Foto: APChanel/Shutterstock.com
Servicetipps

Wie begrüßt man sich in aller Welt? 9 Rituale von Wien bis Tokio

Servus, Grüezi und Hallo! Begrüßungen gehören zu jeder menschlichen Interaktion auf der ganzen Welt. Doch wo wir instinktiv die Hand ausstrecken, ist auf der anderen Seite des Planeten vielleicht eine Verbeugung üblich. Wir haben einige der interessantesten Begrüßungen weltweit gesammelt, die dir auf Reisen begegnen können.

Wer auf Reisen ist, ist immer auch Gast. Und da gehört es dazu, dass man sich benimmt. Insbesondere die richtige Begrüßung ist immens wichtig für den ersten Eindruck. Als Faustregel gilt: beobachten, was die anderen machen. Und offen für Neues sein.

Österreich: Warum der Handkuss die Hand gar nicht berührt

»Küss die Hand!« Diese Begrüßungstradition aus Österreich kennt wohl jeder. Früher brachten die Habsburger den Brauch aus Spanien nach Österreich. Dort war er Teil des Hofzeremoniells. Und noch heute ist unser Nachbarland für den Handkuss bekannt. Als gesprochenes Wort ist er nicht unüblich, tatsächlich ausgeführt wird der Handkuss allerdings vorrangig zur Wiener Ballsaison. Dabei spannend: Die Lippen des Grüßenden berühren die Hand der Gegrüßten nicht, der Kuss wird also nur angedeutet. Außerhalb solcher traditioneller Umstände kann der Handkuss allerdings auch zu Verwirrungen führen.

China: Das Händeschütteln hat die Verbeugung verdrängt

In China war es einst üblich, sich mit einer leichten Verbeugung zu begrüßen und so seinem Gegenüber Respekt auszusprechen. Allerdings wurde die traditionelle chinesische Verbeugung heute vom klassischen Händeschütteln verdrängt. Weiterhin ist es allerdings üblich, ältere Menschen vor den jüngeren zu begrüßen, ebenso wie sozial höhergestellte Personen. Außerdem wichtig: Wer geschäftlich unterwegs ist, überreicht die eigene Visitenkarte respektvoll mit beiden Händen und nimmt die des Gegenübers auch so an.

Zwei Personen in reich geschmückten, traditionellen chinesischen Gewändern halten die Hände eineinander.

Foto: Muhammad Murtaza-Ghani

Neuseeland: Beim Hongi berühren sich Nase und Stirn

Was machen die denn da? Das indigene Volk Neuseelands, die Maori, begrüßen sich mit »Hongi«. Zur Begrüßung pressen sie Nase und Stirn aneinander, um den »Ha« (Atem des Lebens) auszutauschen. Dabei sollen die beiden Seelen miteinander in Berührung gebracht werden. Im Alltag wird diese Form der Begrüßung heute teilweise untereinander noch gepflegt. Als Besucher erfährt man den »Hongi« eher in einem zeremoniellen Umfeld. So kommt der Gruß zum Beispiel bei hohem Staatsbesuch zur Anwendung.

Ein Mann und eine Frau der Māori berühren sich zur Begrüßung mit Nase und Stirn, der sogenannte Hongi. Beide tragen Ta-Moko-Tätowierungen im Gesicht, aufgenommen in Rotorua in Neuseeland.

Foto: Brave Behind the Lenz/Shutterstock.com

USA: Warum Küsschen zur Begrüßung hier gar nicht ankommen

Ganz so viel Nähe ist hingegen in dem Land der Hollywoodküsse nicht üblich. Die Vorstellung, von Freunden, Bekannten oder gar Fremden ein Küsschen zu bekommen, gefällt den Amerikanern nämlich gar nicht! Stattdessen ist hier eine einfache Umarmung geläufig. Unter jungen US-Amerikanern wird schon mal ein lässiges »What’s up?» in den Raum geworfen. Oder aber es wird sich mit dem guten, alten Handschlag begrüßt. Das kraftvolle Heranziehen des Gegenüber beim Handschlag ist hingegen eine Eigenheit, die vorrangig der amtierende US-Präsident zum Besten gibt…


In den oft so locker wirkenden USA gibt es trotz allem einige Benimmregeln. Hier verraten wir mehr.


Zwei junge Männer schlagen sich am Strand in die Hand

Foto: Tyler Nix

Äthiopien: Drei Küsschen sind hier nur das Minimum

In Äthiopien gehört zur Begrüßungstradition, dass es gar nicht genug Küsschen geben kann! Drei Küsschen mindestens, je nach Innigkeit der Beziehung haben sich sogar bis zu zehn oder mehr Küsschen eingebürgert. Bei formellen Treffen hingegen ist ein leichter Händedruck angebracht.

Thailand: Beim Wai entscheidet die Handhöhe über den Respekt

Im Land des Lächelns hingegen sind Anfassen und Wangenküsschen bei der Begrüßung tabu! Die doch eher konservative thailändische Gesellschaft verneigt sich traditionell mit einem »Wai«. Bei dem buddhistischen Gruß mit den Händen vor der Brust wird sein Gegenüber respektiert. Je höher die Hände vor das Gesicht gehalten werden und je tiefer die Verbeugung ist, desto größer ist der vermittelte Respekt. Traditionell wird der Gruß von der rangniederen oder jüngeren Person begonnen.


