Wenn ein Andenkondor über den Gipfeln Patagoniens seine Kreise zieht, wirkt selbst die gewaltige Berglandschaft für einen Moment wie eine Nebensache. Mehr als drei Meter können seine ausgebreiteten Flügel messen. Noch größere Spannweiten erreicht der Wanderalbatros, der über dem Südpolarmeer scheinbar mühelos Tausende Kilometer zurücklegt. Und dann wäre da noch der Afrikanische Strauß: Er kann zwar nicht fliegen, dafür aber beinahe drei Meter groß werden.
Die Vogelwelt hat einige beeindruckende Rekordhalter hervorgebracht. Allerdings ist nicht jeder große Vogel automatisch ein guter Flieger. Während Kondore und Albatrosse den Wind für ausgedehnte Gleitflüge nutzen, haben Strauße, Emus und Kasuare ihre Flugfähigkeit im Laufe der Evolution verloren. Wer diese Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum erleben möchte, muss mitunter weit reisen. Einige lassen sich auf Safaris oder bei Wanderungen relativ zuverlässig entdecken. Andere leben an den abgelegensten Orten der Erde und sind selbst für erfahrene Naturreisende eine Herausforderung.
Andenkondor: Der König über den Bergen Patagoniens
Eine Spannweite von mehr als drei Metern, ein Gewicht von bis zu 15 Kilogramm und eine Silhouette, die am Himmel kaum zu verwechseln ist: Der Andenkondor gehört zu den größten flugfähigen Vögeln der Erde. Besonders eindrucksvoll ist dabei, wie wenig Anstrengung ihn das Fliegen offenbar kostet. Statt ständig mit den Flügeln zu schlagen, nutzt er aufsteigende Luftströmungen. So kann er stundenlang über Tälern und Bergketten gleiten, ohne viel Energie aufzuwenden. Trotz seines majestätischen Auftretens ist der Andenkondor kein klassischer Jäger: Er ernährt sich hauptsächlich von Aas und übernimmt damit eine wichtige Rolle im Ökosystem.

Foto: buenaventura/Shutterstock.com
Wo kann man Andenkondore beobachten? Zu den schönsten Regionen zählt das chilenische und argentinische Patagonien. Besonders der Nationalpark Torres del Paine in Chile bietet gute Möglichkeiten. Hier kreisen die Vögel über den Granitgipfeln, an steilen Felswänden und gelegentlich über den Gletschern. Auch in Feuerland kommen Andenkondore vor, beispielsweise in den Bergregionen rund um den Beagle-Kanal. Allerdings sind Begegnungen dort weniger vorhersehbar. Wer gezielt Kondore beobachten möchte, sollte außerdem den Colca-Canyon in Peru ins Auge fassen.
Größe: bis etwa 1,30 Meter Körperlänge; Flügelspannweite über drei Meter.
Reisetipp: Im Torres-del-Paine-Nationalpark lohnt sich der Aussichtspunkt Mirador Cóndor. Für Patagonien sind die Monate November bis März besonders angenehm, weil dann auf der Südhalbkugel Sommer ist. Kondore können aber ganzjährig beobachtet werden.
Wanderalbatros: Ein Vogel mit Flügeln wie ein Segelflugzeug
Bei diesem Vogel ist nicht die Körpergröße entscheidend, sondern seine Flügelspannweite. Der Wanderalbatros hält den Rekord unter den heute lebenden Vogelarten: Bis zu 3,63 Meter wurden nach Angaben des Natural History Museum in London zuverlässig gemessen. Das entspricht nahezu der Länge eines Kleinwagens.
Seine langen, schmalen Flügel sind perfekt an die windreichen Gewässer des Südpolarmeers angepasst. Der Wanderalbatros nutzt den Wind über den Wellen und kann so enorme Strecken bewältigen. Manche Tiere legen innerhalb eines Jahres mehr als 100.000 Kilometer zurück.

Foto: Goldilock Project/Shutterstock.com
Wo kann man Wanderalbatrosse beobachten? Ihr Lebensraum erstreckt sich über weite Teile des Südlichen Ozeans rund um die Antarktis. Die Tiere brüten jedoch überwiegend auf subantarktischen Inseln, darunter Südgeorgien, die Kerguelen und die Macquarieinsel. Eine Möglichkeit, Wanderalbatrosse zu erleben, bieten Expeditionskreuzfahrten in die Gewässer um Südgeorgien. Die dortige Prion Island besitzt sogar einen ausgewiesenen Beobachtungsweg mit Blick auf Brutgebiete. Auch während Schiffspassagen durch die Drake-Passage zwischen Südamerika und der Antarktischen Halbinsel können große Albatrosse auftauchen.
Größe: Flügelspannweite bis etwa 3,63 Meter.
Reisetipp: Expeditionsreisen nach Südgeorgien werden hauptsächlich zwischen November und März angeboten. Wer Albatrosse möglichst unkompliziert beobachten möchte, findet auf Neuseelands Otago-Halbinsel bei Dunedin eine zugängliche Brutkolonie des ebenfalls riesigen Königsalbatros.
Afrikanischer Strauß: Der größte Vogel der Welt
Ein Strauß braucht keine Flügel, um zu beeindrucken. Der größte heute lebende Vogel erreicht eine Höhe von bis zu 2,75 Metern und kann mehr als 150 Kilogramm wiegen. Damit überragt er die meisten Menschen deutlich.
Fliegen kann der Strauß nicht. Dafür erreicht er beim Laufen Geschwindigkeiten von rund 70 Kilometern pro Stunde. Seine kräftigen Beine dienen nicht nur der Fortbewegung, sondern auch der Verteidigung. Anders als die meisten Vögel besitzt er an jedem Fuß lediglich zwei Zehen.

