Kreta überrascht. Noch vor einigen Jahren galt die Insel als reines Pauschalreiseziel. Heute zeigt sie ein anderes Gesicht. Wer die Strände verlässt und ins Inselinnere fährt, entdeckt Schluchten, Hochebenen und Bergdörfer, die mit dem Klischee wenig gemein haben. Diese Tipps führen über die Küste hinaus.
Text: Stefan Weißenborn
Hilf uns! Lass uns deine bevorzugte Quelle werden.
Google ist dann so nett und zeigt dir unsere Reportagen und Reise-News danach häufiger oben in den Schlagzeilen. Wir wollen doch, dass du immer die wichtigsten Travel-Ideen bekommst!
Du legst uns als Quelle fest. Und wir dich in unserem Herzen. ♥Welche Landschaften prägen Kreta?
Kreta liegt 175 Kilometer westlich von Athen im Mittelmeer. Die Landschaft wechselt auf engem Raum: karibisch helle Strände, tiefe Schluchten und mächtige Bergmassive. Im Westen ragen die Weißen Berge auf, weiter östlich das Psiloritis-Massiv, dessen höchster Gipfel 2.456 Meter erreicht.
Hunderte Höhlen ziehen sich durch das Kalkgestein, viele davon zugänglich. Die Küstenlinie misst über 1.000 Kilometer. Die Nordküste trägt die größten Städte Chania, Rethymno und Heraklion, dazu eine durchgehende Straße und die meisten Hotels. Hier kommt das Gros der Urlauber an. Ierapetra im Südosten gilt als südlichste Stadt Europas.

Spili, Kreta I Foto. AMUe88/Shutterstock.com
Die Insel erreichen Reisende per Flugzeug oder per Fähre. Schiffe verkehren ganzjährig zwischen Piräus und den Häfen Heraklion, Chania, Rethymno, Agios Nikolaos und Sitia. Auch ab Venedig, Ancona oder Bari bestehen Verbindungen. Zwei Fährgesellschaften bedienen die Routen: »Blue Star Ferries« (hier geht es zur Webseite) und »Anek« (hier geht es zur Webseite).
Norden oder Süden: Welche Region passt zu wem?
Kreta sortiert seine Reisenden nach Regionen. Der Massentourismus konzentriert sich im Norden. Dort stehen aber auch herausragende Luxusresorts wie das»Elounda Mare« (hier geht es zur Webseite) oder das Daios Cove« (hier geht es zur Webseite) mit Privatpools und Gourmetküche.
Der Süden bleibt unzugänglicher und deutlich ruhiger. Eine durchgehende Straße entlang der Steilküste fehlt. Trotzdem warten hier mit Elafonisi und Preveli zwei der schönsten Strände der Insel. Wer in den Süden fährt, trifft seltener Pauschalurlauber und häufiger Reisende, die die Insel wirklich erkunden wollen. Auch der wilde, karge Osten zählt dazu, wo es selbst im Sommer still bleibt.
Im Osten liegt eine der wichtigsten Spuren früher Zivilisation: die Schlucht der Toten, der vermutlich älteste Friedhof Kretas. Die Minoer, Schöpfer der ersten europäischen Hochkultur, schlugen Höhlen in die steilen Wände der acht Kilometer langen Erdfurche und bestatteten dort ihre Toten. In einem unversehrten Grab fanden Archäologen die mumifizierten Leichname zweier Frauen, deren Alter sie auf bis zu 4.300 Jahre schätzen. Am Ende der Schlucht liegen die Überreste des Minoer-Palastes von Kato Zakros.

Foto: Panos Karas/Shutterstock.com
Auf den Spuren der griechischen Mythologie
Der größte der vier erhaltenen Minoer-Bauten der Bronzezeit stand im antiken Knossos. Die archäologische Stätte südlich von Heraklion liegt zentral und trägt den Welterbe-Titel der Unesco. Dank der guten Erreichbarkeit zählt sie zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Insel. Einem Mythos zufolge hielten die Kreter dort den Minotaurus gefangen, halb Mensch, halb Stier. König Minos soll direkt von den Göttern abstammen, als Sohn des Zeus, der selbst auf der Insel geboren sein soll.
Wer eine der mutmaßlichen Geburtsstätten des Göttervaters sucht, erschließt sich das Inselinnere. Mit dem Auto, dem Trekkingrad oder zu Fuß im milden Frühjahr und Herbst öffnet sich eine weitere typische Landschaftsform: das Hochplateau. Die fruchtbaren, ebenen Böden tragen Oliven, Gewürze und Trauben. Bekannt ist das Lasithi-Plateau im Osten auf gut 800 Metern. In der dortigen Diktäischen Grotte von Psychro soll Zeus das Licht der Welt erblickt haben. Dieselbe Geschichte erzählt man sich über eine Höhle auf der Nida-Hochebene in über 1.300 Metern Höhe.

