Wer in Japan ein traditionelles Ryokan besucht, erwartet Tatami-Matten, heiße Quellen und architektonische Zurückhaltung. Das neue KAI Zao hält sich nur bedingt daran. Sein 14-eckiger Baukörper wirkt wie eine zeitgenössische Architekturskulptur. Ganz oben wartet ein Whirlpool, dessen Form an einen Vulkankratersee erinnert. Hoshino Resorts verbindet in seinem neuen Haus jahrhundertealte Thermalbadkultur mit moderner Bergarchitektur. Der offizielle Eröffnungstermin ist der 15. Oktober 2026.
Zwischen heißen Quellen und heiligen Bergen
Wo liegt’s? Das KAI Zao steht in Zao Onsen, rund 40 Autominuten südöstlich der Stadt Yamagata auf der japanischen Hauptinsel Honshu.

Foto: Hoshino Resorts
Die Region ist für schwefelhaltige Thermalquellen, große Skigebiete und ihre Vulkanlandschaft bekannt. Über Jahrhunderte zogen religiöse Asketen in die Berge, um sich körperlich und geistig zu reinigen. Heute übernehmen die heißen Quellen zumindest den körperlichen Teil.
Das von Shuhei Kamiya und seinem Büro Kamiya Architects entworfene Hotel ist ein Neubau, allerdings auf einem bereits touristisch genutzten Grundstück. Hier befand sich zuvor ein Beherbergungsbetrieb, dessen Eigentümer offenbar Probleme hatte, einen Nachfolger zu finden.
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49 Zimmer mit Ecken, Kanten und Bergpanorama
Wie viele Zimmer? Insgesamt verfügt das KAI Zao über 49 Gästezimmer. Sie folgen dem Gestaltungskonzept »Kurenai Modern«, das zeitgenössische Wohnformen mit regionalen Traditionen verbindet. Durch die ungewöhnliche Gebäudegeometrie entstehen trapezförmige Grundrisse, unterschiedliche Raumhöhen und individuelle Blickachsen. Große Panoramafenster öffnen die Räume zur Berglandschaft. Neben regulären Zimmern gibt es großzügigere Kategorien und Zimmer mit eigenem Außenbad. Je nach Kategorie sind bis zu vier Personen vorgesehen. Wer im privaten Thermalwasser baden möchte, sollte allerdings genau hinschauen bei der Buchung: Nicht jedes Zimmer besitzt ein eigenes Bad im Freien.
Saflorrot, Holzkunst und Möbel aus Tendo
Was verspricht das Interieur? Die Innenräume erzählen von Yamagatas Handwerkstraditionen, ohne ein historisches japanisches Gasthaus nachzuahmen. Eine zentrale Rolle spielt die Saflorpflanze, auf Japanisch Benibana. Ihre Blüten lieferten einst einen kostbaren roten Farbstoff, dessen Handel die Region wohlhabend machte. Das charakteristische Karmesinrot taucht nun in Möbeln, Textilien und Kunstwerken wieder auf.

Foto: Hoshino Resorts
Besonders raffiniert sind Leuchten aus handgeschöpftem Washi-Papier, in das Saflorblüten eingearbeitet wurden. Im eingeschalteten Zustand werden ihre feinen Strukturen sichtbar. Hinzu kommen textile Arbeiten der traditionsreichen Teppichmanufaktur Yamagata Dantsu und eigens gefertigte Möbel von Tendo Mokko. Das Unternehmen aus der nahe gelegenen Stadt Tendo ist für seine Formholztechnik bekannt. Eine weitere Besonderheit sind Kunstobjekte aus hauchdünn verarbeitetem Naturholz, die als »Blumen, die niemals verwelken« bezeichnet werden. Sie verbinden traditionelle Saflorfärbung mit einer erstaunlich filigranen Verarbeitung.
Auch die Architektur ist mehr als eine auffällige Hülle. Der 14-eckige Grundriss bestimmt Raumzuschnitte und Blickachsen. Die Bewegung durch das Gebäude folgt der Idee eines Aufstiegs durch die Berge, angelehnt an historische Pilgerwege. Ob Gäste dieses Konzept tatsächlich wahrnehmen, muss sich zeigen. Eigenständiger als die übliche Mischung aus hellem Holz und japanischem Minimalismus ist es allemal.
Ein Kaiseki-Menü mit Ente, Wildpilzen und Flusskrabbe
Wo essen und trinken? Kulinarisch widmet sich das KAI Zao der Küche Yamagatas, insbesondere ihren Bergprodukten, Pilzen und regionalen Traditionen. Mittelpunkt ist das mehrgängige Abendmenü »Benibana Sansai Kaiseki«, das die Esskultur wohlhabender Saflorhändler mit Einflüssen der buddhistischen Tempelküche verbindet. Rein vegetarisch geht es dabei keineswegs zu. Das wichtigste Gericht ist der Gassan Nabe, ein japanischer Eintopf, benannt nach dem Berg Gassan. Entenfleisch, japanische Wasserpetersilie und fünf Pilzsorten treffen auf eine kräftige Brühe, die mit Mokuzu-Gani, einer japanischen Flusskrabbenart, aromatisiert wird.

