Die Auswahl beginnt mit fünf Strecken, die ihre ganze Wirkung erst hinter dem Lenkrad entfalten, von den Karpaten bis an den Pazifik. Danach folgen fünf Straßen, die Reisende am besten zu Fuß und ohne Eile erkunden.
Traumstraßen zum Fahren
Transfăgărășan, Rumänien
Ein Satz im Fernsehen machte ihn weltberühmt: »This is the best road in the world«, sagte Jeremy Clarkson 2009 in der BBC-Sendung »Top Gear«, als er mit seinen Kollegen über den Transfăgărășan fuhr. Seitdem pilgern Motorradfahrer und Roadtripper aus ganz Europa in die Südkarpaten. Die Straße DN7C windet sich in engen Serpentinen über das Făgăraș-Gebirge. Ihren höchsten Punkt erreicht sie mit 2.042 Metern am Bâlea-Tunnel, direkt neben dem Bâlea-See. Den Bau ordnete Nicolae Ceaușescu nach dem sowjetischen Einmarsch in die Tschechoslowakei 1968 an, Panzer sollten im Ernstfall schnell über die Berge kommen. Zwischen 1970 und 1974 entstand die Strecke, im September 1974 wurde sie eröffnet. Der Hochgebirgsabschnitt ist in der Regel von Ende Juni bis etwa zum 20. Oktober befahrbar, abhängig vom Wetter und nachts gesperrt. Schon Mitte Oktober kann am Bâlea-See Schnee liegen.

Foto: Umit Yildrim
Atlantikstraße, Norwegen
Die Atlanterhavsveien auf halbem Weg zwischen Molde und Kristiansund ist nur 8,3 Kilometer kurz, und doch planen viele Norwegen-Reisende ihre Route um sie herum. Sie verbindet die Insel Averøy mit dem Festland und springt dabei über acht Brücken von Schäre zu Schäre, direkt über dem offenen Meer. Die längste ist die 260 Meter lange Storseisundet-Brücke, die sich so steil aufschwingt, dass sie aus manchen Blickwinkeln im Nichts zu enden scheint. Seit Juli 1989 ist die Straße in Betrieb. Bei ruhigem Wetter fahren die Autos zwischen Inseln und Fischerhütten. Bei Herbststurm schlagen die Wellen bis auf die Fahrbahn, für viele Besucher die eindrucksvollste Zeit für einen Besuch.

Foto: Secret Travel Guide
Strada della Forra, Gardasee
Winston Churchill wird der Satz zugeschrieben, die Strada della Forra sei das achte Weltwunder. Belegt ist er nicht, aber wer die Straße gefahren ist, versteht, warum er sich hält. Sie führt auf knapp sechs Kilometern vom Seeufer bei Porto di Tremosine hinauf nach Pieve di Tremosine, mitten durch eine Schlucht. Geplant hat sie Arturo Cozzaglio, ein Ingenieur aus Tremosine. Von 1908 bis 1913 ließ er die Trasse in den Fels sprengen. Teils verläuft sie in Tunneln, teils so eng, dass zwei Autos nur mit Mühe aneinander vorbeikommen. Filmfans kennen die Kulisse aus dem Bond-Film »Ein Quantum Trost«, für den hier 2008 Teile der Verfolgungsjagd entstanden. Nach einem Erdrutsch ist die Straße seit März 2026 wieder offen. Für Anfang 2027 ist allerdings eine erneute Sperrung von rund zwei Monaten geplant.

Foto: Stefano Termanini/Shutterstock.com
Highway 1, Kalifornien
Die State Route 1 begleitet die Pazifikküste Kaliforniens über 1.055 Kilometer, von Dana Point im Süden bis Leggett im Norden. Unterwegs durchquert sie San Francisco und den Großraum Los Angeles. Ihr berühmtester Abschnitt ist Big Sur, dessen Name auf das spanische »el sur grande« zurückgeht, den großen Süden. Hier fallen die Berge der Santa Lucia Range fast senkrecht in den Ozean, und hinter jeder Kurve öffnet sich ein neuer Ausblick. Das bekannteste Fotomotiv ist die Bixby Bridge aus dem Jahr 1932. Nach einem Erdrutsch war die Strecke durch Big Sur fast drei Jahre lang unterbrochen, seit Januar 2026 ist sie wieder durchgehend befahrbar. Im Sommer 2026 sperrten Waldbrände sie vorübergehend, an mehreren Baustellen regeln Ampeln den Verkehr. Vor der Fahrt lohnt ein Blick auf die Meldungen der Verkehrsbehörde Caltrans.

