Der Aufenthalt in Schwedens zweitgrößter Stadt ist für reisen EXCLUSIV-Redakteurin Jana wie eine gute Therapie. Was braucht das Herz mehr als Meer und fangfrischen Fisch? Ein Ausflug in Göteborgs beste Restaurants.

Es ist mein erster Abend in Göteborg, und ich sitze in einem der besten Restaurants Schwedens. Die Wände sind holzverkleidet, die Tische mit Leder bezogen, die Stühle dunkelbraun. Die Lampen sorgen für indirektes Licht. »Mysig« nennen die Schweden dieses warme und gleichzeitig stilvolle Ambiente.

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Das »Koka« darf sich bereits seit über zehn Jahren mit einem begehrten Michelin-Stern schmücken. Der Schwerpunkt des Restaurants: Fisch und Gemüse. An diesem Abend stehen rohe, fast cremige Shrimps (mein Highlight!) mit Rhabarber und Walnüssen auf der Karte. Jakobsmuscheln mit Pilzen und Birke. Topinambur, Samen und Käse. Und Heilbutt mit grünen Blättern und Hühnerjus.

Heilbutt im Restaurant Koka in Göteborg.

Foto: Jana Freiberger

Trotz Michelin-Auszeichnung ist die Atmosphäre im Restaurant entspannt. Einige Gäste sitzen mit Sneakern und Jeans an ihren Tischen, mit Loafern und Blazer fühle ich mich schon fast overdressed. Das Besteck kommt in einem großen Kasten, aus dem sich Gäste für jeden Gang einfach nach Belieben bedienen dürfen. Fine Dining mal ohne Etikette. Das ist ganz nach meinem Geschmack. Was zählt, ist die Qualität des Essens. Und dass alle einen schönen Abend haben. Punkt.

Was die Saluhallen zu bieten haben

Damit verkörpert das »Koka« eine Gelassenheit, die ganz Göteborg ausstrahlt. Und die ansteckt. Während ich die Fähre in Kiel noch maximal gestresst betreten habe, fährt mein System nach meiner Ankunft am Göteborger Terminal sofort runter. Als ich vor meinem Hotel stehe und sehe, dass direkt gegenüber die Saluhallen liegt, Göteborgs Markthalle, sind auch die letzten Sorgen verschwunden. An keinem Ort könnte ich besser schlafen als neben einer riesigen Vorratskammer, gefüllt mit bestem Essen.

Am nächsten Vormittag schlendere ich mit großen Augen durch die schmalen Gänge, vorbei an Ständen mit frischem Fisch (teils direkt aus der nahe gelegenen Meerenge Kattegat), Fleischereien mit Produkten wie Rentierwurst und Auslagen, gefüllt mit großen Hartkäselaiben. Gegen Mittag kehre ich in ein kleines, im hinteren Teil der Saluhallen verstecktes Bistro ein – die »Bar Bulot«.

Göteborg-Restaurants: Die Bar Bulot in den Saluhallen ist unbedingt einen Besuch wert.

Foto: Jana Freiberger

Im Inneren stehen gerade einmal eine Handvoll Tische (am besten reservieren), an der Theke rund um das kleine Restaurant warten weitere Sitzgelegenheiten. Ich sitze drinnen und beobachte das Treiben in der Halle. Dann geht’s los mit dem kleinen Menü: Es gibt frisches Sauerteigbrot mit Kefir-Butter, Spargelsuppe und als Hauptgang Schellfisch mit Kartoffelpüree, Fenchel, Tomatensabayon und Fenchel-Crudité. Abschließend einen Espresso. Der perfekte Lunch.

»Tångbaren«: Ein Geheimtipp auf Styrsö

Wer denkt, jetzt reicht’s aber mit Fisch und Meeresfrüchten, falsch gedacht, jetzt geht’s erst richtig los. Die Straßenbahn bringt mich zum Anleger Saltholmen. Dort hüpfe ich auf die Fähre in Richtung Styrsö. Eine kleine, autofreie Insel in Göteborgs südlichen Schärengarten mit gerade einmal 1.400 Einwohnern. Dort, in einem kleinen, roten Haus, direkt an einem Pier am Schärengarten, befindet sich das hippe Restaurant »Tångbaren« (Seegras-Bar). Auch hier gibt’s, man ahnt es schon, Frisches aus dem Meer. Und wenn ich nur an einem Ort in Göteborg essen könnte – es wäre dieser.

Das Restaurant Tångbaren auf der Insel Styrsö – westlich des Göteborger Stadtzentrums.

