Foto: twabian /Shutterstock.com
Madagaskar

Magisches Madagaskar: 10 Orte, die wie nicht von dieser Welt wirken

Baobabs, die wie auf den Kopf gestellte Bäume aussehen, singende Lemuren, messerscharfe Kalksteinfelsen und Canyons, die eher an den amerikanischen Westen erinnern: Madagaskar passt nur schwer in eine Schublade. Selbst nach afrikanischen Maßstäben wirkt die viertgrößte Insel der Erde stellenweise wie ein eigener kleiner Kontinent.

Madagaskar ist mit rund 587.000 Quadratkilometern etwa 1,6-mal so groß wie Deutschland. Wer das Land bereist, sollte allerdings weniger in Kilometern als in Reisezeiten denken. Denn auf vielen Straßen kommt man nur langsam voran, manche Nationalparks sind ausschließlich über Pisten erreichbar und für abgelegene Regionen ist ein Geländewagen oft unverzichtbar. Doch die teils beschwerliche Anreise lohnt sich: Urlauber treffen auf Madagaskar auf Landschaften, Tiere und Kulturen, die es in dieser Kombination nirgendwo sonst gibt. Diese zehn Orte gehören zu den Höhepunkten!

1. Die Allee der Baobabs: Madagaskars berühmtestes Fotomotiv

Kaum ein Bild steht so sehr für Madagaskar wie die mächtigen Baobabs entlang einer staubigen Piste bei Morondava im Westen der Insel. Besonders zum Sonnenuntergang werfen die teilweise jahrhundertealten Bäume lange Schatten über die rote Erde. Madagaskar besitzt sieben endemische Baobab-Arten. An der berühmten Allee wächst vor allem Adansonia grandidieri, eine der eindrucksvollsten Arten. Einige Exemplare erreichen rund 30 Meter Höhe.

Baobab-Allee bei Morondava auf Madagaskar

Foto: Que_sera_sera/Shutterstock.com

Der Besuch lässt sich gut mit Morondava und dem Trockenwald von Kirindy verbinden. Dort leben unter anderem Lemuren und Fossas. Die Fossa ist das größte heimische Raubtier Madagaskars und sieht ein wenig so aus, als hätten Katze und Mungo bei der Evolution gemeinsame Sache gemacht.

Geheimtipp: Wer nach der Baobab-Allee noch nicht genug von den ungewöhnlichen Bäumen hat, findet weiter südlich wesentlich weniger bekannte Baobab-Landschaften. In Ampotaka nutzen Bewohner ausgehöhlte Baobabs sogar als Wasserspeicher für die Trockenzeit.

2. Tsingy de Bemaraha: Wandern durch einen Wald aus Stein

Die Tsingy de Bemaraha gehören zu den Landschaften, bei denen Fotos zunächst ein wenig unglaubwürdig wirken. Tausende scharfkantige Kalksteinnadeln ragen dicht nebeneinander aus der Landschaft und bilden Schluchten, Höhlen und natürliche Labyrinthe. Das Gebiet gehört seit 1990 zum Unesco-Weltnaturerbe. Wanderwege führen teilweise durch enge Felsspalten und über Hängebrücken. Einige Touren verlangen Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Daneben gibt es weniger anspruchsvolle Routen und Ausflüge durch die Schluchten des Manambolo.

Wanderer auf einer Hängebrücke in den Tsingy de Bemaraha auf Madagaskar

Foto: Veranika848/Shutterstock.com

Allein die Anreise macht deutlich, warum bei Madagaskar Entfernungen mit Vorsicht zu genießen sind. Das madagassische Fremdenverkehrsamt kalkuliert für die Strecke von Morondava zu den Tsingy in seinen Routenvorschlägen rund acht Stunden im Geländewagen. Dabei werden Flüsse teilweise mit motorisierten Fähren überquert.

Die Tsingy sind also kein schneller Abstecher von der Baobab-Allee. Wer beide sehen möchte, sollte mehrere Tage für den Westen einplanen.

3. Isalo-Nationalpark: Madagaskars wilder Westen

Nach Regenwald und Baobabs wartet entlang der RN7 eine Landschaft, die viele Reisende kaum mit Madagaskar verbinden würden. Im Isalo-Nationalpark dominieren Sandsteinmassive, weite Ebenen, Canyons und bizarre Felsformationen.

Zwischen den trockenen Felsen verstecken sich natürliche Wasserbecken, Flüsse und kleine grüne Oasen. Zu den bekannten Wanderzielen gehören die Piscine Naturelle, die Cascade des Nymphes und die Felsformation Fenêtre de l’Isalo. Je nach Route reichen die Touren von kürzeren Wanderungen bis zu mehrtägigen Treks.

