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Mount St. Helens: Warum ein Vulkan nach 46 Jahren wieder Asche aufwirbelt

Eine Aschewolke steigt über dem Mount St. Helens im US-Bundesstaat Washington auf. Doch der berühmte Vulkan ist nicht ausgebrochen. Hinter dem ungewöhnlichen Ereignis steckt ein Naturphänomen, das selbst Jahrzehnte nach einer Eruption noch gefährlich werden kann.

Eine Aschewolke über einem Vulkan? Da liegt die Vermutung nahe, dass sich tief im Erdinneren etwas zusammenbraut. Am Mount St. Helens im Nordwesten der USA ist es aktuell ganz anders. Der Vulkan selbst verhielt sich ruhig. Für die Aufregung sorgte dagegen das Wetter. Was ist passiert?

Am 15. Oktober 2026 fegten starke Südostwinde über die Berglandschaft im Bundesstaat Washington. Sie erfassten vulkanische Asche, die seit den gewaltigen Ausbrüchen von 1980 in der Umgebung lag, und trugen sie in Richtung Nordwesten. Nach Einschätzung des amerikanischen Wetterdienstes erreichte die Wolke eine Höhe von bis zu 3.658 Metern über dem Meeresspiegel. Das klingt nach einem neuen Ausbruch. Doch die US-Geologiebehörde USGS stellte ausdrücklich auf ihrer Website klar: Der Mount St. Helens ist nicht erneut ausgebrochen. Die Vulkanwarnstufe blieb auf NORMAL, der Farbcode für die Luftfahrt auf GREEN, also Grün. Auch der am 16. Oktober veröffentlichte Wochenbericht bestätigte eine normale vulkanische Hintergrundaktivität.

Die Aschewolke stammt aus einer der größten Vulkankatastrophen der USA

Am 18. Mai 1980 ereignete sich am Mount St. Helens der tödlichste und wirtschaftlich folgenschwerste Vulkanausbruch in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Nach einem Erdbeben rutschte ein gewaltiger Teil der Nordflanke ab. Eine seitlich gerichtete Explosion verwüstete weite Teile der umliegenden Landschaft. Asche stieg kilometerhoch in die Atmosphäre und wurde vom Wind über große Entfernungen transportiert. 57 Menschen kamen bei der Katastrophe ums Leben.

Die Eruption veränderte den Berg dauerhaft. Sein Gipfel wurde um mehrere Hundert Meter niedriger, ein riesiger Krater entstand. Noch heute prägen kahle Flächen, vulkanische Ablagerungen und abgestorbene Baumstämme Teile der Landschaft.

Luftaufnahme des schneebedeckten Mount St. Helens mit seinem gewaltigen, hufeisenförmigen Vulkankrater

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Und genau darin liegt die Erklärung für die aktuelle Aschewolke: Ein Teil des Materials, das damals aus dem Vulkan geschleudert wurde, befindet sich weiterhin am Boden. Es kann durch Wind erneut in Bewegung geraten – auch Jahrzehnte später.

Wie Wind alte Vulkanasche wieder zum Fliegen bringt

Vulkanasche hat mit der weichen Asche aus einem Kamin wenig gemeinsam. Sie besteht aus winzigen Fragmenten von Gestein, Mineralien und vulkanischem Glas, die bei explosiven Eruptionen entstehen. Die Partikel sind hart, scharfkantig und teilweise so fein, dass sie leicht vom Wind erfasst werden können. Besonders günstig sind dafür trockene, schneefreie Bedingungen. Feuchtigkeit bindet die Partikel normalerweise am Boden. Fehlen Schnee und Regen, können kräftige Böen das lockere Material erneut aufwirbeln.

Wissenschaftler sprechen von Resuspension, also der Wiederaufwirbelung bereits abgelagerter Partikel. Dieses Phänomen ist keineswegs auf den Mount St. Helens beschränkt. Auch in anderen vulkanisch geprägten Regionen, etwa auf Island oder in Alaska, können alte Ascheablagerungen erneut in die Atmosphäre gelangen. Am Mount St. Helens kommt es immer wieder dazu. Wie häufig solche Aschewolken tatsächlich auftreten, lässt sich allerdings nicht zuverlässig mit einer bestimmten Zahl pro Jahr beantworten. Nicht jede Aufwirbelung wird weithin sichtbar oder führt zu einer offiziellen Warnmeldung.

