Wer sich für eine Reise mit dem Schiff begeistert, dem steht nahezu die ganze Welt offen, vom sonnigen Mittelmeer bis in die Karibik. Am Ende der Reise landet allerdings oft ein Posten auf der Bordrechnung, den viele Gäste nicht auf dem Schirm hatten: das Trinkgeld.
Denn auch beim Trinkgeld an Bord gilt: andere Reedereien, andere Sitten. Bei einigen ist die Wertschätzung für die Crew bereits im Reisepreis enthalten, bei anderen kommt sie als Pauschale hinzu. Wieder andere stellen es ihren Gästen frei, ob sie Trinkgeld geben. Das sorgt bei vielen Reisenden für Verunsicherung. Kurzum: Es ist kompliziert.

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Aktuell: Carnival markiert Gäste mit vorab bezahltem Trinkgeld
Für Wirbel sorgt derzeit ein Test der US-Reederei Carnival Cruise Line. Wer dort die Trinkgeldpauschale schon vor der Reise bezahlt, bekommt einen Aufkleber auf die Bordkarte. Darauf steht »Crew Love«, darunter der Hinweis, dass das Trinkgeld im Voraus bezahlt wurde. Außerdem liegt für diese Gäste eine Dankeskarte in der Kabine. Gegenüber dem Kreuzfahrtportal Cruise Critic hat die Reederei die Sticker bestätigt und sie als Teil eines größeren Pilotprojekts bezeichnet.
Kritik gibt es vor allem an der sichtbaren Unterscheidung. Gäste ohne Aufkleber könnten als knausrig gelten, obwohl sie ihr Trinkgeld lediglich später zahlen. Zudem befürchten Kritiker, dass die Crew Gäste mit Sticker bevorzugt behandelt. Dabei heißt ein fehlender Aufkleber keineswegs, dass jemand kein Trinkgeld gibt. Denn wer nicht vorab zahlt, bekommt die Pauschale während der Reise automatisch auf das Bordkonto gebucht. Über die Diskussion hat auch Bild berichtet. Dieser Link führt auf die Seite von Bild.de.
Ist Trinkgeld auf der Kreuzfahrt Pflicht?
Ein klassisches Trinkgeld ist freiwillig. Ob Gäste an Bord trotzdem zahlen müssen, hängt allerdings von der Reederei ab. Feste oder automatisch erhobene Beträge gelten rechtlich als Bestandteil des Reisepreises. Das entschied ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2015. Bei einer Buchung über deutsche Veranstalter müssen solche Pflichtbeträge deshalb im Gesamtpreis enthalten sein. Bei Reedereien, die nicht in Deutschland ihren Sitz haben, sieht das wiederum anders aus.
Daher lassen sich die Trinkgeldregeln der Reedereien grob in drei Gruppen einteilen. Bei den einen ist das Trinkgeld im Reisepreis inklusive. Andere buchen es als Tagespauschale auf die Bordrechnung, und eine dritte Gruppe überlässt es ganz den Gästen.
Trinkgeld auf der Kreuzfahrt: bei AIDA und Mein Schiff inklusive
Zur ersten Gruppe gehören die beiden großen deutschen Reedereien AIDA Cruises und TUI Cruises mit ihrer Flotte Mein Schiff. Bei ihnen ist das Trinkgeld bereits im Reisepreis inbegriffen – die Gründe sind oben erläutert. Anders als bei vielen US-Reedereien fällt also keine Tagespauschale an. Verpönt ist ein zusätzliches Dankeschön deshalb allerdings nicht. »Wenn Sie außergewöhnlichen Service mit einem persönlichen Trinkgeld anerkennen möchten, können Sie am Abreisetag die Trinkgeldumschläge an der Rezeption dafür nutzen«, heißt es etwa bei AIDA.

