Sie funkelt, sie strahlt, sie ist sexy – Buenos Aires schafft das, was anderen la­tein­am­erikanischen Metropolen so schwerfällt: Sie zieht den Besucher augenblicklich in ihren Bann. Text: Andreas Dauerer

Gute Luft sucht man vergeblich

Der Name trügt etwas. Wenn man es ganz genau nimmt, übertreibt er schamlos. Gute Luft nämlich sucht man in Buenos Aires fast schon vergeblich. Dafür aber bekommt der Besucher ganz andere Dinge in Argentiniens Stadt der Superlative zu sehen: die breiteste Straße etwa, den breitesten Fluss, das schönste Theater, unzählige Bildnisse des weltbesten Fußballers und, sollte es noch nicht hinlänglich bekannt sein, das beste Fleisch. Und die Liste ist für die Porteños, wie die Bewohner von Buenos Aires auch genannt werden, natürlich längst nicht an ihrem Ende angelangt.

Gemeinschaft? Oft nicht

Wer meint, dass derlei Größenwahn die Menschen hier in unnatürlichem Maße verdorben haben könnte, der irrt. Zwar fühlen sich die Bewohner für einen kurzen Augenblick innig verbunden, wenn ihr Nationalteam, die Albiceleste, zu einem Match antritt. Aber den Rest der Zeit sind sie eher damit beschäftigt, ihre eigene Identität zu suchen. Doch dieser Umstand lehrte das doch sehr junge Einwanderungsland eine gehörige Portion Demut. Die Mischung aus Melancholie und Gleichmut, gepaart mit einer Prise Emotionalität, ist hier so einzigartig zu spüren und macht einen Aufenthalt so interessant. Ihren Höhepunkt finden diese Charakteristika im Tango. Natürlich. Und nebenher wieder ein Superlativ. Denn wer kann schon behaupten, musikalische Granden wie Carlos Gardel, Astor Piazolla oder Roberto Goyeneche, um nur einige wenige zu nennen, in seiner eigenen Stadt beim Großwerden zugesehen zu haben?

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Bunte Eindrücke an jeder Ecke

Den so erhabenen Tanz spürt man immer noch in San Telmo am deutlichsten. Dort, wo die Tanzschuldichte ungewöhnlich hoch und das alte Hafen- und Maradona-Viertel La Boca nur noch einen Steinwurf weiter entfernt ist. Wenn die Sonne frühmorgens noch nicht hoch über allen Häuserdächern brennt und die alten, dicken Wände noch ein wenig Schatten spenden, ist die beste Zeit, um der Calle Defensa einfach hinterherzulaufen. Am besten vom rosaroten Rathaus aus.

Belohnt wird man zwar nach wie vor nicht mit guter Luft, aber mit Eindrücken, die für diese Stadt so herrlich typisch sind. Die bunten Busse rauschen rücksichtslos an einem vorbei, die letzten Kartonsammler fahren in riesigen Leiterwagen ihre Papier- und Papperrungenschaften weg, um sie irgendwo in der Peripherie der Stadt zu verkaufen, und in den Bars scheinen sich irgendwie alle zu treffen. Natürlich, um Kaffee samt Medialunas zu frühstücken, dem argentinischen Pendant zum französischen Croissant, um ein bisschen zu quatschen, und selbst piekfeine Geschäftsleute sitzen herum, um entweder eine Pause einzulegen oder ihrer Arbeit nachzugehen. Daneben Gäste, die in ihre Zeitung vertieft sind, oder andere, die das ganze Drumherum einfach beobachten wollen.

Wer Tango tanzen möchte, sollte das hier tun

Vorbei geht’s am nach kaltem, feuchtem Holz riechenden Antikmarkt und weiter am Restaurant »El gato negro«, bis man endlich rechter Hand den Plaza Dorrego erreicht. An Wochenenden kann es auf dem kleinen Platz mitunter sehr voll werden. Dann nämlich verwandelt er sich in eine einzige Freiluft-Milonga. Wer Tango tanzen möchte, der kann und sollte das hier einmal tun. Freilich sind es aber die vielen professionellen Tangopaare, derentwegen man wirklich hierherkommt. Anmutig schweben sie über das staubige Pflaster, ihre Blicke oszillieren zwischen der ewig verlorenen oder ewig suchenden Liebe, und fast vergisst man die Stimme Goyeneches, begleitet vom tangotypischen Bandoneon, das aus den kleinen, klapprigen Lautsprechern mehr schlecht als recht wimmert. Das Publikum hingegen taucht ein in diese schöne, bisweilen etwas bizarre Tangoszenerie, angesteckt von der Erhabenheit und Melancholie des Tanzes und klatscht kräftig, wenn ein Lied zu Ende gegangen ist. Aber allein wegen der Tänzer lohnt sich ein Besuch dort, denn die können wirklich tanzen, und das ist bei mancher Tangoshow, die vom Reiseführer angepriesen wird, nicht immer der Fall.