Ein dokumentiertes Beispiel liegt erst gut ein Jahr zurück: Am 16. September 2025 meldete die USGS eine vergleichbare Aschewolke. Auch damals transportierten starke Winde altes vulkanisches Material über die Region. Auch damals transportierten starke Winde altes vulkanisches Material über die Region. Dass solche Ereignisse nach trockenen Sommermonaten auftreten können, ist nachvollziehbar. Auf vegetationsarmen Flächen liegt das lockere Material ungeschützt, während eine geschlossene Schneedecke vielerorts noch fehlt. Es braucht dann nur die entsprechenden Windverhältnisse.

Warum auch eine alte Aschewolke gefährlich werden kann

Dass keine neue Eruption stattfindet, bedeutet nicht, dass die Wolke ungefährlich wäre. Genau darauf weist die USGS ausdrücklich hin. Die feinen Aschepartikel können die Augen und Atemwege reizen. Besonders für Menschen mit Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen kann eine erhöhte Staubbelastung problematisch werden. Wer sich in einem betroffenen Gebiet aufhält, sollte starke körperliche Anstrengungen möglichst vermeiden und bei entsprechender Belastung eine gut sitzende Partikelschutzmaske tragen.

Auch der Straßenverkehr kann beeinträchtigt werden. Aufgewirbelte Asche reduziert die Sicht, kann Fahrbahnen rutschig machen und durch ihre abrasive Wirkung Fahrzeugteile beschädigen. Besonders empfindlich sind Luftfilter, Motoren und Windschutzscheiben. Wer bei Aschebelastung mit trockenen Scheibenwischern über die Scheibe wischt, riskiert Kratzer. Eine wichtige Rolle spielt die Asche außerdem in der Luftfahrt. Gelangen vulkanische Partikel in Flugzeugtriebwerke, können sie dort erhebliche Schäden verursachen. Deshalb sind entsprechende Warnmeldungen auch dann relevant, wenn die Asche nicht durch eine aktuelle Eruption in die Atmosphäre gelangt ist.

Für das Ereignis vom 15. Oktober veröffentlichte der National Weather Service eine Warninformation für den betroffenen Luftraum. Die USGS machte zugleich deutlich, dass der Vulkan selbst unverändert ruhig blieb. Konkrete Flugausfälle, Flughafenschließungen oder neue touristische Sperrungen durch die Aschewolke sind in den geprüften offiziellen Meldungen nicht dokumentiert.

Wie stark beeinträchtigt die Asche einen Besuch?

Für Besucher ist vor allem entscheidend, ob die Asche tatsächlich an ihrem Aufenthaltsort auftritt. Eine weithin sichtbare Wolke über dem Vulkan muss nicht bedeuten, dass sämtliche Wanderwege, Aussichtspunkte und Zufahrtsstraßen betroffen sind. Bei kräftigem Wind können aufgewirbelte Partikel lokal die Sicht verschlechtern und die Atemwege reizen. Besonders unangenehm kann das auf offenen, vegetationsarmen Flächen werden, auf denen der Wind ungehindert über die vulkanischen Ablagerungen streicht. In stärker belasteten Bereichen kann es sinnvoll sein, eine Wanderung abzubrechen oder auf einen anderen Streckenabschnitt auszuweichen. Anders sieht es aus, wenn die Asche lediglich in größerer Höhe transportiert wird und am jeweiligen Aufenthaltsort keine nennenswerte Belastung auftritt. Dann muss das Naturphänomen einen Ausflug nicht zwangsläufig beeinträchtigen.

Die am 15. Oktober gemeldete maximale Wolkenhöhe von 3.658 Metern bezog sich ausdrücklich auf den Meeresspiegel. Der Gipfel des Mount St. Helens liegt rund 2.549 Meter hoch. Die Wolke erreichte damit eine Höhe von etwa 1.100 Metern über Gipfelniveau. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, wie stark einzelne Wanderwege oder Besucherbereiche von Asche belastet waren. Für Bergsteiger war die Situation dennoch relevant. Das Mount St. Helens Institute wies in seinem Zustandsbericht vom 15. Oktober ausdrücklich darauf hin, dass auf der Gipfelroute mit aufgewirbelter Asche zu rechnen sei. Für den 17. Oktober wurden zudem deutlich kühlere Temperaturen, Niederschläge und schwierige Sichtverhältnisse erwartet. Wer den Vulkan besteigen möchte, muss deshalb neben möglichen Aschewolken vor allem die aktuellen Wetter- und Wegbedingungen berücksichtigen.

