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Australien

Tauchen am Great Barrier Reef: einmal im Leben durch dieses Riff

Mehr als 2.900 Einzelriffe, 1.600 Fischarten und sechs der sieben Meeresschildkrötenarten der Welt: Das Great Barrier Reef vor der Küste Queenslands ist kein einzelnes Riff, sondern ein Riffsystem von der Größe Italiens. Wo Anfänger ihren ersten Tauchgang machen, wann Zwergwale vorbeiziehen und wie es dem Riff heute geht.

Von Cairns in Queensland aus fährt das Boot anderthalb Stunden hinaus, bis vom Festland nur noch eine grüne Linie am Horizont bleibt. Darunter beginnt das größte Riffsystem der Erde.

Der Marine Park misst 344.400 Quadratkilometer, gut 14 Prozent mehr als Italien, und schützt mehr als 2.900 Einzelriffe auf 2.300 Kilometern Küste.

Korallen bedecken davon nur rund sieben Prozent, der Rest sind Seegraswiesen, Mangroven, Sandflächen und Schwammgärten. Entsprechend unterschiedlich fallen die Tauchgänge aus: flache Korallengärten und geschützte Lagunen, Steilwände, Kanäle und die weit draußen liegenden Außenriffe.

Tauchen in einem der größten Riffsysteme der Erde

Schon beim Schnorcheln zeigt sich viel. Der Tauchgang aber dreht die Perspektive: statt von oben auf die Korallen zu schauen, gleiten Taucher zwischen ihnen hindurch und an den tieferen Riffkanten entlang, wo die Farben mit jedem Meter kühler werden.

Die Artenvielfalt dort unten ist enorm. Die Great Barrier Reef Marine Park Authority zählt mehr als 1.600 Fischarten und über 450 Hartkorallenarten. Dazu kommen Meeresschildkröten, Rochen, Haie und unzählige weitere Meeresbewohner. Sechs der sieben Meeresschildkrötenarten der Welt leben hier.

Was tatsächlich vorbeischwimmt, entscheiden Tauchplatz und Jahreszeit. An manchen Riffen kreisen Mantarochen, anderswo patrouillieren Riffhaie, ruhen mannsgroße Napoleon-Lippfische über dem Sand oder ziehen Schwärme tropischer Fische in Wolken vorbei.

Cairns als Tor zum Great Barrier Reef

Cairns im tropischen Norden Queenslands ist der wichtigste Ausgangspunkt für Touren aufs Riff. Von hier laufen Tagesboote und mehrtägige Liveaboards zu den Außenriffen aus. Auch Port Douglas, Cape Tribulation und Mission Beach kommen als Basis infrage, wer mehr Abgeschiedenheit sucht, fliegt weiter nach Lizard Island oder Heron Island und steigt direkt vor der Haustür ins Wasser.

Ausflugsboot fährt über das türkisfarbene Great Barrier Reef vor Cairns in Queensland

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Für Cairns spricht die Auswahl. Schnorchelausflüge starten hier ebenso wie erste begleitete Tauchgänge, Touren für zertifizierte Taucher und Fahrten, bei denen Gäste mehrere Nächte an Bord bleiben.

Das Riff selbst liegt allerdings nicht vor der Promenade von Cairns. Zu den Außenriffen dauert die Fahrt je nach Ziel anderthalb bis zwei Stunden, hin und zurück geht also ein guter Teil des Tages für die Anfahrt drauf.

Tauchen am Great Barrier Reef auch für Anfänger

Ein Tauchschein ist für das Riff keine Bedingung. Rund um Cairns bieten Veranstalter Introductory Dives an: eine Einweisung an Bord, dann geht es mit dem Tauchlehrer an der Seite ins Wasser, meist in geschützten, flachen Bereichen. Für tiefere und selbstständige Tauchgänge braucht es dagegen eine Zertifizierung.

Beides findet am Riff seinen Platz. Flache Lagunen mit ruhigem Wasser gehören ebenso dazu wie Tauchplätze mit Strömung, größeren Tiefen und verwinkelten Korallenlandschaften. Welche Riffe ein Anbieter anfährt und an welche Erfahrungsstufe sich die Tour richtet, steht in der Tourbeschreibung.

Auch ohne Atemgerät bleibt vom Riff genug: Viele der besten Korallengärten liegen so flach, dass Schnorchler sie mit dem Gesicht im Wasser vollständig überblicken.

Tagesausflug oder mehrere Tage auf dem Riff

Für die meisten Australien-Reisenden dürfte ein Tagesausflug die einfachste Variante sein. Morgens raus aufs Meer, am frühen Abend zurück in Cairns, dazwischen Schnorcheln und je nach Tour zwei oder drei Tauchgänge.