Do it like a Thai! Worauf Thailand-Reisende noch achten sollten.


Eine junge Frau und ein älterer Mann stehen sich im Freien gegenüber und legen die Handflächen vor der Brust zusammen, der thailändische Wai-Gruß.

Foto: Jacktamrong/Shutterstock.com

Emirate: Wenn sich zwei zur Begrüßung die Nasen reiben

In den Vereinigten Arabischen Emiraten liegen Besucher mit einem Handschlag zur Begrüßung nie falsch. Besonders traditionell ist dabei der Gruß »As-salamu alaykum« (Friede sei mit dir), dem üblicherweise ein »Wa alaikum as-salam« (Und mit dir sei Friede) erwidert wird. Achtung: Ein Handschlag zwischen den Geschlechtern ist nicht verboten, aber unüblich. Am besten darauf achten, was das Gegenüber macht.

Zwei Männer in weißen Kandura begrüßen sich mit dem Nasengruß, der eine hält einen Falken auf dem Handschuh. Im Hintergrund beobachten zwei weitere Männer die Szene in einem traditionell hergerichteten Hof in Abu Dhabi.

Foto: Elena Tolmach/Shutterstock.com

Wer längere Zeit in den Emiraten verbracht hat, konnte vielleicht den Chuschm beobachten. Beim traditionellen Gruß reiben zwei Emiratis kurz ihre Nasen aneinander, was Vertrautheit und Respekt zum Ausdruck bringt. Der Gruß ist auch in Saudi-Arabien üblich.

Japan: Wie tief die Verbeugung ausfallen sollte

Eine Begrüßung mit Handschlag ist in Japan eher unüblich und gewissermaßen ein westlicher Import. Stattdessen begrüßen die Japaner sich untereinander mit unterschiedlichen Grußformeln, immer aber mit einer Verbeugung. Am bekanntesten ist hierzulande vermutlich der Gruß Konnichiwa, was sich als Guten Tag übersetzen lässt. Der formelle Gruß ist dementsprechend nur zwischen 11 und 18 Uhr anzuwenden.

Eine Frau im Kimono verbeugt sich vor einem Mann in traditioneller japanischer Kleidung, umgeben von rot gefärbtem Ahornlaub im Gegenlicht.

Foto: PeopleImages/Shutterstock.com

Viel wichtiger ist aber die Verbeugung. Dazu werden die Arme seitlich an den Körper angelegt. Der Rücken bleibt während der Verbeugung durchgestreckt, die Bewegung erfolgt also aus der Hüfte. Nur: Wie weit runter soll es denn sein? Das kommt ganz auf den Anlass und den Stand des Gegenüber an. Grob gesprochen reicht bei Bekannten und Freunden eine leichte Verbeugung. Mit einer Verbeugung bei etwa 15 liegt man im Alltag nie falsch, eine Verbeugung bis zu 30 Grad bleibt hingegen besonderen Würdenträgern vorbehalten. Am besten orientieren Touristen und Gäste sich am Gegenüber. Grundsätzlich gilt: Beide Seiten halten die Verbeugung so lange wie der jeweils andere.


Dieser Artikel könnte dich auch interessieren:

In Japan warten so einige Fettnäpfchen auf Touristen. Mit unseren Tipps kannst du sie vermeiden.

Häufige Fragen

Welche besonderen Begrüßungen gibt es weltweit?
Der Hongi der Māori (Neuseeland) presst Stirn und Nase zusammen. In Tibet zeigt man Respekt, indem man die Zunge herausstreckt, in Thailand grüßt man mit dem Wai (Hände gefaltet, leichter Bow).
Welche Bedeutung haben Begrüßungen in verschiedenen Kulturen?
Begrüßungen signalisieren Respekt, Frieden und Zugehörigkeit. Der Handshake zeigt historisch, dass keine Waffe gehalten wird, der Wai drückt Dankbarkeit und Ehrerbietung aus.
Wie verhält man sich als Tourist bei fremden Begrüßungen?
Immer abwarten, wie die lokale Person grüßt, und dann höflich erwidern. Kein Körperkontakt erzwingen, besonders zwischen Männern und Frauen in konservativen Ländern.
Gibt es Begrüßungen, die man als Tourist vermeiden sollte?
Ja, etwa Umarmungen oder Wangenküsse in Ländern, wo das unüblich ist. Auch die linke Hand zum Händeschütteln zu nutzen, gilt in Teilen Asiens und des Nahen Ostens als unhöflich.
Was tun, wenn man eine Begrüßung falsch macht?
Ruhig bleiben, lächeln und sich ggf. entschuldigen. Die meisten Menschen verzeihen Touristen kleine Fehler, wenn Respekt und Freundlichkeit erkennbar sind.
Linda Ruckes
Linda reist gerne abseits der Pfade, am liebsten nach Südamerika. Für einen Kurztrip zieht es sie in die Metropolen Europas (auf eigene Faust, versteht sich). Barcelona ist dabei ihre unangefochtene Lieblingsstadt. Der südländische Flair, die Gassen der Altstadt, Gaudi an jeder Ecke und abends leckere Tapas in einer kleinen Bar abseits der Touristenströme – Linda könnte jedes Wochenende dort verbringen!