Foto: Kirsty Griffin/Apple TV
Nepal

Tenzing Norgay: Was der Apple-TV-Film über den Everest-Pionier erzählt

Mit »Tenzing« erzählt Apple TV die Erstbesteigung des Mount Everest aus der Sicht des Mannes, der lange im Schatten von Edmund Hillary stand. reisen EXCLUSIV verrät, wo der Film tatsächlich entstand, wer Tenzing Norgay war und was »Sherpa« am Berg bis heute bedeutet.

Über Jahrzehnte galt Tenzing Norgay vielen als Begleiter des Neuseeländers. Der Film von Jennifer Peedom rückt ihn nun in die Mitte des Bildes, und mit ihm ein ganzes Volk.

Worum geht es im Film »Tenzing«?

Genden Phuntsok spielt Tenzing Norgay, Tom Hiddleston verkörpert Edmund Hillary, Willem Dafoe den Expeditionsleiter John Hunt. Der Film begleitet Tenzing auf seinem Weg zum Gipfel im Jahr 1953,  nach sechs vergeblichen Anläufen. Er zeigt die Politik innerhalb der britischen Expedition ebenso wie Tenzings Ehrfurcht vor dem Berg, den er Chomolungma nannte. Executive Producer ist Norbu Tenzing, der älteste Sohn des Bergsteigers und heute President der American Himalayan Foundation in San Francisco.

Seine Weltpremiere feierte der Film beim Festival in Telluride, danach lief er in Toronto und eröffnete das Zurich Film Festival. Seit dem 16. Oktober 2026 steht er weltweit bei Apple TV zum Streamen bereit.

Drei Männer posieren vor einer verwitterten Hauswand mit blauer Holztür. Der Mann in der Mitte sitzt auf einer Kiste, die beiden anderen stehen neben ihm. Szene aus dem Apple-TV-Film »Tenzing«.

Foto: Mark Rogers/Apple TV

Wo wurde »Tenzing« gedreht?

Die Szenen aus Tenzings Jugend entstanden in Mustang, nahe der Grenze zu Tibet. Sechs Wochen lang ersetzte die karge Hochebene dort das Khumbu, die Heimatregion der Sherpa am Fuß des Everest. Weitere Drehorte waren Kathmandu, Patan, Bhaktapur und Bandipur sowie mehrere Klöster, die das Team im laufenden Betrieb filmte.

Ins Khumbu selbst zog eine zweite Einheit um Kameramann Stefan Duscio. Zwei Wochen lang filmte sie Landschaften auf dem Weg zum Basislager, dazu kamen Aufnahmen aus dem Helikopter, der so hoch flog, wie es ging. Diese Bilder dienten später als Hintergründe für die visuellen Effekte.

Alle Szenen in Schnee und Eis, vom Südsattel bis zum Gipfel, drehte Peedom in Neuseeland. Am Aoraki/Mount Cook in den Südalpen arbeitete das Team im Juli und August 2025 sechs Wochen lang bei bis zu minus 23 Grad, für eine Szene auch auf dem Darwin Glacier. Jeden Morgen brachten Helikopter die Crew an den Berg. Der Bergführer Guy Cotter von Adventure Consultants sicherte mit 20 Kollegen bis zu 150 Menschen gleichzeitig ab. Am 7. August 2025 fiel die letzte Klappe.

Greenscreens kamen dabei nicht zum Einsatz. »Every scene was shot live on location«, sagt Peedom, jede Szene entstand also vor Ort.

Waren die Schauspieler am Everest?

Bis zum Gipfel stiegen sie nicht. Vor dem Dreh wanderten Genden Phuntsok und Tom Hiddleston aber mit dem Sherpa Phurba Tashi in Richtung Basislager, so weit es ihr Zeitplan erlaubte. Das Team selbst beschreibt seine Arbeit in Nepal als Dreh rund 4.000 Meter unterhalb des Gipfels.

Zwei Männer stehen im Schnee vor der Bergkulisse des Himalaya im Apple-TV-Film »Tenzing«.

