1. Für alle, die direkt ins Wasser springen möchten
Am Chiemsee gleiten frühmorgens die ersten Segelboote über den See, Ausflugsschiffe nehmen Kurs auf Herren- und Fraueninsel. Wer jedoch nach einem ruhigen Badeplatz sucht, wird oft etwas abseits des »Bayerischen Meeres« fündig.
In Aschau im Chiemsee-Alpenland schmiegt sich das Natur-Freischwimmbad zwischen Wiesen und Bergen. Beim Schwimmen fällt der Blick auf Schloss Hohenaschau und die Gipfel des Prientals. Ein besonderes Erlebnis bietet das Moor-Freischwimmbad: Sein Wasser stammt direkt aus dem Naturschutzgebiet Bärnsee. Statt leuchtendem Türkis schimmert die Oberfläche dunkelbraun – fast wie bei einem stillen Waldsee. Die natürliche Färbung entsteht durch Huminstoffe aus dem Moor und gilt als typisch für solche Gewässer.

Foto: Chiemsee-Alpenland Tourismus/Thomas Kujat
Auch rund um Starnberger See und Ammersee spielt sich der Sommer am Wasser ab. Kleine Uferwege enden an Badestegen, SUP-Boards ziehen lautlos über den See und hinter Namen wie »Paradies« oder »Froschgartl« verbergen sich versteckte Badeplätze, die oft länger zum Verweilen einladen als ursprünglich geplant.
Ganz entspannt geht es im Landkreis Erding zu. Am Lainer See sorgt glasklares Quellwasser für Abkühlung, während Familien am Kronthaler Weiher ihre Picknickdecken ausbreiten. Wer lieber die Ruhe sucht, findet sie häufig am Thenner See, wo meist nur das leise Plätschern der Wellen zu hören ist.
2. Für alle, die der Erfrischung entgegenwandern
Manche Wege verbinden Orte. Die schönsten verbinden Wasserlandschaften. Im Chiemsee-Alpenland schlängeln sich Wanderwege durch die Eggstätt-Hemhofer Seenplatte. Es ist das älteste Naturschutzgebiet Bayerns. Zwischen Wäldern, Mooren und kleinen Seen öffnet sich immer wieder der Blick auf glitzernde Wasserflächen. Die gesamte Landschaft entstand nach der letzten Eiszeit aus den Hinterlassenschaften mächtiger Gletscher.
Ganz anders präsentiert sich die Gießenbachklamm bei Kiefersfelden. Hier dominiert das Rauschen des Wassers. Der Wildbach hat sich tief in den Fels gegraben, passiert das größte Wasserrad Bayerns und begleitet Wanderer mit seiner Kraft durch die schmale Schlucht.
In Bad Feilnbach wird ein Spaziergang entlang des Jenbachs zur kleinen Entdeckungsreise. Hinter jeder Biegung warten neue Bachläufe, Holzstege oder interaktive Erlebnisstationen. Auch Freising zeigt seine enge Verbindung zum Wasser: Flussarme durchziehen die Altstadt, historische Mühlen erinnern an vergangene Zeiten, und entlang der Moosach wechseln sich grüne Uferwege mit historischen Gebäuden ab.