Foto: Mythic Hippo Photography/Shutterstock.com
Wo kann man Strauße beobachten? Besonders gute Möglichkeiten bietet das südliche Afrika. Im Etosha-Nationalpark in Namibia sind wild lebende Strauße in offenen Savannen- und Graslandschaften anzutreffen. Dort lassen sich die Tiere mit etwas Glück während einer Safari beobachten. Auch der Kruger-Nationalpark in Südafrika gehört zu den Gebieten, in denen Strauße frei leben.
Größe: bis etwa 2,75 Meter; Gewicht über 150 Kilogramm.
Reisetipp: Die trockeneren Monate von Mai bis Oktober sind in Namibia und im nordöstlichen Südafrika häufig günstig für Tierbeobachtungen, weil sich dann viele Tiere an Wasserstellen versammeln.
Krauskopfpelikan: Ein fliegender Riese mitten in Europa
Einer der größten flugfähigen Vögel lebt in Südosteuropa. Der Krauskopfpelikan erreicht eine Flügelspannweite von bis zu etwa 3,5 Metern und gehört damit in dieselbe Größenklasse wie die gewaltigen Albatrosse. Charakteristisch sind sein massiger Schnabel mit dem dehnbaren Kehlsack und das helle Gefieder. Zur Brutzeit bildet sich bei erwachsenen Tieren eine auffällige Federkrause am Hinterkopf, der die Art ihren deutschen Namen verdankt. Trotz seiner Größe wirkt der Pelikan im Flug erstaunlich elegant.

Foto: Paul Sawer/Shutterstock.com
Wo kann man Krauskopfpelikane beobachten? Ein besonders lohnendes Ziel ist der Kerkini-See im Norden Griechenlands, nahe der Grenze zu Bulgarien. Das Feuchtgebiet zählt zu den bekanntesten europäischen Beobachtungsplätzen für die Art. Bei geführten Bootstouren lassen sich die Vögel häufig aus guter Entfernung fotografieren. Auch am Skutarisee zwischen Montenegro und Albanien lebt eine bedeutende Population. Dort wurden eigens Brutplattformen geschaffen, um den Bestand zu schützen.
Größe: bis etwa 1,80 Meter Körperlänge; Flügelspannweite bis etwa 3,5 Meter.
Reisetipp: Besonders reizvoll ist der Kerkini-See im Winter und zeitigen Frühjahr. Dann sind Pelikane in ihrem prächtigen Brutkleid zu beobachten.
Riesentrappe: Der Schwergewichtler unter den fliegenden Vögeln
Bei der Riesentrappe stellt sich unweigerlich die Frage, wie ein so schwerer Vogel überhaupt abheben kann. Große Männchen bringen bis zu etwa 18 Kilogramm auf die Waage. Damit gehört die afrikanische Riesentrappe zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Erde. Anders als Kondore oder Albatrosse ist sie allerdings kein ausdauernder Segelflieger. Die meiste Zeit verbringt sie am Boden, wo sie gemächlich durch Savannen und Graslandschaften streift und nach Insekten, kleinen Wirbeltieren und Pflanzenteilen sucht. Bei Gefahr kann sie durchaus auffliegen, bevorzugt aber ein Leben auf festem Untergrund.

Foto: Roger de la Harpe/Shutterstock.com
Wo kann man Riesentrappen beobachten? Gute Möglichkeiten bieten der Etosha-Nationalpark in Namibia und der Kruger-Nationalpark in Südafrika. Beide Schutzgebiete beherbergen die Art. Wer gezielt nach Riesentrappen sucht, sollte sich auf offene Grasflächen konzentrieren. In dichtem Buschland sind die großen, überwiegend braun gefärbten Vögel erstaunlich schwer auszumachen.
Größe: bis etwa 1,20 Meter hoch; große Männchen bis etwa 18 Kilogramm schwer.
Reisetipp: Die Art lässt sich gut mit einer klassischen Safari verbinden. Ein Fernglas gehört unbedingt ins Gepäck, denn Riesentrappen halten sich häufig weit entfernt von den Fahrwegen auf.
Helmkasuar: Australiens Vogel aus der Urzeit
Ein leuchtend blauer Kopf, rote Hautlappen am Hals und ein hornartiger Helm: Der Helmkasuar sieht aus, als hätte er die Zeit der Dinosaurier nur knapp verpasst. Tatsächlich gehört auch er zu den großen flugunfähigen Laufvögeln und kann bis zu zwei Meter hoch werden. Vor allem sein kräftiger Körperbau macht ihn zu einer beeindruckenden Erscheinung. Weibchen erreichen Gewichte von bis zu 76 Kilogramm. An den Füßen besitzen Kasuare lange, scharfe Krallen, mit denen sie sich bei Bedrohung verteidigen können. Für den Regenwald ist der Kasuar ausgesprochen wichtig. Er frisst Früchte und verbreitet deren Samen über große Entfernungen. Manche Pflanzen profitieren besonders von dieser Form des natürlichen Transports.