Auch wenn das Trinkgeld im Preis enthalten ist, freut sich die Crew über eine persönliche Anerkennung. I Foto: Julia Sudnitskaya/Shutterstock.com
Ähnlich beschreibt TUI Cruises die Trinkgeldphilosophie auf Mein Schiff. An Bord müsse man sich »keine Gedanken um Trinkgelder machen, da sie schon im Reisepreis enthalten sind«, so die Reederei. Trotzdem können Gäste einer bestimmten Abteilung oder Person eine kleine Wertschätzung zukommen lassen: »Dazu finden Sie in Ihrer Kabine einen speziellen Trinkgeldumschlag, den Sie bei uns an der Rezeption abgeben können, damit wir ihn an die Person oder Abteilung weitergeben können.«
Wenn das Trinkgeld automatisch auf der Bordrechnung landet
Anders handhaben es vor allem die großen Reedereien aus den USA. Sie buchen das Trinkgeld automatisch auf die Bordrechnung, und zwar meist als Tagessatz pro Person. Wer eine Suite bewohnt, zahlt dabei in der Regel mehr. Außerdem steigen die Sätze regelmäßig. Carnival Cruise Line zum Beispiel hat die Pauschale im April 2026 um einen US-Dollar pro Tag angehoben, Celebrity Cruises im Juli 2026 um 1,50 US-Dollar.
| Reederei | Standardkabine | Suite |
|---|---|---|
| Carnival Cruise Line | 17 US-Dollar | 19 US-Dollar |
| Celebrity Cruises | 19,50 US-Dollar (Concierge Class und AquaClass: 20,50 US-Dollar) | 24,50 US-Dollar (The Retreat) |
| Royal Caribbean International | 18,50 US-Dollar | 21 US-Dollar |
| Norwegian Cruise Line | 20 US-Dollar | 25 US-Dollar (The Haven und Suiten) |
| MSC Cruises (Karibik und Alaska) | 17 US-Dollar | 23 US-Dollar (Yacht Club) |
Tagessätze pro Person, Stand: November 2026. Die Reedereien können die Sätze jederzeit ändern.
So handhaben MSC und Costa das Trinkgeld
Auch MSC berechnet eine solche Pauschale. Für Reisen in Europa gilt ein Richtwert von rund 10 Euro pro Person und Tag. Ähnlich hält es die italienische Reederei Costa Kreuzfahrten. Sie bucht 11 Euro pro Person und Nacht automatisch auf das Bordkonto, und zwar für alle Gäste ab 15 Jahren. Kinder von 4 bis 14 Jahren zahlen die Hälfte, jüngere Kinder nichts. Für Abfahrten ab dem 1. Dezember 2026 steigt der Satz auf 12 Euro, für Kinder auf 6 Euro. Ändern lässt sich die Pauschale bei Costa allerdings nicht, denn die Reederei erklärt sie zum festen Bestandteil des Reisepreises.
Hinzu kommt ein automatischer Aufschlag auf viele Extras. Royal Caribbean und Celebrity Cruises berechnen zum Beispiel 20 Prozent auf Getränke. Bei Carnival gilt derselbe Satz für Getränke und Spezialrestaurants, während MSC an der Bar 18 Prozent aufschlägt und Costa 15 Prozent auf Getränke.
Bei diesen Reedereien kannst du die Trinkgeld-Pauschale anpassen
Immerhin lässt sich die Tagespauschale bei einigen Reedereien anpassen oder streichen. Bei Royal Caribbean und Celebrity Cruises ist das an der Rezeption möglich, bei Celebrity allerdings nur bis zum Ende der Reise. Auch Carnival erlaubt seinen Gästen, die Höhe selbst zu bestimmen. MSC sieht die Pauschale dagegen als festen Betrag an und prüft Änderungen nur, wenn Gäste den Service beim Guest Relations Manager beanstanden.
Kritiker sehen in der automatischen Belastung eine versteckte Preiserhöhung, vor allem Gäste aus Ländern, in denen Trinkgeld freiwillig ist. Die Reedereien argumentieren dagegen, dass mit der Pauschale das gesamte Personal profitiert. Norwegian Cruise Line etwa nennt neben Kabinenstewards und Restaurantteams ausdrücklich die Crew hinter den Kulissen, die kaum Kontakt zu den Gästen hat.
Trinkgeld freiwillig: Hapag-Lloyd Cruises und Phoenix
In die dritte Gruppe fallen Reedereien, die es ihren Gästen freistellen, ob sie während oder nach der Kreuzfahrt Trinkgeld geben. Dazu gehört Hapag-Lloyd Cruises. Die Reederei schreibt: »An Bord sind Trinkgelder nicht obligatorisch. Die Anerkennung einer besonders guten Leistung ist jedem Gast freigestellt. Wenn Sie der gesamten Besatzung etwas zukommen lassen möchten, spenden Sie gern in die Crewkasse an der Reception.«
Auch bei Phoenix Reisen entscheiden die Gäste selbst. Dort liegt für das Trinkgeld ein Umschlag in der Kabine bereit, den Gäste am Ende der Reise abgeben können.

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So behalten Reisende die Trinkgeldkosten im Blick
Tipp von reisen EXCLUSIV: Vor der Buchung lohnt ein Blick in die Inklusivleistungen. Dort steht, ob das Trinkgeld im Reisepreis enthalten ist. Bei Reedereien mit Tagespauschale hilft außerdem eine kurze Rechnung. Zwei Personen zahlen bei 20 US-Dollar pro Tag auf einer siebentägigen Reise zusammen 280 US-Dollar.
Weitere Hinweise für die erste Reise auf dem Schiff hat reisen EXCLUSIV in den Kreuzfahrt-Tipps für Anfänger zusammengestellt.





