Einmal im Jahr reist Redakteur Konrad nach Franken. Das hat sich schon zu einer Tradition entwickelt. Die Unterscheidung zwischen Weinfranken und Bierfranken sitzt mittlerweile, sogar Ober-, Unter- und Mittelfranken kann der Westfale schon auseinanderhalten. Aber was hat es denn jetzt mit Churfranken auf sich?
Uff , ist das heiß! Aber gleich kommt zum Glück ein schattiges Waldstück. Meter für Meter stiefele ich unter der brennenden Sommersonne den Fränkischen Rotweinwanderweg hinauf. Unter meinen Stiefeln knirscht die Erde auf dem trockenen Feldweg, ein laues Lüftchen macht unhaltbare Versprechungen von einer kleinen Abkühlung. Doch als ich um die nächste Kurve biege und aus dem Wald heraustrete, ist die Hitze für einen Augenblick vergessen. Denn vor meinen Augen breitet sich das wunderschöne Maintal aus – der Fluss schlängelt sich gemächlich durch grüne Landschaften, immer wieder von kleinen, hübschen Ortschaften flankiert. An den Hängen beiderseits des Flusses wechseln sich Weinstöcke und Waldstücke ab, und hier und da setzen große, rote Buntsandsteinfelsen bunte Tupfer ins Landschaftsbild. Einfach schön!
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Du legst uns als Quelle fest. Und wir dich in unserem Herzen. ♥Zu Gast im roten Franken
»Wir sind das rote Franken«, erklärt mir Verena Waigand-Sacher. Die Winzerin macht dabei keine politische Aussage, sondern fasst zwei prägende Eigenschaften des Maintals zwischen Aschaffenburg und Wertheim zusammen. Dieser Abschnitt Unterfrankens vermarktet sich selbst als »Churfranken« und nimmt damit Bezug auf die historische Zugehörigkeit zum nahe gelegenen Mainz, dessen Erzbischof im Heiligen Römischen Reich die Kurwürde genoss. Das Reich ist allerdings passé, heute wird hier vor allem reichlich Rotwein angebaut. Das ist die eine Portion Rot. Die andere ist der Untergrund, auf dem der Wein wächst. Oder besser gesagt, die Befestigung.
Denn links und rechts des Wegs erstrecken sich zahlreiche Terrassen, auf denen sich ebenso zahlreich Rebstöcke der Sonne entgegenstrecken. Und ebendiese Terrassen sind das Geheimnis des hiesigen Rotweins. Gebaut sind sie aus dem allgegenwärtigen roten Buntsandstein. Große, grobe Ziegel, die gemeinsam ein stabiles Mauerwerk bilden. »Mein Vater ist früher sogar zu Scheunenabrissen gefahren, um alte Sandsteinziegel für die Terrassen zu sichern. Ohne die hätten wir hier eine Steigung von 70 bis 80 Prozent«, klärt Verena auf. Und noch einen Effekt haben die Terrassen: Tagsüber nämlich saugt der Sandstein die wärmenden Strahlen der Sonne auf und gibt diese nachts, wenn es kälter wird, an den Weinberg ab. Auf diese Weise können besonders die für den Rotwein angepflanzten Reben in perfekten Bedingungen gedeihen.
Und das schmeckt man. Im »terroir f«, einer in den Weinberg eingelassenen Aussichtsplattform, schenkt die Winzerin gleich mehrere ihrer Frankenweine zur Verkostung ein. Der Erlenbacher Spätburgunder gibt sich kräftig im Geschmack und fügt sich mit seiner roten Farbe perfekt in die Umgebung ein. Auch ein Silvaner rollt erst ins Glas und dann über meine Zunge. Herrlich frisch und fast schon gefährlich bei dem sommerlichen Wetter.
Die perfekte Begleitung
Deshalb schnell etwas Handfestes in den Magen. Und was gäbe es da Bodenständigeres als einen ordentlichen Kanten fränkischen Brots? Eben. Also mache ich mich auf den Weg ins mittelalterliche Miltenberg, zielstrebig in die Vinothek Knapp, direkt am Main. Moment, Vinothek? Gibt es jetzt etwa schon wieder Wein? Die kurze Antwort: Ja. Aber was ist denn nun mit meinem Brot? Ich brauche was zum Beißen! Doch da, Gefahr gebannt: In der Vinothek liegt schon eine Auswahl an fränkischen Backspezialitäten bereit.