Mehr Zeit unter Wasser bringt ein Liveaboard. Gäste bleiben ein bis mehrere Nächte an Bord und erreichen Riffe, die für Tagestouren zu weit draußen liegen. Dazu gehören die Ribbon Reefs mit dem Cod Hole, dem bekanntesten Tauchplatz des gesamten Great Barrier Reef. Kartoffel-Zackenbarsche von der Größe eines Erwachsenen stehen dort im Blauwasser und haben dem Platz seinen Namen gegeben. Der eigentliche Gewinn liegt aber in den Tauchgängen früh am Morgen und nach Einbruch der Dunkelheit, wenn andere Tiere unterwegs sind als tagsüber.

Zwei Taucher neben einer Riesenmuschel am Great Barrier Reef in Queensland

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Wer im Juni oder Juli kommt, hat einen weiteren Grund für die mehrtägige Variante: An den Ribbon Reefs sammeln sich dann Zwergwale. Mit ihnen schwimmen dürfen Gäste nur bei Anbietern, die dafür eine Sondergenehmigung der Reef Authority besitzen, und davon gibt es weniger als zehn. Alle anderen Boote müssen 100 Meter Abstand halten. Vom Tagesausflug aus lässt sich das ohnehin nicht erreichen.

Die beste Reisezeit zum Tauchen

Getaucht wird am Great Barrier Reef das ganze Jahr, die Bedingungen ändern sich aber deutlich. Der australische Winter von Juni bis August bringt klares Wasser, ruhige See und Sichtweiten, die an guten Tagen 30 Meter erreichen. Dazu kommen die Wale: Zwergwale ziehen im Juni und Juli durch den nördlichen Teil des Riffs, Buckelwale etwa von Juli bis September.

Zwischen November und Mai treiben Würfelquallen und Irukandji vor der Küste Queenslands. Veranstalter geben in dieser Zeit Stinger Suits aus, dünne Ganzkörperanzüge, die vor den Nesseln schützen. Ohne Anzug geht in diesen Monaten niemand ins Wasser. Von Dezember bis März fällt außerdem der meiste Regen, und tropische Wirbelstürme können Touren kurzfristig ausfallen lassen.

Im Gegenzug findet zwischen Oktober und Dezember das Coral Spawning statt. Wenige Nächte nach Vollmond geben Korallen gleichzeitig ihre Ei- und Samenzellen ins Wasser ab, Millionen rosafarbener Bündel steigen nach oben und verwandeln den Tauchgang in einen Schneesturm mit umgekehrter Richtung. Den genauen Termin gibt die Natur vor, Anbieter legen ihre Nachttauchgänge erst kurzfristig fest.

Wie es dem Great Barrier Reef heute geht?

An dieser Frage kommt niemand vorbei, der ans Riff fährt. Das Ökosystem steht unter Schutz und wird engmaschig überwacht, gleichzeitig setzen ihm steigende Wassertemperaturen und wiederholte Korallenbleichen zu.

Die jüngsten Untersuchungen des Australian Institute of Marine Science zeichnen für 2026 ein geteiltes Bild. Nach den Massenbleichen von 2024 und 2025 stieg die durchschnittliche Hartkorallenbedeckung im nördlichen Riff von 30 auf 35,1 Prozent, im zentralen Abschnitt von 28,6 auf 31,6 Prozent. Im Süden blieb sie mit 26,4 Prozent nahezu unverändert. Die Forscher werten das als erste Anzeichen einer Erholung.

Entwarnung ist das nicht. Auch 2026 bleichten Teile des Riffs, im März zog Zyklon Narelle mit Kategorie 5 über den Norden, und der Dornenkronenseestern, der sich von Korallen ernährt, breitet sich wieder aus. Sechs Massenbleichen hat das Institut seit 2016 gezählt, vor den Neunzigerjahren kamen sie am Great Barrier Reef kaum vor. Das Riff erholt sich, so die Forscher, aber seine Kraft dazu ist begrenzt.

Das Riff möglichst verantwortungsvoll erleben

Bei der Tourwahl lohnt der Blick auf Anbieter, die mit den Schutz- und Forschungsprogrammen des Marine Parks zusammenarbeiten. Eine Besonderheit sind Touren mit Master Reef Guides. Diese Guides durchlaufen eine eigene Ausbildung der Reef Authority und erklären neben Tieren und Korallen auch, was sich am Riff verändert und warum.

Zwei Schnorchler schwimmen mit einer Meeresschildkröte über Korallen am Great Barrier Reef.