Wanderer in der trockenen Landschaft des Isalo-Nationalparks auf Madagaskar

Foto: Robert Harding Video/Shutterstock.com

Isalo gehört zu den meistbesuchten Nationalparks des Landes. Madagascar National Parks registrierte 2023 knapp 30.000 Besucher. Gemessen an vielen europäischen Nationalparks klingt das beinahe beschaulich. Für Madagaskar ist es viel. Ausgangspunkt für Touren ist der Ort Ranohira an der RN7.

4. Andasibe: Hier singt der größte Lemur der Welt

Manchmal hört man die wichtigste Sehenswürdigkeit von Andasibe, bevor man sie sieht. In den Regenwäldern östlich von Antananarivo lebt der Indri, auf Madagassisch Babakoto. Er gehört zu den größten heute lebenden Lemuren und ist bekannt für seine weit hörbaren Rufe. Wenn mehrere Tiere am frühen Morgen durch den Wald rufen, klingt das weniger nach klassischer Tierbeobachtung als nach einem ziemlich eigenwilligen Dschungelkonzert.

Brauner Lemur auf einem Ast im Regenwald von Andasibe auf Madagaskar

Foto: Bossa Art/Shutterstock.com

Das Office National du Tourisme bezeichnet Andasibe als eine der wichtigsten Naturstationen Madagaskars. Neben Indris leben dort weitere Lemurenarten, Chamäleons und zahlreiche Vogelarten. Andasibe hat zudem einen großen praktischen Vorteil: Die Region lässt sich vergleichsweise einfach von Antananarivo erreichen. Wer während einer kürzeren Madagaskar-Reise nur einen Regenwald besuchen kann, findet hier eine der naheliegendsten Möglichkeiten.

5. Ranomafana: Regenwald mit einer besonderen Entdeckungsgeschichte

Deutlich weiter südlich liegt der Ranomafana-Nationalpark. Nebel, Bambus, Farne und dichter Bergregenwald prägen die Landschaft. Die Höhenunterschiede machen manche Wanderungen anstrengender, als ein Blick auf die Streckenlänge vermuten lässt. Berühmt wurde die Region unter anderem durch die Entdeckung des Goldenen Bambuslemuren in den 1980er-Jahren. Heute gehört Ranomafana zu den wichtigsten Schutzgebieten Madagaskars und ist Teil der Unesco-Welterbestätte »Regenwälder von Atsinanana«.

Bergregenwald und Fluss im Ranomafana-Nationalpark auf Madagaskar

Foto: Jakub Zajic/Shutterstock.com

Für Reisende auf der RN7 lässt sich Ranomafana sinnvoll zwischen dem Hochland und den weiter südlich gelegenen Landschaften rund um Isalo einbauen. Wer morgens früh startet, hat besonders gute Chancen auf Tierbeobachtungen.

6. Die RN7: Eine Straße wird selbst zur Sehenswürdigkeit

Bei einer Madagaskar-Reise muss nicht jeder Höhepunkt einen Eintritt verlangen. Einer der spannendsten Abschnitte des Landes liegt schlicht zwischen zwei Orten. Die Route Nationale 7 führt von Antananarivo durch das zentrale Hochland Richtung Süden. Reisfelder, Dörfer mit traditionellen Lehmhäusern, Berglandschaften und immer trockenere Vegetation wechseln sich ab. Unterwegs liegen unter anderem Antsirabe, Ambositra, Fianarantsoa und der Isalo-Nationalpark.

Nationalstraße RN7 zwischen Ambalavao und Isalo auf Madagaskar

Foto: LouieLea/Shutterstock.com

Gerade dieser landschaftliche Wandel macht die RN7 zu einer der klassischen Reiserouten Madagaskars. Wer die Strecke komplett bis Richtung Toliara fährt, erlebt innerhalb weniger Tage mehrere Klimazonen.

7. Ambohimanga: Madagaskar besteht nicht nur aus Natur

Wer nach all den Lemuren und Landschaften wissen möchte, wie Madagaskar historisch geprägt wurde, sollte nordöstlich von Antananarivo einen Halt einlegen. Der Königshügel von Ambohimanga war religiöses Zentrum und königliche Residenz der Merina. Zum Ensemble gehören die ehemalige Königsstadt, Palastanlagen, Grabstätten und heilige Orte. Bis heute besitzt Ambohimanga spirituelle Bedeutung und ist Pilgerort.