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Bregagh Road, Nordirland
Um 1775 ließ James Stuart mehr als 150 Buchen entlang der Zufahrt zu seinem Landsitz Gracehill House pflanzen. Gut zwei Jahrhunderte später sind die Bäume so ineinander verwachsen, dass sie einen dunklen Tunnel über der Bregagh Road bilden. Weltberühmt wurden die Dark Hedges durch »Game of Thrones«. In der ersten Folge der zweiten Staffel stellen sie den Königsweg dar, auf dem Arya Stark Richtung Norden flieht. Seit 2017 ist die Allee für Autos und Busse gesperrt, Besucher gehen zu Fuß. Die Buchen sind alt, Stürme und Fällungen haben die Allee in den vergangenen Jahren gelichtet, heute stehen noch gut 70 Bäume. Wer die Allee ohne Game-of-Thrones-Fans erleben will, kommt früh am Morgen, am besten bei Nebel. Dann soll hier auch die Graue Lady umgehen, der Geist, der die Allee entlangschwebt und an ihrem Ende verschwindet.

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Traumstraßen zum Flanieren
Lombard Street, San Francisco
Berühmt ist eigentlich nur ein kurzer Abschnitt der Lombard Street in San Francisco: der Block zwischen Hyde und Leavenworth Street am Russian Hill. Mit 27 Prozent Gefälle war der Hang für Autos zu steil. 1922 legte die Stadt deshalb acht Haarnadelkurven an und senkte das Gefälle so auf rund 16 Prozent. Blumenbeete und Hortensien säumen die Kurven, Fußgänger nehmen die Treppen am Rand. In der Komödie »Is‘ was, Doc?« mit Barbra Streisand rasen die Verfolger die Kurven hinunter. Einen Block tiefer, in der Lombard Street 900, wohnt James Stewart als Scottie in Alfred Hitchcocks »Vertigo«.

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Champs-Élysées, Paris
1.910 Meter lang und 70 Meter breit ist die Avenue des Champs-Élysées zwischen dem Place de la Concorde und dem Triumphbogen. Den unteren Teil säumen Gärten, an denen der Grand Palais, der Petit Palais und das Gartentor des Élysée-Palasts liegen. Weiter oben reihen sich Flagshipstores, Kinos und Cafés aneinander. Die Ladenmieten gehören zu den höchsten der Welt: Im aktuellen Ranking des Immobilienberaters Cushman & Wakefield liegt die Avenue auf Platz fünf, hinter der New Bond Street in London und der Via Montenapoleone in Mailand. Ein Spaziergang kostet trotzdem nichts, und am schönsten ist er in der blauen Stunde, wenn der Triumphbogen angestrahlt wird. Mehr Tipps für Paris hat die Redaktion gesammelt.

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Caminito, Buenos Aires
Im Hafenviertel La Boca in Buenos Aires lebten Ende des 19. Jahrhunderts vor allem Einwanderer aus Italien, viele von ihnen Hafenarbeiter. Ihre Häuser bauten sie aus Holz und Wellblech. Der Legende nach strichen sie die Wände mit Farbresten von den Schiffen im Hafen, daher die Mischung aus Rot, Gelb, Blau und Grün. Am farbigsten ist der Caminito, eine Gasse von rund 150 Metern. Im Oktober 1959 eröffnete die Stadt sie als Freiluftmuseum, mitgestaltet vom Maler Benito Quinquela Martín. Heute tanzen dort Tangopaare für die Besucher.

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Chefchaouen, Marokko
Die Altstadt von Chefchaouen im Rif-Gebirge leuchtet in allen Schattierungen von Blau, von zartem Himmelblau bis zu tiefem Indigo. Gegründet hat die Stadt 1471 Moulay Ali Ben Rachid. Ganz so alt wie die Gassen ist das Blau allerdings nicht. Fotos aus der Kolonialzeit zeigen eine weiße Stadt, blau war damals vor allem das jüdische Viertel. Flächendeckend kam die Farbe erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, auch mit Blick auf die Touristen. Rund um das Blau ranken sich trotzdem viele Erzählungen. Mal heißt es, es halte Mücken fern, mal, es kühle die Häuser im Sommer. Sicher ist: Die Farbe zieht heute Fotografen aus aller Welt an. Am ruhigsten sind die Gassen früh am Morgen, bevor die Tagesbesucher kommen.

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Heerstraße, Bonn
Einmal im Jahr wird eine ganz normale Wohnstraße in der Bonner Altstadt zum Ziel von Besuchern aus aller Welt. Im April verwandeln japanische Zierkirschen der Sorte ›Kanzan‹ die Heerstraße und die benachbarte Breite Straße in einen rosa Tunnel. Gepflanzt wurden die Bäume in den 1980er-Jahren. Die volle Blüte dauert nur zehn bis 14 Tage, ihr genauer Zeitpunkt hängt vom Wetter ab. Dann sperrt die Stadt beide Straßen für den Autoverkehr. An Wochenenden drängen sich die Fotografen trotzdem dicht an dicht, ruhiger wird es unter der Woche und am frühen Morgen. Wann die Kirschen blühen, meldet die Website kirschbluete-bonn.de.

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