Foto: Mark Rogers/Apple TV

Wer war Tenzing Norgay?

Über seine Herkunft streiten selbst die Quellen. Tenzing gab zeitlebens an, im Khumbu in Nepal geboren zu sein, als Kind tibetischer Eltern. So steht es in seiner Autobiografie von 1955, so sagte er es noch 1985 in einem Interview mit All India Radio. Spätere Forscher wie Ed Webster und Ed Douglas verorten seine Geburt dagegen in Tse Chu im Kama-Tal bei Kharta in Tibet. Dieser Version folgt auch sein Sohn Jamling in seinem Buch »Touching My Father’s Soul«. Als Kind kam Tenzing demnach zu einer Sherpa-Familie in Thame, einem Dorf im Khumbu.

Ab 1933 lebte er in Darjeeling, der indischen Bergstation, wo Expeditionen damals ihre Träger anheuerten. Nach der Teilung 1947 blieb er dauerhaft in Indien, besaß aber die Staatsangehörigkeit beider Länder. Nach dem Gipfelerfolg beanspruchten Indien unter Jawaharlal Nehru und Nepal ihn gleichermaßen als Nationalhelden. Tenzing trat danach mit den Fahnen Großbritanniens, Nepals, Indiens und der Vereinten Nationen auf. Er starb 1986 in Darjeeling.

Ein Mann mit brauner Strickweste und rotem Halstuch sitzt an einem Schreibtisch und reicht einer anderen Person ein Dokument. Szene aus dem Apple-TV-Film »Tenzing«.

Foto: Kirsty Griffin/Apple TV

Sherpa: Volk oder Beruf?

Sherpa bezeichnet zuerst ein Volk. Seine Vorfahren wanderten vor rund 500 Jahren aus Kham in Osttibet über den Nangpa La nach Nepal ein und brachten eine eigene tibetische Sprache mit. Tenzing gehörte dieser Volksgruppe an, worauf schon sein Nachname verweist. Seit den 1920er-Jahren nannten Expeditionen in Darjeeling zudem alle Höhenträger »Sherpa«, gleich welcher Herkunft.

Am Berg spielt der Unterschied bis heute eine Rolle. Als Höhenträger und Gipfelhelfer arbeiten überwiegend ethnische Sherpa. Die Lasten bis zum Basislager tragen dagegen meist Rai und Tamang aus tiefer gelegenen Distrikten, und das zu geringeren Löhnen. Spitzen-Sherpas verdienen 6.000 bis 10.000 Dollar pro Saison, während das Durchschnittseinkommen in Nepal unter 1.000 Dollar im Jahr liegt. Nach der Everest-Lawine von 2014, bei der 16 Menschen starben, stieg die Pflichtversicherung von 10.000 auf 15.000 Dollar. Seit 2025 gelten zusätzlich Regeln zu Mindestlohn und Versicherung.

Ein junger Mann mit großer Fellmütze und fellgefütterter Kleidung steht vor einer Bergkulisse. Szene aus dem Apple-TV-Film »Tenzing«.

Foto: Apple TV

Hillary und Tenzing: Wer stand zuerst oben?

Am 29. Mai 1953 um 11.30 Uhr erreichten Edmund Hillary und Tenzing Norgay gemeinsam den Gipfel. Jahrelang beharrten beide genau auf dieser Formulierung. Erst in seiner Autobiografie »Tiger of the Snows« von 1955, in Großbritannien unter dem Titel »Man of Everest« erschienen, schrieb Tenzing, Hillary habe den Fuß zuerst auf den Gipfel gesetzt. Das Buch entstand gemeinsam mit dem Autor James Ramsey Ullman.

Bei den Ehrungen zeigte sich das Gefälle deutlich. Die britische Krone adelte Hillary und John Hunt, Tenzing erhielt die George Medal. Nehru soll einen Ritterschlag für ihn abgelehnt haben, belegt ist das allerdings nicht. Nepal verlieh ihm den Orden Nepal Tara erster Klasse, Indien 1959 den Padma Bhushan.

