Ein lautes Knacken reißt mich aus dem Mittagsschlaf. Jemand ruft meinen Namen. Ich bin sofort hellwach, öffne den Reißverschluss meines Zelts und klettere, noch etwas wackelig auf den Beinen und mit Sandalen an den Füßen, ins Freie. Dort wartet Jean – stämmige Erscheinung, sonnengebräunte Haut, olivgrüne Kleidung, Safarihut – und zeigt auf etwas Graues in der Ferne (und schaut amüsiert auf meine Schläppchen). Als sich meine verschlafenen Augen an das grelle Sonnenlicht gewöhnt haben, erkenne ich, was es ist. Ein Elefant! Nein, eine ganze Herde! Nur etwa 100 Meter von uns entfernt. Gefesselt beobachte ich die Tiere. Dann klingelt ein Handy. Mein Wecker. Ich spüre den vorwurfsvollen Blick der Elis, wie man hier im Busch sagt, und verschwinde schnell in meinem Zelt, um den Alarm auszuschalten.

Foto: Jana Freiberger
»Whatever happens, don’t run!«
Für mich ist der Elefantenbesuch im Wayo Walking Camp im Serengeti-Nationalpark ein besonderes Ereignis. Für Jean du Plessis, den Geschäftsführer von Wilderness Tanzania und Gründer des Safarianbieters Wayo Africa, sind solche Tierbegegnungen Alltag. Der 51-Jährige, der als junger Mann als Leutnant bei der südafrikanischen Armee gedient hat, lebt seit 1996 in Tansania und unterstützte zunächst im Auftrag der tansanischen Regierung den Kampf gegen Wilderer. Nach drei Jahren im Land gründete er sein erstes Walking Camp und führt seitdem Touristen zu Fuß durch den Busch. Und so stehe ich Jean kurz nach der Elefantensichtung wieder gegenüber. Ich dieses Mal in Wanderschuhen. Er mit gefülltem Patronengürtel und Gewehr über der Schulter.
Bevor er unsere kleine Gruppe zu Fuß in den Busch führt, gibt’s eine klare Anweisung: »Whatever happens, don’t run!« Nicht rennen! Klingt logisch, ist aber alles andere als einfach, wenn deine Urinstinkte bei einer Begegnung mit einem großen Kätzchen etwa genau das Gegenteil – »Run!« – schreien. Aber okay, ist abgespeichert. »Klick, klack.« Jean lädt sein Gewehr. Dann stiefeln wir los in den Busch. Ohne Schutz durch eine Autokarosserie. Aber voller Vertrauen in die Schießkünste des Ex-Soldaten.

Walking Safari mit Jean (links) und Chrisple. | Foto: Jana Freiberger
Das zurückgelassene Büffelkalb
Jean führt den Gänsemarsch an, hinter ihm läuft der ebenfalls bewaffnete Chrisple – unser Guide auf einem Großteil der Reise. Dann folgt der fünfköpfige, schutzbedürftige Trupp aus Europäern. Den Schluss bildet eine uns bislang unbekannte Rangerin. Ja, es gibt in Tansania auch Frauen, die diesen Beruf ausüben. Aber noch seien es nur sehr wenige, berichtet Jean. Der Busch ist (derzeit noch) eine Männerdomäne.
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Fast vier Stunden sind wir unterwegs. Und zunächst scheint es, als hätten sich alle Tiere vorzeitig der sogenannten Big Migration angeschlossen. Eine der weltweit größten, jährlichen Tierwanderungen zwischen der Serengeti in Tansania und der Masai Mara in Kenia. Mehr als eine Million Gnus und Hunderttausende Zebras sind dabei auf der ständigen Suche nach frischem Gras und Wasser.

Foto: Wilderness
Gedankenverloren wandern wir also durch die ausgestorbene Steppe, als plötzlich jemand ruft: »Da! Hinter dem Busch!« Ein Büffelkalb streckt uns verängstigt sein Köpfchen entgegen. Vom Rest der Herde keine Spur. »Wahrscheinlich hat es bei einem Raubtierangriff den Anschluss verloren«, flüstert mir Chrisple ins Ohr. Kurz darauf gehen wir weiter, wollen nicht weiter stören und erst recht nicht den Zorn der Mutter auf uns ziehen, sollte sie doch in der Nähe sein.
Begegnungen mit Katzen – kleinen und großen
Ab jetzt läuft’s mit der Tiersichtung. Mit etwas mehr Abstand treffen wir auf Giraffen und ausgewachsene Büffel (ich bin froh über den Abstand). Den beiden Nilpferden kommen wir für meinen Geschmack dann fast ein bisschen zu nahe; und genau das melden uns die grauen Kolosse auch zurück, indem sie durch ihre riesigen Nasenlöcher kräftige Wasserfontänen in die Luft spritzen.
Löwen sehen wir während der Wanderung nicht, dafür klingt ihr tiefes Stöhnen, das ich nachts von meinem Zelt aus höre, bedrohlich nahe. Mein einziger Schutz: ein dünnes Moskitonetz. Ich lege die Wärmflasche, die mir die Crew vorm Schlafengehen dankenswerterweise unter die Decke gelegt hat, auf mein Gesicht. So war das sicher nicht gedacht, aber zumindest sehe ich es so nicht, sollte einer der Löwen auf meinem Vorplatz übernachten.

