Die EU hat die Fluggastrechte reformiert. Für Millionen Reisende in Europa bringt die Einigung wichtige Änderungen mit sich. Was künftig bei Verspätungen, Handgepäck, Sitzplätzen und Bordkarten gilt, zeigt ein Blick auf die neuen Regeln.
Wer mit dem Flugzeug unterwegs ist, kennt die Situation: Der Abflug verspätet sich, der Anschlussflug ist weg oder das Gepäck kommt erst Tage später an. In solchen Fällen schützt die EU-Fluggastrechteverordnung die Passagiere. Nun hat die Europäische Union die Regeln überarbeitet. Nach jahrelangen Verhandlungen haben sich die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament auf eine Reform geeinigt.
Hilf uns! Lass uns deine bevorzugte Quelle werden.
Google ist dann so nett und zeigt dir unsere Reportagen und Reise-News danach häufiger oben in den Schlagzeilen. Wir wollen doch, dass du immer die wichtigsten Travel-Ideen bekommst!
Du legst uns als Quelle fest. Und wir dich in unserem Herzen. ♥
Foto: oatawa/Shutterstock.com
Für Reisende gibt es dabei eine wichtige Nachricht: Die bekannten Entschädigungen bei längeren Verspätungen bleiben erhalten. Gleichzeitig kommen neue Rechte hinzu, die den Flugverkehr transparenter und kundenfreundlicher machen sollen.
Die Drei-Stunden-Regel bleibt bestehen
Am heftigsten wurde über die Frage gestritten, ab wann Fluggesellschaften Entschädigungen zahlen müssen. Mehrere EU-Staaten und Airlines hatten gefordert, die Schwelle deutlich anzuheben. Künftig sollte erst nach vier, fünf oder sogar sechs Stunden Verspätung ein Anspruch entstehen.
Dazu kommt es nun nicht.
Wer sein Ziel mehr als drei Stunden verspätet erreicht und die Fluggesellschaft für die Verspätung verantwortlich ist, behält seinen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung. Die Höhe der Entschädigung bleibt ebenfalls unverändert:
- 250 Euro bei Flügen bis 1.500 Kilometer
- 400 Euro bei mittleren Strecken
- 600 Euro bei Langstreckenflügen
Verbraucherschützer hatten sich in den vergangenen Monaten massiv gegen eine Abschwächung der bisherigen Regeln eingesetzt. Sie argumentierten, dass viele Passagiere bei höheren Schwellen ihren Anspruch verloren hätten. Die EU hält deshalb an einem der weltweit strengsten Systeme für Fluggastrechte fest.
Airlines begrüßen die Einigung, üben aber zugleich Kritik
Die Luftfahrtbranche bewertet die Reform zwiespältig. Positiv sei, dass nach jahrelangen Diskussionen endlich Rechtssicherheit geschaffen werde.
Kritik kommt jedoch an der Beibehaltung der bisherigen Entschädigungsregelungen. Nach Ansicht der Fluggesellschaften sind drei Stunden häufig zu wenig Zeit, um beispielsweise eine Ersatzmaschine zu organisieren oder größere technische Probleme zu beheben.
Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) warnt deshalb vor zusätzlichen Belastungen. Fluggesellschaften müssten im Zweifel sowohl die Entschädigungen zahlen als auch die Kosten für Ersatzflugzeuge tragen. Zudem sehen europäische Airlines Wettbewerbsnachteile gegenüber internationalen Konkurrenten, die den EU-Regeln oft nur auf einzelnen Strecken unterliegen.
Mehr Klarheit beim Handgepäck
Kaum ein Thema sorgt regelmäßig für Diskussionen wie die Gebühren für Handgepäck. Viele Reisende buchen einen günstigen Flug und stellen erst später fest, dass für den Kabinenkoffer zusätzliche Kosten anfallen.
Die neuen Regeln sollen für mehr Transparenz sorgen. Fluggesellschaften müssen künftig klarer darstellen, welche Leistungen im Ticketpreis enthalten sind und welche Zusatzkosten entstehen können. Verbraucher sollen Angebote verschiedener Airlines einfacher vergleichen können.