Foto: Joshua Kettle
Götter scheinen überall zu sein, Touristen ebenso. Trotz versteckter Winkel und nur per Boot erreichbarer Buchten an der Südküste ist Kreta längst entdeckt. Die Insel bedient viele Geschmäcker, auf die sich der Tourismus eingestellt hat: Sonnenanbeter und Outdoor-Freunde, Bildungsreisende, Feinschmecker und Hedonisten mit Hang zum Luxus.
Was kommt auf Kreta auf den Tisch?
Die Kreter halten ihre Küche für eine der gesündesten der Welt. Vieles spricht dafür. Statt großer Fleischmengen stehen Hülsenfrüchte, Kräuter, Getreide und Olivenöl im Mittelpunkt. Diese Zutaten bilden die Basis vieler Gerichte, oft vegetarisch. Das Essen kommt nicht heiß, sondern lauwarm auf den Tisch, was es bekömmlicher macht. Dass die Inselbewohner überdurchschnittlich alt werden, gilt manchen als Beleg für die Güte ihrer Ernährung.
Dem Continental Breakfast am Hotelbüfett entkommt man allerdings auch hier selten. Wer mag, frühstückt außer Haus in einem der Kaffeehäuser, den Kafeía. Eine Alternative bieten die Konditoreien, die Sácharoplastíon, für einen schnellen Happen unterwegs.
Mittags lohnt eine der Tavernen, die über alle Orte der Insel verstreut liegen. Auf den Karten stehen Griechischer Salat und Fischgerichte, Meeresfrüchte und Oliven in mehreren Sorten, überbackene Auberginen und die berühmte Mousakás, ein Auflauf aus Hackfleisch, Béchamelsauce und wechselndem Gemüse.

Foto: Stefan Weißenborn
Zum Abschluss einen Ráki
Die Speisekarten erscheinen meist auch auf Englisch, ein Erbe des langen Tourismus. Die Preise enthalten die Mehrwertsteuer, nicht aber das Trinkgeld. Üblich sind rund zehn Prozent des Rechnungsbetrags. Wer abends feiner essen möchte, findet im Estiatório Gelegenheit, spezielle Fischlokale heißen Psárotavérna.
Zum Essen reichen die Tavernen eisgekühltes Leitungswasser. Empfindliche Naturen meiden es auf dem flachen Land besser. Wein trinken die Kreter nur zum Essen, bekannte Inselsorten heißen Láto, Minós, Malvasia und Moschato Spinas. Noch bekannter ist der Ráki. Anders als der gleichnamige türkische Anisschnaps destillieren die Kreter ihn aus Weintrester.

Foto: Michael Kalogerakis/Shutterstock.com
Welche Aktivitäten bietet Kreta abseits des Strands?
Wer aktiv werden möchte, hat mehr Optionen als Sandburgen und Beachball. Das Angebot an Wassersport ist groß. In der Nähe der großen Hotels an der Nordküste verleihen Stationen Kanus, Tretboote und Surfbretter. Teurer wird es beim Wasserski oder beim Parasailing hinter dem Boot. Ebenfalls im Norden konzentrieren sich die Tauchbasen. Sie bieten mehrtägige Kurse für PADI- und CMAS-Brevets sowie geführte Tauchtouren.
Inselhopping per Bootsausflug
Organisierte Bootsausflüge steuern die traumhafte Lagune Balos im Nordwesten an oder den Preveli-Strand an der Südküste, wo die palmenbestandene Schlucht endet. Je nach Wind und Wetter führen Trips auch nach Gavdos, Europas südlichster Insel. Spinalonga, ein kleines Eiland vor Elounda, steht ebenfalls auf dem Programm. Bekanntheit erlangte es, weil die griechische Verwaltung bis 1957 Leprakranke dorthin verbannte.

Foto: Georgios Tsichlis/Shutterstock.com
Wandern auf dem Fernwanderweg E4
Jenseits des Wassers ist Kreta ein ideales Ziel für Wanderer. Der europäische Fernwanderweg E4 zieht sich als Wegenetz einmal quer über die Insel, von Kissamos im Westen bis Kato Zakros im Osten. Wanderer gehen ihn von Quartier zu Quartier, Schutzhütten liegen am Weg, einige davon bewirtschaftet. Eine Voranmeldung über die Alpinclubs empfiehlt sich.
Spezialanbieter haben passende Touren im Programm. Die Etappen spiegeln die landschaftliche Vielfalt: tiefe Schluchten, von denen es über 400 auf Kreta gibt, dichte Pinienwälder, Hochebenen wie das Omalós-Plateau und Strände wie Elafonisi. Auch Gipfel wie der 1.980 Meter hohe Gigilos liegen auf der Route. Ein guter Orientierungssinn hilft, denn die Beschilderung fällt streckenweise dürftig aus.
Die Samariá-Schlucht: Kretas große Naturbühne
Wer nicht tagelang wandern möchte, wählt die Samariá-Schlucht in den Ausläufern der Weißen Berge. Sie ist von Mai bis Oktober begehbar. Bei Xiloskalo, 70 Kilometer südlich von Chania, beginnt der Weg gegen eine Eintrittsgebühr. Die Schlucht zieht sich 18 Kilometer bis zum Libyschen Meer. Am stärksten beeindruckt die »Eiserne Pforte«, eine Engstelle, an der die Schlucht am Grund nur sechs Meter misst, während die Felswände bis zu 600 Meter aufragen.

