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Kulinarik

Kulinarischer Reisekalender: Die besten Foodie-Ziele im August

Reifer Wein an Madeiras Steilhängen, geröstete Chilis in New Mexico und Flusskrebse unter Lampions in Schweden. Im August feiern Regionen rund um den Globus ihre Spezialitäten mit großen Festen und langen Tafeln. Diese Serie zeigt die schönsten kulinarischen Reiseziele. Rund um den Globus feiern Regionen jetzt ihre Spezialitäten: mit Tomatenschlachten, Krebsfesten, Weinlese und langen Tafeln […]

Reifer Wein an Madeiras Steilhängen, geröstete Chilis in New Mexico und Flusskrebse unter Lampions in Schweden. Im August feiern Regionen rund um den Globus ihre Spezialitäten mit großen Festen und langen Tafeln. Diese Serie zeigt die schönsten kulinarischen Reiseziele.
Rund um den Globus feiern Regionen jetzt ihre Spezialitäten: mit Tomatenschlachten, Krebsfesten, Weinlese und langen Tafeln voller italienischer Köstlichkeiten. Wer im August reist, plant am besten rund um das nächste Fest und sitzt so zur richtigen Zeit am richtigen Tisch. Wo schmeckt der August am besten?

Madeira im August: Wenn die Weinlese beginnt

Hände ernten beim Madeira Wine Festival in Câmara de Lobos reife dunkle Trauben von der Rebe

Foto: Foto: wjarek/Shutterstock.com

Wenn andernorts der Sommer träge wird, kommt Madeira erst so richtig in Fahrt. Ab dem 23. August feiert die Insel mit der »Festa do Vinho da Madeira« ihre Weinlese, bis in den September hinein. Gefeiert wird in Funchal und im Weinbauort Câmara de Lobos. In den Straßen ebenso wie in den Weinbergen und Kellern. Auf der Praça do Povo, der Uferpromenade der Inselhauptstadt Funchal, lädt die »Madeira Wine Lounge« zum Verkosten und Vergnügen ein. Wer mag, fährt hinaus in die Weinberge, schaut bei der Lese zu und kann beim traditionellen Traubenstampfen sogar selbst in die mit Trauben gefüllte Bütte steigen.
Der Madeira-Wein selbst hat eine lange Geschichte: ein durch Wärme gereifter Likörwein, der von süß bis eher trocken reicht. Ein Besuch zur Erntezeit zeigt schnell: Hier wird nicht nur gekeltert, hier wird ein Ruf gepflegt. Kein Wunder: Über mehr als 400 Jahre ist er buchstäblich in Ehren gereift.

La Tomatina in Buñol: Eine Stadt wird rot

Menge feiernder Menschen in einer mit zermatschten Tomaten bedeckten Gasse bei der Tomatina in Buñol

Foto: BearFotos/Shutterstock.com

Am 26. August verwandelt sich das Städtchen Buñol, rund 38 Kilometer westlich von Valencia, in ein rotes Meer. Gegen Mittag geben Wasserwerfer den Startschuss, Lastwagen kippen über 100 Tonnen überreife Tomaten in die engen Gassen, und rund 20.000 Menschen bewerfen sich eine Stunde lang damit. Wer wirft, zerdrückt die Tomate vorher, so will es die Regel, damit aus dem Spaß kein Ernst wird. Um 13 Uhr beendet ein Kanonenschuss das Spektakel, danach spritzen Feuerwehrschläuche Straßen und Feiernde wieder sauber.
Doch die wenigsten werden es schaffen, sich nebenbei noch die Tomaten schmecken zu lassen. Dabei hat die rote Frucht im Spätsommer rund um Valencia Hochsaison und schmeckt besonders süß und fruchtig. Wer wieder zu Atem kommt, sollte eine der Bars in Buñol ansteuern und sollte anschließend Pan con Tomate, das geröstete Brot mit frischen Tomaten, probieren. Einfach köstlich.

