Foto: Djordje Vukojicic
Inspirationen

Die schönste Straße der Welt: 10 Traumstraßen zum Fahren und Flanieren

Welche Straße die schönste der Welt ist, darüber streiten Autofahrer, Fotografen und Flaneure seit Jahrzehnten. Für die einen zählt der perfekte Rhythmus aus Kurven und Ausblicken, für die anderen eine Allee, eine Gasse oder ein Boulevard, auf dem man langsam werden möchte. Zehn Kandidaten, die beide Lager überzeugen.

Die Auswahl beginnt mit fünf Strecken, die ihre ganze Wirkung erst hinter dem Lenkrad entfalten, von den Karpaten bis an den Pazifik. Danach folgen fünf Straßen, die Reisende am besten zu Fuß und ohne Eile erkunden.

Traumstraßen zum Fahren

Transfăgărășan, Rumänien

Ein Satz im Fernsehen machte ihn weltberühmt: »This is the best road in the world«, sagte Jeremy Clarkson 2009 in der BBC-Sendung »Top Gear«, als er mit seinen Kollegen über den Transfăgărășan fuhr. Seitdem pilgern Motorradfahrer und Roadtripper aus ganz Europa in die Südkarpaten. Die Straße DN7C windet sich in engen Serpentinen über das Făgăraș-Gebirge. Ihren höchsten Punkt erreicht sie mit 2.042 Metern am Bâlea-Tunnel, direkt neben dem Bâlea-See. Den Bau ordnete Nicolae Ceaușescu nach dem sowjetischen Einmarsch in die Tschechoslowakei 1968 an, Panzer sollten im Ernstfall schnell über die Berge kommen. Zwischen 1970 und 1974 entstand die Strecke, im September 1974 wurde sie eröffnet. Der Hochgebirgsabschnitt ist in der Regel von Ende Juni bis etwa zum 20. Oktober befahrbar, abhängig vom Wetter und nachts gesperrt. Schon Mitte Oktober kann am Bâlea-See Schnee liegen.

Der Transfăgărășan schlängelt sich zum Bâlea-See hinauf, umgeben von den Gipfeln der Südkarpaten

Foto: Umit Yildrim

Atlantikstraße, Norwegen

Die Atlanterhavsveien auf halbem Weg zwischen Molde und Kristiansund ist nur 8,3 Kilometer kurz, und doch planen viele Norwegen-Reisende ihre Route um sie herum. Sie verbindet die Insel Averøy mit dem Festland und springt dabei über acht Brücken von Schäre zu Schäre, direkt über dem offenen Meer. Die längste ist die 260 Meter lange Storseisundet-Brücke, die sich so steil aufschwingt, dass sie aus manchen Blickwinkeln im Nichts zu enden scheint. Seit Juli 1989 ist die Straße in Betrieb. Bei ruhigem Wetter fahren die Autos zwischen Inseln und Fischerhütten. Bei Herbststurm schlagen die Wellen bis auf die Fahrbahn, für viele Besucher die eindrucksvollste Zeit für einen Besuch.

Die Atlantikstraße in Norwegen mit der geschwungenen Storseisundet-Brücke über das Meer, dahinter Schären und Berge

Foto: Secret Travel Guide

Strada della Forra, Gardasee

Winston Churchill wird der Satz zugeschrieben, die Strada della Forra sei das achte Weltwunder. Belegt ist er nicht, aber wer die Straße gefahren ist, versteht, warum er sich hält. Sie führt auf knapp sechs Kilometern vom Seeufer bei Porto di Tremosine hinauf nach Pieve di Tremosine, mitten durch eine Schlucht. Geplant hat sie Arturo Cozzaglio, ein Ingenieur aus Tremosine. Von 1908 bis 1913 ließ er die Trasse in den Fels sprengen. Teils verläuft sie in Tunneln, teils so eng, dass zwei Autos nur mit Mühe aneinander vorbeikommen. Filmfans kennen die Kulisse aus dem Bond-Film »Ein Quantum Trost«, für den hier 2008 Teile der Verfolgungsjagd entstanden. Nach einem Erdrutsch ist die Straße seit März 2026 wieder offen. Für Anfang 2027 ist allerdings eine erneute Sperrung von rund zwei Monaten geplant.

