Die schönsten Wanderwege im Osten Englands

Tag 1: Hunstanton nach ThornhamTag 2: Thornham nach Wells-Next-the-SeaTag 3: Wells-Next-The-Sea nach BlakeneyTag 4: Blakeney nach WeybourneTag 5: Weybourne nach CromerTag 1: Wye nach Brabourne VillageTag 2: Brabourne nach FolkestoneTag 3: Folkestone nach DoverTag 4: Dover nach DealTag 5: Deal nach Canterbury

Raue, steile Küsten, dahinter Dünen und grüne Weiden, bestückt mit Schafen. Englands Osten gleicht dem Garten Eden. Wer einen der legendären Pfade der »England’s Great Walking Trails« nimmt, kommt England schnell ganz nah. Wir stellen zwei unserer Lieblingsrouten vor.

Norfolk Coast Path, 80 Kilometer, 5 Tage

Entlang der rauen Küste der Grafschaft Norfolk führt ein 80 Kilometer langer Wanderweg, der einem Norfolk schnell ans Herz wachsen lässt. Teils läuft man oberhalb der gold-leuchtenden Klippen, oft direkt am Strand. Meistens verläuft der Pfad des Norfolk Coast Path flach und auf gut erkennbaren Wegen – dieser »Great Walking Trail« ist daher auch super für unerfahrene Wanderer geeignet. Denn ein Bus fährt parallel zur Strecke, und ein Netz aus vielen weiteren Wegen in der Region ermöglicht verschiedene Kombinationsmöglichkeiten und Schwierigkeitsgrade!

Norfolk ist berühmt für seine roten Klippen, »England's Great Walk« führt direkt daran vorbei.

England’s Great Walking Trails for The National Trails

Tag 1: Hunstanton nach Thornham, 9 Kilometer, 2 Stunden

Wir beginnen in Hunstanton. Wer mag, kann aber vom Landesinneren hierher wandern. Das Seebad ist berühmt für seine steilen Kalksteinfelsen, die sich in den unterschiedlichsten Rottönen hinter dem Sandstrand erheben. Nachdem man den alten Leuchtturm und die Ruinen der St. Edmund Kapelle passiert hat, ebnen sich die Klippen zu grünbewachsenen Dünen. Das Holme Dunes Nature Reserve ist Heimat unzähliger tierischer Küstenbewohner, besonders Meeresvögel fühlen sich hier wohl.

Immer wieder bieten kleine Dörfer entlang der Küste die Gelegenheit, die Füße hochzulegen, in den Pubs deftig zu speisen und bei einem kühlen Drink ein Päuschen einzulegen. Eines von ihnen ist beispielsweise Thornham. Die süße Häuseransammlung liegt eingebettet zwischen einer breiten Salzwiese hinter der Küste und der grünen Dünenlandschaft. Am besten lässt es sich hier im »Life Boat Inn« einkehren, ein urgemütlicher Pub, in dem bei Kaminknistern und Gitarrenklängen Fangfrisches aus dem Meer und der Umgebung serviert wird. Auch Übernachtungsmöglichkeiten sind vorhanden.

Ein Päuschen ist nie weit auf dem Norfolk Coastt Path

England’s Great Walking Trails for The National Trails

Auch das »The Orange Tree« ist eine gute kulinarische Adresse. Wer gerne Meeresfrüchte isst, sollte sich die Krabben und Muscheln nicht entgehen lassen! In Norfolk trinkt man gerne ein kühles »Adnams« von den Nachbarn in Suffolk gebraut. Wer die Etappe für diesen Tag etwas verlängern, und dafür die morgige verkürzen mag, der sollte noch ein, zwei Stündchen weiter nach Brancaster Staithe wandern.

Tag 2: Thornham nach Wells-Next-the-Sea, 19 Kilometer, 4 Stunden

Ein paar Fußstunden weiter die traumhafte Dünenlandschaft entlang, stößt man auf einen besonders idyllischen Strand: Well’s Beach. Breit und weich dehnt er sich hinter der Nordsee aus, hohe Kieferwälder folgen. An den Waldrand schmiegen sich, brav in Reih und Glied, bunte Strandhäuser, die so typisch sind für Englands Urlaubsküsten.

