Jonathan Forage
Jonathan Forage

Up and away: in Tasmanien

Wandern hat sich zum Trendsport entwickelt – nicht nur in Europa, sondern auch am anderen Ende der Welt, in Tasmanien.

Es gibt kaum einen besseren Weg, als die Naturschönheiten der Insel zu Fuß zu entdecken: Rund 20 Prozent der Inselfläche ist als Weltnaturerbe der UNESCO ausgewiesen, zu mehr als einem Drittel besteht der südlichste Bundesstaat Australiens aus Nationalparks. 

Diese vielfach unberührte Natur lässt sich umweltfreundlich per pedes erkunden: rund 2.800 Kilometer Wanderwege werden in Tasmanien gepflegt, gut 880 Pfade sind in Nationalparks, »Reserves« und Schutzgebieten (conservation areas) ausgewiesen. Und die meisten von ihnen sind leicht von den größeren Städten aus zu erreichen. 

Mit den Wanderwegen werden alle Geschmäcker, Generationen und Fitnesslevel bedient – denn es gibt einfache Spaziergänge durch die Regenwälder oder zu den Winzern Tasmaniens ebenso wie Wanderungen über mehrere Tage (ja, mit Ausrüstung und Schlafgelegenheiten!), die auf die höchsten Berge der Inseln und auf dramatische Klippen am Meer führen. Man kann geführte Wanderungen unternehmen oder allein der Beschilderung folgen. Die Chance, dabei einheimische Tiere zu Land, zu Wasser und in der Luft zu sehen, sind nahezu garantiert – jedenfalls sind sie sehr wahrscheinlich. Und: Es gibt keine Jahreszeit, zu der man nicht gehen kann. Denn die exponierte Lage der Insel sorgt für recht gleichmäßiges Wetter ohne Frost im Winter oder unangenehm hohe Temperaturen im Süd-Sommer. Kleidung in Lagen ist angesagt, um für Wind und Wetter ausgerüstet zu sein.

60 Great Short Walks

Der Parks and Wildlife Service etwa hat 60 Great Short Walks ausgewiesen, die nach Region aufgeteilt sind: »Hobart and Surrounds«, »The Western Wilderness«, »The North West Coast and King Island«, »Launceston, Tamar and the North« sowie »The East Coast and Flinders Island«. Ein Büchlein mit den Routen gibt es in den Visitor Centres, eine App mit den einzelnen Routen kann für alle i-Geräte heruntergeladen werden. Auch hier gibt es große Unterschiede zwischen den Routen, kurze Spaziergänge und Tagestouren. Beschrieben sind alle Wege genauestens, auch ob sie für Kinder geeignet sind oder welche Ausrüstung man beim Wandern dabeihaben sollte, ist genau verzeichnet.

Unser Favorit: Ein kurzer »verzauberter« Spaziergang ist der Enchanted Walk im Cradle Mountain – St. Claire National Park, bei dem man nicht nur durch die Regenwald geht, sondern direkt am Wegesrand auch Bauten von Wombats sehen kann.

Auf dem Enchanted Walk sind die Wombats die Stars - Julian Peters Photograph/Shutterstock.com

The Great Walks of Tasmania

Das ist eine Sammlung von acht außergewöhnlichen geführten Wanderungen, die die schönsten 300 Wanderkilometer des Landes in den Mittelpunkt stellen. Verschiedene Wander-Anbieter haben sich hier zusammengetan, um ihre spektakulärsten Strecken gemeinsam zu bewerben. Mehrere Tage ist man bei jeder dieser Touren unterwegs, die in den Freycinet National Park, den Walls of Jerusalem oder Maria Island führen. Letztere ist vielfach ausgezeichnet und bietet gestressten Städtern eine echte Chance, alle Systeme runterzufahren auf einer Insel, die unbewohnt ist und auf die sich nur wenige Besucher verirren. 

Ob 23 Kilometer in vier Tagen oder 80 Kilometer auf neun Tage verteilt – hier findet jeder Outdoor-Freund die richtige Tour. Alle Wanderungen sind geführt, es gibt Einblicke in die Natur, Kultur und regionale Köstlichkeiten, die hier in aller Ruhe auf dem Land produziert werden. Preise für die Wanderungen liegen zwischen rund 1.000 und 3.000 australischen Dollar, darin enthalten sind auch die Übernachtungen in schicken Glamping-Unterkünften in der tasmanischen Wildnis.

Wanderung vom Cradle Mountain zum Lake St. Claire – urbancowboy/Shutterstock.com

Three Capes Track

Der neueste Stern unter den Wanderwegen Tasmaniens: vier Tage, drei Nächte, 46 Kilometer. Immer am südlichsten Ende Tasmaniens entlang. Südlicher ist nur noch die Antarktis.

Der erste Tag beginnt moderat, mit einer Bootsfahrt von Port Arthur nach Denmans Cove. Nach zwei Stunden Wanderung ist dann auch schon das Etappenziel erreicht, eine Öko-Unterkunft mitten in der Wildnis.

An den folgenden Tagen stehen mehr Kilometer auf dem Programm, 11, 17 und 14 nämlich, bis man die Fortescue Bay erreicht. Von dort aus fährt ein Bus zurück zum Ausgangspunkt. Auf dieser Wanderung ist man tatsächlich mit sich und der Umwelt allein – denn jeden Tag dürfen nur 48 Menschen auf die Strecke.

So sind die Unterkünfte ausgelegt, und so kann man dieses unberührte Stückchen Erde mit allen seinen Aus- und Einblicken in aller Stille genießen. Kleidung, Schlafsack, Verpflegung? Sollte alles in einen Rucksack passen, den man vier Tage lang mit sich trägt.

Fortescue Bay – Joel Everad/Shutterstock.com

Wukalina Walk – Wandern mit den Aboriginies

Im Nordosten Tasmaniens findet diese viertägige Tour statt – sie ist die einzige ihrer Art auf der Insel.

Denn sie führt in das Land der palawa, der tasmanischen Ureinwohner, die Überlieferungen zufolge schon seit Hunderten Generationen in der Region um larapuna (Bay of Fires) und wukalina (Mount William) leben.

Bei der Wanderung erleben die Gäste nicht nur eine traditionelle »smoking ceremony«, sie lernen auch, wie man in der Natur essbare Pflanzen findet. Übernachtet wird in traditionellen Hütten und umgebauten früheren Haus des Leuchtturmwärters an der Bay of Fires.

Wukalina Walk – Rob Burnett