Welche Sehenswürdigkeiten am Mount St. Helens erreichbar sind

Der Mount St. Helens gehört zu den eindrucksvollsten Vulkanlandschaften Nordamerikas. Er liegt in der Kaskadenkette, rund 80 Kilometer Luftlinie nordöstlich von Portland, und ist Teil des Mount St. Helens National Volcanic Monument. Wanderwege führen durch die Landschaft, die beim Ausbruch von 1980 verwüstet wurde, vorbei an vulkanischen Gesteinsfeldern, jungen Wäldern und Aussichtspunkten mit Blick auf den gewaltigen Krater.

Allerdings ist einer der bekanntesten Aussichtspunkte derzeit nicht erreichbar. Das Johnston Ridge Observatory, das einen besonders spektakulären Blick auf den Krater bietet, ist seit Mai 2023 geschlossen. Damals zerstörte ein gewaltiger Erdrutsch einen Abschnitt der State Route 504 einschließlich einer Brücke. Die Straße ist weiterhin ab Meilenstein 45,2 gesperrt. Die Bauarbeiten sollen nach aktuellem Zeitplan im Frühjahr 2027 abgeschlossen sein. Anschließend muss das Observatory selbst noch instand gesetzt werden, bevor es wieder für Besucher öffnen kann. Ein verbindlicher Wiedereröffnungstermin steht nicht fest.

Ein Besuch des Nationalmonuments lohnt sich trotzdem. Über die State Route 504 sind weiterhin das Science and Learning Center at Coldwater, der Coldwater Lake und der Hummocks Trail erreichbar, sofern keine saisonalen Sperrungen greifen. Vom Science and Learning Center eröffnet sich ebenfalls ein eindrucksvoller Blick auf die Vulkanlandschaft. Der Hummocks Trail führt durch eine von der Eruption geformte Landschaft mit kleinen Hügeln und Seen. Auch an der Ost- und Südseite des Vulkans gibt es lohnende Ausflugsziele.

Wanderweg am Boundary Trail im Mount St. Helens National Volcanic Monument mit Hinweisschild zum Schutz der Vegetation.

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Dazu gehören Aussichtspunkte rund um Windy Ridge und die Ape Cave, eine begehbare Lavaröhre. Die Zufahrten und Wanderwege können allerdings saisonal geschlossen sein. Gerade im Herbst und Winter sind Wetter, Schnee und Straßenverhältnisse wichtige Faktoren bei der Planung.

Woran erkennt man einen neuen Vulkanausbruch?

Eine Aschewolke allein ist noch kein Beleg für einen Ausbruch. Vulkanologen berücksichtigen zahlreiche weitere Beobachtungen, darunter Erdbeben, Veränderungen der Erdoberfläche, Gasemissionen und Temperaturmessungen. Am Mount St. Helens überwacht das Cascades Volcano Observatory diese Messdaten kontinuierlich. Auch kleinere Erdbeben werden registriert, ohne dass sie zwangsläufig auf eine bevorstehende Eruption hindeuten.

Die amerikanische Geologiebehörde verwendet ein Warnsystem mit unterschiedlichen Gefahrenstufen. Für die Luftfahrt gibt es zusätzlich einen Farbcode. Grün bedeutet, dass sich der Vulkan auf seinem normalen Aktivitätsniveau befindet. Gelb weist auf erhöhte Unruhe hin, Orange auf verstärkte Aktivität beziehungsweise bestimmte Eruptionssituationen. Rot kennzeichnet die höchste Warnstufe.

Am Mount St. Helens blieb es Mitte Oktober 2026 bei Grün. Der Wochenbericht der USGS vom 16. Oktober bestätigte, dass sämtliche überwachten Vulkane der Kaskadenkette in Washington und Oregon normale Hintergrundaktivität zeigten.  Das Ereignis macht deutlich, wie lange die Folgen einer großen Eruption nachwirken können. Mehr als vier Jahrzehnte nach der Katastrophe von 1980 ist der Mount St. Helens zwar ruhig. Seine Vergangenheit kann der Wind aber jederzeit wieder aufwirbeln.