Geniessen, sehen, erleben, probieren – Buenos Aires spricht alle Sinne an

Egal, ob man mitgetanzt oder nur zugeguckt hat, als ideale Verschnaufpause sollte man dann einen der vielen schattenspendenden Parks ansteuern. Entweder geht man die Defensa schnurstracks weiter in Richtung La Boca zum Parque Lezama, oder man nimmt den Bus in Richtung Recoleta. Dort kann man am Grab von María Eva Duarte de Perón, besser bekannt als Evita, vorbeischauen und die Architektur der imposanten Mausoleen auf sich wirken lassen. Unweigerlich fährt man herunter. Man ist zwar immer noch im Herzen der Stadt, aber hier scheint sie auf einmal unheimlich weit weg zu sein.

Straßenmusiker in Buenos Aires

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Das ändert sich jedoch wieder schlagartig, wenn man die dicken Mauern des Friedhofs verlässt und auf den kleinen Markt am Parque Recoleta gelangt. Ein buntes Treiben mit Jongleuren, Musikern und Marktständen verschluckt einen dann regelrecht. Einige Verkäufer tragen überdimensionierte Körbe auf Kopf oder Schultern durch die Gegend, und es wird höchste Zeit, um sie mit einer Handbewegung auf sich aufmerksam zu machen. Denn in den Körben verstecken sie das hervorragende Pan Relleno, das man unbedingt probieren sollte – gefülltes Brot mit Tomate, Basilikum und Mozzarella, wahlweise aber auch mit Fleisch- oder Käsefüllung. Wichtig ist, dass das Brot noch warm ist. Dann nämlich zergeht beim ersten Biss der Inhalt auf der Zunge. Dazu noch einen frisch gepressten Orangensaft von einem der fahrenden Händler, und man kann sich gestärkt an die weitere Stadterkundung machen.

Das beste Fleisch der Welt

Doch was muss man in Buenos Aires wirklich alles gesehen haben? Den Obelisk auf der Plaza de la República? Das Teatro Colón, in dem schon José Carreras oder Luciano Pavarotti gesungen haben und das so aufwendig modernisiert wurde? Oder das Tigre Delta mit den unzähligen Inseln, wo man einen guten Mückenschutz braucht, um es überhaupt dort auszuhalten? Die Antwort lautet: In jedem Falle alles. Aber wer kein Stück Fleisch vom Grill gegessen hat, der hat etwas Gewichtiges verpasst. Asado nennen die Argentinier ihre Grillkunst, und wer es nicht probiert hat, wird nie sagen können, ob man hier tatsächlich das bes­te Fleisch der Welt essen kann. Die Porteños würden das natürlich sofort bejahen, obwohl auch sie wissen, dass das beste Fleisch für den Export vorgesehen ist. Aber ein bisschen Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk.

Das beste Fleisch der Welt

Andreas Dauerer

Nur vom Feinsten

Abfall bekommt man jedoch ganz und gar nicht zu kaufen. Weder beim Metzger, noch in den unzähligen Restaurants der Stadt. Hier hat man die Qual der Wahl, und vielleicht könnte ausnahmsweise ein Blick in den Reiseführer nicht schaden, wobei man in fast keinem Restaurant etwas falsch machen kann. Selbst wenn man nur wegen des saftigen Lomos, dem Filet, gekommen ist, sollte man auch die anderen Sachen probieren. Die zarte Blutwurst oder die kräftigen Chorizos, Innereien wie Kalbsbries oder Chinchulines, Stücke vom Darm, und nicht zu vergessen, die Provoleta, der gegrillte Provolone-Käse, der in der Regel als Vorspeise auf den Tisch kommt. Dazu ein dunkler Rotwein aus Mendoza, und dem Genuss sind keine Grenzen gesetzt. Außer vielleicht durch einen Blick auf die Uhr, denn so ein Asado kann schon mal mehrere Stunden dauern.

Anreise. Lufthansa fliegt einmal täglich von Frankfurt a. M. nach Buenos Aires, www.lufthansa.de. Auch die argentinische Aerolíneas Argentinas unterhält tägliche Verbindungen von Deutschland aus, mit Umstieg in Madrid oder Barcelona, www.aerolineas.com.ar.

Unterkunft. Exklusiv schläft man im Faena Hotel: DZ in der Premium Suite ab 258 € . Imperial Suite mit zwei Schlafzimmern, Jacuzzi und vier Terrassen ab 3.975 € . www.faenahotelanduniverse.com

Ausgehen. Das Viertel Palermo eignet sich bestens dafür: Im Karree zwischen der Av. Santa Fe und Córdoba sowie Juan B. Justo und Dorrego finden sich viele Bars, Restaurants und Clubs. Auch rund um die Plazoleta Cortázar gibt es viele Ausgehmöglichkeiten.

Infos. Fremdenverkehrsamt Argentinien, www.bue.gov.ar

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