Foto: proslgn/Shutterstock.com
Auch Kletterer finden zahlreiche Möglichkeiten. Klettervereine organisieren Touren, etwa zur Ha-Schlucht, zur Tsoutsouras- oder Kalami-Schlucht. Ausgangspunkte liegen unter anderem in Agiofarago, Voulismeno Aloni, Therisso, Kalathas Stavros, Plakias, Latzimas und Kofinas.
Längst haben auch Radreisende die Insel entdeckt, das Angebot ist mittlerweile sehr professionell. Crete Cycling bietet Trainingslager für Rennradfahrer und Mountainbike-Touren für Fortgeschrittene. Weitere Anbieter sind etwa Pedalo oder Radissimo.
Skifahren auf Kreta: Wintersport im Mittelmeer
Weniger bekannt, aber naheliegend angesichts der hohen Berge: Auf manchem Gipfel hält sich der Schnee bis in den Juli. Die Bergsteigerclubs bleiben im Winter aktiv und organisieren Schneeschuhwanderungen sowie Tourenski-Trips. Liftanlagen fehlen, deshalb führt der Aufstieg meist aus eigener Kraft nach oben. Das beschert einsame Abfahrten. Beliebte Areale sind die Weißen Berge und das Ida-Massiv mit dem 2.456 Meter hohen Timios Stavros. Mancherorts ergänzt Snowkiting das Angebot, bei dem Snowboarder und Skifahrer mit einem Zugdrachen über den Schnee gleiten und dabei aufs blaue Mittelmeer blicken.

Foto: Panteris Antonio/Shutterstock.com
Wer auf Kreta wirklich abschalten möchte, findet im»Milia Mountain Retreat« (hier geht es zur Webseite) in den Bergen Westkretas den passenden Ort. Milia war einst ein Dorf und wurde wie viele abgelegene Siedlungen verlassen. In den 1980er-Jahren bauten Jakob Tsourounaki und Jorgos Makrakis es als Ökodorf für Touristen wieder auf. Solaranlagen liefern den Strom, das Gemüse wächst im eigenen Garten, der Biomüll wandert als Dünger zurück in den Kreislauf. In den schlicht und stilvoll eingerichteten Steinhäusern aus dem 16. Jahrhundert sucht man Fernseher vergebens. Die Küche überzeugt mit vielen, oft vegetarischen Gerichten, das Brot backt das Haus selbst, besonders gerühmt wird die hausgemachte Mousakás. Bis zum Traumstrand Elafonisi sind es nur rund 45 Minuten mit dem Auto.
Wo übernachtet man auf Kreta am schönsten?
Nach Kreta reisen viele ohne feste Buchung, denn selbst das kleinste Dorf hält Unterkünfte bereit. In der Hochsaison zwischen Juli und August sichert eine Buchung von zu Hause aus dennoch die bessere Wahl.
Wir haben euch ein paar Unterkünfte zusammengestellt, die wir besonders schön finden. Diese findet ihr hier im Artikel.

Foto: Ella Resorts
HÄUFIGE FRAGEN
Wann ist die beste Reisezeit für Kreta?
Frühjahr und Herbst bieten milde Temperaturen für Wandern und Kultur. Der Hochsommer eignet sich für Strand und Baden, kann aber über 40 Grad erreichen.
Norden oder Süden: Welche Region ist die richtige?
Der Norden bietet Infrastruktur, Städte und Luxusresorts. Der Süden bleibt abgeschiedener und ruhiger, mit einsamen Stränden und Steilküste.
Wie kommt man nach Kreta?
Per Flug nach Heraklion oder Chania, alternativ per Fähre ab Piräus. Auch ab Venedig, Ancona und Bari bestehen Verbindungen.
Braucht man auf Kreta einen Mietwagen?
Für das Inselinnere und den Süden lohnt sich ein Auto, da der öffentliche Verkehr dort dünn ist. Entlang der Nordküste reicht oft das gut ausgebaute Busnetz.
Ist Kreta auch im Winter eine Reise wert?
Ja. Die Winter sind für mitteleuropäische Verhältnisse mild, Sehenswürdigkeiten wie Knossos sind kaum besucht. In den Bergen ist sogar Tourenski und Schneeschuhwandern möglich.