Schottland im August: Der Glorious Twelfth

Der »Glorious Twelfth« markiert den Beginn der Grouse‑Saison in den schottischen Highlands. An diesem 12. August startet traditionell die Jagd auf das Moorschneehuhn, im Englischen »Red Grouse« genannt. Der Termin geht auf ein Jagdgesetz von 1831 zurück und gehört bis heute zu den festen Daten im ländlichen Kalender Großbritanniens.
Der Vogel lebt wild im Moor und wird traditionell nicht wie Mastgeflügel gezüchtet. Genau das macht ihn zur Delikatesse. In den besseren Restaurants von Edinburgh und in den Landhäusern der Highlands steht das Grouse dann auf der Karte, klassisch gebraten, mit dunklem, herzhaftem Fleisch.
Angerichtetes Wildgericht mit rosa gebratenem Fleisch, Grünkohl, Kartoffel und dunkler Jus auf weißem Teller

Foto: Sebastian Coman Photography

Die Jagd ist nicht unumstritten, Tier- und Naturschützer kritisieren sie regelmäßig. Auf dem Teller aber gilt das Grouse als Höhepunkt der britischen Wildsaison.

Mirabelle de Lorraine: Frankreichs goldene Pflaume

Weidenkorb voller reifer goldgelber Mirabellen auf einer Holzbank, im Hintergrund ein grüner Garten

Foto: Pixavril/Shutterstock.com

Goldgelb und kaum größer als eine Kirsche: Die Mirabelle ist der Stolz Lothringens. Im August ist sie reif, und dann schmeckt sie direkt vom Baum, als Tarte oder als klarer Obstbrand, dem »Eau de Vie«. Ein guter Anlaufpunkt ist die Stadt Metz. Ab dem 21. August startet hier die »Fête de la Mirabelle«, die sich über mehrere Wochen zieht und mehr als 80.000 Besucher anlockt. Auf dem Programm stehen ein großer Markt mit über 80 Ständen, die Krönung der Mirabellenkönigin und ein Wettbewerb um die beste Mirabellentorte.
Auch eine Fahrt durch die Region lohnt und die Stopps an den Ständen der Obstplantagen am Straßenrand sind ein Muss. Die Mirabelle hält sich nach der Ernte nur kurz, deshalb schmeckt sie im Spätsommer am besten, möglichst frisch gepflückt.

Hatch-Chile in New Mexico: Der Duft des Spätsommers

Frische grüne Hatch-Chiles in einer Rösttrommel, bereit zum Rösten über offener Flamme

Foto: Vineyard Perspective/Shutterstock.com

Im August liegt über den Straßen von Hatch ein Geruch, der sich einprägt: geröstete grüne Chiles. Das Städtchen im Süden New Mexicos nennt sich selbst »Chile Capital of the World«, mit »e« am Ende, wie in New Mexico üblich. Ab Spätsommer wird hier geerntet, die Haupternte fällt in August und September. In großen Drehtrommeln werden die Schoten über offener Flamme geröstet, bis die Haut schwarz aufplatzt und der Rauch süßlich und scharf in der Luft hängt.
Der »Hatch-Chile« stammt aus dem Hatch Valley am Rio Grande, dessen heiße Tage und kühle Nächte ihm sein typisches Aroma geben. Frisch geröstet kommt er in Salsas, auf Burger und in die grüne Chile-Sauce, die in New Mexico zu fast allem passt. Zum Höhepunkt der Saison feiert Hatch sein Chile Festival, das jährlich über 30.000 Besucher ins Tal zieht. Der Termin orientiert sich an Labor Day, dem ersten Montag im September. Deswegen fällt das Festwochenende mal noch in den August, 2026 liegt es Anfang September.

