Auf Instagram sehen seine Kreationen aus wie Stillleben: eine Haselnuss, so glänzend wie frisch vom Baum, eine Grapefruit mit Poren in der Schale, eine Blume aus Hunderten gespritzten Cremeblättern. Erst das Messer verrät, dass hier ein Konditor am Werk war. Cédric Grolet hat die Trompe-l’œil-Pâtisserie nicht erfunden, aber er hat sie so perfektioniert, dass sein Name heute für ein ganzes Genre steht. Seine Adressen liegen fast alle in Grandhotels, von Paris über London bis Monte-Carlo.
Wer ist Cédric Grolet?
Cédric Grolet stammt aus Firminy, einer Kleinstadt bei Saint-Étienne. Schon als Jugendlicher verließ er die Schule und ging beim Dorfbäcker in die Lehre. Mit Anfang 20 zog er nach Paris und arbeitete fünf Jahre beim Feinkosthaus Fauchon, für das er neue Boutiquen im Ausland mit aufbaute.

Foto: Monte-Carlo Société des Bains de Mer – M.Chä
2011 wechselte er als Souschef ins Le Meurice, das Palasthotel an der Rue de Rivoli, ein Jahr später übernahm er dort die Leitung der Pâtisserie. Damals verantwortete Alain Ducasse die Küche des Hauses. 2017 kürte ihn Gault&Millau zum Pâtissier des Jahres, 2018 folgte der Titel »World’s Best Pastry Chef« der World’s 50 Best Restaurants. Heute führt Grolet ein Team von mehr als 400 Mitarbeitern.
Wofür ist er bekannt? Die Früchte von Cédric Grolet
Seine Fruchtskulpturen entwickelte Grolet ab 2012 im »Le Meurice«. Im Kern steckt ein Püree aus der jeweiligen Frucht, darum liegt eine Creme, außen eine dünne Hülle aus weißer Schokolade. Die Hülle wird gespritzt und von Hand bemalt, bis Farbe, Struktur und Glanz dem Original gleichen. Selbst der Stiel ist essbar.

Foto: Foto: Monte-Carlo Société des Bains de Mer – M.Chä
Hinter der Optik steckt eine Idee, die Grolet selbst als »nackte Pâtisserie« bezeichnet: Alles, was dem Fruchtgeschmack nichts hinzufügt, fliegt raus, also Biskuitböden, Füllmasse, überflüssiger Zucker. Die Optik locke die Kunden an, sagt er sinngemäß, zurück kämen sie wegen des Geschmacks. Neben den Früchten gehören die Blumen zu seinen Erkennungszeichen, Tartes mit Blütenblättern aus gespritzter Creme. Berühmt wurde auch sein Rubik’s Cube aus 27 einzelnen Törtchen.
Wo gibt es Cédric Grolet? Alle Patisserien
Paris, Le Meurice: Die erste eigene Boutique eröffnete Grolet im März 2018 in der Rue de Castiglione, direkt am Le Meurice. Wer danach noch bleiben möchte, findet das Hotel auch in unserer Auswahl der exklusivsten Hotelbars in Paris.
Paris, Opéra: 2019 folgte die Adresse an der Avenue de l’Opéra, eine Bäckerei-Pâtisserie mit Croissants, Brioches und Klassikern wie Mille-feuille und Éclair. Hier bilden sich die längsten Schlangen. 2024 kam in Paris ein eigenes Café hinzu. Von 18 deutschen Städten fahren übrigens Züge ohne Umsteigen nach Paris.
London, The Berkeley: 2022 eröffnete Grolet seine erste Patisserie außerhalb Frankreichs, im Hotel The Berkeley in Knightsbridge. Der Designer Rémi Tessier hat sie wie ein Labor gestaltet, mit poliertem Edelstahl und vergoldeter Decke. Am Counter spritzen die Pâtissiers die Kreationen vor den Augen der Gäste, im Café nebenan gibt es Frühstück und den französischen Goûter am Nachmittag.