Foto: lunopark/Shutterstock.com
Familien sollen kostenlos zusammensitzen können
Auch Familien profitieren von den neuen Vorschriften. Künftig sollen Kinder ohne zusätzliche Gebühren neben ihren Eltern oder Begleitpersonen sitzen können. Bislang mussten Familien bei vielen Fluggesellschaften oft kostenpflichtige Sitzplatzreservierungen buchen, um sicherzugehen, dass sie gemeinsam sitzen.
Die EU will damit verhindern, dass Eltern und Kinder im Flugzeug getrennt werden, nur weil sie keine Zusatzleistungen gekauft haben. Ähnliche Regelungen gelten für Menschen mit eingeschränkter Mobilität und ihre Begleitpersonen.
Bordkarte auch ohne App
Die Digitalisierung hat den Flugverkehr in den vergangenen Jahren stark verändert. Einige Airlines setzen inzwischen fast ausschließlich auf digitale Bordkarten. Besonders aufmerksam wurde in Europa die Entscheidung von Ryanair verfolgt, Bordkarten zunehmend an die Nutzung der eigenen Smartphone-App zu koppeln. Die EU reagiert nun auf solche Entwicklungen.

Foto: Getty Images
Passagiere sollen künftig nicht verpflichtet werden können, eine App herunterzuladen, um ihre Bordkarte zu erhalten oder ihre Reise anzutreten. Auch Reisende ohne Smartphone oder mit technischen Problemen sollen ihre Flüge problemlos nutzen können.
Namensfehler sollen nicht mehr teuer werden
Ein Zahlendreher oder ein falsch geschriebener Buchstabe im Namen kann bislang hohe Gebühren verursachen. Nach der Reform sollen kleinere Namenskorrekturen künftig kostenlos möglich sein. Die EU will verhindern, dass Reisende wegen offensichtlicher Tippfehler zusätzliche Kosten tragen müssen.
Bessere Unterstützung bei Flugausfällen
Die Reform stärkt auch die Informationspflichten der Fluggesellschaften. Viele Reisende wissen heute nicht genau, welche Ansprüche sie bei einer Verspätung oder Annullierung haben. Künftig sollen Airlines ihre Kunden schneller und verständlicher über ihre Rechte informieren.
Außerdem sollen Entschädigungsanträge einfacher werden. Fluggesellschaften müssen klarere Verfahren anbieten und Passagieren den Zugang zu den notwendigen Formularen erleichtern.
Was gilt bei verpassten Anschlussflügen?
Wer wegen einer Verspätung seinen Anschlussflug verpasst, gerät oft in eine schwierige Situation. Die neuen Regeln sollen hier mehr Klarheit schaffen. Fluggesellschaften werden stärker verpflichtet, sich um alternative Beförderungen zu kümmern. Darüber hinaus bleiben die bisherigen Betreuungsleistungen erhalten. Dazu gehören beispielsweise Mahlzeiten, Getränke oder Hotelübernachtungen, wenn Reisende über Nacht am Flughafen festhängen müssen.

Foto: Igor Link/Shutterstock.com
Was Reisende jetzt wissen sollten
Für Urlauber ist die wichtigste Botschaft einfach: Die bekannten Entschädigungen bei längeren Verspätungen bleiben bestehen. Gleichzeitig kommen zusätzliche Rechte hinzu, die den Flugverkehr transparenter und verbraucherfreundlicher machen sollen.
Familien sollen einfacher zusammensitzen können, Namensfehler auf Tickets werden leichter korrigiert, und niemand soll für seine Bordkarte zwingend eine App benötigen. Nach jahrelangen Verhandlungen modernisiert die EU damit ihre Fluggastrechte, ohne den bisherigen Schutz der Passagiere grundlegend zu verändern.