Historische Königsstätte Ambohimanga bei Antananarivo auf Madagaskar

Foto: Veranika848/Shutterstock.com

Der Ort steht damit für eine Seite Madagaskars, die in vielen Reiseberichten erstaunlich kurz kommt: die Geschichte der Königreiche und die Bedeutung von Ahnenkult und Spiritualität. Seit 2001 gehört Ambohimanga zum Unesco-Weltkulturerbe. Ein Besuch lässt sich gut mit einem Aufenthalt in Antananarivo verbinden.

8. Nosy Be: lieber hinaus auf die kleinen Inseln

Nosy Be ist das bekannteste Badeziel Madagaskars. Wer nur am Hotelstrand bleibt, verpasst allerdings einen großen Teil dessen, was den Archipel interessant macht. Ein lohnendes Ziel ist Nosy Tanikely, eine kleine Insel südlich von Nosy Be. Das geschützte Meeresgebiet besitzt Korallenriffe, zahlreiche Fischarten und Meeresschildkröten. Viele Riffe liegen so nah an der Küste, dass bereits Schnorchler viel sehen können.

Insel Nosy Tanikely mit tropischem Wald, Stränden und türkisfarbenem Meer vor Madagaskar

Foto: V/Shutterstock.com

Ebenfalls interessant ist Nosy Komba mit dem Dorf Ampangorina. Auf Nosy Be selbst schützt der Lokobe-Nationalpark einen Rest des ursprünglichen tropischen Waldes. Zum Sonnenuntergang lohnt sich außerdem der Mont Passot. Der höchste Punkt der Insel bietet einen weiten Blick über Kraterseen und den Archipel.

9. Sainte-Marie: Wale vor einer ehemaligen Pirateninsel

An der Ostküste liegt ein völlig anderes Inselerlebnis. Sainte-Marie, auf Madagassisch Nosy Boraha, ist langgestreckt, grün und deutlich ruhiger als Nosy Be. Bekannt ist die Insel vor allem für Buckelwale. Während der Walsaison kommen die Tiere in die Gewässer rund um Sainte-Marie, um sich zu paaren und ihre Jungen zur Welt zu bringen. Bootsausflüge zur Walbeobachtung gehören dann zu den wichtigsten Erlebnissen der Insel.

Buckelwal im Meer vor Madagaskar

Foto: buchpetzer/Shutterstock.com

Doch Sainte-Marie besitzt noch eine zweite Geschichte. Im 17. und 18. Jahrhundert nutzten Piraten die Insel als Stützpunkt. Bis heute erinnert unter anderem ein Piratenfriedhof an diese Vergangenheit. Wer es noch ruhiger mag, fährt weiter auf die südlich gelegene Île aux Nattes. Dort warten kleine Strände, Lagunen und Dörfer. Autos spielen hier praktisch keine Rolle.

10. Tsimanampetsotsa: Salzsee, Baobabs und eine Landschaft wie von einem anderen Planeten

Der Südwesten Madagaskars zeigt noch einmal eine völlig andere Insel. Im Nationalpark Tsimanampetsotsa treffen ein großer Salzsee, Kalksteinformationen, Höhlen, Dünen, Baobabs und Dornbuschlandschaften aufeinander. Am See lassen sich unter anderem Flamingos beobachten. In der trockenen Umgebung leben außerdem Lemuren und die für den Süden charakteristischen Strahlenschildkröten.

Großflamingos im Tsimanampetsotsa-Nationalpark auf Madagaskar

Foto: Artush/Shutterstock.com

Besonders ungewöhnlich sind die Grotten von Mitoho. In unterirdischen Gewässern leben blinde Fische, die sich an die Dunkelheit angepasst haben. Tsimanampetsotsa lässt sich mit dem Küstenort Anakao verbinden. Wer nach Regenwald und Hochland noch immer glaubt, Madagaskars Landschaften halbwegs verstanden zu haben, dürfte spätestens hier wieder von vorne anfangen.

Geheimtipp im Norden: die roten Tsingy

Die berühmten Tsingy de Bemaraha sind grau und gewaltig. Im Norden Madagaskars gibt es eine wesentlich kleinere, aber optisch völlig andere Variante. Die Tsingy Rouge südlich von Antsiranana, dem früheren Diego Suarez, bestehen aus rötlichen Formationen aus Sandstein, Mergel und Kalk. Erosion hat daraus filigrane Spitzen und Türme geformt.

Rote Felsformationen der Tsingy Rouge im Norden Madagaskars

Foto: Cathinka Ingman/Shutterstock.com

Das Gebiet liegt rund 60 Kilometer südlich von Antsiranana. Schon die Anfahrt führt durch Dörfer, Reisfelder und Landschaften mit Baobabs und Pachypodien. Vom Parkplatz führen Wege und Aussichtspunkte durch das Gelände. Wer ohnehin den Norden bereist, kann die roten Tsingy mit dem Nationalpark Montagne d’Ambre und der Bucht von Antsiranana verbinden.