Kräftskiva in Schweden: Krebsessen unter Lampions

Gruppe feiert eine Kräftskiva an einer langen Tafel am See, mit Lampions, Girlanden und Papierhüten

Foto: Anna Hållams/imagebank.sweden.se

Warum tragen erwachsene Schweden im Spätsommer bunte Papierhütchen und singen lauthals während des Essens? Das hat einen guten Grund: das Kräftskiva-Fest, das gesellige Krebsessen. Auf den Tisch kommen Flusskrebse, in Salzwasser mit reichlich Dill gekocht, leuchtend rot und eiskalt serviert. Dazu gibt es Knäckebrot, kräftigen Käse und den einen oder anderen Schnaps, begleitet von Trinkliedern, den »Snapsvisor«. Gegessen wird mit den Fingern, oft bis tief in die Nacht.
Die Saison hat einen historischen Grund: Lange durften Krebse erst ab August gefangen werden, und aus dieser Regel wurde ein Fest. Ein schöner Brauch, bei dem Gemeinschaft und gutes Essen seit Generationen zusammengehören.

Uni aus Hokkaido: Japans kostbarster Genuss

Schale Reis mit frischem Seeigel und Lachsrogen, ein Löffel hebt eine Portion an, japanisches Uni-Ikura-Donburi

Foto: hiroamano/Shutterstock.com

Kaum ein Meeresprodukt gilt in Japan als so kostbar wie Uni, der rohe Rogen des Seeigels. Cremig, leicht süß und mit einem Hauch von Salz und Jod schmilzt er auf der Zunge fast wie Butter. Seine beste Zeit hat er im Sommer, und die berühmteste Herkunft ist Hokkaido, Japans nördlichste Insel. Dort, im kalten, nährstoffreichen Wasser des Nordpazifiks, wachsen die Seeigel langsam und entwickeln ein besonders volles Aroma. Von Juni bis August gilt Uni aus Hokkaido, je nach Art, als besonders gut und landet frisch in den Restaurants und auf den Fischmärkten, etwa in Hakodate.
Kenner unterscheiden zwei Hauptarten: den goldgelben Bafun-Uni, intensiv und süß, und den helleren Murasaki-Uni, milder im Geschmack. Frischer und näher am Meer lässt sich Uni kaum genießen.

Ferragosto in Italien: Dorffeste und lange Tafeln

Blick von oben auf einen Holztisch mit italienischer Familienmahlzeit, Lasagne, Tomatentarte, Salaten und Wein, viele Hände greifen zu

Foto: Rawpixel.com/Shutterstock.com

Die Straßen leeren sich, die Rollläden bleiben unten, und wer kann, tauscht den Alltag gegen eine lange Tafel im Freien mit allerlei Köstlichkeiten. Das ist Ferragosto, der wohl italienischste Sommerfeiertag, begangen am 15. August. Der Feiertag hat alte Wurzeln und geht auf die feriae Augusti zurück, die Festtage und Ferien, die Kaiser Augustus einst im August ausrufen ließ. Heute gehört er der Familie, dem Meer und dem Essen. Im Sommer locken überall im Land die «Sagre», kleine Volksfeste rund um eine einzige Spezialität. Mal dreht sich alles um frische Pasta, mal um die Wassermelone. Lange Tafeln stehen unter freiem Himmel, dazu Wein aus der Region und, ganz wichtig, keine Spur von Eile. Wer im August durch Italien reist: Einfach der Nase und den bunten Lampions folgen. Irgendwo feiert immer gerade ein Dorf. Und tischt auf.
Noch mehr kulinarische Inspiration? Im Kulinarischen Reisekalender für den Juli dreht sich alles um Lavendel, Hummer, Kirschen und mediterrane Sommerküche.
Ulrike Herder
Ulrike probiert gerne alles aus und liebt den guten Mix. Ob exotisches Essen, heilende Rituale, treibende Megastädte oder einsame Landschaften. So möchte sie ein Land gerne auf die Weise der Einheimischen erleben. Am liebsten stillt sie ihre Neugier in Asien, in Flip-Flops. Tragen die Einheimischen ja schließlich auch.