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Mitmachen können Gäste ebenfalls. Über das Programm »Eye on the Reef« melden Taucher und Schnorchler ihre Beobachtungen und Fotos, die in das Monitoring des Ökosystems einfließen. Auf Fitzroy Island vor Cairns zieht die Reef Restoration Foundation Korallen nach und siedelt sie wieder an, Besucher bekommen dort Einblick in die Arbeit. In Port Douglas sammelt Great Barrier Reef Legacy für das Projekt »Forever Reef« lebende Exemplare aller Steinkorallenarten des Riffs und sichert ihre genetische Vielfalt in einer lebenden Biobank, zu besichtigen bei Führungen.

Dazu kommen die Regeln, die unter Wasser gelten: Korallen weder berühren noch abbrechen, Tiere nicht verfolgen oder füttern, Anweisungen der Guides befolgen. Schon eine Flossenspitze reicht, um eine Koralle zu beschädigen, an der Jahrzehnte gewachsen sind.

Regenwald statt Riff: Ausflüge rund um Cairns

Cairns liegt zwischen zwei Welterbegebieten. An der Küste beginnt das Riff, im Hinterland die Wet Tropics mit ihren tropischen Regenwäldern, die nördlich der Stadt bis fast ans Meer reichen. Ausflüge führen nach Kuranda, in den Daintree Rainforest und Richtung Cape Tribulation, wo Mangroven und Regenwald direkt an den Strand stoßen. Mit der Skyrail Rainforest Cableway geht es über die Baumkronen hinweg.

Fitzroy Island am Great Barrier Reef mit türkisfarbenem Wasser und zwei Stand-up-Paddlern

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So lässt sich eine Woche im Norden Queenslands aufteilen: ein Tag zwischen Korallen und Schildkröten, der nächste in einem Regenwald, der seit mehr als 100 Millionen Jahren wächst.

Tauchausflüge besser rechtzeitig buchen

In der Hochsaison von Juni bis September sind gute Touren früh ausgebucht, besonders Liveaboards, kleine Gruppen und Fahrten zu den Ribbon Reefs. Wer erst am Morgen der Abfahrt sucht, nimmt, was übrig ist.

Beim Vergleich entscheidet mehr als der Preis: welche Riffe das Boot anfährt, wie lange die Anfahrt dauert, wie viele Tauchgänge im Paket stecken, wie groß die Gruppen sind, welche Qualifikation die Guides mitbringen und ob Leihausrüstung im Preis enthalten ist. Dazu kommt die Environmental Management Charge, eine Umweltabgabe pro Tag im Marine Park, die viele Anbieter separat ausweisen.

Zwei Punkte gehören ebenfalls in die Planung: Ohne Tauchschein reicht ein Introductory Dive, für alles andere muss das Zertifikat mit ins Gepäck. Und wer nach dem Tauchen weiterfliegt, etwa nach Uluru oder zurück nach Europa, hält mindestens 18 bis 24 Stunden Abstand zwischen letztem Tauchgang und Abflug.

Weitere Informationen zu Ausflügen, Tauchtouren und Erlebnissen am Great Barrier Reef rund um Cairns gibt es auf der Website von Tropical North Queensland. 

Weitere Tipps für die Reise durch Queensland hat reisen EXCLUSIV hier zusammengestellt.

Häufige Fragen

Kann man am Great Barrier Reef direkt vom Strand aus schnorcheln?
An einigen Inseln wie Fitzroy Island oder Green Island geht das, die bekanntesten Riffgebiete liegen aber weiter draußen. Dorthin fahren Tagesboote ab Cairns und Port Douglas in anderthalb bis zwei Stunden.
Gibt es am Great Barrier Reef gefährliche Tiere?
Von November bis Mai treiben Würfelquallen und Irukandji vor der Küste, in dieser Zeit gehen Gäste nur im Stinger Suit ins Wasser. Riffhaie sind für Taucher ungefährlich, Salzwasserkrokodile bleiben in Flussmündungen und Mangroven.
Kann man das Great Barrier Reef mit Kindern besuchen?
Ja, viele Bootstouren richten sich an Familien und bieten Schnorcheln, Glasbodenboote oder Unterwasserobservatorien ohne Tauchgang. Introductory Dives sind meist ab zwölf Jahren möglich.
Wie viele Tage sollte man für Cairns und das Great Barrier Reef einplanen?
Zwei bis drei Tage reichen für einen ersten Riffausflug und die Stadt. Mit Regenwald, Fitzroy Island oder einem Liveaboard füllt sich schnell eine Woche.
Frank Störbrauck
Brasilien ist sein Ding. Hier feiert Frank gerne ausgelassene Strandpartys bis tief in die warme Nacht. Klar, die Copacabana ist dafür in aller Munde, ihn zieht es allerdings viel lieber nach Salvador, wo die Strände nicht weniger traumhaft sind. Pluspunkt dort: Die Partys sind kleiner und mit den Locals kommt man schneller ins Gespräch.