Madagaskar ist mit rund 587.000 Quadratkilometern etwa 1,6-mal so groß wie Deutschland. Wer das Land bereist, sollte allerdings weniger in Kilometern als in Reisezeiten denken. Denn auf vielen Straßen kommt man nur langsam voran, manche Nationalparks sind ausschließlich über Pisten erreichbar und für abgelegene Regionen ist ein Geländewagen oft unverzichtbar. Doch die teils beschwerliche Anreise lohnt sich: Urlauber treffen auf Madagaskar auf Landschaften, Tiere und Kulturen, die es in dieser Kombination nirgendwo sonst gibt. Diese zehn Orte gehören zu den Höhepunkten!
1. Die Allee der Baobabs: Madagaskars berühmtestes Fotomotiv
Kaum ein Bild steht so sehr für Madagaskar wie die mächtigen Baobabs entlang einer staubigen Piste bei Morondava im Westen der Insel. Besonders zum Sonnenuntergang werfen die teilweise jahrhundertealten Bäume lange Schatten über die rote Erde. Madagaskar besitzt sieben endemische Baobab-Arten. An der berühmten Allee wächst vor allem Adansonia grandidieri, eine der eindrucksvollsten Arten. Einige Exemplare erreichen rund 30 Meter Höhe.

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Der Besuch lässt sich gut mit Morondava und dem Trockenwald von Kirindy verbinden. Dort leben unter anderem Lemuren und Fossas. Die Fossa ist das größte heimische Raubtier Madagaskars und sieht ein wenig so aus, als hätten Katze und Mungo bei der Evolution gemeinsame Sache gemacht.
Geheimtipp: Wer nach der Baobab-Allee noch nicht genug von den ungewöhnlichen Bäumen hat, findet weiter südlich wesentlich weniger bekannte Baobab-Landschaften. In Ampotaka nutzen Bewohner ausgehöhlte Baobabs sogar als Wasserspeicher für die Trockenzeit.
2. Tsingy de Bemaraha: Wandern durch einen Wald aus Stein
Die Tsingy de Bemaraha gehören zu den Landschaften, bei denen Fotos zunächst ein wenig unglaubwürdig wirken. Tausende scharfkantige Kalksteinnadeln ragen dicht nebeneinander aus der Landschaft und bilden Schluchten, Höhlen und natürliche Labyrinthe. Das Gebiet gehört seit 1990 zum Unesco-Weltnaturerbe. Wanderwege führen teilweise durch enge Felsspalten und über Hängebrücken. Einige Touren verlangen Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Daneben gibt es weniger anspruchsvolle Routen und Ausflüge durch die Schluchten des Manambolo.

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Allein die Anreise macht deutlich, warum bei Madagaskar Entfernungen mit Vorsicht zu genießen sind. Das madagassische Fremdenverkehrsamt kalkuliert für die Strecke von Morondava zu den Tsingy in seinen Routenvorschlägen rund acht Stunden im Geländewagen. Dabei werden Flüsse teilweise mit motorisierten Fähren überquert.
Die Tsingy sind also kein schneller Abstecher von der Baobab-Allee. Wer beide sehen möchte, sollte mehrere Tage für den Westen einplanen.
3. Isalo-Nationalpark: Madagaskars wilder Westen
Nach Regenwald und Baobabs wartet entlang der RN7 eine Landschaft, die viele Reisende kaum mit Madagaskar verbinden würden. Im Isalo-Nationalpark dominieren Sandsteinmassive, weite Ebenen, Canyons und bizarre Felsformationen.
Zwischen den trockenen Felsen verstecken sich natürliche Wasserbecken, Flüsse und kleine grüne Oasen. Zu den bekannten Wanderzielen gehören die Piscine Naturelle, die Cascade des Nymphes und die Felsformation Fenêtre de l’Isalo. Je nach Route reichen die Touren von kürzeren Wanderungen bis zu mehrtägigen Treks.