Aktuelle Informationen zu Nationalparks und Schutzgebieten bietet die Webseite von Madagascar National Parks. Das Fremdenverkehrsamt von Madagaskar informiert über Reiseziele und Regionen. Aktuelle Reise-, Sicherheits- und Gesundheitshinweise über Madagaskar veröffentlicht das Auswärtige Amt.

Häufige Fragen

Welche Tiere lassen sich in Madagaskar besonders gut beobachten?
Lemuren sind die Stars der Insel. Indris lassen sich besonders gut rund um Andasibe beobachten, Kattas vor allem im Süden. In den Trockenwäldern bei Kirindy lebt die scheue Fossa. Hinzu kommen zahlreiche Chamäleonarten. Rund um Nosy Be und Nosy Tanikely sind Meeresschildkröten zu sehen, vor Sainte-Marie saisonal Buckelwale.
Welche Sehenswürdigkeiten in Madagaskar lassen sich gut miteinander kombinieren?
Für eine erste Rundreise bietet sich die RN7 mit Antananarivo, Antsirabe, Ranomafana und Isalo an. Im Westen lassen sich Morondava, Baobab-Allee, Kirindy und Tsingy de Bemaraha verbinden, allerdings mit langen Fahrzeiten. Im Norden bilden Nosy Be, Lokobe, Nosy Komba und Nosy Tanikely eine gute Kombination. Andasibe eignet sich als kurzer Abstecher von Antananarivo.
Wie viel Zeit sollte man für Madagaskar einplanen?
Madagaskar verlangt Zeit: Schlechte Straßen, lange Fahrzeiten und begrenzte Flugverbindungen machen schnelle Rundreisen schwierig. Für eine erste Reise sind zwei Wochen eher die Untergrenze, drei Wochen bieten deutlich mehr Spielraum. Wer abgelegene Regionen wie die Tsingy de Bemaraha einplant, sollte zusätzliche Tage vorsehen.
Ist Madagaskar für Urlauber sicher?
Madagaskar lässt sich touristisch bereisen, Kriminalität sollte jedoch ernst genommen werden. Das Auswärtige Amt warnt unter anderem vor Taschendiebstählen und bewaffneten Raubüberfällen sowie vor Risiken auf einigen Überlandstraßen. Spaziergänge nach Einbruch der Dunkelheit und Nachtfahrten sollten vermieden werden. Vor der Reise empfiehlt sich ein Blick auf die aktuellen Sicherheitshinweise.
Was muss man beim Gesundheitsschutz in Madagaskar beachten?
In Madagaskar besteht ganzjährig ein Malariarisiko. Konsequenter Mückenschutz ist wichtig, eine medikamentöse Prophylaxe sollte ärztlich abgeklärt werden. Empfohlen werden zudem je nach Reise Impfungen etwa gegen Hepatitis A, Polio oder Typhus. Da die medizinische Versorgung außerhalb Antananarivos eingeschränkt ist, sind Reiseapotheke und eine gute Auslandskrankenversicherung ratsam.
Wann ist die beste Reisezeit für Madagaskar?
Für Rundreisen eignen sich besonders die trockeneren Monate Mai bis Oktober. Im Hochland können die Nächte von Juni bis August kühl werden, während Süden und Westen dann meist angenehme Bedingungen bieten. Von etwa Dezember bis April bringen Regenzeit und tropische Wirbelstürme mögliche Einschränkungen mit sich. Für Walbeobachtungen vor Sainte-Marie sollte zusätzlich die Buckelwalsaison berücksichtigt werden.
Welche Reiseveranstalter haben sich auf Madagaskar spezialisiert?
Spezialveranstalter wie DIAMIR und SKR bieten organisierte Rundreisen in kleinen Gruppen an. Individuelle Routen lassen sich auch über lokale Agenturen planen. Détours Madagascar sitzt beispielsweise in Antananarivo und bietet deutschsprachige Beratung und maßgeschneiderte Reisen an. Eine Liste registrierter Anbieter führt zudem das madagassische Tourismusministerium.
Frank Störbrauck
Brasilien ist sein Ding. Hier feiert Frank gerne ausgelassene Strandpartys bis tief in die warme Nacht. Klar, die Copacabana ist dafür in aller Munde, ihn zieht es allerdings viel lieber nach Salvador, wo die Strände nicht weniger traumhaft sind. Pluspunkt dort: Die Partys sind kleiner und mit den Locals kommt man schneller ins Gespräch.