Foto: Andrea Mittermeier/Archiv der Wendelsteinbahn GmbH
Wer lieber Rad fährt, findet im Landkreis Pfaffenhofen abwechslungsreiche Touren. Mal blitzt die Donau zwischen den Bäumen auf, mal begleitet die Ilm den Weg durch schattige Auen, ehe sich hinter der nächsten Kurve wieder Hopfengärten bis zum Horizont ausbreiten.
3. Für alle, die Oberbayern vom Wasser aus entdecken möchten
Sobald das Ufer langsam in die Ferne rückt, verändert sich der Blick auf die Landschaft. Im Tölzer Land gleitet das Kajak durch die weitläufigen Kieslandschaften der Isar. Das Paddel taucht ins klare Wasser, Kiesbänke ziehen vorbei und für einige Zeit bestimmt allein die Strömung das Tempo. Wenig später öffnet sich der Sylvensteinsee bei Lenggries zwischen den Bergen. Je nach Sonnenstand leuchtet das Wasser tiefblau oder fast karibisch türkis.
Auch auf Loisach, Isar und den zahlreichen Voralpenseen lässt sich der Sommer aktiv genießen. SUP-Boards gleiten lautlos über spiegelglatte Wasserflächen, Kanus erkunden versteckte Buchten und beim Rafting wird aus ruhigem Dahingleiten schnell ein spritziges Abenteuer.
4. Für alle, die selbst im Hochsommer Gänsehaut mögen
Die kühlsten Orte Oberbayerns liegen nicht immer am Wasser. Manche verstecken sich tief im Berg. Auf dem Wendelstein führen nur wenige Schritte aus der Sommersonne direkt in Deutschlands höchstgelegene Schauhöhle. Kalte Luft strömt durch enge Felsspalten, bizarre Tropfsteinformationen verschwinden im Halbdunkel und selbst im Juli herrschen dort Temperaturen um drei Grad Celsius.
Noch tiefer unter die Erde geht es im Deisenrieder Wetterstollen bei Bad Feilnbach. Wo einst Kohle gefördert wurde, verlaufen heute Besucherwege durch das ehemalige Bergwerk. Das ist angenehm kühl, selbst an heißen Sommertagen.

Foto: Chiemsee-Alpenland Tourismus
Auch Bad Reichenhall verdankt seine Sommerfrische dem Wasser. Vor dem historischen Gradierhaus liegt feiner Solenebel in der Luft, während schattige Parks und Spazierwege entlang der Saalach angenehme Abkühlung bieten. Schon im 19. Jahrhundert zog genau diese Kombination aus Alpenluft und Sole Kurgäste aus ganz Europa an. In der Zugspitzregion gehört kaltes Wasser sogar zum Gesundheitsprogramm. Beim Angebot „Cold Power“ in Garmisch-Partenkirchen stehen Kneipp-Anwendungen, Wassertreten und kurze Tauchgänge in eiskalte Gebirgsbäche auf dem Programm. Nur wenige Minuten entfernt rauscht die Partnach durch ihre spektakuläre Klamm, deren enge Felswände selbst an heißen Tagen für angenehm kühle Temperaturen sorgen.
Im Pfaffenwinkel entspringen die Schönachquellen beinahe unvermittelt zwischen bewaldeten Hügeln. Nicht weit entfernt führt ein Spaziergang durch den Eibenwald Paterzell, eines der größten natürlichen Eibenvorkommen Deutschlands. Zwischen den uralten Bäumen plätschern kleine Wasserläufe durch den schattigen Wald.
5. Für alle, die Sommerfrische mit Geschichte verbinden
Mit jedem Meter über den Chiemsee rückt Schloss Herrenchiemsee näher. Zunächst zeichnet sich nur die Silhouette der Insel am Horizont ab, dann wachsen Kuppeln, Türme und Parkanlagen langsam aus dem Wasser empor. König Ludwig II. ließ hier sein berühmtes »bayerisches Versailles« errichten.
Nur eine kurze Schifffahrt entfernt geht es auf der Fraueninsel deutlich ruhiger zu. Fischerboote schaukeln am Ufer, das Kloster Frauenwörth prägt seit mehr als 1.200 Jahren das Bild der kleinen Insel und Cafés sowie Gastgärten laden mit Blick auf den Chiemsee zu einer Pause ein.

Foto: Chiemsee-Alpenland Tourismus / Thomas Kujat
Auch auf Isar und Loisach lebt ein Stück Geschichte weiter. Über Jahrhunderte transportierten Flöße Holz, Salz und andere Waren bis nach München und Wien. Heute erinnern Floßfahrten im Tölzer Land an diese Tradition. Statt Waren befinden sich nun Musik, Brotzeit und Gäste an Bord – der Weg über den Fluss ist derselbe geblieben.