Wer genug an diesem schönen Strand verweilt hat, der kann mit der kleinen Diesellokomotive die gut zwei Kilometer bis in das namensgebende Fischer- und Hafenstädtchen fahren. Hier kann man sich als Fischer beim Krabbenangeln versuchen oder einfach in einem der netten Cafés entspannen. Wer den Füßen eine Pause gönnen möchte, dem sei die »Wells & Walsingham Light Railway« ans Herz gelegt. Nicht nur Eisenbahnliebhaber werden diese Lokomotive lieben: Die historische Lok ist winzig, und doch verkehrt der Minizug als reguläres öffentliches Verkehrsmittel in den Sommermonaten viermal täglich von der Küste in das Städtchen Walsingham. Inmitten des schnuckeligen Örtchens steht eine alte Abteiruine, auch die berühmte Kirche des Ortes ist sehenswert.

Norfolk ist berühmt für seine roten Klippen, »England's Great Walk« führt direkt daran vorbei.

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Tag 3: Wells-Next-The-Sea nach Blakeney, 16 Kilometer, 3 bis 4 Stunden

Auch etwas im Inland, aber jeden Meter der drei Kilometer Umweg wert, liegt Holkham Hall. Das Landhaus aus dem 18. Jahrhundert war einst das Anwesen des Earls von Leicester und ist eines der schönsten Beispiele für britischen Neo-Palladianismus. Doch nicht nur die Architektur ist eine Wucht, die Anlage umfasst noch mehrere Hektar weitläufigen Garten mit einem See.

Wieder zurück auf dem eigentlich Track führt der Weg nun wieder an der seichten Küste entlang. In Blakeney angekommen, können Wanderer sich im »The White Horse Pub« stärken und einkehren – die Zimmer in dem hellen Pub sind erstaunlich modern.

Tag 4: Blakeney nach Weybourne, 10 Kilometer, 2 Stunden

Bevor es von Blakeney aus weitergeht, sollten alle Wanderer erst einmal ein Ausflugsboot besteigen. Denn: Das vorgelagerte Schutzgebiet Blakeney Point, das aus Salzwiesen, Wattfläche und Sanddünen besteht, ist Heimat einer Robbenkolonie – ein Ausflug zu den flauschigen und faulen Tieren bleibt unvergesslich.

Wieder zurück an Land geht’s zu Fuß weiter nach Cley-Next-the-Sea, wo eine alte Windmühle gen Meer blickt. Das Dörfchen ist ein guter Stopp, um ein Picknick einzukaufen – zum Beispiel im »The Smokehouse«, das eine große Auswahl an geräucherten Fisch und Meerestieren der Region, aber auch andere Leckereien, anbietet. Der perfekte Picknick-Platz liegt etwas weiter des Weges beim Cley Marshes Visitor Center mit atemberaubendem Blick über die Küstenlandschaft. Wenn zur Rechten hinter den Feldern die Kirchtürme der mittelalterlichen Allerheiligenkirche von Weybourne auftauchen, ist das Tagesziel erreicht, auf das sich im urigen »The Ship Public House« feierlich anstoßen lässt.

Ein Päuschen ist nie weit auf dem Norfolk Coastt Path.

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Tag 5: Weybourne nach Cromer, 12 Kilometer, 2-3 Stunden

Bei Weybourne erhebt sich die Küste wieder, steile Klippen fallen zu Kiesstränden ab. Englische Ferienstädtchen wie Sheringham liegen rechts des Weges, mit Gelegenheiten für Fish & Chips und ein Eis in der Sonne. Die Strände ziehen sich kilometerlang unterhalb der Klippen – das reinste Badeparadies. Um Cromer sind die Klippen besonders hoch, und der Blick reicht besonders spektakulär übers Meer und ins Landesinnere.

In Cromer angekommen kreischen die Möwen am Pier aus viktorianischer Zeit, die Fischerboote am Horizont versuchen ihr Glück beim Krabbenfischen. Auf keinen Fall sollte man verpassen, sich eine der berühmten Comer Crabs servieren zu lassen, zum Beispiel im »No 1 Cromer«. Vorm Abschied geht es dann noch einmal auf den Kirchturm für einen letzten Blick weit über die Nordsee, den Wanderbegleiter der vergangenen Tage.

Idyllisch geht's zugange auf dem Norfolk Coast Path.

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Infos

Anreise. Wer seine Tour in Hunstanton startet und mit dem Flugzeug anreist, der bucht am besten einen Flug nach Norwich International Airport, von Deutschland allerdings nur mit Umsteigen zu erreichen. Aber auch London ist nicht weit.

Eine gute Übersicht über alle Wanderrouten gibt www.greatenglishtrails.com, die Webseite bietet auch viele Möglichkeiten zur Planung und Buchung einer dieser drei Wanderwege im Norden Englands. Außerdem finden sich hier viele Tipps zu den besten Pubs entlang des Weges, den verschiedenen Unterbringungsmöglichkeiten, Wegoptionen, Gepäcktransfers und viele weitere nützliche Infos zur Planung.

