Indonesien ist grundsätzlich ein faszinierendes und gut bereisbares Land. Allerdings eines, in dem Reisende häufiger als in Europa mit Sicherheitsproblemen, großen Unterschieden bei der Infrastruktur und erheblichen Naturgefahren konfrontiert werden. Gerade an abgelegenen Orten zeigt sich immer wieder, dass Sicherheitsstandards nicht überall mit dem rasanten Tourismuswachstum Schritt halten.
Fähre zwischen Bali und Lombok gerät in Brand
Das jüngste Unglück ereignete sich am 12. August 2026 in der Lombokstraße. Die Fähre »KM Putri Yasmin« war vom Hafen Padang Bai auf Bali nach Lembar auf Lombok unterwegs, als am frühen Morgen ein Feuer an Bord ausbrach. Die Flammen breiteten sich schnell aus, dichter schwarzer Rauch stieg über dem Schiff auf. Gleichzeitig herrschte hoher Wellengang.
Eine groß angelegte Rettungsaktion begann. Schiffe der indonesischen Marine und der Seenotrettung sowie weitere Boote eilten der Fähre zu Hilfe. Insgesamt konnten nach Angaben der Behörden 172 Menschen gerettet werden. Für eine 19 Jahre alte Indonesierin kam jede Hilfe zu spät. Mindestens zwei weitere Menschen wurden verletzt, wie unter anderem die ZEIT auf ihrer Website berichtet.
Bemerkenswert ist die Zahl der Menschen an Bord. Nach offiziellen Angaben waren 114 Passagiere und 17 Besatzungsmitglieder registriert. Gerettet wurden jedoch 172 Menschen. Wie viele Personen tatsächlich auf der Fähre waren, müssen die Behörden deshalb noch klären. Auch die Ursache des Feuers ist bislang nicht bekannt. Für Touristen ist vor allem die Route relevant: Padang Bai ist einer der wichtigsten Ausgangspunkte für Reisen von Bali in Richtung Lombok und zu den Gili-Inseln. Fähren und Schnellboote gehören für viele Indonesien-Urlauber ganz selbstverständlich zum Inselhopping.
Fährunglücke in Indonesien sind kein Einzelfall
Der Brand der »Putri Yasmin« ist zudem bereits das zweite schwere Fährunglück innerhalb weniger Tage. Anfang August geriet die »KM Mutiara Sentosa 2« vor der Insel Madura in Brand. Mindestens fünf Menschen kamen dabei ums Leben, zahlreiche Passagiere sprangen vor den Flammen ins Meer.
Immer wieder kommt es in Indonesien zu schweren Schiffs- und Fährunglücken. Das Land besteht aus mehr als 17.000 Inseln, entsprechend wichtig ist der Schiffsverkehr. Gleichzeitig gibt es seit Jahren Probleme mit der Sicherheit. Überladung, ungenaue Passagierlisten, mangelhafte Wartung und eine teilweise unzureichende Durchsetzung von Sicherheitsvorschriften werden nach Unglücken immer wieder thematisiert.

Foto: Wakebali / Shutterstock.com
Eines der schwersten Unglücke der vergangenen Jahre ereignete sich 2018 auf dem Tobasee auf Sumatra. Die »MV Sinar Bangun« sank bei schlechtem Wetter. 167 Menschen kamen ums Leben. Ermittlungen ergaben später, dass wesentlich mehr Menschen an Bord gewesen waren als zulässig.
Auch 2025 ereignete sich in unmittelbarer Nähe Balis eine schwere Katastrophe. Die »KMP Tunu Pratama Jaya« sank auf der Fahrt von Ketapang auf Java nach Gilimanuk auf Bali. Mehrere Menschen starben, zahlreiche Passagiere wurden zunächst vermisst.
Nicht nur Fähren: Tödlicher Brückeneinsturz auf Flores
Dass Sicherheitsprobleme nicht auf den Schiffsverkehr beschränkt sind, zeigte ein weiteres schweres Unglück Ende Mai dieses Jahres auf Flores. Nahe des bei Touristen beliebten Cunca-Wulang-Wasserfalls brach eine Hängebrücke zusammen. Zwei Urlauber aus Österreich stürzten rund 20 Meter in die Tiefe und kamen ums Leben.