Wie Tenzing den Himalaya nach 1953 prägte

Am 4. November 1954 legte Nehru in Darjeeling den Grundstein für das Himalayan Mountaineering Institute. Tenzing leitete dort von 1954 bis 1976 die Ausbildung im Gelände und blieb danach bis zu seinem Tod Berater. Ganze Generationen indischer Bergsteiger lernten bei ihm. Seine zweite Autobiografie »After Everest« erschien 1977, aufgezeichnet von Malcolm Barnes.

Auch das Khumbu veränderte sich nach der Erstbesteigung grundlegend. Hillarys Himalayan Trust baute ab 1961 insgesamt 27 Schulen und zwei Krankenhäuser in der Region. Heute gehören die meisten der über 400 Lodges im Khumbu Sherpa-Familien, und über Lukla reisen jedes Jahr mehr als 45.000 Touristen an. Seit 2008 trägt der Flugplatz den Namen Tenzing-Hillary Airport.

Zwei Personen sitzen eng beieinander auf einem Bergrücken und halten sich an den Händen. Im Hintergrund ragen schneebedeckte Gipfel unter einem wolkenverhangenen Himmel auf. Szene aus dem Apple-TV-Film »Tenzing«.

Foto: Apple TV

Auf Tenzings Spuren reisen

Im Jahr 1978 gründete Tenzing den Trekking-Veranstalter Tenzing Norgay Adventures, den heute sein Sohn Jamling führt. Das Unternehmen bietet Touren zum Everest-Basislager im Himalaya an. Wer Thame sehen möchte, Tenzings Heimatdorf im Khumbu, findet es bei vielen Anbietern auf der Drei-Pässe-Route.

In Darjeeling verbindet der Tenzing Norgay Hiking Trail auf zehn Kilometern den zentralen Platz Chowrasta mit dem Tiger Hill. Am Institut erinnert der Tenzing Rock an den Bergsteiger. Die Landschaften aus dem Film liegen dagegen weiter westlich: Mustang mit seiner alten Hauptstadt Lo Manthang lohnt eine eigene Reise.

Häufige Fragen

Was bedeutet das Wort Sherpa?
Sherpa leitet sich von »Shar-pa« ab, den »Leuten aus dem Osten«. Der Name erinnert an die Herkunft des Volkes aus Osttibet.
Wie viele Sherpa gibt es?
Schätzungen nennen rund 150.000 bis 200.000 Menschen. Ihr Kernland liegt in der Region Solu-Khumbu in Nepal.
Gibt es ein Foto von Hillary auf dem Gipfel des Everest?
Nein. Hillary fotografierte Tenzing mit erhobenem Eispickel, ein Gipfelbild von Hillary selbst existiert nicht.
Wer baute den Flugplatz in Lukla?
Edmund Hillarys Himalayan Trust legte ihn im Jahr 1964 an.
Welche Filme hat Jennifer Peedom noch gedreht?
Ihr Dokumentarfilm »Sherpa« von 2015 gewann den Grierson Award und war für den BAFTA nominiert. Es folgten »Mountain« von 2017 und »River« von 2021, beide mit Willem Dafoe als Sprecher.
Läuft »Tenzing« in deutschen Kinos?
Ein regulärer deutscher Kinostart ist bislang nicht bekannt. Apple zeigte den Film ab dem 9. Oktober nur eine Woche lang in ausgewählten Kinos, überwiegend in den USA, seit dem 16. Oktober 2026 läuft er weltweit bei Apple TV.
Jennifer Latuperisa-Andresen
Je kälter, karger und einsamer es um sie herum wird, desto höher schlägt Jennys Herz. Wer braucht schon Palmen im Urlaub, wenn man auch Eisberge haben kann? Deshalb verbringt die Chefredakteurin aus dem Ruhrpott ihre Sommer auch gerne mal in der Arktis bei den Eisbären. Sie sagt: Das ewige Eis kann zur Sucht werden.