Foto: Monte-Carlo Société des Bains de Mer
Monte-Carlo, Hôtel de Paris: Seit Juli 2025 betreibt Grolet im Patio des Hôtel de Paris einen Teesalon und eine Boutique. Er ist dort zugleich Executive Pastry Chef und verantwortet die Desserts aller Restaurants des Hauses, ausgenommen das Louis XV. Im Teesalon gibt es Frühstück, mittags Avocado-Toast und Jambon-Beurre-Baguettes, nachmittags Früchte und Blüten zur Tea Time. Mehrmals im Jahr kommen Kreationen hinzu, die es nur in Monaco gibt. Zu Weihnachten 2026 bietet die Boutique vom 7. bis 31. Dezember zwei Bûches de Noël an, »Teddy Bear« und »Snowman«, jeweils für sechs Personen zu 75 Euro. Die weihnachtliche Tea Time im Patio kostet ab 150 Euro pro Person. Mehr zum Fürstentum steht in unserem Monaco-Guide.
Saint-Tropez und Singapur: An der Côte d’Azur betreibt Grolet eine weitere Adresse in Saint-Tropez. 2023 eröffnete er in Singapur seine erste Patisserie in Asien, im Hotel COMO Orchard. Wie grün sich die Stadt drumherum entwickelt, zeigt unsere Reportage über Singapur.
Welche Törtchen sollte man bei Cédric Grolet probieren?
Eine Frucht: Die Fruchtskulpturen sind der Grund, warum die meisten kommen. Das Sortiment wechselt mit der Saison, in Monte-Carlo gab es im Frühjahr etwa eine Grapefruit, deren Hülle Frische, Bitterkeit und Süße zusammenbringt.

Das Pop Corn von Cédric Grolet musst du probieren. Foto: Calvin COURJON
Eine Blume: Die Blumen-Tartes, etwa mit Vanille, zeigen Grolets Spritztechnik am deutlichsten. Jedes Blütenblatt ist ein einzelner Cremetupfer.
Ein Klassiker: Grolet interpretiert französische Traditionsgebäcke neu, etwa den Paris-Brest, den er in Monte-Carlo als »Big Brest Hazelnut« mit Haselnuss im Mittelpunkt anbietet. Der Vergleich mit einer Frucht zeigt, wie viel Handwerk jenseits der Optik steckt.
Ein Croissant an der Opéra: Die Bäckerei-Seite seines Repertoires ist weniger fotogen, gehört aber zu dem, was Kenner an Grolet schätzen. Und die Schlange für Viennoiserie fällt morgens oft kürzer aus.

Foto: @Calvin COURJON
Original oder Supermarkt-Kopie?
Der Erfolg der Früchte hat Nachahmer auf den Plan gerufen. Lidl verkauft schokolierte Fruchtdesserts im Stil von Grolet für unter vier Euro, während ein Original in Paris bis zu 17 Euro kostet. Auch Konditoreien in Deutschland bieten eigene Versionen an, in Bayern etwa die Pâtisserie Süßwahn in Finning – schon seit zehn Jahren.

Im Stil von, heisst noch lange nicht in der gleichen Geschmacksliga. I Foto:alice_mcti/Shutterstock.com
Der wesentliche Unterschied liegt in der Herstellung. Die Supermarktvarianten kommen aus dem Tiefkühlregal und bestehen meist aus Eis. Grolets Teams fertigen jedes Stück täglich vor Ort von Hand, in begrenzter Stückzahl, und verkaufen es frisch. Wer also wissen will, worum es bei dem Hype ursprünglich ging, kommt an einem der Originale nicht vorbei.
Ist was dran am Hype um Cédric Grolet?
Für Grolet spricht, dass die Fachwelt ihn ausgezeichnet hat, bevor Instagram ihn zum Star machte. Gault&Millau und die World’s 50 Best Restaurants bewerten Handwerk, nicht Reichweite. Und das Le Meurice gehört zu den Häusern, in denen französische Pâtisserie auf höchstem Niveau entsteht.

Warteschlangen vor der Patisserie ist Normalität. I Foto: Alexandros Michailidis/Shutterstock.com
Gleichzeitig beherrscht Grolet die Spielregeln des Luxusmarkts. Begrenzte Stückzahlen, lange Schlangen und Preise, die eher an Mode erinnern als an Konditorei, gehören zum Konzept. Wer ohne Wartezeit probieren möchte, nutzt Click & Collect oder setzt sich in einen der Teesalons in den Hotels. In London und Monte-Carlo gibt es Sitzplätze, in Monaco allein knapp hundert im Patio und im Salon.
Das Fazit fällt deshalb zweigeteilt aus: Die Früchte sind handwerklich herausragend und ein Erlebnis, das Anstehen dafür eine Frage der Geduld. Wer nur einmal probiert, nimmt am besten eine Frucht und einen Klassiker. So lassen sich Inszenierung und Handwerk direkt vergleichen.


