Schreck bei der Ankunft am Flughafen: Die Check-in-Schlange ist furchtbar lang. Wer Angst hat, den Flieger wegen des Andrangs zu verpassen, sollte handeln. Text: Frank Störbrauck

Manch einer dürfte beim Betreten der Abflughalle erleichtert sein, wenn er feststellt, dass vor den Check-in-Schaltern der Airline gähnende Leere herrscht. Dann bleibt einem das Stehen in der Schlange erspart, und man hat noch Zeit, um sich einen Kaffee zu gönnen. Umgekehrt, bei einer Schlange am Check-in-Schalter, ist dagegen nicht nur der Frust über die drohende Warterei groß. So manch einen Passagier dürfte die Angst beschleichen, womöglich den Flieger zu verpassen, wenn es nicht zügig vorangeht – und das, obwohl man rechtzeitig am Flughafen erschienen ist. Nur: Was tun in einer solchen Situation? Warten und darauf hoffen, dass die Airline-Mitarbeiter erfahren sind und die Schlange am Check-in-Schalter richtig einschätzen? Oder sich doch lieber bemerkbar machen und darauf hinweisen, dass der Flug doch sehr bald abheben soll?

Schnell ein Foto von der Schlange am Check-in-Schalter machen

»Nach der einschlägigen Rechtsprechung muss man als Passagier, wenn man den Eindruck hat, dass man aufgrund einer sehr langen Schlange möglicherweise die Check-in-Zeit verpasst,  Vorkehrungen treffen, um nicht möglicherweise auf Kosten für einen Ersatzflug sitzen zu bleiben«, erläutert Rechtsanwalt und Reiserechtsexperte Holger Hopperdietzel. Wichtig sei zunächst, festzuhalten, wie viele Schalter geöffnet sind und wie viele Flüge an diesen Schaltern abgefertigt werden.

Daneben sei es wichtig, festzuhalten, wann man tatsächlich zum Check-in gelangt sei und wie sich die Situation vor Ort dargestellt habe. »Da heutzutage fast jedermann ein Smartphone bei sich führt, ist es keine Schwierigkeit, die Situation vor Ort fotografisch festzuhalten, um dann gegebenenfalls dem Gericht einen Eindruck von den Menschenmengen zu vermitteln«, empfiehlt Hopperdietzel. Nach der Rechtsprechung einiger Gerichte sei es erforderlich, dass man sich beim Personal meldet und darauf hinweist, dass der eigene Abflug in bedrohliche Nähe rücke, um somit eine vorrangige Abfertigung zu erzielen. »Nur wenn das dann verweigert wird, hat der Fluggast Chancen, wegen dem Verpassen des Fluges Entschädigung oder Schadensersatz zu erhalten«, so Hopperdietzel.

“Abfertigungsschalter ständig mit Passagieren belegt”

Weiter führt der Anwalt aus: »Früher öffneten die Fluggesellschaften für jeden Flug separate Schalter mit der Folge, dass die Schlangen umso kürzer wurden, je näher der Abflugzeitpunkt kam. So hatte auch der spät ankommende Fluggast noch die Chance, abgefertigt zu werden. Derjenige, der zwei Stunden vor geplantem Abflug zum Check in erschien, wusste, dass in seiner Schlange nur Passagiere seines Fluges anstanden. Die wirtschaftliche Folge dieser Organisation der Abfertigung war es aber, dass viel Check-in-Personal bei mehreren abzufertigen Flügen benötigt wurde, das zudem mit herannahendem Abflug nur mit Warten auf die allerletzten Fluggäste beschäftigt war. Heutzutage öffnen die Fluggesellschaften weniger Schalter und lassen an jedem Schalter die Abfertigung aller Flüge zu. Die Folge ist, dass die Abfertigungsschalter ständig mit Passagieren belegt sind und der Fluggast, der bei einem vorgesehenem Abflug um 14:00 Uhr gegen 12:00 Uhr zum Schalter gelangt, damit rechnen muss, dass schon 200 Fluggäste für einen Flug mit Abflug um 14:15 Uhr vor ihm in der Schlange stehen, die seine zügige Abfertigung blockieren.«

Für die Fluggesellschaften habe das den wirtschaftlichen Vorteil, dass sie weniger Schalter öffnen müssen, das spart einerseits Schaltermiete am Flughafen und andererseits Personal. Das wenige Personal, das dann eingesetzt werden muss, sei ständig mit Abfertigungsarbeiten betraut, da an die wenigen geöffneten Schalter Passagiere für alle Abflüge anstehen, sodass es an einem einzelnen Abfertigungsschalter keine kurzen oder abgearbeiteten Schlangen mehr gibt. Aus diesem Grund könne man jeden Fluggast nur empfehlen, von den Möglichkeiten des Online-check-in Gebrauch zu machen, denn die Abgabe des Gepäcks die dann nur noch erforderlich ist, benötige wesentlich weniger Zeit, so Hopperdietzel.

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