Die Strada della Forra windet sich mit Natursteinmauern und Zypressen an der Felswand über dem Gardasee entlang

Foto: Stefano Termanini/Shutterstock.com

Highway 1, Kalifornien

Die State Route 1 begleitet die Pazifikküste Kaliforniens über 1.055 Kilometer, von Dana Point im Süden bis Leggett im Norden. Unterwegs durchquert sie San Francisco und den Großraum Los Angeles. Ihr berühmtester Abschnitt ist Big Sur, dessen Name auf das spanische »el sur grande« zurückgeht, den großen Süden. Hier fallen die Berge der Santa Lucia Range fast senkrecht in den Ozean, und hinter jeder Kurve öffnet sich ein neuer Ausblick. Das bekannteste Fotomotiv ist die Bixby Bridge aus dem Jahr 1932. Nach einem Erdrutsch war die Strecke durch Big Sur fast drei Jahre lang unterbrochen, seit Januar 2026 ist sie wieder durchgehend befahrbar. Im Sommer 2026 sperrten Waldbrände sie vorübergehend, an mehreren Baustellen regeln Ampeln den Verkehr. Vor der Fahrt lohnt ein Blick auf die Meldungen der Verkehrsbehörde Caltrans.

Highway 1 an der Küste von Big Sur in Kalifornien

Michael Urmann/Shutterstock.com

Bregagh Road, Nordirland

Um 1775 ließ James Stuart mehr als 150 Buchen entlang der Zufahrt zu seinem Landsitz Gracehill House pflanzen. Gut zwei Jahrhunderte später sind die Bäume so ineinander verwachsen, dass sie einen dunklen Tunnel über der Bregagh Road bilden. Weltberühmt wurden die Dark Hedges durch »Game of Thrones«. In der ersten Folge der zweiten Staffel stellen sie den Königsweg dar, auf dem Arya Stark Richtung Norden flieht. Seit 2017 ist die Allee für Autos und Busse gesperrt, Besucher gehen zu Fuß. Die Buchen sind alt, Stürme und Fällungen haben die Allee in den vergangenen Jahren gelichtet, heute stehen noch gut 70 Bäume. Wer die Allee ohne Game-of-Thrones-Fans erleben will, kommt früh am Morgen, am besten bei Nebel. Dann soll hier auch die Graue Lady umgehen, der Geist, der die Allee entlangschwebt und an ihrem Ende verschwindet.

Buchenallee Dark Hedges an der Bregagh Road in Nordirland

Andrzej Kwasny/Shutterstock.com

Traumstraßen zum Flanieren

Lombard Street, San Francisco

Berühmt ist eigentlich nur ein kurzer Abschnitt der Lombard Street in San Francisco: der Block zwischen Hyde und Leavenworth Street am Russian Hill. Mit 27 Prozent Gefälle war der Hang für Autos zu steil. 1922 legte die Stadt deshalb acht Haarnadelkurven an und senkte das Gefälle so auf rund 16 Prozent. Blumenbeete und Hortensien säumen die Kurven, Fußgänger nehmen die Treppen am Rand. In der Komödie »Is‘ was, Doc?« mit Barbra Streisand rasen die Verfolger die Kurven hinunter. Einen Block tiefer, in der Lombard Street 900, wohnt James Stewart als Scottie in Alfred Hitchcocks »Vertigo«.

Autos fahren die Kurven der Lombard Street in San Francisco hinab

Rafael Ramirez Lee/Shutterstock.com

Champs-Élysées, Paris

1.910 Meter lang und 70 Meter breit ist die Avenue des Champs-Élysées zwischen dem Place de la Concorde und dem Triumphbogen. Den unteren Teil säumen Gärten, an denen der Grand Palais, der Petit Palais und das Gartentor des Élysée-Palasts liegen. Weiter oben reihen sich Flagshipstores, Kinos und Cafés aneinander. Die Ladenmieten gehören zu den höchsten der Welt: Im aktuellen Ranking des Immobilienberaters Cushman & Wakefield liegt die Avenue auf Platz fünf, hinter der New Bond Street in London und der Via Montenapoleone in Mailand. Ein Spaziergang kostet trotzdem nichts, und am schönsten ist er in der blauen Stunde, wenn der Triumphbogen angestrahlt wird. Mehr Tipps für Paris hat die Redaktion gesammelt.