Foto: Jana Freiberger

Beim Betreten des Restaurants bin ich schockverliebt. In den mit hellem Holz verkleideten Gastraum mit Kachel- ofen und knallbunten Plakaten an den Wänden. Aber ehrlicherweise auch in den charismatischen Inhaber Måns Backlund und seinen Schnurrbart. Als er mir dann auch noch sechs Austern und Hering mit brauner Butter auf den Tisch stellt, wird aus der Schwärmerei echte Liebe.

Zwei Jahre alt ist das Restaurant. Seitdem legen mehrmals die Woche Kutter am Pier an und liefern Fisch und Meeresfrüchte quasi direkt in die Küche. Und genauso frisch schmecken die Snacks auch, die ich gerade mit Blick aufs Meer verkosten darf. Aber besonders lange währt die Liebe zwischen mir und der Tångbaren leider nicht. Ich muss weiter. Zu einem anderen Date.

Måns Backlund in seinem Restaurant Tångbaren.

Måns Backlund. | Foto: Jana Freiberger

Auf Tangfang mit Karolina Martinsson

Mit Karolina Martinsson. Die Frau, deren Haarband genauso blau ist wie ihre Augen, bietet Besuchern ein ganz besonderes kulinarisches Erlebnis. Direkt am Meer schlüpft sie in einen Neoprenanzug und macht sich auf die Suche nach den Hauptzutaten ihres Menüs: Seetang. Während ich auf einer Holzbank am Ufer sitze, sammelt Karolina eine ordentliche Portion Grünzeug und breitet ihre Beute anschließend stolz auf der Tischplatte vor mir aus.

Los geht’s mit der Zubereitung. Direkt am Meer wird geschnippelt, gebacken und gebraten. Und nach einer knappen Stunde entsteht ein komplettes Menü – Seetang-Salat, Halloumi mit Seetang umwickelt, und auch das Dessert enthält, ja, Seetang. Und es schmeckt ganz fantastisch. Ich muss wieder an die schwedische Lebensphilosophie denken. Neben »mysig« gibt’s dafür in Schweden noch ein Wort: »lagom«. Und das beschreibt genau, wie ich mich in diesem Moment fühle. Ausgeglichen und zufrieden.

 


LOKALTEIL

Wo schlafen?

Das Avalon Hotel liegt im Herzen von Göteborg, direkt neben der Saluhallen. Das Besondere: Jedes Zimmer und jeder Flur ist mit Designobjekten und Kunstwerken geschmückt. Und im Sommer können Gäste in den Pool auf dem Dach hüpfen. Kungstorget 9, 411 17 Göteborg, www.avalonhotel.se/en/

Wo einkehren?

Die Bar Bulot ist der perfekte Ort für einen preiswerten Lunch mitten in der Markthalle. Kungstorget 15, 411 10 Göteborg, www.bulot.se

Die Feskekôrka (Fischkirche) liegt direkt am Rosenlundskanal und sieht aus wie eine gotische Kirche, ist aber ein Tempel für Fischfans. Fisktorget 4, 411 20 Göteborg, www.feskekorka.se

Das Koka steht für Sterneküche in entspannter Atmosphäre. Fisch und Gemüse prägen hier die Karte.
Viktoriagatan 12, 411 25 Göteborg, https://restaurangkoka.se/en/restaurant-koka/

In der Suggan Vinbar, die nach einem Restaurant-Bordell aus dem 18. Jahrhundert benannt ist, kommen Gerichte zum Teilen und Naturweine auf den Tisch. Karl Johansgatan 58, 414 55 Göteborg, www.sugganvinbar.se

Die Tångbaren auf der Insel Styrsö ist ein Geheimtipp für alle, die ihren Fisch am liebsten direkt aus dem Meer essen. Båte- backen, Johans Brygga 2, 430 84 Styrsö, https://tangbaren.se

Die Rollin’ Bistros Backyard servieren bestes Streetfood. Saftige Burger, Okonomiyaki, Zwiebelringe, gegrilltes Hähn- chen und vieles mehr. Gamlestadens Fabriker, Väverigatan 5, HUS 11B, 415 11 Göteborg, https://backyardgbg.se

Wo trinken?

Die Poppels Citybryggeri ist der perfekte Ort für alle Craftbeer-Fans. Vikingsgatan 1, 411 04 Göteborg, www.poppels.se/citybryggeriet/

Wine Mechanics ist Schwedens erste urbane Weinkellerei, die Trauben aus europäischen Weinbergen verarbeitet. Lilla Water- loogatan 15, 415 02 Göteborg, https://winemechanics.se

Wo kulturell etwas erleben?

Bei schlechtem Wetter ist das Maritime Museum & Aquarium der ideale Zufluchtsort. Kinder können Fische beobachten, Erwachsene etwas über Schifffahrtsgeschichte lernen.
Karl Johansgatan 1-3, 414 59 Göteborg, www.sjofartsmuseetakvariet.se