Foto: Jana Freiberger
Als ich die Augen am nächsten Tag öffne, zucke ich kurz zusammen. Da ist tatsächlich eine Katze vor meinem Eingang. Aber eine kleine. Eine Genette. Als sich unsere Blicke treffen, ergreift das süße Tier mit dem langen, gemusterten Schwanz die Flucht.
Anders gestaltet sich die Situation, als wir, jetzt sicher im Land Cruiser sitzend, weiter nördlich in der Serengeti wieder auf Katzen stoßen. Dieses Mal sind’s die großen. Zwei Frauen, ein Mann. Und die scheinen keine Sekunde an Flucht zu denken. Sie sind sogar so entspannt, dass sich die beiden Löwinnen in unserer Anwesenheit im Wechsel begatten lassen. Ich schrieb ja bereits, der Busch, eine Männerdomäne und so.

Foto: Jana Freiberger
Auf Safari in Tansania: So beeindruckend ist die Big Migration
In diesem Teil der Serengeti werden wir dann tatsächlich Zeuge der Big Migration. Wir sind schon eine Weile durch das »endlose Land« (die wörtliche Übersetzung von Serengeti) geheizt, als am Horizont die Silhouetten Tausender Tiere zu erkennen sind. Eine scheinbar unendlich große Gruppe Zebras zieht hier gerade entlang, zeitweise zweigeteilt durch einen kleinen Fluss, den die Tiere nach und nach und mit größter Vorsicht durchqueren. Denn Wasser bedeutet nicht nur Leben, sondern auch große Gefahr durch Raubtiere, die den Herden folgen. In der Hoffnung auf ein Festmahl.
Ein reich gedeckter Tisch erwartet auch uns, als wir teils triefend nass das Luxuscamp Wilderness Usawa Serengeti erreichen. Noch ist zwar keine Regenzeit, trotzdem hat uns ein ordentlicher Schauer erwischt. Das gut geschulte Team ist vorbereitet, geleitet uns mit großen Schirmen vom Auto zum Hauptzelt – und füllt vor dem Drei-Gänge-Menü die Tanks für unsere Duschen mit heißem Wasser. Denn einfach den Wasserhahn aufdrehen geht hier nicht. Das Usawa ist eine mobile Unterkunft: Die Zelte werden dort aufgeschlagen, wo die großen Herden gerade wandern. Für das Wayo Walking Camp gilt das Gleiche.

Foto: Wilderness
Von Wasserleitungen abgesehen mangelt es im Camp wahrlich nicht an Luxus. Beim bereits angekündigten Dinner erklärt der Koch persönlich vor jedem Gang, was genau sich auf den Tellern befindet. Jedes der riesigen Zelte hat ein eigenes Bad, ein Kingsize-Bett und eine bestuhlte Terrasse mit Blick auf die weite Graslandschaft. Im Hauptzelt wartet eine gut gefüllte Bar. Und wer in romantischer Stimmung ist, kann am Abend am Lagerfeuer Platz nehmen, in der Hand einen Gin Tonic, und dabei den klaren Sternenhimmel betrachten.
Sternegucken im Wayo Manyara Green Camp
In puncto Romantik legt das Wayo Manyara Green Camp noch eine Schippe drauf. Zwischen der Serengeti und dem internationalen Flughafen Kilimandscharo gelegen, ist es der ideale Start- oder Endpunkt einer Safarireise. Gespeist wird hier im Green Camp direkt am Wasser, unterhalb des Endabash-Wasserfalls. Um den Sonnenuntergang sehen zu können, klettern wir vor dem Abendessen barfuß die gegenüberliegende Felswand empor. Und stehen dann in stiller Demut – und froh, dass wir den doch sehr glitschigen Aufstieg überlebt haben – auf einer flachen Stelle in einigen Metern Höhe, während die letzten Sonnenstrahlen den Fluss zum Glitzern bringen. Als wir nach einer Stunde wieder auf sicherem Boden stehen, prasselt auch hier ein Lagerfeuer.

Foto: Jana Freiberger
Einige Stunden später liege ich mit vollem Bauch in meinem Bett und habe gerade meine Nachtlampe ausgeknipst, da fällt mir plötzlich wieder ein, dass dieses Zelt ein besonderes Feature hat. Meine Hand tastet im Dunkeln nach der kleinen schwarzen Fernbedienung, ich drücke einen der Knöpfe, dann ist ein summendes Geräusch zu hören und schon fährt das Dach meines hölzernen Zelts vollautomatisch zurück. Der Sternenhimmel und ich sind jetzt nur durch ein Moskitonetz voneinander getrennt.
Am nächsten Morgen wache ich wieder auf, weil jemand meinen Namen ruft. Der Weckservice reicht mir ein Tablett mit Keksen und frisch gebrühtem Kaffee in mein Zelt. Hach, vielleicht wird es Zeit für eine weitere Rangerin in Tansania.

Foto: Wayo Manyara Green Camp
Weitere Infos zur Safari in Tansania
AIRLINE Discover Airlines bietet mindestens bis Oktober je Dienstag und Samstag einen Flug von Frankfurt nach Kilimandscharo an – mit Zwischenstopp in Mombasa.
WÄHRUNG Die Währung ist der Tansania-Schilling. Touristen sollten aber am besten mit einem Bündel US-Dollar anreisen.
SPRACHE Die Amtssprachen in Tansania sind Swahili und Englisch.
REISEVERANSTALTER Der Veranstalter Windrose, der auch diese Reise unterstützt hat, bietet maßgeschneiderte Luxusreisen an. Unter anderem nach Tansania. Hier starten die Preise für eine 10-tägige Reise inkl. Business-Class-Flug bei 14.790 Euro pro Person.