Champs-Élysées in Paris aus der Luft mit Blick auf den Triumphbogen

f11photo/Shutterstock.com

Caminito, Buenos Aires

Im Hafenviertel La Boca in Buenos Aires lebten Ende des 19. Jahrhunderts vor allem Einwanderer aus Italien, viele von ihnen Hafenarbeiter. Ihre Häuser bauten sie aus Holz und Wellblech. Der Legende nach strichen sie die Wände mit Farbresten von den Schiffen im Hafen, daher die Mischung aus Rot, Gelb, Blau und Grün. Am farbigsten ist der Caminito, eine Gasse von rund 150 Metern. Im Oktober 1959 eröffnete die Stadt sie als Freiluftmuseum, mitgestaltet vom Maler Benito Quinquela Martín. Heute tanzen dort Tangopaare für die Besucher.

Bunte Häuser am Caminito im Viertel La Boca in Buenos Aires

Jess Kraft/Shutterstock.com

Chefchaouen, Marokko

Die Altstadt von Chefchaouen im Rif-Gebirge leuchtet in allen Schattierungen von Blau, von zartem Himmelblau bis zu tiefem Indigo. Gegründet hat die Stadt 1471 Moulay Ali Ben Rachid. Ganz so alt wie die Gassen ist das Blau allerdings nicht. Fotos aus der Kolonialzeit zeigen eine weiße Stadt, blau war damals vor allem das jüdische Viertel. Flächendeckend kam die Farbe erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, auch mit Blick auf die Touristen. Rund um das Blau ranken sich trotzdem viele Erzählungen. Mal heißt es, es halte Mücken fern, mal, es kühle die Häuser im Sommer. Sicher ist: Die Farbe zieht heute Fotografen aus aller Welt an. Am ruhigsten sind die Gassen früh am Morgen, bevor die Tagesbesucher kommen.

Blaue Gasse in der Altstadt von Chefchaouen in Marokko

Vixit/Shutterstock.com

Heerstraße, Bonn

Einmal im Jahr wird eine ganz normale Wohnstraße in der Bonner Altstadt zum Ziel von Besuchern aus aller Welt. Im April verwandeln japanische Zierkirschen der Sorte ›Kanzan‹ die Heerstraße und die benachbarte Breite Straße in einen rosa Tunnel. Gepflanzt wurden die Bäume in den 1980er-Jahren. Die volle Blüte dauert nur zehn bis 14 Tage, ihr genauer Zeitpunkt hängt vom Wetter ab. Dann sperrt die Stadt beide Straßen für den Autoverkehr. An Wochenenden drängen sich die Fotografen trotzdem dicht an dicht, ruhiger wird es unter der Woche und am frühen Morgen. Wann die Kirschen blühen, meldet die Website kirschbluete-bonn.de.

Kirschblüte in der Heerstraße in der Bonner Altstadt

Matyas Rehak/Shutterstock.com

Häufige Fragen

Welche Straße gilt als schönste Straße der Welt?
Eine offizielle Wahl gibt es nicht. Am häufigsten fällt der Name Transfăgărășan in Rumänien, seit Jeremy Clarkson ihn 2009 in der BBC-Sendung »Top Gear« die beste Straße der Welt nannte.
Welche ist die längste Straße der Welt?
Die Panamericana verbindet Alaska mit Feuerland und gilt mit rund 30.000 Kilometern als längste Straße der Welt. Durchgehend befahrbar ist sie nicht: Im Darién-Gebiet zwischen Panama und Kolumbien fehlt ein Teilstück von rund 100 Kilometern.
Welche ist die steilste Straße der Welt?
Laut Guinness-Buch der Rekorde ist es die Baldwin Street im neuseeländischen Dunedin mit 34,8 Prozent Steigung. 2019 hatte kurzzeitig die Ffordd Pen Llech im walisischen Harlech den Titel, seit 2020 misst Guinness entlang der Mittelachse, und Dunedin liegt wieder vorn.
Ist die Lombard Street die kurvigste Straße der Welt?
Sie ist die bekannteste, doch selbst in San Francisco gilt vielen eine andere als kurviger. Die Vermont Street im Stadtteil Potrero Hill hat zwar weniger Kurven, dafür sind sie enger: Bei einer Messung 2014 kam sie auf einen deutlich höheren Kurvigkeitswert.
Frank Störbrauck
Brasilien ist sein Ding. Hier feiert Frank gerne ausgelassene Strandpartys bis tief in die warme Nacht. Klar, die Copacabana ist dafür in aller Munde, ihn zieht es allerdings viel lieber nach Salvador, wo die Strände nicht weniger traumhaft sind. Pluspunkt dort: Die Partys sind kleiner und mit den Locals kommt man schneller ins Gespräch.