Ein Päuschen ist nie weit auf dem Norfolk Coastt Path.

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North Downs Way, 246 Kilometer, 12 Tage 

Ein zweiter wunderbarer Trail ist der North Downs Way. Er ist mindestens drei Autostunden vom Norfolk Coast Path entfernt – solltet ihr also beide Wege auf eurer Wanderreise miteinander verknüpfen wollen, plant am besten einen halben Tag für die Autofahrt ein.

Dieser Wanderweg verläuft durch die wunderschönen Grafschaften von Surrey und Kent auf den Spuren eines alten Pilgerweges, dem schon im 12. Jahrhundert viele Menschen folgten. Wie von einem Flickenteppich wird die seichte Hügellandschaft der Surrey Hills und Kent Downs von bunten Blumenwiesen, Feldern und kleinen Waldgebieten überzogen, bis diese »Area of Outstanding Beauty« dann in den grandiosen und weltberühmten Kreidefelsen von Dover gipfelt.

»England#s Great Walking Trails« lassen einen England hautnah erleben.

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Tag 1: Wye nach Brabourne Village, 8 Kilometer, 2 Stunden

Wir beginnen unsere Wanderung in Wye, bei der Eröffnung des Trails 1978 war hier der Startpunkt – von hier aus kann man Dover in fünf Tagen erreichen.

Früher nahmen diesen Weg die Pilger, um von der ehemaligen Hauptstadt Winchester nach Canterbury zu wandern. Denn hier lag das wohl damals wichtigste Grabmal des Landes: nämlich das von Thomas von Canterbury, der genau in dieser Kirche 1170 im Auftrag des Königs ermordet wurde. Vorher hatte sich der Erzbischof mit ihm zerstritten, es ging um die Frage der Verurteilung von Klerikern. Nur wenige Tage später sprach der Papst Thomas heilig – und die Pilger strömten nach Canterbury.

Wie damals ziehen nun auch die Wanderer auf schmalen Pfaden durch die wunderschöne Landschaft von Wye durch das Wye Nature Reserve, unter anderem geschützt wegen seiner Orchideen und Bienenpopulationen. Der Aussichtspunkt Devil’s Kneading Trough ist ein toller Ort für ein Picknick. Danach ist es auch nur noch ein kurzer Abstieg bis Brabourne Village. Die beste Adresse des Städtchens: Das »Five Bell Inn«. Der gemütliche Pub ist Dorftreffpunkt und verfügt im Obergeschoss zudem über vier wunderschön eingerichtete Suiten, jede individuell gestaltet und nach lokalen Hopfen und Traubensorten benannt.

»England#s Great Walking Trails« lassen einen England hautnah erleben.

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Tag 2: Brabourne nach Folkestone, 18 Kilometer, 3-4 Stunden

Nun ist das Meer nicht mehr weit, doch erstmal erstrecken sich weite Felder und Täler vor den Augen der Wanderer, die immer wieder kleine Anstiege, wie den Tolsford Hill oder den Peene Quarry, bewältigen müssen. Bei Etchinghill führt der Weg ins Tal, vorbei an alten Bunkern aus dem Zweiten Weltkrieg, den Blick auf das Städtchen und den Terminal des Eurotunnels nach Frankreich. Bei Folkstone erreicht man das Meer, die Fährstadt am Ärmelkanal ist ein beliebtes Ziel für Sprachschüler im Sommer. Wir empfehlen – nach einem Stadtbummel – in den Stadtteil Sandgate zu laufen. Hier liegt nämlich das schöne »The Royal Norfolk Hotel«, gleich hinter dem Strand mit seinem Sandgate Castle. Die schöne Bar versorgt mit Speis und Trank und am nächsten Tag kann die nächste Wanderung von hier starten! Übrigens: Auch der britische Autor H. G. Wells (»Krieg der Welten«) fühlte sich in Sandgate wohl und wohnte Ende des 19. Jahrhunderts in einem Häuschen gleich am Strand.

Tag 3: Folkestone nach Dover, 15 Kilometer, 3-4 Stunden

Unmittelbar nördlich von Folkestone beginnen die dramatischen und berühmten Kreidefelsen Englands. Das Meer ständig im Blick, ist dieser Abschnitt einfach nur wunderschön. Immer wieder erschließt sich der Wanderer einsame Buchten – aber nicht nur Naturliebhaber kommen bei diesem Abschnitt auf ihre Kosten. Geschichtsinteressierte treffen immer wieder auf steinernde Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg oder historische Leuchttürme. Im »Battle of Britain Memorial & Museum« kann zum Beispiel auch die Replika eines britischen Jagdflugzeuges aus dem Zweiten Weltkrieg bestaunt werden.