Foto: Ryan Padjo / Shutterstock.com
Berichten zufolge hörte ihr Guide unmittelbar zuvor das Knacken brechenden Holzes. Nach dem Unglück wurden Fragen nach dem Zustand und der Wartung der Brücke laut. Der Fall löste vor Ort eine Diskussion über die Sicherheit touristischer Infrastruktur aus.
Gerade abseits der großen Urlaubszentren treffen Besucher in Indonesien immer wieder auf einfache Brücken, Straßen, Wanderwege, Aussichtspunkte oder Anlegestellen. Was für europäische Reisende ungewohnt sein kann: Nicht überall kann davon ausgegangen werden, dass Anlagen regelmäßig nach vergleichbaren technischen Standards überprüft werden.
Warum es bei der Sicherheit große Unterschiede gibt
Indonesien erlebt seit Jahren einen starken Tourismusboom. Allein auf Bali wurden im Mai 2026 mehr als 578.000 internationale Besucher gezählt. Gleichzeitig entdecken immer mehr Urlauber abgelegenere Inseln wie Flores, Sumba oder Komodo. Gerade dort kann die Entwicklung der Infrastruktur mit dem Besucherwachstum nicht immer Schritt halten. Hinzu kommen enorme geografische Herausforderungen. Indonesien erstreckt sich über Tausende Kilometer und besteht aus Tausenden bewohnten und unbewohnten Inseln.
Das tropische Klima stellt zusätzliche Anforderungen an die Infrastruktur. Hohe Luftfeuchtigkeit, starke Niederschläge und Salzwasser können Materialien belasten. Straßen, Brücken, Boote oder touristische Einrichtungen müssen entsprechend regelmäßig gewartet werden.

Foto: Rahyati Dahniar / Shutterstock.com
Bedeutet das, dass Indonesien gefährlich ist?
Pauschal lässt sich diese Frage nicht mit Ja beantworten. Millionen Menschen verbringen jedes Jahr problemlos ihren Urlaub in Indonesien. Vor allem auf Bali und in anderen großen Tourismusregionen gibt es eine professionell ausgebaute touristische Infrastruktur mit internationalen Hotels, Reiseveranstaltern und Transportanbietern.
Die Risiken unterscheiden sich allerdings stark danach, wie und wo man reist. Wer in einem Resort auf Bali Urlaub macht, bewegt sich in einem völlig anderen Umfeld als jemand, der mit Fähren und kleinen Booten zwischen abgelegenen Inseln reist oder auf eigene Faust Vulkane und Wasserfälle erkundet.
Gerade dort, wo Abenteuer, Naturerlebnisse und abgelegene Regionen zusammenkommen, sollten Urlauber genauer hinschauen. Dschungelwanderungen, Vulkanbesteigungen, Bootstouren oder abgelegene Wasserfälle sind spektakulär, können aber in Regionen führen, in denen Rettungsdienste und Sicherheitsstandards deutlich weniger verlässlich sind als in Deutschland.

Foto: balnyes / Shutterstock.com
Hinzu kommen weitere Risiken. Indonesien liegt am pazifischen Feuerring und gehört zu den vulkanisch aktivsten Ländern der Erde. Erdbeben, Vulkanausbrüche und daraus resultierende Tsunami-Gefahren gehören zu den natürlichen Risiken des Inselstaates.
Auch der Straßenverkehr verdient besondere Aufmerksamkeit. Vor allem auf Bali sind Motorroller für Touristen ein beliebtes Verkehrsmittel. Dichter und teilweise unübersichtlicher Verkehr, ungewohnte Verkehrsregeln und mangelnde Fahrpraxis können jedoch schnell gefährlich werden.

Foto: Farizun Amrod Saad / Shutterstock.com
Urlaub in Indonesien: Worauf Urlauber achten sollten
Wer Indonesien bereist, sollte sich bewusst machen, dass Eigenverantwortung eine größere Rolle spielt als in vielen europäischen Urlaubsländern. Touren und Transfers sollten möglichst bei etablierten und gut bewerteten Anbietern gebucht werden. Bei Booten lohnt sich ein Blick auf den Zustand der Fähre, die Zahl der Passagiere und die Sicherheitsausrüstung. Schwimmwesten sollten für alle Passagiere vorhanden und schnell erreichbar sein.
Wirkt ein Boot deutlich überfüllt oder schlecht gewartet, sollte man auf die Fahrt verzichten. Das gilt auch für Hängebrücken, Aussichtspunkte oder improvisierte Wege: Ein spektakuläres Urlaubserlebnis ist kein Grund, offensichtliche Sicherheitsmängel zu ignorieren. Bei Bootsfahrten spielt zudem das Wetter eine wichtige Rolle. Besonders bei starkem Wind und hohem Wellengang kann eine Überfahrt zwischen den Inseln unangenehm und gefährlich werden. Wird vor schwierigen Bedingungen gewarnt, ist es sinnvoller, die Überfahrt zu verschieben.
Wichtig ist außerdem eine gute Auslandskrankenversicherung inklusive Rücktransport. In abgelegenen Regionen kann die medizinische Versorgung eingeschränkt sein und ein Rettungseinsatz wesentlich länger dauern als in Europa. Vor Vulkanwanderungen, Bootsfahrten und Reisen in abgelegene Regionen sollten sich Urlauber über die aktuelle Lage informieren. Das gilt besonders nach Erdbeben, bei erhöhter vulkanischer Aktivität oder Unwetterwarnungen.