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Isalo gehört zu den meistbesuchten Nationalparks des Landes. Madagascar National Parks registrierte 2023 knapp 30.000 Besucher. Gemessen an vielen europäischen Nationalparks klingt das beinahe beschaulich. Für Madagaskar ist es viel. Ausgangspunkt für Touren ist der Ort Ranohira an der RN7.
4. Andasibe: Hier singt der größte Lemur der Welt
Manchmal hört man die wichtigste Sehenswürdigkeit von Andasibe, bevor man sie sieht. In den Regenwäldern östlich von Antananarivo lebt der Indri, auf Madagassisch Babakoto. Er gehört zu den größten heute lebenden Lemuren und ist bekannt für seine weit hörbaren Rufe. Wenn mehrere Tiere am frühen Morgen durch den Wald rufen, klingt das weniger nach klassischer Tierbeobachtung als nach einem ziemlich eigenwilligen Dschungelkonzert.

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Das Office National du Tourisme bezeichnet Andasibe als eine der wichtigsten Naturstationen Madagaskars. Neben Indris leben dort weitere Lemurenarten, Chamäleons und zahlreiche Vogelarten. Andasibe hat zudem einen großen praktischen Vorteil: Die Region lässt sich vergleichsweise einfach von Antananarivo erreichen. Wer während einer kürzeren Madagaskar-Reise nur einen Regenwald besuchen kann, findet hier eine der naheliegendsten Möglichkeiten.
5. Ranomafana: Regenwald mit einer besonderen Entdeckungsgeschichte
Deutlich weiter südlich liegt der Ranomafana-Nationalpark. Nebel, Bambus, Farne und dichter Bergregenwald prägen die Landschaft. Die Höhenunterschiede machen manche Wanderungen anstrengender, als ein Blick auf die Streckenlänge vermuten lässt. Berühmt wurde die Region unter anderem durch die Entdeckung des Goldenen Bambuslemuren in den 1980er-Jahren. Heute gehört Ranomafana zu den wichtigsten Schutzgebieten Madagaskars und ist Teil der Unesco-Welterbestätte »Regenwälder von Atsinanana«.

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Für Reisende auf der RN7 lässt sich Ranomafana sinnvoll zwischen dem Hochland und den weiter südlich gelegenen Landschaften rund um Isalo einbauen. Wer morgens früh startet, hat besonders gute Chancen auf Tierbeobachtungen.
6. Die RN7: Eine Straße wird selbst zur Sehenswürdigkeit
Bei einer Madagaskar-Reise muss nicht jeder Höhepunkt einen Eintritt verlangen. Einer der spannendsten Abschnitte des Landes liegt schlicht zwischen zwei Orten. Die Route Nationale 7 führt von Antananarivo durch das zentrale Hochland Richtung Süden. Reisfelder, Dörfer mit traditionellen Lehmhäusern, Berglandschaften und immer trockenere Vegetation wechseln sich ab. Unterwegs liegen unter anderem Antsirabe, Ambositra, Fianarantsoa und der Isalo-Nationalpark.

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Gerade dieser landschaftliche Wandel macht die RN7 zu einer der klassischen Reiserouten Madagaskars. Wer die Strecke komplett bis Richtung Toliara fährt, erlebt innerhalb weniger Tage mehrere Klimazonen.
7. Ambohimanga: Madagaskar besteht nicht nur aus Natur
Wer nach all den Lemuren und Landschaften wissen möchte, wie Madagaskar historisch geprägt wurde, sollte nordöstlich von Antananarivo einen Halt einlegen. Der Königshügel von Ambohimanga war religiöses Zentrum und königliche Residenz der Merina. Zum Ensemble gehören die ehemalige Königsstadt, Palastanlagen, Grabstätten und heilige Orte. Bis heute besitzt Ambohimanga spirituelle Bedeutung und ist Pilgerort.

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Der Ort steht damit für eine Seite Madagaskars, die in vielen Reiseberichten erstaunlich kurz kommt: die Geschichte der Königreiche und die Bedeutung von Ahnenkult und Spiritualität. Seit 2001 gehört Ambohimanga zum Unesco-Weltkulturerbe. Ein Besuch lässt sich gut mit einem Aufenthalt in Antananarivo verbinden.
8. Nosy Be: lieber hinaus auf die kleinen Inseln
Nosy Be ist das bekannteste Badeziel Madagaskars. Wer nur am Hotelstrand bleibt, verpasst allerdings einen großen Teil dessen, was den Archipel interessant macht. Ein lohnendes Ziel ist Nosy Tanikely, eine kleine Insel südlich von Nosy Be. Das geschützte Meeresgebiet besitzt Korallenriffe, zahlreiche Fischarten und Meeresschildkröten. Viele Riffe liegen so nah an der Küste, dass bereits Schnorchler viel sehen können.