Foto: David Havel/Shutterstock.com
Wo kann man Helmkasuare beobachten? Eine der bekanntesten Regionen liegt im Nordosten Australiens, rund um den Daintree-Nationalpark und Mission Beach in Queensland. Dort leben die Tiere in tropischen Regenwäldern.
Größe: bis etwa zwei Meter hoch.
Reisetipp: Im Gebiet von Mission Beach führen Wanderwege durch geeignete Lebensräume. Wer einen Kasuar entdeckt, sollte unbedingt Abstand halten, ihn keinesfalls füttern und ihm einen Fluchtweg lassen. Die australischen Nationalparkbehörden warnen ausdrücklich vor gefährlichen Begegnungen, nicht umsonst gilt das Tier als der gefährlichste Vogel der Welt.
Kaiserpinguin: Der größte Pinguin der Erde
Während seine fliegenden Verwandten durch die Luft gleiten, hat der Kaiserpinguin eine andere Fortbewegungsart perfektioniert. Unter Wasser wird er zum ausgezeichneten Schwimmer und Taucher.
Mit einer Höhe von etwa 1,15 Metern und einem Gewicht von teilweise mehr als 40 Kilogramm ist er der größte heute lebende Pinguin. Besonders bemerkenswert ist seine Fortpflanzung: Kaiserpinguine brüten während des antarktischen Winters unter extremen Bedingungen. Die Männchen balancieren das Ei auf ihren Füßen und schützen es unter einer warmen Hautfalte.

Foto: vladsilve/Shutterstock.com
Wo kann man Kaiserpinguine beobachten? Kaiserpinguine brüten meist auf dem Meereis rund um die Antarktis. Ihre Kolonien liegen weit entfernt von den üblichen Routen der Kreuzfahrtschiffe. Zu den wenigen Orten, die im Rahmen spezieller Expeditionen besucht werden können, gehört die Region um Snow Hill Island im Weddellmeer. Einige Anbieter organisieren Reisen mit eisverstärkten Schiffen und Hubschraubern, um sich den Brutkolonien zu nähern. Selbst bei solchen Spezialreisen entscheiden Wetter und Eisverhältnisse darüber, ob eine Beobachtung möglich ist. Auf gewöhnlichen Antarktiskreuzfahrten sind dagegen vor allem Eselspinguine, Zügelpinguine und Adeliepinguine anzutreffen. Kaiserpinguine gehören nicht zum typischen Sichtungsprogramm.
Größe: bis etwa 1,15 Meter; Gewicht teilweise mehr als 40 Kilogramm.
Reisetipp: Spezialexpeditionen zu Kaiserpinguinen finden unter anderem im Oktober und November statt. Die Reisen sind aufwendig, teuer und verlangen Flexibilität, weil Anlandungen oder Hubschrauberflüge kurzfristig ausfallen können.
Schuhschnabel: Ein Urzeitvogel in Ugandas Sümpfen
Ein Blick auf seinen Schnabel genügt, um zu verstehen, warum der Schuhschnabel seinen Namen trägt. Der wuchtige, fast schuhförmige Schnabel verleiht dem bis zu etwa 1,50 Meter großen Vogel ein Erscheinungsbild, das eher an ein prähistorisches Wesen als an einen Wasservogel erinnert. Der Schuhschnabel lebt in den ausgedehnten Sumpfgebieten Ost- und Zentralafrikas. Dort steht er oft minutenlang völlig regungslos im flachen Wasser, bis sich ein Fisch nähert. Dann schlägt er blitzschnell zu. Besonders gern erbeutet er Lungenfische, die in den sauerstoffarmen Gewässern seines Lebensraums vorkommen.

Foto: Albert Schweitzer/Shutterstock.com
Wo kann man Schuhschnäbel beobachten? Uganda ist eines der bekanntesten Reiseziele für Begegnungen mit dieser seltenen Vogelart. Besonders das Mabamba-Sumpfgebiet am Viktoriasee, nicht weit von Entebbe entfernt, gilt als guter Beobachtungsplatz.
Größe: bis etwa 1,50 Meter hoch.
Reisetipp: Frühmorgendliche Bootsausflüge bieten gute Bedingungen für die Vogelbeobachtung.


