politik und Tradition. Warum viele Länder auf dieselben Farben setzen und was sie bedeuten.
Wer schon einmal am Flughafen in der Schlange vor der Passkontrolle stand, dem ist es vielleicht aufgefallen: Während der deutsche Reisepass dunkelrot ist, halten andere Reisende blaue, grüne oder schwarze Dokumente in der Hand. Die Unterschiede wirken zufällig, sind es aber nicht.

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Jedes Land entscheidet selbst über das Design seines wichtigsten Ausweisdokuments. Dennoch dominieren auf der ganzen Welt nur vier Farben: Rot, Blau, Grün und Schwarz. Hinter dieser scheinbar simplen Entscheidung verbergen sich Geschichte, politische Zugehörigkeit und kulturelle Symbolik.
Warum Reisepässe fast immer rot, blau, grün oder schwarz sind
Ein internationales Regelwerk für Passfarben existiert freilich nicht. Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) schreibt zwar Größe, Sicherheitsmerkmale und den maschinenlesbaren Bereich vor, macht aber keinerlei Vorgaben zur Gestaltung des Einbands. Dass sich dennoch nur wenige Farben durchgesetzt haben, hat praktische Gründe. Dunkle Töne wirken hochwertig, verschmutzen weniger schnell und lassen sich gut mit Goldprägungen kombinieren. Gleichzeitig transportieren sie häufig eine politische oder kulturelle Botschaft.
Reisepass-Farben: Warum der deutsche dunkelrot ist
Der deutsche Reisepass ist bordeauxrot, damit ist er in guter Gesellschaft. Die meisten Mitgliedstaaten der Europäischen Union verwenden nämlich ähnliche Rottöne. Die Farbe geht auf eine Empfehlung der damaligen Europäischen Gemeinschaft in den 1980er-Jahren zurück. Ziel war ein möglichst einheitliches Erscheinungsbild, das die gemeinsame europäische Identität unterstreichen sollte. Verpflichtend war die Farbe allerdings nie. Deshalb gibt es auch Ausnahmen.

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Kroatien wechselte nach seinem EU-Beitritt von Blau zu Bordeauxrot. Die Schweiz setzt ebenfalls auf Rot, allerdings nicht wegen der EU, sondern als Anlehnung an ihre Nationalfarben. Wer mehr über Sicherheitsmerkmale, historische Hintergründe und die Beantragung eines (neuen) Reisepasses erfahren möchte, findet auf der Website des Bundesinnenministeriums weitere Informationen.
Warum viele Reisepässe blau sind
Blau ist vor allem auf dem amerikanischen Kontinent weit verbreitet. Die Vereinigten Staaten nutzen seit 1976 einen dunkelblauen Reisepass. Das Jahr war kein Zufall: Anlass war der 200. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit. Die Farbe orientiert sich an der US-Flagge und steht bis heute für nationale Identität.
Auch zahlreiche Länder in Mittel- und Südamerika verwenden blaue Reisepässe. In einigen Regionen symbolisiert die Farbe die Zugehörigkeit zu bestimmten Staatenbünden oder gemeinsamen politischen Traditionen.
Weshalb viele muslimisch geprägte Länder grüne Reisepässe haben
Grün besitzt im Islam seit Jahrhunderten eine besondere symbolische Bedeutung. Die Farbe wird traditionell mit dem Propheten Mohammed in Verbindung gebracht und steht in vielen islamischen Überlieferungen für das Paradies, Hoffnung und Leben. Deshalb spielt Grün in zahlreichen Flaggen, Wappen und Staatszeichen muslimisch geprägter Länder eine wichtige Rolle – und findet sich häufig auch auf ihren Reisepässen wieder.

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Zu den Staaten mit grünen Reisepässen gehören unter anderem Saudi-Arabien, Pakistan und Marokko. Die Farbe soll dabei nicht nur die religiöse und kulturelle Tradition widerspiegeln, sondern häufig auch die nationale Identität unterstreichen. Einen internationalen Standard gibt es jedoch nicht. So verwenden einige mehrheitlich muslimische Länder andere Passfarben, während es umgekehrt auch Staaten mit grünen Reisepässen gibt, deren Entscheidung keine religiösen Gründe hat.
Reisepass-Farben: Schwarze sind besonders selten
Am seltensten sind schwarze Reisepässe. Sie werden beispielsweise von Neuseeland sowie einigen afrikanischen Staaten ausgegeben. Die Wahl hat häufig praktische Gründe. Dunkle Einbände gelten als besonders robust und zeigen Gebrauchsspuren weniger deutlich. Gleichzeitig wirken sie hochwertig und elegant.
Hat die Farbe an der Grenze eine Bedeutung?
Für die Passkontrolle spielt die Farbe heute keine Rolle. Grenzbeamte prüfen vielmehr den elektronischen Chip, den maschinenlesbaren Bereich sowie zahlreiche Sicherheitsmerkmale. Moderne Reisepässe enthalten Hologramme, UV-Drucke, Wasserzeichen, Mikrotexte und weitere Technologien, die Fälschungen erschweren sollen.

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Die Farbe hilft allenfalls dabei, das Dokument auf den ersten Blick einer Region zuzuordnen.
Warum moderne Reisepässe kleine Kunstwerke sind
Wer seinen Reisepass einmal unter UV-Licht betrachtet, entdeckt häufig überraschende Details. Viele Staaten verstecken darin berühmte Bauwerke, Tiere, Landschaften oder historische Motive. Auch Deutschland nutzt zahlreiche Sicherheits- und Designelemente. Je nach Seite erscheinen unter UV-Licht unter anderem der Bundesadler, Sehenswürdigkeiten oder filigrane grafische Muster. Sie erschweren Fälschungen und machen den Reisepass gleichzeitig zu einem kleinen Stück nationaler Gestaltungskunst.
Der Pass sagt wenig über die Reisefreiheit aus
Ob ein Reisepass rot, blau oder grün ist, verrät übrigens nichts darüber, wie weit der Inhaber damit reisen kann. Entscheidend ist vielmehr, in wie viele Länder seine Inhaber ohne Visum oder mit Visa-on-Arrival einreisen dürfen. Deutschland gehört dabei regelmäßig zu den Spitzenreitern internationaler Pass-Rankings. Je nach Erhebung ermöglicht der deutsche Reisepass die visafreie Einreise in rund 190 Länder und Gebiete und zählt damit zu den leistungsstärksten der Welt.
Häufige Fragen
Warum ist ein Reisepass zehn Jahre gültig?
Die Gültigkeitsdauer ist ein Kompromiss zwischen Sicherheit und Praktikabilität, da sich Aussehen und biometrische Merkmale im Laufe der Zeit verändern können. Für Personen unter 24 Jahren sind deutsche Reisepässe deshalb nur sechs Jahre gültig.
Wem gehört ein Reisepass eigentlich?
Auch wenn der Reisepass persönlich ausgestellt wird, bleibt er Eigentum des ausstellenden Staates, in Deutschland also der Bundesrepublik. Deshalb darf ein Pass bei Missbrauch oder Fälschungsverdacht eingezogen werden.
Warum verlangen manche Länder noch sechs Monate Restgültigkeit?
Viele Staaten möchten vermeiden, dass Reisende während ihres Aufenthalts mit einem ablaufenden Pass einreisen, und schreiben deshalb eine Restgültigkeit von meist drei oder sechs Monaten vor. Wer diese Regel übersieht, kann trotz gültigem Flugticket an der Grenze abgewiesen werden.