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Ebenfalls interessant ist Nosy Komba mit dem Dorf Ampangorina. Auf Nosy Be selbst schützt der Lokobe-Nationalpark einen Rest des ursprünglichen tropischen Waldes. Zum Sonnenuntergang lohnt sich außerdem der Mont Passot. Der höchste Punkt der Insel bietet einen weiten Blick über Kraterseen und den Archipel.
9. Sainte-Marie: Wale vor einer ehemaligen Pirateninsel
An der Ostküste liegt ein völlig anderes Inselerlebnis. Sainte-Marie, auf Madagassisch Nosy Boraha, ist langgestreckt, grün und deutlich ruhiger als Nosy Be. Bekannt ist die Insel vor allem für Buckelwale. Während der Walsaison kommen die Tiere in die Gewässer rund um Sainte-Marie, um sich zu paaren und ihre Jungen zur Welt zu bringen. Bootsausflüge zur Walbeobachtung gehören dann zu den wichtigsten Erlebnissen der Insel.

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Doch Sainte-Marie besitzt noch eine zweite Geschichte. Im 17. und 18. Jahrhundert nutzten Piraten die Insel als Stützpunkt. Bis heute erinnert unter anderem ein Piratenfriedhof an diese Vergangenheit. Wer es noch ruhiger mag, fährt weiter auf die südlich gelegene Île aux Nattes. Dort warten kleine Strände, Lagunen und Dörfer. Autos spielen hier praktisch keine Rolle.
10. Tsimanampetsotsa: Salzsee, Baobabs und eine Landschaft wie von einem anderen Planeten
Der Südwesten Madagaskars zeigt noch einmal eine völlig andere Insel. Im Nationalpark Tsimanampetsotsa treffen ein großer Salzsee, Kalksteinformationen, Höhlen, Dünen, Baobabs und Dornbuschlandschaften aufeinander. Am See lassen sich unter anderem Flamingos beobachten. In der trockenen Umgebung leben außerdem Lemuren und die für den Süden charakteristischen Strahlenschildkröten.

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Besonders ungewöhnlich sind die Grotten von Mitoho. In unterirdischen Gewässern leben blinde Fische, die sich an die Dunkelheit angepasst haben. Tsimanampetsotsa lässt sich mit dem Küstenort Anakao verbinden. Wer nach Regenwald und Hochland noch immer glaubt, Madagaskars Landschaften halbwegs verstanden zu haben, dürfte spätestens hier wieder von vorne anfangen.
Geheimtipp im Norden: die roten Tsingy
Die berühmten Tsingy de Bemaraha sind grau und gewaltig. Im Norden Madagaskars gibt es eine wesentlich kleinere, aber optisch völlig andere Variante. Die Tsingy Rouge südlich von Antsiranana, dem früheren Diego Suarez, bestehen aus rötlichen Formationen aus Sandstein, Mergel und Kalk. Erosion hat daraus filigrane Spitzen und Türme geformt.

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Das Gebiet liegt rund 60 Kilometer südlich von Antsiranana. Schon die Anfahrt führt durch Dörfer, Reisfelder und Landschaften mit Baobabs und Pachypodien. Vom Parkplatz führen Wege und Aussichtspunkte durch das Gelände. Wer ohnehin den Norden bereist, kann die roten Tsingy mit dem Nationalpark Montagne d’Ambre und der Bucht von Antsiranana verbinden.
Aktuelle Informationen zu Nationalparks und Schutzgebieten bietet die Webseite von Madagascar National Parks. Das Fremdenverkehrsamt von Madagaskar informiert über Reiseziele und Regionen. Aktuelle Reise-, Sicherheits- und Gesundheitshinweise über Madagaskar veröffentlicht das Auswärtige Amt.


