Foto: Andrew Mayovskyy / Shutterstock.com
Europa

Reschensee im Herbst: Wenn die Almen ihre letzte Vorstellung geben

Der Sommer räumt am Reschensee das Feld, aber nicht ohne Nachspiel. Bevor die Almen ihre Türen für die Saison schließen, laden sie im Herbst noch einmal zur Einkehr, während im Tal Kühe und Schafe ihre alljährliche Heimreise antreten.

Diesen Artikel vorlesen
4:07

Der Reschensee im Oberen Vinschgau liegt dort, wo Südtirol, Österreich und die Schweiz sich die Landkarte teilen. Mit Haidersee, den Seitentälern Langtaufers und Schlinig sowie den umliegenden Bergen bringt die Region reichlich Auswahl für alle, die Natur und Kulinarik gern in einem Aufwasch erledigen. Im Herbst zeigt sie sich dabei von einer besonders klaren Seite: Die Luft verliert ihren Sommerdunst, die Fernsicht gewinnt und auf den Almen beginnt die letzte und auch stimmungsvollste Phase der Saison.

Ein Hang mit orangefarbenem Lärchenwald vor schneebedeckten Berggipfeln.

Foto: Patrick Schwienbacher/Vinschgau Marketing

Rescher Alm: Wandern mit Aussicht auf Käseknödel

Auf rund 2.000 Metern liegt die Rescher Alm, erreichbar über eine Wanderung, die auch für Wandermuffel machbar ist. Der Weg führt durch lichte Waldhänge und über Wiesen, immer wieder mit Blick auf den Reschensee. Oben warten hausgemachte Nudelspezialitäten, regionale Produkte, Käseknödel und Apfelstrudel auf alle, die den Aufstieg nicht nur wegen der Aussicht gemacht haben.

Wer den Berggipfel Piz Lad erklommen hat, kann die Rescher Alm ebenfalls als Ziel ansteuern. Und auch die etwas ambitionierteren Touren, die vom Dreiländerstein zurück nach Reschen führen, kommen ebenfalls direkt an der Alm vorbei. Alpines Panorama und kulinarische Pause in einem, effizienter geht Genuss kaum.

Gulasch mit zwei Knödeln, Broccoli und Kirschtomaten in einer schwarzen Pfanne auf einem Holzbrett.

Foto: Siegfried Lercher

Laatscher Alm: Käse, aber als Heimat

Im Arundatal, auf 2.049 Metern, bewirtschaftet Familie Ladurner die Laatscher Alm. Die Milchkühe gehören hier zum sommerlichen Almleben fest dazu und aus ihrer Milch entsteht der Käse gleich vor Ort, ohne Umwege über Kühlketten oder Lieferanten.

Wer wissen möchte, wie regionale Lebensmittel tatsächlich entstehen, muss dafür also nur den knapp zweistündigen Forstweg oberhalb von Schleis in Kauf nehmen. Für Geübte gibt es steilere Abkürzungen, für alle anderen bleibt der gemütliche Weg. Die Alm ist zudem Teil des 360-Grad-Rundwanderwegs und hat von Mitte Mai bis Anfang Oktober geöffnet. Danach übernimmt wieder die Stille.

Die Laatscher Alm mit Steinsockel und Holzfassade vor einem bewaldeten Hang, davor Sitzplätze und Sonnenschirme.

Foto: Jana Zischg/Vinschgau Marketing

Almabtrieb und Schofschoad: Der Bergsommer räumt das Feld

Mit dem Herbst endet auf den Almen naturgemäß auch der Bergsommer, und die Tiere treten den Rückweg ins Tal an. Beim traditionellen Almabtrieb kehren sie nach den Sommermonaten in ihre Ställe zurück.

Als Schofschoad wird der Abtrieb der Schafe bezeichnet, die anschließend wieder ihren jeweiligen Besitzern zugeordne werden. Der Brauch ist eng mit der Almwirtschaft im Oberen Vinschgau verknüpft und zeigt, wie lebendig bäuerliche Traditionen hier bis heute geblieben sind, ganz ohne Museumscharakter.

Eine Kuh mit Hörnern liegt im hohen Gras einer Alm, im Hintergrund Wald und Felsen. F

Foto: Jana Zischg/Vinschgau Marketing

Palabiratage in Glurns: Eine Birne bekommt ihren großen Auftritt

Wer die Genusssaison kulinarisch ausklingen lassen möchte, findet auch in Glurns die passende Gelegenheit. Im Mittelpunkt steht die Vinschger Palabirne, eine alte regionale Birnensorte, die hier traditionell kultiviert wird. Und offenbar genug Fans hat, um ein eigenes Programm zu füllen.

Im Jahr 2026 finden die Palabiratage vom 5. bis 20. September statt, mit »Glurns Kocht« und dem Landwirtschafts-Filmfestival »Terra Culta« als Highlights. Den Abschluss bildet am 20. September der Palabirasunnta (Palabirnen-Sonntag, eine Art Erntedankfest), danach hat auch die Birne ihren Auftritt für dieses Jahr hinter sich.

Zwei reife Palabirnen hängen an einem Ast zwischen grünen Blättern.

Foto: Philipp Niederholzer / OK Palabir

Weitere Informationen gibt es hier: www.reschensee.com.

Häufige Fragen

Wie entstand der Reschensee mit seinem berühmten Kirchturm?
Der Reschensee ist ein Stausee. Für seine Aufstauung wurde 1950 das Dorf Alt-Graun überflutet, erhalten blieb der denkmalgeschützte Kirchturm aus dem 14. Jahrhundert, der bis heute aus dem Wasser ragt und an den versunkenen Ort erinnert.
Lässt sich die Region am Reschensee auch ohne Auto erkunden?
Ja, mit dem Reschensee Guest Pass nutzen Übernachtungsgäste Busse und Bahnen in Südtirol kostenlos. Auch mehrere Bergbahnen zählen laut Tourismusverband zum Mobilitätsangebot und verbinden Ausgangspunkte für Wanderungen im Vinschgau.
Welche Alternativen gibt es bei wechselhaftem Herbstwetter?
Bei wechselhaftem Wetter bietet sich ein Spaziergang zum Kirchturm von Graun oder ein Abstecher ins mittelalterliche Glurns an. Auch die historischen Waalwege führen sanft durch die Landschaft und sind laut Tourismusverband ganzjährig begehbar.
Eignet sich der Reschensee auch für einen Radurlaub im Herbst?
Ja, besonders für alle, die Genussradeln mit Berglandschaft verbinden möchten. Laut Tourismusverband gibt es mehr als 250 Kilometer Rad- und Mountainbike-Routen sowie Bergbahnen, die in höhere Lagen bringen.
Jasmin Faust
Jasmins Herz muss viel aushalten, denn sie verliebt sich in (fast) jedes Land auf der Welt und würde am liebsten für immer dort bleiben. Die Schönheit des Reisens findet sie überall. Ob in den Bergen und Seen der Alpen, in den Städten Mexikos oder der Wüste Jordaniens. Hauptsache Natur, Kultur und ein bisschen Abenteuer.