Foto: Hoshino Resorts
Das ist eine interessante Abwechslung zu den vielfach auf Fisch und Meeresfrüchte konzentrierten Kaiseki-Menüs japanischer Luxushotels. Hier stehen die Produkte der umliegenden Berge im Mittelpunkt. Serviert wird in halbprivaten Essbereichen. Zinnoberrot lackierte Gefäße und Pendelleuchten, deren Gestaltung an Saflorblüten erinnert, greifen die regionale Geschichte auf. Zu den angekündigten Desserts gehört eine Birnen-Panna-cotta mit Saflor. Yamagata ist schließlich auch eines der bekannten Obstanbaugebiete Japans.
Frühstück ist in den angebotenen Halbpensionspaketen enthalten.
Schneemonster, Vulkanseen und dampfende Badehäuser
Was kann man in der Umgebung unternehmen? Zao Onsen gehört zu Japans Bergdestinationen. Im Winter lockt ein großes Skigebiet. Berühmt sind die sogenannten Juhyo, die »Schneemonster«: Bäume, die durch gefrierende Feuchtigkeit und Schnee bizarre Formen annehmen. Besonders eindrucksvoll sind sie gewöhnlich im Februar und März. Die Zao Ropeway bringt auch Nichtskifahrer in die höheren Berglagen.

Foto: Hoshino Resorts
Außerhalb der Skisaison lohnt sich ein Ausflug zum Okama-Kratersee. Sein Wasser schimmert je nach Lichteinfall grün oder türkis. Wanderwege führen unter anderem in Richtung Jizosan und Kumanodake. Im Winter sind die Zufahrten zum Krater normalerweise gesperrt. Wer lieber badet als wandert, findet in Zao mehrere öffentliche Badehäuser. Ein Ausflug nach Yamagata bietet sich ebenfalls an, schon wegen regionaler Spezialitäten wie Soba-Nudeln und Imoni, einem traditionellen Eintopf mit Taro-Wurzeln.
Drei Thermalbäder und ein Vulkankrater auf dem Dach
Highlight des Hotels? Eindeutig das außergewöhnliche Badeerlebnis. Den architektonischen Höhepunkt bildet eine Dachterrasse mit Whirlpool, dessen Gestaltung dem Okama-Kratersee nachempfunden ist. Von hier bietet sich ein 360-Grad-Panorama über das Zao-Gebirge und die umliegende Landschaft.
Mindestens ebenso interessant ist das Badesystem darunter. Weil Zao für besonders saures, schwefelhaltiges Thermalwasser bekannt ist, entwickelte das Hotel drei Becken mit unterschiedlicher Wasserzusammensetzung. Zunächst bereitet ein Bad ohne Thermalwasser den Körper vor. Danach folgt eines mit 50 Prozent Quellwasser, bevor die Gäste in das unverdünnte Thermalwasser steigen. Abschließend ist wieder ein Bad mit normalem Wasser vorgesehen. Sauna, Kaltwasserbecken und Ruhebereiche ergänzen das Angebot. Der Weg durch die Badebereiche bis zur Dachterrasse folgt dabei dem architektonischen Leitmotiv eines Bergaufstiegs.

Foto: Hoshino Resorts
Wer nach dem Baden noch kreativ werden möchte, kann an einem Haiku-Workshop teilnehmen. Mit Glasfedern und saisonal abgestimmten Tinten entstehen eigene japanische Kurzgedichte. Eine kulturell durchaus passende Alternative zum üblichen Wellnessprogramm.
Japanische Badekultur hat ihren Preis
Was kostet der Spaß? Hoshino Resorts nennt einen Einstiegspreis von 31.000 Yen (ca. 175 Euro) pro Person und Nacht bei Doppelbelegung. Für zwei Personen sind das mindestens 62.000 Yen (ca. 350 Euro). Enthalten sind Abendessen, Frühstück, Steuern und Servicegebühren. Die tatsächlichen Raten variieren nach Reisedatum, Zimmerkategorie und Verfügbarkeit.
Weitere Informationen und Buchung auf der Website von Hoshino Resorts.