Dafür sorgt der Bäckersmeister und ausgebildete Brotsommelier Volker Mayer. Der Mann ist vom Fach und weiß genau, welches Brot zu welchem Wein passt. Zum servierten Weißwein vom Weingut Knapp empfiehlt der Experte ein Fränkisches Landbrot. Zuerst teste ich den Wein für sich. Dann kommt vor dem zweiten Schluck das Brot. »Kauen Sie richtig lange darauf herum«, weist mich der Sommelier an. Ich gehorche und irgendwo in meinem Hinterkopf meldet sich der Biologieunterricht mit Fetzen wie »Verdauung beginnt im Mund« und »Speichel wandelt Stärke zu Zucker um«. Noch bevor ich mein Schulwissen näher ergründen kann, folgt die Ansage: »Jetzt der Wein.« Alles klar, wird gemacht. Und tatsächlich: Der Wein schmeckt fruchtiger, der Geschmack ist viel intensiver als zuvor. Beim folgenden Rotwein wiederum entlockt ein leichtes Weißbrot dem Tropfen seine geschmacklichen Geheimnisse. Wieder was gelernt.
So lecker schmeckt es am Main
Die ganze Vielfalt der churfränkischen Küche kann ich schließlich im Gasthaus Zur Krone im nördlich des Mains gelegenen Großheubach genießen. Inhaberin und Weinexpertin Niki Restel führt die Wirtschaft gemeinsam mit ihrem Mann in zweiter Generation. Jetzt am Abend sind die Temperaturen in angenehme Bereiche gesunken, und auf der grün überwachsenen Terrasse im Hof herrscht reges Treiben an den Tischen. Direkt, nahbar, ehrlich. »Wir wollen nicht in diese Schiene Sternerestaurant und freuen uns über die Turnerfrauen genauso wie über die Doktoren«, umreißt die Gastgeberin das Konzept.
Im Mittelpunkt stehen fränkische Gastlichkeit und eine erstklassige Qualität der Speisen. Und natürlich der Wein! Zum Menü, von ofengebackener Tomate über die Dorade mit frischen Pfifferlingen bis zur Maishähnchenbrust mit Kartoffelpuffer und Spinat, wird stets der passende Tropfen gereicht. Natürlich aus der Region, versteht sich von selbst. Derart gesättigt, an Speisen und Eindrücken gleichermaßen, spaziere ich Richtung Hotel und genieße noch die letzten roten Strahlen der Sonne, die gerade hinter einem Weinberg verschwindet. Ja, hier im roten Franken lässt es sich schon aushalten.
Adressen in Churfranken im Überblick
Wo schlafen?
Das Main-Vinotel Helmstetter in Bürgstadt ist Weingut und Hotel mit bester Lage in einem. In den hellen, freundlichen Zimmern schläft es sich hervorragend und mit Blick auf den Weinberg. Besonders weinbegeisterte Gäste unternehmen eine Tour durch den Weinkeller oder eine geführte Weinbergwanderung mit Einkehr in der Weinberghütte. Bainweg 1, 63927 Bürgstadt, www.main-vinotel.de
Wo einkehren?
Erstklassige Regionalküche kommt im Gasthaus Zur Krone in Großheubach auf die Teller, immer mit dem entsprechenden Wein. Miltenberger Straße 1, 63920 Großheubach, www.gasthauskrone.de
Wer es noch etwas uriger mag, durchforstet den örtlichen Häckerkalender. Die Häcker sind nur kurz geöffnete Gastrobetriebe der örtlichen Winzer, ähnlich einer Besen- oder Straußwirtschaft. Alle Termine gibt es auf www.churfranken.de
Was unternehmen?
Die Weinbergwanderung mit Verena Waigand-Sacher führt über einen der schönsten Abschnitte des Fränkischen Rotweinwanderwegs. Neben reichlich Informationen über den Weinanbau in der Region wartet natürlich auch eine Verkostung im Weinberg. www.waigand-wein.de
Auch abseits des Weins sind Churfranken und insbesondere der mittelalterliche Ort Miltenberg ein fantastisches Reiseziel. Ihre ganze Pracht zeigt die Region auf einer 90-minütigen Fahrt auf dem Main. www.reederei-henneberger.info