Nützliche Informationen für Reisende

Für die Planung eines Besuchs und die Einschätzung möglicher Gefahren bieten diese offiziellen und regionalen Informationsseiten aktuelle Angaben: Das Mount St. Helens Institute veröffentlicht auf seiner Website Hinweise zu Wetter, Aufstiegsroute und aktuellen Bedingungen am Berg.

Häufige Fragen

Ist der Mount St. Helens noch aktiv?
Ja. Der Mount St. Helens gilt als aktiver Vulkan und zählt zu den aktivsten Vulkanen der Kaskadenkette. Nach der verheerenden Eruption von 1980 kam es zuletzt zwischen 2004 und 2008 zu einer mehrjährigen Ausbruchsphase, in der ein neuer Lavadom entstand.
Wie hoch ist der Mount St. Helens heute?
Der Mount St. Helens ist nach einer neueren Vermessung rund 2.539 Meter hoch. Vor dem Ausbruch am 18. Mai 1980 erreichte er etwa 2.950 Meter. Durch den gewaltigen Erdrutsch und die anschließende Explosion verlor der Vulkan rund 400 Meter seiner ursprünglichen Höhe. Ältere Angaben nennen noch 2.549 Meter, doch eine Laservermessung von 2009 ergab 2.539 Meter.
Kann man auf den Gipfel des Mount St. Helens steigen?
Ja. In den schneefreien Monaten führt die beliebte Monitor-Ridge-Route über den Ptarmigan Trail von der Südseite zum Kraterrand. Der Aufstieg ist lang, steil und körperlich anspruchsvoll. Man sollte ungefähr acht bis zwölf Stunden für die gesamte Tour einplanen. Ein Climbing Permit ist ganzjährig erforderlich. Vom 1. April bis zum 31. Oktober sind die Genehmigungen begrenzt und müssen vorab über Recreation.gov gebucht werden. Zwischen November und März werden kostenlose Genehmigungen am Ausgangspunkt selbst ausgestellt. Im Winter sind alpine Erfahrung und entsprechende Ausrüstung nötig.
Braucht man eine Eintrittskarte oder einen Pass?
Für das gesamte Mount St. Helens National Volcanic Monument gibt es keine einheitliche Eintrittskarte. An vielen kostenpflichtigen Parkplätzen und Wanderwegen werden der Northwest Forest Pass oder der America the Beautiful Pass anerkannt. Alternativ sind teilweise Tagesgebühren möglich. Für den Gipfelaufstieg wird zusätzlich ein Climbing Permit benötigt. Dieses kostet während der begrenzten Saison von April bis Oktober derzeit 20 US-Dollar pro Person und Tag, zuzüglich einer Buchungsgebühr von sechs US-Dollar pro Reservierung.
Wann ist die beste Reisezeit für den Mount St. Helens?
Für Wanderungen und Ausflüge eignen sich besonders die Monate Juli bis September. In dieser Zeit sind viele höher gelegene Wege und Zufahrtsstraßen normalerweise schneefrei. Je nach Schneelage kann die Wandersaison bereits im Juni beginnen und bis in den Oktober reichen. Im Frühjahr liegt in höheren Lagen häufig noch Schnee, während im Herbst die ersten Wintereinbrüche möglich sind. Im Winter sind zahlreiche Straßen gesperrt und Gipfeltouren deutlich anspruchsvoller.
Gibt es Campingmöglichkeiten am Mount St. Helens?
Ja. Rund um den Vulkan gibt es mehrere Campingplätze, insbesondere im Gifford Pinchot National Forest. Viele davon sind nur während der wärmeren Monate geöffnet. Für Gipfelbesteiger ist der Bereich am Climbers Bivouac auf der Südseite ein wichtiger Startpunkt. Wer im geschützten Hinterland übernachten möchte, muss die jeweiligen Vorschriften beachten. Im Mount Margaret Backcountry ist beispielsweise während der Genehmigungssaison eine gesonderte Übernachtungsgenehmigung erforderlich.
Frank Störbrauck
Brasilien ist sein Ding. Hier feiert Frank gerne ausgelassene Strandpartys bis tief in die warme Nacht. Klar, die Copacabana ist dafür in aller Munde, ihn zieht es allerdings viel lieber nach Salvador, wo die Strände nicht weniger traumhaft sind. Pluspunkt dort: Die Partys sind kleiner und mit den Locals kommt man schneller ins Gespräch.