Türkisfarbene Gletscherseen prägen das Bild der Provinz Alberta in Kanada. Doch östlich der Berge beginnt ein zweites Alberta: Ranchland in den Foothills, Fossilienschichten in den Badlands, Métis-Gastgeber am North Saskatchewan River. Und Waterton, ein Nationalpark mit einer beeindruckenden Landschaft aus Gipfeln und Seen, ist deutlich entspannter als Banff oder Jasper. Die folgende Route bildet eine große Schleife: von Calgary nach Süden, dann nach Osten in die Badlands und schließlich nach Norden bis Edmonton. Zwei Wochen braucht das Ganze, jede Etappe funktioniert aber auch für sich. Auf geht’s!
Eine Stadt in Feierlaune! Wer nach Alberta reist, kommt meist in Calgary an. Eine Stadt, die Verweilen verdient hat. Besonders an zehn Tagen im Juli, wenn sich die Locals allesamt in Cowboys und -girls verwandeln.
Dann ist Stampede, ein Event, das sich selbst ganz bescheiden »The Greatest Outdoor Show on Earth« betitelt.
Aber ganz ehrlich: Der Slogan ist wahr! Jedes Jahr zieht es über eine Million Menschen auf das Festivalgelände südöstlich der Innenstadt. Zum Programm der Stampede gehören eines der größten Rodeos der Welt, eine Parade durch die Innenstadt und eine Kirmesmeile mit Fahrgeschäften und außergewöhnlichen Food Trucks. Dazu kommen Bühnenshows und Konzerte, Zucht- und Landwirtschaftsschauen, Chuckwaggon-Rennen und zahlreiche Veranstaltungen der First Nations.

Foto: Canadian Tourism Commission
Stampede erleben und zwar jeden Tag
📍Startpunkt: Calgary
Seit Mai 2024 erzählt das Sam Centre diese Geschichte das ganze Jahr über. Das 44 Millionen Dollar teure »Museum« steht mitten im Stampede Park. Im Inneren befinden sich Sättel, Plakate und Fotografien aus mehr als 110 Jahren. Eine 15-minütige 270-Grad-Show holt Rodeo-Staub, Blaskapellen und die Stimmen alter Stampede-Familien in den Raum. Und es ist ein interaktiver Space. Kinder können auf Entdeckungsreise gehen, Kreativität und Geschick sind gefragt, und die Atmosphäre zieht auch diejenigen in den Bann, die kein Fan von Rodeo und Countrymusik sind. Im Museumsgebäude gibt es auch ein bezauberndes Café: Maisie Eatery. Es ist nicht nur für seine Schokoladencroissants bekannt, sondern auch für seine tollen Sandwiches und Salate.

Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen
Highway 22, der Cowboy Trail
📍Etappe 1: 95 Kilometer nach Südwesten
Apropos Cowboy. Südwestlich von Calgary verläuft der Highway 22 an der Kante der Foothills entlang. Auf der einen Seite steigt das Grasland zu den Bergen hin an, auf der anderen Seite öffnet sich die Prärie bis zum Horizont. Nach rund 95 Kilometern liegt die Bar U Ranch. Sie zählte über siebzig Jahre hinweg zu den größten Rinderbetrieben Kanadas und gehört heute zu den National Historic Sites. Percherons, schwere Zugpferde aus Frankreich, für deren Zucht die Bar U einmal weltweit bekannt war, ziehen Planwagen zum Roundup Camp am Pekisko Creek. Lassos werden geflochten und geworfen, Kaffee röstet über offenem Feuer. Das Cowboy-Leben wird hier für alle Besucher lebendig. Ach ja, die Saison läuft von Mai bis September.

Foto: Andrew Penner
Was es auf der Bar U zu essen gibt
Das Cookhouse heißt bei Parks Canada »the belly of the Bar U«. Dort schliefen und aßen die Cowboys, und wer vorbeikam, bekam einen Teller und einen Kaffee, unabhängig davon, wer er war. Der Holzofen wird weiter befeuert, aus ihm kommen Kekse und heiße Pies, beides zum Probieren. Am Roundup Camp am Pekisko Creek hängt der Kessel über offenem Feuer, dazu wird Bannock gereicht.
Bannock ist ein einfaches Fladenbrot aus Mehl, Fett, Backpulver und Wasser, das in der Pfanne oder um einen Stock gewickelt über dem Feuer gebacken wird. Auf der Ranch war es Cowboy-Essen, weil es ohne Hefe, Gehzeit und Backofen auskommt: Die Zutaten hielten sich wochenlang im Chuckwagon, und der Koch brauchte für frisches Brot am Roundup nichts weiter als Fett und offenes Feuer.
