»England#s Great Walking Trails« lassen einen England hautnah erleben.

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Kurz vor Dover erstreckt sich unterhalb der weißen Klippen der grüne Saphire Hoe Country Park, der aus den Ausscharrungen aus der Tunnelgrabung entstanden ist. Am Horizont kann man bei guter Wetterlage Frankreich mit dem bloßen Auge erkennen. In Dover begrüßt einen am geschäftigen Fährhafen Banksys blaues Wandgemälde, an dem ein Arbeiter auf einer Leiter Großbritanniens Stern aus der EU-Flagge hämmert. Die Hafenstadt ist nicht zufällig ausgewählt für dieses Gemälde zum Austritt Großbritanniens aus der EU – die Hauptstadt der Grafschaft gilt als Tor nach England, die Fähren zum Festland fahren hier ein und aus. 

Tag 4: Dover nach Deal, 16 Kilometer, 3-4 Stunden

Heute steht der Wandertag im Zeichen der Burgen. In Dover ragt das Dover Castle wie aus einer Kulisse von Braveheart über dem Fährhafen. Von der Burg aus dem 12. Jahrhundert führen geheime Tunnel zu den Klippen am Strand – die Gänge stammen noch aus den Napoleanischen Kriegen und fanden zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges und des Kalten Krieges immer wieder Anwendung. Die Besichtigung ist beeindruckend!

Oberhalb der Klippen geht es weiter entlang der Küste, beim schön restaurierten viktorianischem South Foreland Lighthouse kann man von dessen Spitze bei traumhaftem Blick und wieder unten bei einer Tasse Kaffee ein Päuschen einlegen. In Walmer erwartet einen mit dem Tudor Castle die zweite malerisch an der Küste gelegene kleine Burg. Aller guten Dinge sind drei: In Deal schließlich empfängt den Wanderer eine Küstenfestung aus dem 16. Jahrhundert, alle Türme sind breiter als hoch, fast als wäre die Festung im Laufe der Jahrhundert in die Breite gegangen. In der alten Fischerstadt, an der sich heute viele Badeurlaubende die Sommermonate vertreiben, gibt es reichlich Unterbringungsmöglichkeiten.

»England#s Great Walking Trails« lassen einen England hautnah erleben.

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Tag 5: Deal nach Canterbury, 26 Kilometer, 5-6 Stunden

Wer mag, kann diese Strecke auch ganz entspannt mit dem Zug bewältigen. Der Weg verläuft hier in einer Schlaufe über Canterbury zurück nach Wye. Wir haben das Ziel der Pilgerreise erreicht. Natürlich sollte da der erste Stopp die Kathedrale sein, wo vor 600 Jahren König Henry II. den Erzbischof Thomas vor dem Altar der Kirche ermorden ließ. Zahlreiche Bücher und Geschichten greifen diesen Mordfall auf, so zum Beispiel Ken Follets historischer Roman »Die Säulen der Erde« oder T.S. Eliots Theaterstück »Murder in the Cathedral«. Die Kathedrale und die gesamte Stadt sind Unesco-Weltkulturerbe – schon die Römer hatten in Canterbury eine wichtige Siedlung. Unsere Wanderung endet hier. Zum Abschluss kehren wir noch einmal in eines der schönen Inns ein. Im Pub des »The Millers Arms« geht es bei englischer Küche nochmal deftig zur Sache. Auch ein Besuch des »The Foundry Brew Pub« lohnt, hier werden eigens gebrautes Bier und Cider sowie Köstlichkeiten aus der Region in einer alten viktorianischen Gießerei serviert.

»England#s Great Walking Trails« lassen einen England hautnah erleben.

England’s Great Walking Trails for The National Trails

Infos

Anreise. Nach Dover reist man am einfachsten mit der Fähre an, auch der Eurotunnel ist eine gute Option. Wer fliegt, der bucht am einfachsten nach London und fährt von dort mit der Bahn aus weiter.

Eine gute Übersicht über alle Wanderrouten gibt www.greatenglishtrails.com, die Webseite bietet auch viele Möglichkeiten zur Planung und Buchung einer dieser drei Wanderwege im Norden Englands. Außerdem finden sich hier viele Tipps zu den besten Pubs entlang des Weges, den verschiedenen Unterbringungsmöglichkeiten, Wegoptionen, Gepäcktransfers und viele weitere nützliche Infos zur Planung.

Wanderschuhe an und los! Denn: Bei den »England’s Great Walking Trails« sieht man England nicht nur, man erlebt es. Überzeuge dich selbst! Alle Infos unter www.greatenglishtrails.com.

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